7) +Die Kunstsammlung von Eugen Felix in Leipzig.+ Katalogisirt von
+Dr. A. v. Eye+ und +P. E. Börner+. Leipzig. In Commission bei T.
O. Weigel. 1880. gr. 8. Mit einem Atlas von 36 Tafeln in Lichtdruck
von A. Naumann.
Die Sammlung des Herrn E. Felix zu Leipzig gehört ohne Zweifel zu den
bedeutendsten Privatsammlungen, welche gegenwärtig noch in Deutschland
existieren. Sie nahm bekanntlich den ganzen Regensburger Silberfund
in sich auf, wurde später durch Ankauf der Milanischen Sammlung in
Frankfurt a. M. erweitert, enthält in ihrer kleinen, aber gewählten
Kupferstichsammlung Seltenheiten, welche auf den Versteigerungen der
letzten Jahrzehnte selbst königlichen Kabineten wegen ihrer hohen
Preise unerreichbar erschienen, hat namentlich aber durch Erwerbung
höchst kostbarer Stücke, wie der in einem Grabgewölbe zu Rositz im
Herzogthum Altenburg gefundenen sächsischen Ordenskette, italienischer
Bronzen, limousiner Emails, deutscher Goldschmiedearbeiten u. s. w., in
letzter Zeit solche Belege früherer Kunstfertigkeit in sich vereinigt,
daß über die Befriedigung bloßer Liebhaberei hinaus darin auch der
Freude am Vollendeten und Schönen, wie dem Studium reiche Nahrung
geboten wird. Es kann deshalb nur beifällig aufgenommen werden, daß
ein streng wissenschaftlich durchgeführter Katalog dieser Sammlung
ihren Bestand feststellt und weitere Kreise damit bekannt macht. Der
beigegebene und reich ausgestattete Atlas kommt dabei der Anschauung in
ergiebigster Weise zu Hülfe.
8) +Heraldisches Handbuch+, für Freunde der Wappenkunst, sowie für
Künstler und Gewerbtreibende bearbeitet und mit Beihülfe des kgl.
Preuß. Cultus-Ministeriums herausgegeben von +F. Warnecke+ mit 313
Handzeichnungen von +E. Döpler d. J.+ und sonstigen Abbildungen in
Lichtdruck von S. Kovácsek. Görlitz, C. A. Starke. 1880. 4. IV und
52 Seiten und 33 Tafeln.
Die Absicht des Verfassers war hier nicht, der Wissenschaft neues
Material zuzuführen, noch durch entsprechende Verarbeitung Bekanntes
in das rechte Licht zu setzen. Sein Buch hat ausschließlich einen
praktischen Zweck. Es soll in möglichster Kürze alles zusammenfassen,
was der Künstler wissen muß, welcher Wappen zeichnen soll, und was
etwa der Besteller einer solchen Wappenzeichnung zu wissen nöthig hat,
um beurtheilen zu können, wie weit der Auftrag, den er gegeben, auch
richtig ausgeführt ist. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß trotz
aller Publikationen von Seite der Fachmänner das richtige Verständniß
noch immer auf enge Kreise beschränkt ist. Es mag dies zum Theil seinen
Grund darin haben, daß ein kurzes Handbuch bisher fehlte, welches,
populär im besten Sinne, uns das gibt, was der Laie brauchen kann, und
denselben nicht durch zu große Vertiefung abschreckt. Das in Kürze und
dabei in größter Zuverlässigkeit zu bieten, ist dem Verfasser gelungen;
der Zeichner hat aber durch die vollendete, echt künstlerische
Auffassung und die Feinheit der Empfindung, welche er mit der Energie
und Strenge der heraldischen Darstellung zu verbinden wußte, durch gute
Auswahl alter Muster und treffliche Komposition neuer, im alten Geiste
gedachter Vorlagen den Verfasser auf das beste unterstützt.
Daß das Werk die Unterstützung der kgl. preuß. Regierung gefunden, ist
ein Beweis seiner praktischen Brauchbarkeit.
Vermischte Nachrichten.
42) Auf dem Felde des Gutsbesitzers +Schäfer+ in +Kl.-Gollnisch+
bei Eichberg (Kreis Bunzlau) war man bereits seit mehreren Jahren
wiederholt auf Spuren einer ehemaligen heidnischen Begräbnißstätte
gestoßen; auch beim diesjährigen Pflügen wurden einige solcher
Ueberreste bloßgelegt. Durch den Inhaber des Territoriums freundlichst
aufmerksam gemacht, begab sich Berichterstatter an die interessante
Stelle. Ein oberflächlicher Blick genügte, um das Vorhandensein eines
ausgedehnten vorgeschichtlichen Beerdigungsplatzes zu erkennen,
da zahlreiche Feuerstätten bekundeten, daß heidnische Ansiedler
unbekannter Zeit und Nationalität daselbst ihre Todten verbrannt
hätten, und diverse Topfscherben und zerstreute Knochenreste bezeugten,
daß bereits Neugier oder Wissenstrieb geschäftig gewesen. In meiner
Gegenwart wurden nunmehr von den Herren +Schäfer+ und Gastwirth
+E. Freude+ in Eichberg unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln
systematische Ausgrabungen angestellt. Man fand vorläufig hinter je
einer Kohlenstätte genau orientiert, in einer Entfernung von etwa 10
Schritt von einander, ungefähr 1 Fuß unter der tiefgehenden Furche,
zwei große Urnen mit zerkleinerten, erst verbrannten Gebeinen, welche
bis auf geringe Beschädigungen -- nur die Deckel waren meist von den
Pferden eingetreten -- wohlerhalten herausbefördert wurden, ebenso in
unmittelbarer Nähe der Töpfe je zwei kleinere sogenannte Thränennäpfe.
Alle diese Gegenstände sind nach deutlichen Spuren auf der Drehscheibe
gearbeitet. Eine der Urnen zeichnete sich durch gefälligere Behandlung
aus; sie zeigte außen drei buckelartige Handhaben, unterbrochen von
je zwei langgezogenen Vorsprüngen. Ganz besonders interessant -- weil
seltener -- war ein, leider nur fragmentarisch erhaltener, niedriger,
breiter Napf mit strichförmigen, rothgemalten Ornamenten. Zu bedauern
ist, daß keine Geräthschaften zugleich entdeckt wurden, welche
annähernd das Alter der +Funde+ bestimmen ließen; nur ein pfundschweres
Stück geschmolzenes Eisen, welches mir als früher gefunden bezeichnet
wurde, möchte für eine späte Periode der Grabstätte sprechen. Die
Umgegend von Eichberg ist schon mehrfach durch heidnische +Funde+
bekannt; auf Zimmermanns vorgeschichtlicher Karte von Schlesien sind
die Ortschaften Kromnitz und Gr.-Gollnisch als Stätten von Flachgräbern
markiert. -- Das Museum schlesischer Alterthümer wird voraussichtlich
die Mehrzahl der gefundenen Gegenstände für sich erwerben.
Dr. +E. Wernicke+ im niederschles. Courier, Nr. 40.
43) Aus +Marburg+ in Hessen erfährt die „Köln. Zeitung“: An dem
Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers wurde am Goldberge zu Mardorf bei
Marburg ein Fund +seltener Goldmünzen+ u. s. w. gemacht. Nachdem an
dem Abhange des Berges einige Tage zuvor 2 Goldmünzen gefunden worden,
begannen darauf am Montag einige Hundert Dorfbewohner mit Hacken und
Spaten an der bezeichneten Stelle den Boden weiter zu untersuchen.
Infolge dessen wurden über 100 Goldstücke zu Tage gefördert, und in
den folgenden Tagen noch immer weitere Funde gemacht. Neben Münzen
fand man auch sonstige Goldsachen, als ein Kreuz, eine Spange und
einen Armring. Die Münzen selbst sind Hohlmünzen, auf der Hohlseite
mit dem erhöhten Bilde eines schlangenartigen Thieres und mit 3, 5, 7
oder 9 erhöhten Punkten versehen, während die erhabene Seite in der
Mitte eine birnförmige Erhöhung zeigt, welche von 2 oder 3 Punkten
und einem Blätterkranze umgeben ist. An Größe kommen die Stücke dem
Zehnmarkstücke gleich, sind aber dicker, haben in der Regel 7¼ Gramm an
Gewicht und demnach ungefähr den Goldwerth eines Zwanzigmarkstückes.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 149.)
44) Dem Geschichtsverein in +Hanau+, welcher in den letzten Jahren
für die Spezialgeschichte der Provinz Hessen eine rege Thätigkeit
entfaltet hat, ist es gelungen, ein +Römerkastell+ in der Nähe von
Hanau, am Einfluß der Kinzing in den Main, zu entdecken. Viele Urnen
und Geräthe, sowie Reste von Gebäuden der alten Römerzeit sind
aufgefunden und bereits dem Museum des Hanauer Geschichtsvereins
einverleibt worden. Leider konnten die Grundmauern des Kastells,
welche mit einer Ackerkrume von kaum 1½-2 Fuß bedeckt sind, nicht
sämmtlich bloßgelegt werden, weil die Ackerbestellung solches hinderte.
Es wird beabsichtigt, diesen Herbst nach der Ernte die Ausgrabungen
fortzusetzen.
(Fränk. Kurier, Nr. 176.)
45) +Trier+, 11. April. (Cöln. Ztg.) In den letzten Wochen sind in
unserm Bezirke wieder wichtige +Funde+ an +römischen Alterthümern+
gemacht worden. Unmittelbar bei Trier, auf der linken Moselseite, wurde
eine große Masse eiserner Geräthschaften als Wagenreife, Schwerter und
Ackergeräthe gefunden, ferner ein Bronzerelief, welches in getriebener
Arbeit einen Krieger darstellt, der von einer neben ihm stehenden
Victoria bekränzt wird. Nicht weit von dieser Stelle kamen bei Anlage
eines Weinberges Säulentrommeln, korinthische Kapitäle und Architrave
aus den seltensten Marmorsorten und von vorzüglicher Erhaltung zum
Vorschein. Noch wichtiger, die hohe Stufe der römischen Kultur in
unserer Gegend aufs neue bezeugend, ist die Entdeckung einer römischen
Glasfabrik auf der Hochmark bei Cordel in der Eifel. Ausgrabungen,
welche seit Beginn des Frühjahrs seitens des hiesigen Provinzialmuseums
daselbst vorgenommen worden sind, haben zur Auffindung einer großen
Masse von Resten der Glashäfen, Glasschlacken und Glasfragmenten
geführt. Unter den Glasfragmenten nehmen namentlich einige mehrfarbige
Stücke (sogenannte Millefiores) besonderes Interesse für sich in
Anspruch; denn sie zeigen, daß die mehrfarbigen Glasgefäße nicht,
wie man bis jetzt annahm, aus Italien eingeführt worden, sondern
einheimische Fabrikate sind.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 89.)
46) Ueber die an der Nordseite der Stadt +Xanten+ gemachten
+Ausgrabungen+ wird der „Cöln. Ztg.“ geschrieben: Die
Aufdeckungsarbeiten sind nach dem Froste wieder aufgenommen worden und
haben ein überraschendes, großartig zu nennendes Ergebniß gehabt. Die
große, zuerst gefundene Mauer ist in der Länge bis 105 m. gewachsen
in gleicher, gewaltiger Dicke von 3 m. Der Alterthumsverein beschloß,
nur nach der einen Seite hin die Anlagen weiter zu verfolgen, und
hat es ermöglicht, daß nunmehr die 4 Ecken eines Gebäudes klar zu
erkennen sind, dessen Lang- und dessen Breitseite je 105 m. betrugen.
Innerhalb des Gebäudes sind Abtheilungen zum Vorschein gekommen
von 6 m. Breite und 20 m. Länge. Das in seinen Umrissen erkennbare
Bauwerk ist aber nur ein Flügel eines Gebäudes, welches allem Anschein
nach sechsmal größer als der benannte Theil ist. Das Baumaterial
ist hauptsächlich ein fester Thonschiefer, nach den Außenmauern zu
Basalt, dabei höchst sorgfältig gemauert, mit trefflichstem Mörtel
zusammengefügt. Wozu diente dieser gewaltige Bau, dessen Fundament
4 m. tief noch im Grunde steckt? Ist er von Römern oder von Franken
errichtet? Das sind Fragen, welche nur von gewiegten Sachkennern
annähernd beantwortet werden mögen. Alterthumskundige und Bautechniker
müssen sich hierbei die Hand reichen. Besondere Funde sind bei den
Ausgrabungen bis jetzt nicht gemacht worden, etliche römische Münzen
aus den Zeiten der Antonine und des Alex. Severus und ein zierliches
Löffelchen aus Bronze ausgenommen. Dieselben könnten für den römischen
Ursprung des Gebäudes sprechen; aber auch bei den Franken sind
römische Münzen lange in Umlauf gewesen. Dem Volke, das hier gebaut
hat, haben jedenfalls bedeutende Transportmittel zu Gebote gestanden,
da mit Ausnahme der wenigen Dachziegel sämmtliches Baumaterial vom
Oberrhein her hierhin geschafft werden mußte; außerdem aber muß die
Technik des Mauerns bei denselben in hohem Grade ausgebildet gewesen
sein. All dieses kann eben so gut auf die Römer als auf das Reich der
Nibelungen passen. Eben so gut ist ein solches Bauwerk für die casta
veterna mit ihren 3 Legionen Besatzung nöthig gewesen, als für den
festungsartigen Palast eines alten Germanenkönigs. Schließlich sei
bemerkt, daß der Alterthumsforscher Hr. Prof. Schneider aus Düsseldorf
diese Aufdeckungen als die im Rheinlande in jüngster Zeit bei weitem
bedeutendsten bezeichnet hat. Es ist schade, daß nach Jahresfrist die
aufgedeckte Fläche wieder eingeebnet und als Ackerfeld benutzt werden
muß.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 79.)
47) +Aus dem Ried+, 30. März. Bekanntlich zerstörte die durch den
Eisgang verursachte Hochfluth Anfangs dieses Jahres die Dämme der
Gemarkung Groß-Rohrheim an verschiedenen Stellen, und man ist soeben
damit beschäftigt, die beschädigten Stellen wieder herzustellen. Zu
diesem Zwecke wurden vom Staate auf beiden Seiten der Landstraße
zwischen Groß- und Kleinrohrheim einige Morgen Feld angekauft, um
ausgehoben zu werden, damit die nöthige Erde zum Ausbessern der Dämme
an Ort und Stelle gewonnen wird. Bei dieser Gelegenheit nun fanden
die Arbeiter antike Scherben und Knochenreste (was übrigens in diesem
Felde schon öfter vorkam, von den betreffenden Findern aber nicht
weiter beachtet wurde) und wurde dies alsbald dem Herrn Lehrer Gölz
aus Klein-Rohrheim mitgetheilt, welcher sofort die nöthigen Schritte
einleitete, um allenfallsige werthvolle Funde nicht verloren gehen
zu lassen. Der historische Verein für Hessen beauftragte sofort sein
Mitglied, Herrn Rentner Kofler (?) aus Darmstadt, mit der Nachgrabung,
welche am Samstag vor Ostern auch in Angriff genommen wurde. Es fand
sich, daß man wahrscheinlich hier auf einen fränkischen Begräbnißplatz
(400-500 Jahre nach Christi) gestoßen ist; es waren bis heute Vormittag
14 Gräber aufgefunden mit männlichen und weiblichen Skeletten. Auch
fand man in den Gräbern Schwerter, Lanzen, Ringe von Eisen, knöcherne
Kämme und Mosaikkugeln, von Perlenschmuck herrührend. Die Todten liegen
alle mit dem Gesichte nach Osten gewandt und den meisten derselben sind
Urnen und sonstige Geschirre beigegeben; auch soll man heute Mittag
Goldmünzen gefunden haben, welch Letzteres ich jedoch nicht verbürgen
kann, da ich dieselben nicht gesehen habe.
(Wormser Ztg., Nr. 76.)
48) Aus +Kowno+ erfährt die „Neue Zeit“, daß daselbst der Plan besteht,
in einiger Zeit sich an die Restauration eines werthvollen Baudenkmals
aus dem 14. Jahrhundert, der bis auf den heutigen Tag noch erhaltenen
Ruinen des +Schlosses der deutschen Ordensritter+, zu machen. Die
Ruine liegt in der „Altstadt“, am Ufer der Wilia. Nach überlieferten
Nachrichten war Kowno bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts
befestigt, da um jene Zeit der Großmeister Kniprode die Burg zu Kowno
mit stürmender Hand eingenommen hat. Hinsichtlich des Schlosses, von
dem ein Thurm und Theile einer Mauer dem zerstörenden Einfluß der Zeit
bis jetzt getrotzt haben, nimmt man an, daß dasselbe von dem Orden
errichtet sei, der nach dem Fall Kownos im Jahre 1383 auf den Trümmern
neue Befestigungen aufführte und ihnen den Namen „Ritterswerder“, d.
h. Ritterinsel, beilegte, weil die Burg in der That von dem Fluß Wilia
und einem zum Niemen durchgelegten Kanal ganz umschlossen war. Spuren
dieses Kanals, der gegen 6 Faden Breite gehabt hat, haben sich bis zur
Stunde noch erkennbar erhalten.
