Plethon kommentiert diesen Spruch folgendermaßen:
»Diejenigen, welche dieser Mahnung nicht folgen, werden von der Erde
beklagt. Unter der Erde ist aber hier die irdische Natur verstanden, welche
eine Folge der Unvollkommenheit ist, denn das irdische Leben ist eine
Strafe. Darum beweint die Erde auch die Kinder der Unvollkommenheit, denn
die Eltern pflanzen ihre sündhaften Begierden auf die Kinder fort; die
Tugendhaften befleißigen sich eines keuschen Wandels.«
Während also Plethon obigen Spruch mit Bezugnahme auf die Reincarnations-
und Vererbungstheorie deutet, so kommentieren ihn der Anonymus und Psellos
nur in Hinsicht auf die Wiederverkörperung. Ich kann ihre Aussprüche hier
übergehen.
Der nächste Aphorismus, ebenfalls ohne Zusammenhang mit den übrigen, findet
sich nur in der ersten Fassung und lautet:
»Die Ausklopfer der Seele, welche ihr aufzuathmen möglich machen, sind
auflösender Art.«
Der Kommentar sagt:
»Unter den 'Ausklopfern der Seele', welche hier unter dem Bilde eines
Kleides eingeführt sind, werden die Vernunftgründe verstanden, welche, wenn
sie Eingang in die Seele finden, den Staub der Leidenschaften und alle
bösen Neigungen aus ihr heraustreiben. Ihre auflösende Art besteht darin,
daß sie von den Schlacken reinigen, welche die Seele von ihrer Hülle, der
unreinen Materie, an sich zieht.«
Ich bemerke hierzu, daß auch die Kabbala das Bild von den »Ausklopfern der
Seele« kennt, welche der Seele im Moment des Todes den letzten schweren
»Grabschlag« (+Chibbut Hakkeber+) erteilen. Da die Kabbala zum großen Teil
im Zoroastrismus wurzelt, so ist diese Stelle ein Beweis für das hohe Alter
unserer Aphorismen.
Der neunte auch zusammenhanglose Aphorismus, bei Psellos der zwölfte und
bei Plethon ebenfalls der neunte lautet: