A. E.

Vermischte Nachrichten.

160) Vor Kurzem wurde, wie die „Brünner Zeitung“ mittheilt, auf dem

Damme der im Baue befindlichen Eisenbahn „Neutitschein-Zauchtl“, in

der Nähe des Banerbrünnleins, von einem Realschüler eine Steinaxt

gefunden. Dieselbe, aus einem grünlichen, dichten Gesteine gefertigt,

ist regelmäßig poliert und vollkommen erhalten. Vor einigen Jahren

wurde ein ähnliches, etwas kleineres Beil auch in Kunewald gefunden. In

Stramberg wurde auf dem Scheitel des Kotouč eine durchbohrte Steinkugel

und beim Eingange in die „Čertowa Dira“ ein ebenfalls durchbohrter

Hammer gefunden.

(Wiener Ztg., Nr. 266.)

161) +Frankenstein+, 6. December. Von dem Thierarzt Joger hierselbst,

einem eifrigen Sammler von Alterthümern und seltenen Steinarten,

ist bei +Töpliwode+, in nördlicher Richtung von dem dortigen sog.

Buchwalde, in der Nähe eines kleinen Baches auf dem Acker des

Gutsbesitzers Schlotte daselbst +ein Urnenfeld aufgefunden+ worden,

welches sich nach den von Herrn Joger angestelltes Nachforschungen

über eine Fläche von ungefähr 3 bis 4 Morgen erstreckt. Es kann

daher wol mit Sicherheit angenommen werden, daß man hier auf einen

heidnischen Begräbnißplatz gestoßen ist. Die Gräber sind, dem

„L. A.“ zufolge, reihenweise von Süden nach Norden angelegt und

enthalten Begräbnißstätten verschiedener Art. Massengräber und

einzelne Begräbnisse wechseln miteinander. In manchen großen Urnen,

die zum Theil offen, theilweise aber auch mit einer großen Kuppel

oder einem Mantel bedeckt sind, finden sich 5-7 kleinere vor.

Die kleineren enthalten Asche und Kohlenreste, die größeren nur

Knochen. Auch sind Schüsseln mit kunstreicher Ausführung, z. B. mit

ausgeschweiften Rändern und Zacken, Trinkbecher, Teller sowie kleinere

Bronzegegenstände, als Knopfnadeln und geschmolzene Schmucksachen,

wahrscheinlich Beigaben bei den Begräbnissen, und eine vollständig

gut erhaltene Steinaxt von grünem Stein vorgefunden worden. Die Urnen

scheinen der Steinzeit und vorzugsweise der neolithischen Periode,

theilweise auch der Bronzezeit anzugehören. Ob dieselben von Kelten

oder Slaven stammen, wird seiner Zeit mitgetheilt werden.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 582.)

162) Im Canton +Waadt+, in der Nähe von Consise ist im Moore ein Canoe

in ausgezeichneter Erhaltung aufgefunden und ausgegraben. Es ist

11 Meter lang und etwa 1 Meter breit. Die Ausgrabung geschah unter

Aufsicht des Directors vom Museum von Lausanne. Das Boot hat im Hofe

der Akademie eine Stätte gefunden.

(Weserztg., Nr. 12174.)

163) In Sereth befindet sich ein für Archäologen sehr interessanter,

von Osten nach Westen laufender Erdaufwurf, an dessen Zerstörung

drei Ziegeleien eifrig arbeiten, obwohl beim Graben Reste aus den

verschiedensten Zeitperioden gefunden worden, die im jüngsten Hefte der

Mittheilungen der k. k. Centr. Com. f. K. u. histor. Denkm. Erwähnung

finden und zeigen, daß hier eine prähistorische Anlage zerstört wird,

die eine sehr ausgedehnte Dauer hatte, indem sie von der Zeit an,

wo noch polierte Steinwerkzeuge in Gebrauch waren, bis tief in das

Mittelalter herein in Gebrauch blieb.

164) Conservator Dr. Bizarro berichtete nach den „Mittheilungen“ an

die k. k. Cent.-Com. f. K. u. hist. Denkmale in Wien, daß am 2. Sept.

Grabungen bei St. Lucia begonnen und nach dreitägiger Arbeit ein

befriedigendes Resultat erzielt wurde. Man hat am Zusammenflusse der

Idria und des Isonzo den Begräbnißplatz einer Ansiedelung der Carnier

gefunden. Allerdings fanden sich weder förmliche Reihengräber, noch

regelmäßig gesetzte und eingefriedete Urnen, aber man deckte mehr

als zwanzig neben- und übereinander gelegene Gräber auf. Allerdings

fand sich theilweise der Leichenbrand einfach in die Grube gesenkt,

bei anderen so geringe Ueberreste, daß es unentschieden bleibt,

ob blos verstreute Asche oder Verbrennungsreste von Kinderleichen

vorliegen. Auch wo Urnen die Reste aufgenommen hatten, war denselben

wenig Sorgfalt zugewendet, so daß keine derselben hatte gerettet

werden können. Dagegen fanden sich interessante Beigaben von kleinen

Thongefäßen, ein kleiner kupferner Eimer, Schmucksachen, die theils

italienischen, theils nordischen Charakter tragen, somit nordische

Sitte und Tracht erkennen lassen.

165) In Mainz sind im Laufe des Sommers bei Kanalbauten sehr

beachtenswerthe Funde gemacht worden. Eine Mittheilung nach der Darmst.

Ztg. in Nr. 11 des Korrespondenzblattes des Ges. Ver. d. d. Gesch. u.

Alterth. Ver. macht auf drei bedeutsame Denkmäler sacraler römischer

Skulptur aufmerksam: einen kleinen Hausaltar ohne Inschrift von 50 cm.

Höhe, einen dem Jupiter geweihten von 52 cm Höhe und 26 cm. Breite, auf

dessen oberer Fläche die 25 cm. hohe Figur Jupiters sitzt, sodann einen

geschuppten Säulenschaft, in der Mitte durch ein breites Leistenband

geziert, auf welchem die fast runden Figuren der Juno, der Minerva

und des Mercur sich befinden. Die Funde tragen starke Brandspuren und

lagen in Brandschutt gebettet, aus dem noch große Stücke verkohlten

Eichenholzes sich entnehmen ließen, so daß die Reste einem großen

Gebäude mit mächtiger Balkendecke angehört haben müssen, das durch

Feuer zerstört wurde.

166) In Kempten (Kanton Zürich) wurden im Juni d. J. Nachgrabungen

vorgenommen, bei denen römische Ziegel, Scherben größerer und kleinerer

Gefäße, Nägel, Eisenstücke und noch unversehrter Pflasterboden gefunden

wurden.

(Nach. einer Correspondenz aus Wetzikon in Nr. 4. d. Anzeig. f.

schweiz. Alterthumsk.)

167) Im Mai l. J. wurde in der Löwengasse zu Solothurn, wie die

Oktobernummer des Anz. f. schweiz. Altthk. berichtet einige römische

Amphoren gefunden, deren eine am Halse eine mit dintenartiger Schwärze

aufgemalte Inschrift trug.

168) In Assens fand man, wie der Abdruck eines Artikels aus der Gazette

de Lausanne im Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde ersehen

läßt, im Mai d. J. burgundische Gräber, die der Mitte des 5. Jahrhdts.

unserer Zeitrechnung angehören.

169) Unter dem 18. November wird der Nordd. Allg. Ztg. aus

Hannover gemeldet, daß ein Mann in Rabber bei der Gartenarbeit ein

merovingisches Goldstück aus dem 7. Jahrh. gefunden habe, die erste

Münze dieser Zeit, die dort zu Tage gekommen, während römische dort

häufiger gefunden wurden.

170) +Gernsheim+, 16. Juni. Bei der Fundamentierung des neuen Chorbaues

an hiesiger Kirche fanden sich sowohl Grundmauern einer älteren

+Kirchenanlage+, als auch mannigfache Reste von gothischen Baugliedern,

wie Bruchstücke von Maßwerk und Rippen mit Birnstabprofil, so daß

danach eine gothische Kirche und wol ein Bau des 14. Jahrhunderts an

derselben Stelle gestanden hat. Eine dabei gefundene Goldmünze wurde

leider verschleppt, ohne daß ihr Alter und Gepräge näher bestimmt

werden konnte. Zahlreiche an der Baustelle gefundene Hufeisen rühren,

wie behauptet wird, aus der Schwedenzeit her. Eine Turnose mit dem

Avers: † PHILIPPVS REX und dem Revers CIVISTVRONVS (sic!) war früher

schon an der Stelle gefunden worden.

(Correspondenzbl. d. Gesammtver. d. deutsch. Geschichts- u.

Alterthumsvereine, Nr. 9.)

171) Nachdem die bauliche Restauration des St. Stephansdomes zu Wien

bisher zum größten Theile auf Staatskosten bestritten wurde, hat

sich nunmehr dortselbst ein Dombauverein gebildet, um die Mittel zur

vollständigen würdigen Herstellung, insbesondere des Inneren der

Kirche, zu beschaffen.

172) Die Restaurierungs- resp. Conservierungsarbeiten an der

Barbarakirche in Kuttenberg werden mit Energie betrieben. Zunächst wird

ein Fenster in der Smisek’schen Kapelle auf Staatskosten hergestellt.

(Mittheil. d. k. k. Centr.-Comm. f. kunst- u. histor. Denkmale,

VI. Bd., 4. Heft.)

173) +Basselland Muttenz.+ Wie dem „Landschäftler“ geschrieben wird,

soll eine Wiederherstellung der Muttenzer Kirchhofmauer und der beiden

Thorthürme in Aussicht genommen worden sein. An der Westwand der Kirche

sind nun die in der „Gesch. der bild. Künste in der Schweiz“, S. 663,

Nr. 2 erwähnten Wandgemälde, eine ausführliche Schilderung des jüngsten

Gerichtes, vollständig abgedeckt worden.