(D. Reichsanz., Nr. 80.)
49) Am 15. März fand eine fachmännische Eröffnung der in der zur
Demolierung bestimmten St. Adalbertskapelle auf dem Hradschin
befindlichen Gruft statt, bei welcher Gelegenheit nicht nur der
Sarkophag mit den Ueberresten des Heiligen selbst, sondern auch mehrere
auf die Beisetzung derselben an diesem Orte bezügliche Inschriften
aufgefunden wurden, deren authentische Abschrift ich mir mitzutheilen
erlaube.
Im Sarge lag eine mit Blei überzogene Schachtel, deren Deckel durch
eine Schnur, an welcher sich das wohlerhaltene Siegel des ersten
Erzbischofs von Prag, Arnest von Pardubitz, befand, geschlossen war.
Auf diesem, die Reliquien des hl. Adalbert bergenden Behältnisse lagen
zwei Bleitafeln, wovon die kleinere folgende Inschrift trug:
„Anno dni MCCCIXVI^o in festo Sancti Adalberti dominica die jubilate,
quae fuit dies vicesima secunda mensis aprilis translata est haec capsa
cum corpore seu reliquiis Sancti Adalberti episcopi et martyris patroni
regni Bohemiae praedicti de antiqua ecclesia in istud medium novae
ecclesiae Pragensis cum reliquiis Sanctorum quinque fratrum et multis
variis reliquiis aliorum sanctorum, quorum nomina ignoramus.“
Auf der zweiten, ziemlich beschädigten Tafel ist zu lesen:
„Anno Domini MCCCXLVI, Die XI. Mense Januarii Ego Arnestus Primus
Archiepiscopus Pragensis in praesencia Serenissimi Principis Domini
KaroIi, marchionis Moraviae nec non primogeniti Domini Johannis regis
Bohemiae, qui ipsam ecclesiam Pragensem in archiepiscopalem aput (d)
sedem apostolicam erigi procuravit, aperiri fecit hanc capsam repertam
in tumba beati Adalberti episcopi et martyris, in qua una cum reliquiis
in ea reconditis erat carta tenore infra scripti: hic sunt cineres
Sancti Adalberti episcopi et martyris et pan(n)iculi qui circa ossa
fuerunt et quinque fratrum et sunt reliquiae plurimorum sanctorum,
quorum nomina ignoramus, que pridie Kalendas Octobris sunt reconditae.“
Im Innern der capsa lag endlich eine dritte Bleitafel, deren sehr
beschädigte Inschrift mit der obigen gleichlautend ist.
+Prag.+ +Bruno Bischoff+.
50) +Sindelfingen+, den 22. März. Bei der Ausgrabung eines Fundaments
an der Böblinger Straße wurden jüngst einige Gerippe von Menschen und
mehrere +Alterthümer+ gefunden. Die Skelette lagen mit den Füßen nach
Osten und ca. 5 Schuh von einander entfernt. Bei allen befanden sich
Lanzen, Degen oder Dolche. Wahrscheinlich stammt der Fund aus dem Jahre
1525, der Zeit der Bauernkriege.
(Schwarzwälder Bote, Nr. 73.)
51) Vor einigen Monaten wurde nach einer Notiz von R. Serrure (Brüssel)
in den Blättern für Münzfreunde bei Venlo ein Münzfund gemacht, welcher
Goldmünzen Karls VI. v. Frankreich (1380-1422), Wilhelm VI. von
Holland (1404-17), Rudolfs v. Diepholz Bischofs von Utrecht (1431-55),
Reinhards von Geldern (1402-20), Arnolds von Geldern (1423-73), Johanns
von Heinsberg, Bischofs von Lüttich (1419-56) und der Stadt Frankfurt
mit dem Namen des Kaisers Sigismund, sowie Groschen Heinrichs VI. von
England, geschlagen zu Calais, und Rudolfs von Diepholz (1426-31)
enthalten waren.
52) +Billenhausen+ bei Krumbach, 14. März. Vor einigen Tagen wurde hier
ein auch +historisch interessanter Fund+ gemacht. Es kamen nämlich
beim Ausheben einer Düngerstätte über 5000 Münzen verschiedenen
Gepräges, größtentheils aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammend, zu
Tage. Sicherem Vernehmen nach ist der Fund bereits in den Besitz der
Staatssammlung übergegangen.
