Parmenides.
Parmenides war ein Schüler des Xenophanes (geboren etwa 515 v. Chr. zu
Elea). Auch er legte seine philosophischen Gedanken in poetischer Form
nieder, indem er ein Lehrgedicht »über die Natur« verfaßte.
Dasselbe zerfiel in zwei Hauptteile, in die Lehre vom Sein (der Wahrheit)
und vom Schein. Das Nichts kann kein Objekt des Denkens sein. Folglich ist
Denken und Sein identisch. Das Seiende kann ferner nicht anfangen oder
aufhören, zu sein. Denn es kann doch aus dem Nichtseienden nicht entstanden
sein und also auch nicht in Nichtsein übergehen. Es ist ferner unteilbar
und unbeweglich, _und da es nicht unvollendet und mangelhaft sein kann,
muß es begrenzt sein_. Obwohl nun Parmenides für seiend nur dieses Eine
unteilbare, den Raum ausfüllende, unbewegliche Wesen erklärt, geht er doch
im zweiten Teil seines Gedichtes auf die »nichtseiende« Erscheinungswelt
über, um seine »Ansichten« über dieselbe darzustellen. Er betont dabei
ausdrücklich, daß diese Ansichten keine philosophische Wahrheit im engsten
Sinne, sondern nur die Gestalt bieten, in welcher in dem denkenden Geiste
die nicht seiende Erscheinungswelt sich spiegelt.
Seine kosmologische Anschauung scheint sich von der pythagoräischen nicht
unterschieden zu haben.
Doch werden uns neben diesen einige nicht uninteressante anthropologische
Bemerkungen überliefert. So soll er sich die erste Entstehung des Menschen
als eine Entwickelung aus dem Erdschlamm durch die Sonnenwärme
herbeigeführt gedacht haben.
Überhaupt aber scheint er, insofern der Vorläufer der Naturphilosophie des
Telesius[569], alle Erscheinungen der Natur aus zwei unveränderlichen
Gegensätzen, die Aristoteles als Warmes und Kaltes, als Feuer und Erde
bezeichnet, abgeleitet zu haben. Von diesen beiden, bemerkt Aristoteles
weiter, stellte er das Warme mit dem Seienden, das Kalte mit dem
Nichtseienden in Parallele. Alle Dinge sind ihm aus diesen Gegensätzen
gemischt; je mehr Feuer, destomehr Sein, Leben und Bewußtsein.