3. »Sie beweint die Erde und mit ihnen zugleich ihre Kinder.«

Plethon kommentiert diesen Spruch folgendermaßen:

»Diejenigen, welche dieser Mahnung nicht folgen, werden von der Erde

beklagt. Unter der Erde ist aber hier die irdische Natur verstanden, welche

eine Folge der Unvollkommenheit ist, denn das irdische Leben ist eine

Strafe. Darum beweint die Erde auch die Kinder der Unvollkommenheit, denn

die Eltern pflanzen ihre sündhaften Begierden auf die Kinder fort; die

Tugendhaften befleißigen sich eines keuschen Wandels.«

Während also Plethon obigen Spruch mit Bezugnahme auf die Reincarnations-

und Vererbungstheorie deutet, so kommentieren ihn der Anonymus und Psellos

nur in Hinsicht auf die Wiederverkörperung. Ich kann ihre Aussprüche hier

übergehen.

Der nächste Aphorismus, ebenfalls ohne Zusammenhang mit den übrigen, findet

sich nur in der ersten Fassung und lautet:

»Die Ausklopfer der Seele, welche ihr aufzuathmen möglich machen, sind

auflösender Art.«

Der Kommentar sagt:

»Unter den 'Ausklopfern der Seele', welche hier unter dem Bilde eines

Kleides eingeführt sind, werden die Vernunftgründe verstanden, welche, wenn

sie Eingang in die Seele finden, den Staub der Leidenschaften und alle

bösen Neigungen aus ihr heraustreiben. Ihre auflösende Art besteht darin,

daß sie von den Schlacken reinigen, welche die Seele von ihrer Hülle, der

unreinen Materie, an sich zieht.«

Ich bemerke hierzu, daß auch die Kabbala das Bild von den »Ausklopfern der

Seele« kennt, welche der Seele im Moment des Todes den letzten schweren

»Grabschlag« (+Chibbut Hakkeber+) erteilen. Da die Kabbala zum großen Teil

im Zoroastrismus wurzelt, so ist diese Stelle ein Beweis für das hohe Alter

unserer Aphorismen.

Der neunte auch zusammenhanglose Aphorismus, bei Psellos der zwölfte und

bei Plethon ebenfalls der neunte lautet:

Der Occultismus des Altertums · 第 102 / 155 题