Das Salve Regina auf Taufbecken.[218]

Im allgemeinen waren es wol folgende drei Gründe, die Veranlassung

gaben, das Salve Regina auf Taufbecken zu setzen:

1) Derartige Taufbecken waren zunächst für Marienkirchen bestimmt, und

man wählte darum der Harmonie wegen gern eine Aufschrift, die, wie die

ganze Kirche, in einer Beziehung zu Maria stand.

2) Die große Anzahl von Wörtern, aus denen das Salve Regina besteht,

gab eine, der Größe und dem Umfang eines Taufbeckens entsprechende,

willkommene Dekoration ab.

3) Das Salve Regina schließt eine Reihe von Gedanken in sich, die

leicht mit dem Täufling und der Taufe in Beziehung gebracht werden

können. Als die in Folge des Sündenfalles unserer Stammeltern aus

dem Reiche der Gnade und Glorie verbannten (exules), in diesem Thale

der Thränen seufzenden und weinenden (gementes et flentes in hac

lacrymarum valle) Kinder der ersten Stammmutter Eva (filii Evae)

werden die Täuflinge zum Taufbrunnen gebracht. Hier aber werden sie

durch die Gnade der Wiedergeburt wie Kinder Gottes und Brüder und

Miterben Christi, so auch Kinder der zweiten Eva, d. i. Kinder Mariä,

Kinder derjenigen, die den „Urheber des Lebens“ der Gnade (vgl. Apg.

3, 15) geboren hat,[219] und die darum begrüßt wird als Regina, mater

misericordiae, vita, dulcedo et spes nostra. Sie soll nun als die

himmlische Schützerin und Schirmerin (advocata) und als die gütige,

als die milde und süße Jungfrau Maria (clemens, pia, dulcis virgo

Maria) ihre barmherzigen Augen auf den Täufling wenden (illos tuos

misericordes oculos ad nos converte) und ihn so auf seinem Lebenswege

schützen und schirmen, führen und leiten, daß er dereinst nach dieser

Zeit der Verbannung aus dem himmlischen Vaterlande zur Anschauung

ihres göttlichen Sohnes gelange (et Jesum benedictum fructum ventris

tui nobis post hoc exilium ostende) und damit die ewige Vollendung und

Erfüllung jener Gnade finde, die in der Taufe seiner Seele eingesenkt

worden ist.

+Mainz.+ +Friedrich Schneider+.

Ein Breslauer Goldschmied im Dienste des Kurfürsten August von Sachsen.

Herr Dr. Wernicke hat jüngst im Anzeiger Nr. 6, Sp. 188 über den

Breslauer Goldschmied +Tobias Wolff+ berichtet, welcher nach

Akten des Dresdener Archivs im Januar 1574 nach Dresden berufen wurde,

um Medaillen zu machen. Dies ist der „Meister Wolff in Breslau“,

bisher unbekannten Vornamens, welcher nach Luchs (Zeitschrift für

Geschichte und Alterthümer Schlesiens, 1863, S. 24) „im Jahre 1561 in

Kunstangelegenheiten Rath ertheilte und an den Hof Georgs II. von Brieg

berufen wurde.“

An diesen Tobias Wolff knüpft sich eine weitere Frage. Es gibt eine

große Anzahl sächsischer Gußmedaillen, den Kurfürsten August, seine

Verwandten und Umgebungen darstellend, aus den Jahren 1574, 1575 und

den folgenden, welche das Monogramm [Monogramm: TW], also T. W. haben.

Man schreibt sie allgemein einem Tobias Wost zu. Jener Breslauer heißt:

Tobias Wolff, dieser: Tobias Wost; beide arbeiten in Dresden, beide

in denselben Jahren; -- sind sie identisch? Der Name Tobias +Wolff+

ist sicher; denn er wird an zwei von einander unabhängigen Stellen

genannt in den Dresdener Akten und als Meister Wolff in der von Luchs

gegebenen Nachricht. Dagegen beruht der Name Tobias +Wost+, soviel

mir bekannt ist, auf einer Nachricht in Tentzels Saxonia numismatica,

linea Albertina, S. 158, wo gesagt wird, dieser Künstler habe auch eine

Medaille mit seinem eigenen Bildniß gemacht; man möchte glauben, auch

sein Name stehe darauf. Tentzel sagt aber, er verdanke diese Nachricht

„Cl. Schlegelio“ (dem bekannten Chr. Schlegel). Daraus ergibt sich,

daß Tentzel die Medaille nicht selber gesehen hat; und in der Liste

sächsischer Medaillen in Erbstein’s numismatischen Bruchstücken I-III,

S. 46 steht sie auch nicht. Darf man nun annehmen, daß Chr. Schlegel

geirrt hat und daß Wolff statt Wost zu lesen ist? Die Herren Doctoren

Erbstein in Dresden können hierüber den besten Aufschluß geben.

