A. E.

Vermischte Nachrichten.

20) Herr Maler Bracht zu Carlsruhe ist in diesem Herbst bei

archäologischer Durchsuchung einer Höhle bei Gerolstein in der Eifel,

des sogenannten Buchenlochs, auf interessante Verhältnisse und Funde

gestoßen. Die 18 Meter tiefe Höhle mit 2 Zugängen, mehreren Winkeln,

Pfeilern und Gängen erwies sich als zur römischen Zeit andauernd

bewohnt. Diese Benutzung hat eine Kulturschicht von 7-10 Centimeter

Stärke hervorgebracht, welche erfüllt ist mit den Scherben aller

Arten römischen Geschirres und kleiner Geräthe und durch die Zeit

mit einer ganz ebenen, ebenso dicken Lehmschicht überdeckt worden

ist. Die geringen Funde dieser Periode, Bronzering, Knochennadel,

eiserne Zange und Nägel etc., werfen nur ein spärliches Licht auf die

damaligen Bewohner der Höhle, und es wird dies dadurch nicht klarer,

daß neben dem römischen Geschirr auch massenhafte Scherben anderen

Charakters vorkommen -- rohe und feinere -- theils mit germanischer

Verzierungsweise.

Wichtiger sind indessen die Zeugnisse aus den tieferen Bodenschichten,

rothem Lehm mit Stücken des anstehenden Dolomitkalks und mit

Dolomitsand vermengt; dieselben stellen den Menschen dar als

gleichzeitigen Bewohner der Eifel mit dem Elephanten, Nashorn,

Höhlenbären, Riesenhirsch, Rennthier, Pferd und anderen, welche aus dem

Knochenmaterial erst durch sachkundige Hand festgestellt werden können.

Herr Bracht fand in unberührter Lage die Knochen, Zähne, Geweihe

und Hufknochen zusammen mit den Zerklopfsteinen von Quarz, welche

zum Zerschlagen der Röhrknochen gedient haben; dabei als einziges,

sorgfältig von Menschenhand hergestelltes Werkzeug mehrere knöcherne

Pfriemen, wozu noch allenfalls zu rechnen sind einige rohe Geräthe,

welche theils als Messer, theils als Marklöffel gedient zu haben

scheinen.

Aus der Lage und den Verhältnissen der Höhle geht unzweifelhaft

hervor, daß die Theile der betreffenden Thiere nur direct in die

Höhle gelangt sein können, daß der Mensch sie zu seiner Nahrung oder

Benutzung hineinbrachte und dann die Reste in die Winkel warf, nachdem

die Markknochen mit wenigen Ausnahmen aufgeschlagen worden waren. Die

Fundstücke gelangen in das Provinzialmuseum zu Trier, dessen Direktor,

Herr Dr. Hettner, es übernommen hat, die Ausgrabung ganz zu Ende zu

führen, da Herr Bracht nicht länger in Gerolstein bleiben konnte.

(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Geschichts- und

Alterthumsvereine, Nr. 12.)

21) Auf der Feldmark von +Groß-Lichterfelde+ haben die Herren

Professor Dr. Schottmüller und Baumeister Schuffenheimer aus Zehlendorf

+altwendische Begräbnißplätze+ aufgefunden. Die Ausgrabungen

fanden unter Aufsicht genannter beiden Herren statt; leider waren

nur noch wenige Gräber vollkommen erhalten. Einige waren von einem

Steinwall umgeben, bei anderen war derselbe zertrümmert; man hatte die

Steine bereits vor sieben Jahren behufs Pflasterung der Straßenanlagen

von Lichterfelde ausgegraben. Es fanden sich Bronzeringe und

Pfeilspitzen vor, außerdem mit Asche und Knochenresten angefüllte

Urnen, die jedoch an der Luft zerbröckelten. Neuerdings ist man einem

anderen Begräbnißplatz auf der Spur, und sollen die eventuellen

Nachgrabungen in der nächsten Woche stattfinden. Die gefundenen

Gegenstände sind dem märkischen Museum überwiesen worden.

(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Geschichts- u.

Alterthumsvereine, Nr. 12.)

22) Fr. Plaut berichtet in seinem „Führer durch Meran und dessen

Umgebung“ (Meran, 1879), Seite 119: „Auf dem Sinnichkopf seien

uralte, äußerst interessante Reste eines Befestigungsbaues deutlich

sichtbar. Die Cyclopenmauern deuten vorrömische Zeit an.“ Eine genauere

Besichtigung ergab, daß wir es mit einem wirklichen Bauwerke dieser Art

zu thun haben. Es ist diese Entdeckung um so werthvoller, da wir in

Tirol wol römische Grabstätten und Hünengräber besitzen, aber +nur

einen+ vorrömischen Bau auf dem Sinnichkopf. Wir hoffen, daß weitere

Nachforschungen gepflogen und Nachgrabungen veranlaßt werden.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 26 / 173 题