1880. Nº 6. Juni.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Aus Münchener Handschriften.
Woll awff schuler yn dy taffern,
Aurora lucis rutilat.
Lieber gesell, ich trunck alzo gern,
Sicut cervus desiderat.
Vnß ist ein voll vaß auffgetan
Jam lucis orto sydere.
Ich wayß chain peßern auff meinen wan
A solis orto cardine.
Lieber wyrt, gib unß den wein,
Te deprecamur supplices.
Laß vnß trincken vnd froͤlich sein,
Criste qui lux es et dies.
Gib vns deines brotts ein krost,
Exaudi preces supplicum.
Wyr haben geliden gar grossen durst,
Agrescit omne seculum.
Er warff das glaß an dy wanth:
Procul recedant sompnia.
Der dich hab gemacht, der werd czw schant
Per infinita secula.
Trinck aus der kandel, das ist dein früm:
Inpleta gaudent viscera.
Mein hercz meint, es sey ein am[119]
Quis audivit talia?
Raych vnß den würffel auff den tisch,
Ex more docti mistico.
Dy sagen wer da schuldig ist:
Jubilemus dolio.
Reich mir dy kappen, ich wil beczalen[120]
Te lucis ante terminum.
Ich wyl haim gan geld holen:
Numquam reuertar in perpetuum.
Cod. lat. 15613, saec. XV. (aus Rot), fol. 319.
O socie care, si vis in Suevia stare,
Hec tria sunt que sunt contraria tibi:
Puelle formose, studium valde dolose,
Swartz brot, saur wein, lang quoque weyl.
Panis est niger, in quo stecken die groben cleyen.
Hospicia sunt cara, cum hoc valde amara.
Hec sont in Suevia: si non vis credere, tempta.
Cod. lat. 19657, saec. XV. (aus Tegernsee), f. 87.
Auch die reizende Klage des Hasen, welche Maßmann in Mone’s Anz. 4, 184
aus Husemanns Sammlung mitgetheilt hat, findet sich im Cod. lat. 16515
aus S. Zeno bei Reichenhall, f. 182, weniger vollständig, aber doch
auch wieder mit einem neuen, freilich sehr seltsamen Verse. Es lautet
hier:
Flevit lepus parvulus, clamans altis vocibus:
Quid feci hominibus, quod me secuntur canibus?
Nec in orto perveni neque caules comedi,
Nec reginam supposui neque habere volui.
Domus mea silvus (sic) est, lectus meus rubus est,
Leves pedes habeo, caudam parvam habeo.
+Berlin.+ W. +Wattenbach+.
Feldarbeit und Spinnen im 14. Jahrhundert.
[Illustration]
Die hier wiedergegebene Abbildung zeigt uns einen Mann, mit der Hacke
das Erdreich lockernd, der bei nackten Beinen nur mit der Tunica
bekleidet ist, die er des bequemeren Arbeitens wegen aufgeschürzt hat.
Bei ihm sitzt eine Frau in der Haustracht, mit der Spindel spinnend,
während sie den Hanf an einer Kunkel befestigt hat, die auf einem
Fußgestelle neben ihr steht. Zu ihren Füßen liegt ein Kind in der
Wiege. Die Tracht der Frau zeigt, daß wir es keineswegs mit Leuten
der untersten Volksschichten zu thun haben, auch die Tunica des
Mannes, welche ihrer Länge wegen geschürzt werden mußte, zeigt den
Mann besserer Stände, der sein eigen Gartenland bearbeitet und es sich
bequem gemacht hat. Die Scene stellt Adam und Eva nach der Austreibung
aus dem Paradiese dar und ist einer Reihe von Bildern auf Pergament
gemalt entnommen, welche ehemals den Kopf jeder Seite eines sorgfältig
illustrierten Speculum humanae salvationis bildeten, bei denen jedoch
der Text durchweg abgeschnitten ist. Die Folge trägt die Nummer 5970
der Bibliothek des germanischen Museums und gehört dem 14. Jahrhundert
an.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Der Marktplatz einer Stadt.
+Federzeichnung aus der Zeit+ um 1500.
Unter den Handzeichnungen des germanischen Museums befindet sich
auch als Nummer 52 die hier wiedergegebene Federzeichnung aus dem
Schlusse des 15. Jahrhunderts, welche uns ein sehr ansprechendes Bild
aus dem Leben einer Stadt zeigt. Besonders fällt uns der würdevoll
einherschreitende Mann im Vordergrunde auf, dem ein Junge das große
Schwert nachträgt.
[Illustration]
Leider ist das mit einem Dache versehene Fuhrwerk zu flüchtig
gezeichnet, so daß wir es dahin gestellt sein lassen müssen, ob wir
recht haben, darin eine große Büchse zu sehen, die dort bereit steht,
jedem der Stadt etwa drohenden Feinde entgegengeführt zu werden. (Die
Perspektive ist wohl verstanden). Daß einzelne Häuser etwas schief
stehen, kann ebensowohl Folge der Flüchtigkeit des Zeichners sein, als
es der Natur entnommen sein kann.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Vorlage für ein Glasgemälde vom Beginne des 16. Jahrhunderts.
[Illustration]
Unter den Handzeichnungen des Museums befindet sich als Nummer 5 die
Vorlage für ein Glasgemälde, das Wappen des Kaisers darstellend, welche
in A. Dürer’s Weise gezeichnet ist. Das Blatt ist rings um nach dem
Kreise des Randes ausgeschnitten, so daß das Monogramm, welches Dürer
selbst jedenfalls auf dem Blatte angebracht hatte, wenn es von ihm
herrührte, abgeschnitten ist. Wenn aber auch das Blatt deshalb nicht,
ohne Anfechtung befürchten zu müssen, des Meisters Namen beanspruchen
darf, so ist es doch eben so schön erdacht, als vorzüglich heraldisch
gezeichnet und deshalb auch heute noch eine vorzügliche Vorlage, für
welche uns wohl einer oder der andere Freund dieses Blattes dankbar
sein dürfte, der etwa eine bunte Scheibe in sein Fenster einfügen
lassen möchte. Der Durchmesser des Originals beträgt 29,7 cm., welches
Maß auch ungefähr jenes des Glasgemäldes selbst gewesen sein dürfte,
das wohl auf keinen Fall größer als 30 cm. werden sollte.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Musicierende Engel von Virgil Solis.
[Illustration]
Ein Blättchen, mit der Feder in lichtem Roth und Grün gezeichnet,
Nr. 77 der Handzeichnungen des germanischen Museums, trägt das
Monogramm des Virgil Solis und die Jahrzahl 1562. Es ist ein höchst
liebenswürdiges Bildchen, diese zwei kleinen, im Grase sitzenden,
geflügelten Knaben, welches allerdings in der schwarzen Wiedergabe,
die auf photographisch-chemischem Wege erfolgt ist, in einzelnen
Theilen sich härter darstellt, als in dem lichten, die Körperfarbe gut
wiedergebenden Roth, das aber, gleich den vielen Stichen, des Meisters
Begabung für dekorative kleine Werke erkennen läßt.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Ein poetischer Fluch.
In einem handschriftlichen Kalendar aus dem 15. Jahrhundert, das
sich in der bischöfl. Seminarsbibliothek zu Brixen befindet, stehen
am unteren Rande des vorderen Deckelblattes nachfolgende Verse. Die
Verszeilen sind nicht abgesetzt. Jemand, der am Inhalte Anstoß nahm,
hat das Ganze durchstrichen, wodurch das Lesen der ohnehin ziemlich
flüchtigen Schrift sehr erschwert wird. Der Verfasser ist unbekannt.
er hat sein zunge geweczet[121]
meine veinde auf mich geheczet[122]
wider got hazzet er mich
herre selbe tue dein gericht[123]
brich im seine tag abe
ain ander seinen reichtum habe
ain witwe werd sein weip[124]
in sünden sterbe sein leip
seine chind werden waisen
vnd komen nymer aus fraysen
sein gewin ain ander vberhant
der nem im leip[125] leut vnd lant
zu seiner zcswen[126] seiten
ste der teufl zu allen zeiten
der luft im veind werde
verslinden müz in die erde
zu einem fluch werd ihm sein gebet
. . . er . . . . .[127]
+Innsbruck.+ +Oswald Zingerle+.
Lieder aus der Zeit der Türkenkriege.
Was ich in Folgendem mittheilen will, sind „Vier schoͤne neue Weltliche
Lieder / das Erste: Jaͤgerl bist drina / komb a kleine Weil heraus
/ etc. Das Ander: Still / still hoͤrts mir a wenck zue / ich bin a
Bayrischer Bue / etc. Das Dritte: Gruͤß dich Thomerl / Veilt[128],
Hießl seyts mir alle Gott etc. Das Vierdte: Wer da / wer da / wer kombt
vor die Zelten zur Nacht / etc. Jedes in seiner eignen Melodey zu
singen. Gedruckt in disem Jahr“.
So lautet der Titel der zwei unpaginierten Doppelblätter in Kleinoctav,
welche mir vor einiger Zeit im Archive der Familie von Kripp
unterkamen. Sie mögen wol selten geworden sein und schon darum eines
neuen Abdruckes nicht unwerth. Ditfurth („die histor. Volkslieder des
österreich. Heeres v. 1638-1849“ und: „die histor. Volkslieder des
bayer. Heeres v. 1620-1870“) hat sie nicht gekannt.
Der Verfasser dieser Lieder ist unbekannt, und es wäre wol eitle Mühe,
demselben nachzuforschen; jedenfalls war er ein Bayer. Den Druckort
zu bestimmen, würde eine Vergleichung der Typen, sowie der Titel-
und Schlußvignetten mit anderen Druckwerken jener Zeit, die etwa aus
bayerischen Offizinen hevorgegangen sind, ermöglichen; doch will ich
hier nur die wichtigere Frage um die Zeit der Entstehung, resp. des
Druckes, zu erledigen suchen, was in diesem Falle nicht schwer ist.
Schon ein flüchtiger Blick zeigt, daß wir es mit der Zeit der Feldzüge
Prinz Eugens gegen die Türken zu thun haben. Dem gewaltigen Feldherren
galten sie zwar nicht in erster Linie, sondern dem „großen und kleinen
Bue“ des Kurfürsten Max Emanuel oder, besser gesagt, dem „Churprinzen“;
aber Eugen wird zum öftern, immer mit größter Begeisterung, genannt,
und im ersten Liede ist unter dem „Prinzen“ stets er zu verstehen. Der
Kurprinz Karl Albrecht ist es also, der im Vordergrund steht.
Am 29. November 1716 hatte Max Emanuel an Eugen ein Schreiben
gesandt, worin er diesen zu den Erfolgen des abgelaufenen Feldzuges
beglückwünschte und zugleich die Bitte stellte, er möchte seinen
Söhnen beim Kaiser die Erlaubniß, nach Wien zu kommen, erwirken, damit
sie sich für die „empfangenen Gnaden und gute Erziehung“ bei Karl
VI. persönlich bedanken könnten. Der Wunsch wurde ihnen gewährt, und
auf ihre Aufnahme in der „Wiener-Stadt“ beziehen sich vielleicht die
letzten Zeilen von II, 4. Mit dem kaiserlichen Heere zogen die beiden
Prinzen dann nach Ungarn, um sich, wie andere Fürstensöhne, die der
glänzende Stern Eugens angelockt hatte, am Kampfe gegen die Türken zu
betheiligen. Ihrem tapferen Benehmen wird in vorliegenden Gedichten das
wärmste Lob zu Theil.
Bemerken wir noch, daß es I, 5 heißt: „fertn[129] habs gseha zu
Peterwardein,“ -- diese Schlacht fand am 5. August 1716 statt -- so
ergibt sich als Abfassungszeit das Jahr 1717 oder bestimmter, da
Belgrad nach I, 6 und III, 5 schon in den Händen Eugens war, die Zeit
nach dem 22. Aug. d. J. Bald nachher müssen diese Lieder ihrem ganzen
Charakter nach erschienen sein.
Neben den genannten hervorragenden Persönlichkeiten wird noch Alexander
v. Würtemberg I, 3 erwähnt, der im vorhergehenden Jahre als kaiserl.
Feldmarschall in der Schlacht zu Peterwardein und darauf bei der
Einnahme von Temesvar Treffliches geleistet hatte; III, 3 bezieht
sich auf dessen Theilnahme am Kampfe um Belgrad, in welchem er die
Infanterie im Centrum befehligte. Die Erstürmung dieser Festung durch
Max Emanuel als Oberkommandierenden des kaiserl. Heeres war am 15.
August 1688 erfolgt.
Das letzte Lied nun schlägt in jeder Beziehung einen ganz andern Ton
an. Da erscheint plötzlich gewaffnet Cupido, der mit seinen Pfeilen
eine Schildwache attaquiert. Nächst dem ersten scheint mir dies das
gelungenste zu sein. Zum Titel muß ich noch bemerken, daß die Melodie
dem Texte nicht beigesetzt ist.
Das erste Lied.
1) Jaͤgerl bist drina / mein[130] komb a kleine Weil heraus / thue
dich nit lang bsinna gengma[131] ins Wirthshauß / trinck ma beym
Adler / sauffen dort / ist nur glei a Freud / trinck ma a Maͤßl /
vergeht uns (_die_) Zeit.
2) Meinthalbn kombst glei recht / hab zu dir hinunter woͤlln gehn
/ han dich wol gseha beym Thomerl stehn: Bue du kanst loͤsen/ es
hat unser Peta Steffel / Muͤllna Bue / aus Ungarn gschriba / was
sagst du darzue.
3) Was werd ich sagn / schreibt halt daß unser Printz der Held /
und Alexander vorm Jahr im Feld / so tapffer gfochten: das wißma
ohn alles schreibn schon / das Printz Eugeni ein tapffrer Mann.
4) Was mainst mein Brueda / ich denckma offt haimbla bey der Nacht
/ daß halt so graußla[132] muß seyn bey der Schlacht / ich waiß
wies zugeht / wann die Baurnbuebn raffa[133] mit einand / ich kam
vor Schroͤcka glei von Verstand.
5) Namla[134] ists graußla / schlagn da wie der Donner alle drein
/ fertn habs gseha zu Peterwardein / hoier wirds erst stincken /
wann die Roßschwaiff her hencken / bitt umb Gnad / bleib da Strick
/ Tuͤrck dir / und uns Belgrad.
6) Jaͤgerl geh bring maß[135] / gsunds Printzen[136] / alle Herren
Officier / es leben die Reuta / und Musgatier / es sieg Eugeni /
(got) staͤrck seine Waffen / es gruͤne seine Treu / Belgrad lebt
nun von Türcken frey.
Das ander Lied.
1) Still / still hoͤrts mir a wenck zue / ich bin a Bayrischer Bue
/ wists was ich will handthiern / ich will ins Feld marschiern /
und will in Ungarland / gleich zur Hand / mein Gluͤck probiern.
2) Ich bin allein nit allhier / seynd etli tausend bey mir: unsers
Chufuͤrsten Bue / der Groß / der Klein darzue / haben sich ghalten
doll[137] / uͤberall / gschlagen braff zue.
3) Frisch auf du Bayrischer Bue / sprechma der Kandl jetzt zue /
ihr Bayrn unverzagt / der Printz hats schon gewagt / Er steht bey
der Armee / kleinen Weeg / von Belgrad.
4) Er hat nit vil Mann verlohrn / heist das die Tuͤrcken nit
gschorn / ihr Bayrn renoviert/ das Lob so euch gebuͤhrt das ihr in
Wienner-Stadt / in der That / habt meritirt.
5) Ains haͤtt mi nambla bald gschroͤckt / d’Hoͤppin[138] fieng’s
zannen[139] an / und mi kambs a bald an / afft kam der Richter her
/ ungefehr / redt mich scharff an.
6) Frisch auf du Bayrischer Mann / rauffen mir’s[140] Doͤrffl
zusamb / streiten vors Oesterreich / Gott geb ein guten Streich /
es lebt der Teutschen Muth / Bayren-Blut / keiner nicht weich.
7) Es leb der Kayser der Held / all Officier in dem Feld /
Granadier / Musgatier / Dragoner / Kuͤrraßier / Crepier der
Tuͤrcken-Hund / Groß-Sultan / und Groß-Vezier.
Das dritte Lied.
1) Gruͤß dich Thomerl / Veitl / Hießl seyts mir all Gott willkomb
/ han enck[141] was z’sprocha[142] vons Bayr-Fuͤrsten Sohn / von
unsern Chur-Printzen / wie daß er so stattla in dem Feld / mitn
Tuͤrcken gschlagen / wie a tapffrer Held.
2) Bubma er grad[143] halt sein Vatter uͤberall schier nach: der
Maxl Emanuel auf mein Ayd sag[144] / a junger Schißling thut sich
so fruͤhzeitla ohni[145] wagn / den Tuͤrckn Gotts-jaͤmmerlich den
Gruͤndt abzwagn[146].
3) Der Printz Eugeni deß Kaysers liebster General / unsern
Chur-Printzen anfuͤhrt uͤberall / hat muͤssn helffa dem Alexander
Stadt bombardiern / aufs schoissen / fechten sich exerciern.
4) Glei wie sein Vatta allzeit / ja a maͤchtiger Mann / Belgrad mit
Stuͤrmen eingnommen schon / wann Gott das Leben dem Chur-Printzen
lange Jahr verleicht / sein Vatta Maxl kein Haar nit weicht.
5) Juhe ihr Buebma jetzt gehn ma alle mit einand / jeder sein
Treinerl[147] fuͤhr bey der Hand / wollma was wagn / weil ma gwunna
Belgrad und Schlacht / last uns flangiern Tag und Nacht.
6) Blaßl thue Pfeiffen / Schalmay und Ditl-Dudl-Sack / mach auf
mein Leib-Stuͤckl / Veitl gib den Dack / hab noch zwey Landmuͤntz /
auf zwey gute Maß Bier / gsund unsers Chur-Printzen/ gilt mir und
dir.
