3) +Die vier Bücher von der Nachfolge Christi. Aus dem Lateinischen
nach der besten Ausgabe der ehrwürdigen Väter Mauriner,
Benedictiner-Ordens, neu übersetzt von Pater Cölestin Wolfsgruber+
..... Gedruckt und verlegt vom literarischen Institut von Dr. M.
Huttler in Augsburg. 1880. VII u. 547 Stn. kl. 8.
4) +Das neue Kochbuch für das deutsche Haus von Frau Anna Oppre.+
Verlag der Kranzfelder’schen Buchhandlung. Augsburg, 1879. Druck
des literarischen Instituts von Dr. M. Huttler in München. 386 Stn.
8.
Die Zusammenstellung der beiden Titel ebenso, wie des Inhalts der
Bücher macht sofort klar, daß, wer an dieser Stelle darüber sprechen
will, nicht den Inhalt ins Auge faßt; in der That könnten wir den
Lobpreisungen, deren sich die Nachfolge Christi seit Jahrhunderten
erfreut, nichts beifügen und über den Werth moderner Kochrezepte steht
uns kein Urtheil zu. Wir wollen gar nicht über den Inhalt der Bücher
sprechen, noch unsere Leser auf diesen aufmerksam machen, sondern
fassen ausschließlich nur die Ausstattung ins Auge. Noch vor nicht
langer Zeit war es allerdings unmöglich, über solche bei irgend einem
Preßerzeugnisse zu sprechen, und als dann bei Recensionen die Sitte
aufkam, am Schlusse mit wenigen Worten der anständigen Ausstattung
zu gedenken, da schüttelten Manche den Kopf in der Meinung, daß die
Ausstattung vollkommen gleichgültig wäre. Dieser Gleichgültigkeit
hatten wir es zu danken, daß das Druckergewerbe sich so lange nicht
aufraffen konnte, um wieder Druckerkunst zu werden, was es im ersten
Jahrhunderte seines Daseins in solch hohem Grade war. Allerdings ist in
Bezug auf die Vorzüge des Inhalts die Ausstattung gleichgültig, nicht
aber in Bezug auf die Pflicht gegen den Leser. Wir dürfen nicht sagen,
daß blos ein gutes Buch das Recht auf gute äußere Erscheinung hat;
was sich einem Leser nähert, hat die Pflicht, in anständigem Gewande
zu ihm zu kommen. Nichts kann mehr zur künstlerischen Erziehung der
Menschen beitragen als künstlerisch gelungene Ausstattung dessen, was
die Massen am meisten zur Hand nehmen. Da nun dazu die Erzeugnisse
der Presse gehören, so hat diese die Aufgabe, dahin mitzuwirken, daß
Geschmack und Schönheitssinn der Menge angeregt und gehoben werde.
Es liegt darin ein Stück Volkserziehung, und von diesem Standpunkte
aus hat nicht blos der Leser ein Recht zu verlangen, daß sein Auge
nicht durch Geschmacklosigkeit beleidigt werde, es hat die öffentliche
Wohlfahrt ein Recht, schöne Ausstattung jener Druckerzeugnisse
zu fordern, die den Volksmassen in die Hände gegeben werden und
charakteristische Theile unserer ganzen Kultur sind. Wie auf allen
Gebieten dies heute verlangt wird, wie ja auch thatsächlich auf allen
Gebieten sich das Bestreben da und dort, freilich noch immer mehr oder
weniger vereinzelt, kund gibt, solchen Anforderungen zu entsprechen,
ist bekannt. Den anfangs sehr vereinzelten Bestrebungen auf dem Gebiete
des Buchdruckes folgen immer mehrere, und es ist die Huttler’sche
Druckerei, die gegenwärtig neben der Hirt’schen in München sich viele
Mühe gibt. So auch in der Ausstattung der beiden oben genannten Werke.
Das Kochbuch, in kräftiger Schwabacher Schrift auf gelbliches Papier
gedruckt, mit rothen Ueberschriften und Initialen, ist mit einem
dazu passenden Titelblatte in Barockstil ausgestattet und bietet so
den Damen aller Stände Anregung, zu der der elegante Einband nicht
wenig beiträgt, welcher mit Benützung der Zeichnung des Titelblattes
hergestellt ist.
Die Schrift des Gebetbuches knüpft an die Missalschriften vom Ende
des 15. Jahrhunderts an und ist zwischen rothe Linien gedruckt. Diese
Schrift macht einen ebenso ruhig ernsten als echt künstlerischen
Eindruck durch die Kraft und Gleichmäßigkeit des Schriftkörpers und
das Verhältniß des Körpers zu den Zwischenräumen, so daß in der That,
auch ohne den Schmuck der Initialen und trotz der Schwierigkeit, welche
die durch das kleine Format bedingte Kürze der Zeilen dem regelmäßigen
Satz mit großen Typen bereitet, ein wirklicher Genuß bei Betrachtung
des schönen, gleichmäßigen Druckes geboten wird. Der innern Ausstattung
entspricht auch der einfach schöne Lederband und das nach einem Muster
des Mittelalters hergestellte Vorsetzpapier.
Wenn wir aber uns freuen dürfen, daß das Buchdruckergewerbe sich wieder
zur Kunst erhebt, so danken wir dies den geschichtlichen Studien und
ihrer Vertiefung, die sich nun nicht mehr begnügen, an der Vorzeit nur
gewisse Seiten zu erforschen, sondern alle Beziehungen, insbesondere
auch die Formen der äußeren Erscheinung beachten und auf diese Weise
auch den Bestrebungen zur Veredelung unserer Gegenwart durch das
mächtig wirkende Element des Schönen den Boden bereiten.