II.

[Illustration: Fig. 1.]

[Illustration: Fig. 2.]

[Illustration: Fig. 3.]

Wir haben im ersten Aufsatze auf die außerordentliche Wichtigkeit

der Siegel für die Geschichte der Bewaffnung aufmerksam gemacht. Es

könnte nun allerdings folgerichtig erscheinen, dass wir zunächst eine

Anzahl von Siegeln abbilden und daraus die entsprechenden Ergebnisse

ziehen würden. Indessen besitzt unser Museum keine gerade dafür

charakteristischen Originalsiegel der älteren Periode, sondern nur

eine, wenn auch reichhaltige, Sammlung von Abgüssen, die freilich in

dieser Beziehung belehrend sind, aber sicher auch in den Händen vieler

Siegelfreunde sich befinden, so daß wir doch durch deren Wiedergabe

nicht gerade Beiträge, die speziell dem germanischen Museum angehören,

geben und so doch nicht vollständig der Ueberschrift unserer Aufsätze

gerecht würden. Da wir indessen in diesem Aufsatze eine etwas bunte

Reihe ohnehin einhalten müssen, so können wir ja auf einzelne Siegel

zurückkommen, sobald besondere Veranlassung durch das übrige Material

vorliegt, und wenden uns deshalb zunächst zu anderen Quellen. Unter

der Sammlung der Miniaturen befinden sich zwar einige Blätter aus der

romanischen Kunstperiode, welche Bewaffnete darstellen; es sind jedoch

meist nur Einzelheiten, die an diesen Darstellungen belehrend sind,

und auch auf sie wollen wir daher später zurückkommen, wo besondere

Veranlassung vorliegt, und beginnen die Mittheilungen mit einer Gruppe,

welche, dem Inneren eines Initiales entnommen, wol dem Schlusse des

13. Jahrh. angehört. Es ist ein König, vor welchem ein Krieger steht.

Der Initial selbst, von dem Texte losgeschnitten, welchen er ehemals

begleitete, ein D, die Nummer 11 der Miniaturensammlung tragend, gehört

zu den ältesten Beständen derselben und ist eingereiht, ohne daß über

seine Herkunft irgend etwas Bestimmtes bekannt wäre. Die Darstellung

ist in der Größe des Originales gehalten. Wir sehen darin Herodes,

welcher den Auftrag zum Kindermorde gibt. Das Schwert des Königs

zeigt leider gerade an der Stelle des Knaufes eine Beschädigung, so

daß die hier wiedergegebene runde Form etwas zweifelhaft ist. Der

Krieger ist im Kettenhemde und ähnlichen Hosen dargestellt, und es

geht das Geflechte auch über den Kopf weg, ohne daß eine geschmiedete

Haube angedeutet wäre. Das über dem Kettengeflechte getragene, bis

an die Kniee reichende Gewand ist weiß. Der Schild hat bereits die

Dreiecksform, doch ist er noch etwas höher, als breit. Die Lanze ist

durch eine bloße weiße Linie angedeutet, ein Beweis, daß der Schaft

sehr dünn zu denken ist. Die Schildfarben sind schwarz und weiß. Es

bedarf kaum des Hinweises auf die Darstellungen der Dichter jener

Zeit, deren Helden ähnlich gerüstet sind, und die uns also auch die

damals üblichen Bezeichnungen der Stücke wiedergeben. -- Dieser

Kriegerfigur steht der Abguß des Grabsteines eines Fürstenberg (Fig.

2, 3) am nächsten, dessen Original sich in Haslach befindet, und zwar

keine Inschrift trägt, aber uns als solcher des 1341 gestorbenen

Gottfried bezeichnet wird. Für diese spätere Entstehungszeit spricht

allerdings das in der Wirklichkeit etwas breitere Verhältniß des

Schildes (auf der Zeichnung verkürzt sich die Breite desselben in Folge

der schrägen Stellung) und dessen etwas geringere Dimension, sowie die

Höhe der Beckenhaube, die bereits eine leichte Andeutung der Spitze

zeigt, endlich die Gestalt des Schwertes. Indessen findet sich der

runde Schwertknauf bereits viel früher (Grabmal Heinrich’s des Löwen,

13. Jahrhundert, Diether’s von Katzenellenbogen, † 1276); die Spitze

der Beckenhaube ist doch kaum angedeutet und alles so alterthümlich,

daß der Grabstein doch auch wol einen anderen, im Schlusse des 13.

Jahrhdts. lebenden Familienangehörigen darstellen könnte, da doch auch

keine Handschuhe von Eisen angedeutet sind, wie sie dem 14. Jahrh.

eigenthümlich sind.

Wir fügen hier die Abbildung einer Beckenhaube bei, die dem Schlusse

des 13. Jahrhdts. angehören dürfte und im Original in unserer

Waffensammlung sich befindet, wohin sie, bereits vor längerer Zeit, aus

dem Besitze des Herrn Pickert gekommen ist. (Fig. 4.)

[Illustration: Fig. 4.]

Einige Krieger (Fig. 5) aus dem schon auf Spalte 175 angeführten

Speculum humanae salvationis (Nr. 5970 unserer Bibliothek) zeigen die

mit dem Panzerkragen verbundene Beckenhaube bereits stark zugespitzt.

Ihre Füße sind nicht geharnischt, und es möchte scheinen, als ob

sie überhaupt kein Ringgeflecht tragen, sondern nur dicke, farbige,

wol wollene Gewänder. Dagegen haben sie bereits die dem 14. Jahrh.

eigenthümlichen eisernen Handschuhe mit beweglichen Fingern. Der eine

Krieger hat bereits den Eisenhut und trägt zu demselben eine Halsberge

aus Wollenstoff.

[Illustration: Fig. 5.]

[Illustration: Fig. 6.]

Ein irgend einem Grabe entnommenes Bruchstück eines solchen Handschuhes

befindet sich in der Waffensammlung des Museums und ist in Fig. 6

abgebildet.

Helme aus dem 14. Jahrh. besitzt das Museum nicht im Original, wohl

aber einige Schwerter und Stangenwaffen, sowie einige Sporen mit

spitzem Stachel, die theilweise in weit höheres Alter hinaufreichen,

aber am besten mit anderen verwandten Waffen gemeinschaftlich

betrachtet werden, sowie sodann auch die älteren, hier noch nicht

benützten bildlichen Darstellungen gleichzeitig veröffentlicht werden

können.

Ringgeflechte wurden auch noch in späterer Zeit unter den

Eisenharnischen getragen. Die verschiedenen Stücke, welche das Museum

besitzt, dürften daher eher der späteren, als dieser Frühzeit angehören.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Drei Briefe des Johannes Aurifaber an den Rathsherrn Paulus Behaim in

Nürnberg.

(Schluß.)

2.

Gottes gnade vnd fried durch Christum Jhesum vnsern heiland. Erbar

vnd ehrenvhester, großgonstiger lieber herr vnd förderer. Ich hab

euer ehrenvhest vor viertzehen tagen geschrieben vnd ein exemplar der

colloquien oder tieschreden doctoris Martinj Lutherj, so ich alhier

zu Eisleben hab im druck ausgehen lassen, mitt vberschickt, welches

der bothe euer ehrenvhest zugestellet, wie er mir dan geruhmet, das

euer ehrenvhest ime einen orths thalers[184] zu tranckgelt geschenckt

hetten, vnd ferner berichtet, das vmb obligender vielfalttiger

gescheffte willen euer ehrenvhest mich itzt nicht hetten beantwortten

konnen. Diesen eigenen bothen aber hab ich itzt zu euer ehrenvhest

abgeferttiget, vnd schicke einem ehrenvhesten erbarn vnd wolweisen

rath der stadt Normberg meinen großgonstigen herrn, ein eingebundenes

exemplar solcher colloquien oder tieschreden, dienstlich bittende,

das euer ehrenvhest solch buch neben dem schreiben einem ehrenvhesten

rath zu vberantwortten, sich vnbeschweret vnd guthwillig erzeigen

woltte, dienstlich bittende, ihren ehren vhesten vnd weisheitten mein

gebet gegen gott, für ire christliche vnd glückselige regirung, vnd

auch meine vnverdrossene vnd willige dienste zu vermelden, vnd das

ire ehrenvhest vnd weisheitt dieses buchs dedication zu gonstigem

wolgefallen annemen wolten, vnd meine grosgonstige patronen vnd

förderer sein vnd bleiben. Solches wil vmb euer ehrenvhest ich hinwider

nach meinem höchsten vermugen dienstlichen zu verschulden mich allezeit

bevleißigen.

