1880. Nº 10. Oktober.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, den 25. Oktober 1880.
An dem Tage, der zu Köln am Rhein eine glänzende Festversammlung um den
deutschen Kaiser vereinigt sieht, um die Vollendung jenes großartigen
Bauwerkes zu feiern, welches die gesammte Nation geschaffen, darf eine
deutsche Nationalanstalt nicht nur aus der Ferne in freudiger Bewegung
Antheil nehmen an dem Ereignisse, welches sich dort vollzieht, sondern
auch neue Kraft schöpfen aus der Thatsache, daß die Nation im Stande
war, jenes große Werk fertigzustellen. Es muß daran das Vertrauen sich
auch neu beleben, daß auch unser nationales Werk ebenso glorreicher
Vollendung entgegensehen darf, daß auch unsere Anstalt zur Freude der
Nation ihr herrliches Ziel erreichen und in nicht unabsehbarer Zeit
ebenso als ruhmvolles Denkmal des Gemeinsinnes vollendet dastehen
werde, wie jener großartige Dombau, dessen mächtige Thürme sich im
Rheinstrome spiegeln. Wie dort die Thätigkeit darauf gerichtet war,
ein Werk, das die Vorzeit uns als theures Vermächtniß, wie als Zeichen
ihres großartigen Wollens und Könnens hinterlassen, durch Vollendung
zu ehren, so soll ja auch unsere Anstalt die Werke der Vorzeit zu
Ehren bringen, soll uns die geistige Kraft zeigen, deren Aufwand die
Nation zu jener Höhe der Bildung geführt, auf die sie stets stolz sein
kann, soll uns zeigen, was sie in Kunst und Wissenschaft geleistet und
wie sie sich das öffentliche und private Leben eingerichtet hat; sie
soll ein Ehrendenkmal der Größe unserer Vorzeit und so der Gegenwart
ein Spiegel und ein Sporn sein, um auch sie zu erheben und zu neuen
Thaten zu führen. Auch in den äußeren Schicksalen unserer Anstalt
und des Domes zu Köln gibt sich eine unverkennbare Aehnlichkeit
kund. Derselben zwei Könige Namen sind mit dem Beginne beider Werke
untrennbar verbunden. Als König Friedrich Wilhelm IV. den Fortbau
des Domes beschlossen und die Nation ihre Spenden brachte, da wurde
der kunstsinnige königliche Patriot Ludwig I. von Bayern sofort sein
eifrigster Verbündeter, derselbe König, durch dessen Unterstützung
allein es möglich wurde, daß der Gedanke der Gründung unseres Museums
verwirklicht werden, daß es die ersten Schwierigkeiten überwinden und
ins Leben treten konnte. Kaum aber war dies ermöglicht, als auch König
Friedrich Wilhelm IV. von Preußen der jungen Anstalt sein Interesse
und seine Fürsorge zuwandte und durch reichliche Unterstützung ein
Vorbild für Tausende abgab, die sich um dieselbe schaarten, Gabe auf
Gabe brachten, so daß sie erwachsen konnte und heute schon, wenn auch
nicht fertig, uns mit berechtigter Freude erfüllen kann, mit einer
Freude, der selbst schon ein wenig Stolz sich beimischen darf, daß doch
schon so Manches erreicht werden konnte, dessen Verwirklichung einst
nur schüchtern erhofft werden durfte, bereits so Vieles, daß darin die
Gewähr liegt, es werde die Nation nunmehr unsere Anstalt auch noch
weiter und zwar recht bald zum glücklichen Ziele führen.
Zunächst handelt es sich wohl noch für längere Zeit darum, neue Räume
zu schaffen, damit die Entwickelung ungehindert sich vollziehen kann.
Dies war auch der Grundgedanke, der sich durch alle Berathungen des
jüngst versammelten Verwaltungsausschusses unserer Anstalt hindurchzog.
Unter Vorsitz des I. Direktors hatten sich am 28. und 29. v. M. die
Herren Prof. Dümmler (Halle), Prof. Gengler (Erlangen), Geh. Rath
v. Giesebrecht (München), Prof. Hegel (Erlangen), Maler v. Heyden
(Berlin), Prof. v. Lübke (Stuttgart), Direktor Reber (München), Geh.
Rath v. Ritgen (Gießen), Regierungsrath Frhr. v. Sacken (Wien), Prof.
Schultz (Breslau), Geh. Rath Waitz (Berlin), Prof. Wattenbach (Berlin)
mit den hiesigen Mitgliedern zu den Berathungen versammelt. Die
gewöhnlichen geschäftlichen Vorlagen wurden rasch erledigt, die Prüfung
des Zustandes aller Abtheilungen ergab befriedigende Resultate; auch
die Fortschritte der Bauten fanden freudige Anerkennung. Zugleich aber
mußte sich noch mehr als in anderen Jahren zeigen, wie nothwendig die
energische Fortsetzung gerade bei heutigem Stande der Sache sei, und es
wurde nicht blos über Wege berathen, auf denen Mittel geschafft werden
könnten, sondern auch dem Direktorium an’s Herz gelegt, alle Schritte
zu thun, die zur Erreichung dieses nächsten Zieles führen können.
Hierher sind natürlich in erster Linie die Stiftungen zu zählen, welche
zu Gunsten des Baues und der nöthigen Ausschmückung desselben gemacht
werden.