Die von Herrn Dr. Wernicke angeführte Berufung des Tobias Wolff spricht

von „Possierung, Schneidung und Abgießung der Contrafacturen“ und

deutet darin die Technik dieser Kunstart an: Das Modell des Bildnisses

wurde nach dem Leben in Wachs oder in ähnlicher Masse bossiert;

dies Modell wurde dann -- verkleinert, wenn es in größerem Maßstab

war, als die Medaille werden sollte -- aus Speckstein oder Kelheimer

Stein als Relief geschnitten, ebenso die Kehrseite; dann formte man

beide vertieft ab und goß endlich in diesen Formen die Medaille und

ciselierte sie.

Solche Arbeiten, sowohl Steinmodelle als Silbermedaillen, des T. W.

sind zwar selten; aber sie kommen vor. Das Berliner Münzkabinet

besitzt einige Modelle und nicht wenige Silbermedaillen von ihm. Nach

den Dresdener Akten verfertigte er auch „etliche Contrafaituren der

Päpste“; auch das Steinmodell zur Medaille eines Papstes habe ich

gesehen, doch ohne sein Monogramm.

Die hier angeregte Frage nach dem wahren Namen des T. W. hat um so

größeres Interesse, als die Künstler der zahlreichen und schönen

deutschen Medaillen fast sämmtlich unbekannt sind; daher ist jede

Nachricht erwünscht. Und nun ist gerade dieser T. W. unbedingt

der beste Künstler seit der Epoche der meisterhaften Nürnberger

Bildniß-Medaillen, welche etwa bis 1530 reicht. Seine zum Theil 5 und

6 Centimeter großen, meist kleineren Arbeiten sind außerordentlich

schön, die Bildnisse voller Leben und Charakter, die Ausführung die

vollendetste.

Der Mangel an Nachrichten über die deutschen Medaillenkünstler

rührt daher, daß sie in ihrer Bescheidenheit ihre Namen nicht, ihre

Monogramme selten auf ihre Werke setzten. Nur archivalische Quellen

können diesem Mangel an Nachrichten abhelfen. Suchen lassen sich solche

Nachrichten nicht; aber die Historiker, welche bei ihren Studien

vereinzelte finden, sollten sie mittheilen. Herr Dr. Wernicke verdient

unsern Dank, daß er dies gethan.

+Berlin.+ +Julius Friedlaender+.

Die musicierenden Engel von Virgil Solis.

Professor Dr. v. Sallet in Berlin macht uns darauf aufmerksam, daß

die auf Sp. 179 des Anzeigers reproducierte Handzeichnung des Virgil

Solis nicht ganz Original ist. Beide Engelfiguren, welche sich in

solch entsprechender Weise gruppieren, sind zwei verschiedenen

größeren Compositionen A. Dürers entnommen: der Engel mit der Laute

dem Holzschnitte der hl. Familie (B. 97), jener mit der Trompete dem

Holzschnitte Maria unter den Engeln (B. 101).

Ein neuer Beweis dafür, daß die Künstler jener Zeit ohne Rücksicht

auf Autorrechte ihre Motive nahmen, wo sie solche in brauchbarer

Weise fanden, und daß sie auch aus fremden Elementen hübsche und

entsprechende eigene Kompositionen zu fertigen verstanden, sowie, daß

insbesondere Dürer eine nie versiegende Quelle war, aus der viele

schöpfen konnten, ein Fingerzeig aber auch, in welcher Weise wir heute

Elemente wieder verwenden können, die von ihren ersten Erfindern in

anderer Weise benützt worden waren, wenn wir eben das Verständniß eines

Virgil Solis für dekorative Aufgaben mitbringen.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 99 / 173 题