Vnd kan bej diesem bothen euer ehrenvhest von zeittungen nicht

verhalten, das der konig von Dennenmarck, auch die stad Lubeck, mit dem

Schweden zur seefarth neulich geschlagen haben vnd hat Dennenmarck die

see vnd vberhandt behalten, iedoch hernacher hochstem schaden gelidden,

dan sie 13 schieff verloren haben in einem storm vnd wetter[185]. Wie

den hiervon euer ehrenvhesten in bejliegenden copejen warhafftigen

bericht haben, der mir von der stad Lubeck kriegsobersten gestern ist

zugeschickt worden.

Hertzog Ottho[186] von Lunenburg wonende zu harburg, welches ist eine

meile von Hamburg, der ist mit der stad Hamburg in großer vneinigkeit,

drumb, das sie einen man, der in der Elbe ertruncken, auffgehoben vnd

begraben in irer stad. solchs hat der hertzog nicht leiden wollen, und

furgegeben, man hette aus seinem gebiete den todten weg genommen, vnd

drumb zugefharen vnd der stad Hamburg zwej schieff genommen, darauff in

die vier vnd zwentzig stuck buchsen gewesen sind. dieselbige hat der

hertzog auff laden[187] legen lassen. die stehen itzt auff dem wahl

zu Harburg. als nun der Hamburger leuthe aus den schieffen verwuntet

in die stad kommen, derer bej 40 gewesen, vnd irer bej 12 gahr todt

geblieben, so wirdt ein auffruhr deshalben in der stadt, das die bürger

für das rathhaus lauffen, vnd den rath gezwungen, das er inen durch

einen eidt hat zusagen müssen solchen schimpff zu rechnen.[188] drumb

nennen die Hamburger knechte an, wo sie die nur bekommen. haben vor

etzlichen tagen wohl bej 1500 knechte bej einander gehabt vnd in die

drej tausendt burger mustern lassen.

Hiergegen hat der hertzog auch drej tausend baurn bej einander, nimpt

auch reuter an, vnd sollen sich zu dem hertzogen schlagen seine

vettern, die andern fürsten von Lunenburg, die fursten zu Holstein,

hertzog Frantz von der Lauenburg vnd der bischoff von Bremen, welcher

dem hertzogen hat reuter zugeschickt, vnd der stad Hamburg albereit

zwej hundert knechte getrennet,[189] die an einem orth waren zusamen

gelauffen. Was nun daraus weitter folgen mag, wirdt die zeit geben vnd

so ich etwas darvon erfhare, wil ichs bej zufelliger bothschafft euer

ehrenvhest wohl verstendigen.

Der churfurst zu Brandenburg vnd sein sohn marggraff Hans George

sind itzt zu Halle, bej dem ertzbischofe zu Magdeburg,[190] der todt

kranck ligt vnd man handelt alda von einem coadiutore, der nach des

ertzbischoffs tode succedirete, vnd der sol sein eintzweder marggraff

Hans Georgens sohn[191] oder ein hertzog von der Lignitz, des mutter

des churfursten zu Brandenburgs tochter ist, den die marggraffen die

bejde stifft Magdeburg vnd Halberstadt[192] nicht leichtlich aus iren

henden lassen werden. So trachtet der churfurst zu Sachsen auch darnach

vnd durffte daraus wohl noch ein seltzam spiel werden, darein noch die

echter kondten auch geflochten werden, vnd daraus eine große zerruttung

im deutschem lande erfolgen, den hertzog Johans Friederich zu Sachsen

vor wenig tagen, eher dan der churfurst zu Brandenburg alda ankomen

ist, auch bej dem ertzbischofe gewesen. So ist Mandelslohe zu Gotha

wider ankommen.

Hertzog Heinrich von braunschweig sol zu Wolffenbeuttel sehr kranck

liegen.

Sonst ist es in diesen landartten[193] stille.

Wie es umb den denischen vnd schwedischen krieg stehe zu lande, hat mir

der lubische oberster auch zugeschrieben. habt hierbej copej darvon.

Befhele euer ehrenvhest hirmit in den gnadenreichen schutz gottes des

almechtigen mit erbiettung meines gebets gegen gott fur euer ehrenvhest

vnd meiner willigen vnd vnuerdrossenen diensten. Gegeben zu Eisleben

den 2. tag Septembris anno 1566.

Euer ehrenvhest dienstwilliger

Joannes Aurifaber.

+Außen:+

Dem erbarn vnd ehrenvhesten ehrn Paulo Behaim, rathsherrn zu

Norimbergk, mejnem großgonstigem lieben herrn vnd förderern.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 88 / 173 题