(Anzeiger f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 4, n. d. Allg.

Schweiz. Ztg.)

174) In der oberen, nur selten benützten Sakristei der Stadtkirche

zu Guben (einer Hallenkirche in Backsteinbau, deren älterer Theil in

seiner jetzigen Gestalt zwischen 1300 und 1400 entstanden ist) hat der

gegenwärtige Custos Lehmann eine größere Zahl von Steinfliesen (etwa

15 cm. im Quadrat) mit eingepreßten Bildern entdeckt. Diese stellen

dar: einen Baum mit langen, herabhangenden, schmalen Blättern und je

einem langhalsigen Vogel zu beiden Seiten, einen Hirsch, hinter welchem

der Jäger mit einem Hunde, ein regelmäßiges Fünfeck mit kaum mehr

erkennbarer wappenartiger Zeichnung u. A.

(Der Bär, Nr. 6.)

175) +Eßlingen+, 18. November. Die vor 5 Jahren vom hiesigen

Verschönerungsverein unternommene Wiederherstellung der

+Brückenkapelle+ ist vor Kurzem beendigt worden, und der gestrige Tag

war zu einer kleinen Feier dieses Ereignisses bestimmt. Im Innern der

stilgerecht renovierten Kapelle wurde eine Ausstellung von Alterthümern

veranstaltet, die auf Eßlingen Bezug haben und theils im Besitze des

Verschönerungsvereins sind, theils in freundlicher Weise von der Stadt

und Stiftung, sowie von Privaten geschenkt oder zeitweise überlassen

waren.

(Staatsanzgr. f. Württemberg, Nr. 272.)

176) Nachdem lange Zeit die Befürchtung hatte platzgreifen müssen,

daß die zuletzt im 17. Jahrh. von Elias Holl umgebaute Willibaldsburg

zu Eichstätt, vom 11. bis 18. Jahrh. Sitz der Bischöfe von Eichstätt,

der Zerstörung werde preisgegeben werden, ist nun dieser einstige Sitz

kunst- und prachtliebender Fürsten durch Uebergang an die Stadt vor

völligem Verfalle bewahrt worden.

177) In der Krypta der Kathedrale von Lausanne wurden Nachgrabungen

veranstaltet, bei denen das Grab des 1220 verstorbenen Bischofs Roger

aufgedeckt wurde. Leiche und Gewänder waren noch erkennbar, der Stab

gut erhalten.

(Mittheilung d. Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 4.)

178) Bei den Ausgrabungen am Petersberg wurde gestern eine goldene

Zierrath mit schöner Gravierung, anscheinend ein Amulet oder

Grabesschmuck einer in dem dortigen früheren Friedhof begraben

gewesenen Leiche, aufgefunden.

(Südd. Presse u. Münch. Nachr., Nr. 272.)

179) Ein Münzfund von großer Bedeutung, welcher in Michendorf bei

Potsdam gemacht wurde, erregte in jüngster Zeit die allgemeine

Aufmerksamkeit und fand sowohl in den meisten politischen, als auch

in Fachzeitungen Besprechung. Es sind brandenburgische Denare und

Brakteaten des 12. Jahrhdts., bezüglich deren wir auf Nr. 89 der

Blätter für Münzfreunde und Nr. 11 des numism. sphrag. Anz. verweisen.

180) Ueber einen Fund von Goldmünzen des 14. u 15. Jhdts. in La

Tour-de-Peilz bringt der Anz. f. schweiz. Alterthumsk. Mittheilung nach

dem Journal de Genève, wonach über 50 Stück, die Mehrzahl französische,

gefunden wurden, aber auch solche von Burgund, Savoyen, Bayern,

Frankfurt.

181) In +Volxheim+ (Rheinhessen) wurde bei einem Hausbau jüngst ein

beträchtlicher +Münzfund+ gemacht. Beim Tieferlegen eines Kellers stieß

man auf drei schlichte Thongefäße, welche Hunderte von Silbermünzen

mittlerer und ganz kleiner Ausprägung, sowie drei Goldgulden

enthielten. Die Münzen stammen alle aus der Zeit vom Ende des 15.

Jahrhunderts bis um 1520; ein Maxd’or war von 1477. Da es lauter

gangbare Münzen waren, so ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß

sie das Baarvermögen des früheren Besitzers ausmachten, welcher sie wol

in den Zeiten des Bauernkrieges vorsichtig verbarg, aber ihres Besitzes

nicht mehr froh wurde.

(Correspondenzbl. d. Gesammtver. d. deutsch. Geschichts- u.

Alterthumsvereine, Nr. 9.)

Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in

Nürnberg.

Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 172 / 173 题