(Fränk. Kurier, Nr. 142.)
53) +Zwickau+, den 30. März. (Dresd. J.) Auf den in den Jahren
1875 und 1879 zu Dresden, beziehentlich Leipzig, veranstalteten
Kunstgewerbeausstellungen befanden sich unter anderen, der hiesigen
Stadt gehörigen kunstgewerblichen Gegenständen auch 2 +alterthümliche
silberne Pokale+, deren Werth für die hiesige Stadt sich hauptsächlich
erst infolge jener Ausstellungen herausgestellt hat. Beide Trinkgefäße,
von denen das eine aus dem Jahre 1475 herrührt, sind gothischen Stils
von ebenso seltener, als geschmackvoller Form, und es war der Stadt
für käufliche Ueberlassung derselben an einen auswärtigen Juwelier
und Antiquitätenhändler eine verhältnißmäßig sehr hohe Summe als
Kaufpreis geboten worden. Es waren jedoch von Seiten der Stadt zunächst
über den Kunstwerth der Becher eingehende Ermittelungen angestellt
worden, und nachdem neuerdings die Generaldirektion der königlich
sächsischen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, zu deren Kenntniß
die Angelegenheit gelangt war, unter Hinweis darauf, daß es sich hier
um künstlerisch höchst werthvolle und für die kunstgeschichtliche
Forschung interessante Werke handle und es jedenfalls in den weitesten
Kreisen ein schmerzliches Bedauern erregen würde, wenn sich die Stadt
eines solchen Besitzes, auf welchen sie stolz sein könne, entäußern und
diese kostbaren Kleinodien in Gefahr bringen wollte, in Privatbesitz
überzugehen und vielleicht gar ins Ausland zu wandern, dem Stadtrathe
die nochmalige Erwägung der Sache anheimgestellt hat, hat der Rath, da
er es nicht mit der Ehre der Stadt für vereinbar zu erachten vermag,
sich jenes aus alter Zeit überkommenen Besitzes ohne ganz dringende
Noth zu entäußern, beschlossen, von einem Verkauf der Trinkgefäße
definitiv abzusehen.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 78.)
54) +Durch den Ankauf der Destailleur’schen Ornamentenstichsammlung+
für das +Berliner Kunstgewerbe-Museum+ wurde der Kunstbesitz der
deutschen Reichshauptstadt wieder um eine kostbare Sammlung vermehrt.
Die Kunstgewerbe-Museen Englands und des Kontinents haben sich stets
bemüht, neben ausgeführten Arbeiten kunstgewerblicher Art auch
alle ornamentalen Zeichnungen, Ornamentstiche, Dekorations- und
architektonische Werke zu sammeln. Fast alle großen Künstler der
verschiedenen Kunstepochen haben in Zeichnungen und Entwürfen einen
großen und wichtigen Theil ihrer Erfindung niedergelegt, und diese
Arbeiten sind unentbehrlich zur Ergänzung der Sammlungen ausgeführter
Gegenstände. Das Berliner Kunstgewerbe-Museum besaß bisher keine
solche Sammlung, weil es an der Gelegenheit zum Erwerbe einer schon
bestehenden gefehlt hat, die allmähliche Bildung einer solchen aber
bei der heutigen Lage des Kunstmarktes weit größere Mittel erfordert
und nach manchen Richtungen überhaupt unmöglich sein würde. Als nun
im vorigen Jahre die Sammlung des Architekten Destailleur in Paris,
welche unter allen bekannten den größten Ruf genießt, nach England
verkauft war und die Gelegenheit sich darbot, dieselbe zu einem mäßigen
Preise zu erwerben, haben einige Kunstfreunde in Berlin die Sammlung
gekauft, um deren Erwerb für das hiesige Kunstgewerbe-Museum möglich
zu machen, und sie der Staatsregierung für den Selbstkostenpreis
angeboten. Da keine öffentliche oder private Sammlung bekannt ist,
welche einen solchen Reichthum an Original-Zeichnungen, Kupferstichen
und Holzschnitten kunstgewerblichen Inhalts von deutschen,
niederländischen, französischen, italienischen und englischen Meistern
des 16., 17. 18. Jahrhunderts besitzt, so hat die Staatsregierung nicht
gezögert, den Ankauf zu betreiben. Der Kaufpreis beträgt 381,000 m.
(Beiblatt zur Zeitschr. f. bild. Kunst, Nr. 24.)
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.