Das vierdte Lied.
1) Wer da / wer da / wer kombt vor die Zelten zur Nacht? weist
nicht daß loschiret / Amor guberniret / allda allda.
2) Gut Freund / gut Freund / das kanst du wol sehen weil ich klein
/ Cupido der Kleine / gewaffnet alleine / solt seyn / solt seyn.
3) Nein nein / nein nein / gewaffnet laß ich niemands ein: thue
dich nur weck trollen / sonst kombt die Patrollen / schlagt drein /
schlagt drein.
4) Ja ja / ja ja / ich dich sambt den deinen nit acht / ich will
dich durchkeulen / mit meinen Liebs-Pfeilen / bist schwach / bist
schwach.
5) Ach weh / ach weh / ich Schildwacht verwundet hier steh / Cupido
der Kleine / gewaffnet alleine / ich geh / ich geh.
6) Kein Gwalt / kein Gwalt / Cupido Liebs-Pfeilen aufhalt: So last
uns dann loben / Cupido erhoben / durch Berg und durch Thal.
Ende.
+Innsbruck.+ +Oswald Zingerle+.
Samuel Karoch.
Die Handschrift der großh. Bibliothek in Weimar Q 108 (nicht 103), auf
Papier natürlich, wie alle dergleichen Manuscripte, aus welcher wir in
Nr. 5 des Jahrgangs 1879 die Verse des Heinrich von Mellerstadt über
den Erfurter Brand mittheilten, enthält den buntgemischten Inhalt so
vieler humanistischer Handschriften des 15. Jahrhunderts, in welcher
auch die Ueberlieferung des Mittelalters noch nicht verschmäht wird,
da eine scharfe Sonderung noch gar nicht eingetreten ist. Vorne
eingeschrieben ist ein Inhaltsverzeichniß von dem Besitzer: „Apicius
(?) Sifridi me possidet justo titulo.“ Zwischen den hier verzeichneten
einzelnen Stücken sind aber nachträglich verschiedene Eintragungen
gemacht, einzelne auch vielleicht nur als unbedeutend im Verzeichniß
übergangen.
Auf fol. 246 ist in lateinischer und deutscher Sprache die bekannte
Bulle des Papstes Innocenz VIII. vom 28. Juli 1490 eingetragen, durch
welche die sogenannten Butterpfennige für den Bau der Elbbrücke bei
Torgau bewilligt wurden, d. h. der Ertrag der Gelder, gegen deren
Erlegung der Genuß der Butter in den Fasten gestattet wurde, weil doch
in Sachsen der Oelbaum nicht gedeihe.
Auf Fol. 287 finden wir nach der Ars memoriae des Jacobus Publicius
folgende künstlich gereimte Verse, welche vielleicht von +Samuel
Karoch+[148] sein könnten.
Hora vespertina vicina transibam
Quadam in platea: de ea redibam,
Puellarum cetus ac letus ludebat
Dulceque canebat[149] ac coreas ducebat.
2. Unam mihi elegi ac ei servire,
Cui placere novi ac vovi me scire.
Hec dixit, se timere manere se foris,
Nec habere se locum ad jocum amoris.
3. Hac in spe fit lete valete petitum.
Domus ejus scitur ac itur dormitum.
Quam desiderabam, optabam videre,
Hanc in conclavi notavi jacere.
4. Cautus explorator, orator, accedo.
Ungue pulso blande[150]: „Nephande tu predo!
Cur me inquietas? Quid petas edoce.
Responde: cur poscis?“ „Me noscis in voce.
5. Aperi tu, rosa formosa benigna.
Ecce tu instilla.[151] Ac illa per signa
Me cognoscens, plaudens ac gaudens surrexit,
Clamque per posticum amicum invexit.
6. Stratum quem dilexi perspexi paratum,
Odoribusque florum ac morum ornatum.
Vinum tunc non defuit, sed affuit in auro;
Jaspis et jacinctus est intus cum lauro.
7. Philomena grata parata cantabat,
Alauda decora sonora clamabat.
Ibi fuit lira, et mira tonabant,
Jerula[152] amena tunc plena sonabant.
8. Dulces citariste, o Christe! psallebant
Ubi fuit melos, nec delos[153] habebant.[154]
Pectus meum pectori, os ori jungebat:
„Advenisti care!“ amare que flebat.
9. Illa tunc in hora abs mora dormivi,
Brachiis in albis ac salvis me scivi.
Thorum inde licto,[155] sed victo dolore
„Nunc recede!“ dixit et vixit amore.