Mit Freude erwähnen wir daher, daß Herr Graf v. Hagen in Möckern, sowie
Herr Graf Werner v. d. Schulenburg auf Burgscheidungen je 300 m. zur
Stiftung gemalter Fenster beigetragen haben.
Herrn B. H. C. Strube in Bremen verdanken wir zur Verwendung für die
Kunstsammlung eine einmalige Spende von 50 m. Für das Handelsmuseum
hat neuerdings Herr Kaufmann S. Fischer in Berlin einen Antheilschein
gezeichnet.
Nachdem von Seite der kgl. preußischen, wie der kgl. bayerischen
Eisenbahnbehörden, denen wir für diese Förderung sehr verbunden sind,
freie Fracht für den Rolandabguß von Bremen bis Nürnberg bewilligt
worden, ist nunmehr der größere Theil der Stücke dieses Abgusses, einen
Waggon füllend, hier eingetroffen. Natürlich muß bis zum Einlangen des
Restes mit der Aufstellung gewartet werden.
Ein glänzendes Geschenk erhielt unsere Sammlung der Hausgeräthe, eine
reich beschlagene gothische Truhe, durch Herrn Ludwig Levin Frhrn. v.
Elverfeldt auf Schloß Kanstein in Westfalen.
Seit Veröffentlichung des Verzeichnisses in der vorhergehenden Nummer
wurden folgende neue +Jahresbeiträge+ angemeldet:
Von =öffentlichen Kassen=. =Lohr a. M.= Distriktsgemeinde 10 m.
=Neustettin.= Stadtmagistrat 15 m.
Von =Privaten=. =Berlin.= F. v. Behr, Bauführer, 3 m.; W.
Collin, Hofbuchbinder, 3 m.; A. Genick 3 m.; C. Hinkeldeyn, kgl.
Reg.-Baumeister, 3. m.; O. Hossfeld, kgl. Hofbauinspektor, 3 m.; H.
Keller, kgl. Reg.-Baumeister, 3 m.; Kieschke, k. Reg.-Baumeister, 3
m.; Kleinwächter, k. Reg.-Baumeister, 3 m.; P. Köhler, Architekt, 3
m.; E. Leithold, k. Reg.-Baumeister, 3 m.; Meyer, Geh. Revisor, 3
m.; A. Müller, Fabrikant, 3 m.; Roßteuscher, k. Reg.-Baumeister, 3
m.; E. Sputh, Architekt, 3 m.; G. v. Stralendorff, Architekt, 3 m.;
E. Streichert, k. Reg.-Baumeister, 3 m.; G. Stroh, Architekt, 3 m.;
G. Thür, k. Reg.-Baumeister, 3 m.; Wentzel, k. Reg.-Baumeister, 3 m.;
Willimek, Referendar, 3 m.; Fritz Wolff, k. Reg.-Baumeister, 3 m.;
Wolff, Referendar, 3 m.; Walter Wolff, Fabrikant, 3 m. =Bonn.= Ludwig
Wessel 3 m. =Bremen.= Fräulein Emilie Bendel, Schulvorsteherin, 5
m.; Dr. jur. Heinr. Alfr. Bulthaupt, Stadtbibliothekar, 3 m.; Julius
Menke, Privatmann, 10 m.; Johann Rippe, Bauinspektor, 3 m.; Cornelius
Stockmar, Makler, 3 m. =Donauwörth.= Karl Ziegler, Apotheker, 2 m.
=Frankenberg= (Sachsen). Richard Michael, Kaufmann, 1 m. 50 pf.;
Adolf Müller, Amtsgerichtsreferendar, 2 m. =Gaildorf.= Muff, k.
Amtsrichter, 1 m. 70 pf. =Hall= (Schwaben). Bregenzer, Landrichter,
2 m. =Hohenstein= (Sachsen). Allwill Emil Laube, Pfarrer, 3 m. --
=Kirchheimbolanden.= Lombardner, Oberamtsrichter, 2 m. =Köln.= Demnitz,
Wasserbauinspektor, 3 m. =Nürnberg.= Hans Dietz, Lieutenant im k.
bayr. 14. Inf. Regt., 4 m.; Hammer, k. Bezirksgerichtsdirektor a.
D., (statt früher 1 m. 80 pf.) 10 m.; Otto Warnberg, Commis, 3 m.
=Schwabach.= Frankle, Pfarrer, 1 m. =Speier.= Dr. Friedr. Karsch,
Kreismedizinalrath, 2 m. 50 pf. (hat bereits für 1879 bezahlt.)
=Stendal.= Meyer, Banquier, 3 m. =Uffenheim.= Karl Rabus, k.
Bezirksamtsassessor, 2 m. =Wien.= Karl Umlauff, Frequentant der k.
k. Artillerie-Kadettenschule, 2 m.; Victor Umlauff, Stud. am k. k.
Obergymn. der kais. Theresian. Akademie, 2 m.
Als +einmalige+ Beiträge wurden folgende gegeben:
Von =Privaten=. =Bremen.= J. H. G. Dietrich, Baumeister, 20 m.; Arnold
Duckwitz jr., Kaufmann, 10 m.; Dr. med. Herm. Rohlfs 10 m.; L. H. C.
Strube, Privatmann, 50 m. =Edenkoben.= J. Franck, Subrektor, 1 m. 50
pf. =Hall= (Schwaben). Dr. Schnitzer 1 m.
Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: