+an Sebald Rieter zu Nürnberg, 30. Januar 1487.+
Fridrich von gottes gnaden marggrave zu Brandenburg.
Unsern grus zuvor. Lieber getreuer, wir sein jetz ettlich teg bei
unsern lieben oheimen von Sachsen etc. gewest. Haben uns ir lieb
vnder anderm gebeten, mit inen auf irer swester und mumen eelichs
beiligen[9], hinein gein Braunsweigk zu reiten. des sein wir zu thon
also in willen und nachdem wir uns versehen, das auf solichem eelichen
beiligen das ritterspill, rennen und stechen geubt werde, bitten wir
dich gar gutlich, hast du ein aigen stechzeug, du wollest uns den
leihen. Wo du aber kein aigen zeug hetest, so wollest uns ein entlehen
und den unserm hernaschmaister dem Knechtlin antworten. So wir dann
von solichen eelichen beiligen wider anheims komen, wollen wir dir
den von stund wider schicken. Wo auch der verloren oder was daran
zerbrochen wurd, wollen wir gar gütlich bezalen und es in gnaden gein
dir erkennen. Datum Culmbach am Dinstag nach conversionis Pauli anno
etc. lxxxvii.
(Aus dem k. Kreisarchive zu Nürnberg.)
+Nürnberg.+ +Mummenhoff+.
Unrichtige Siegelabbildung.
In der Zeitschrift: „der deutsche Herold,“ Nr. 8 und 9 vom September
v. J. wurde die hier folgende Abbildung (Fig. 1) des Siegels Hugonis
de Lapide aus den Jahren 1286 und 1292 mitgetheilt und dazu bemerkt,
es zeige „2 +vollständig isolierte+ und durch ein dazwischen gelegtes
Ritterschwert von einander getrennte Adlerhälften“.
Da eine langjährige Erfahrung mich gegen alle Abbildungen
mittelalterlicher Siegel mißtrauisch gemacht hat, und da meinem
Stilgefühle dieses „+Ritterschwert+“ in der angegebenen Verwendung --
als heraldisches, wie als sphragistisches Novum -- etwas verdächtig
vorkam, war ich äußerst begierig, das Originalsiegel kennen zu lernen.
Durch die liebenswürdige Bereitwilligkeit des Magistrates der alten
Reichsstadt Mühlhausen in Thüringen erhielt ich die betreffende
Pergamenturkunde, datiert „in crastino Palmarum 1292“, mit dem Siegel
Hugonis de Lapide, zur Einsicht, und theile hier (Fig. 2) eine
diplomatisch getreue Abbildung dieses in mehrfacher Beziehung sehr
interessanten Siegels mit.
[Illustration: Fig. 1.]
[Illustration: Fig. 2.]
Der Vergleich dieser beiden Abbildungen zeigt, daß mein Zweifel in
die Richtigkeit der obigen Abbildung (Fig. 1) gerechtfertigt war. Von
einem „+Ritterschwert+“ zwischen den beiden halben Adlern ist keine
Spur vorhanden; was für das Kreuz (die Parierstange) des Schwertes
angesehen worden, sind nur die, bei mittelalterlichen heraldischen
Adlern so häufig vorkommenden, hier nur halben, Knöpfe oder Kugeln an
den Schwänzen.
Die Theilungslinie, welche die beiden halben Adler des Wappens trennt,
ist auf +diesem+ Siegel, im Verhältniß zu anderen ähnlichen gespaltenen
Wappenschilden auf Siegeln jener Zeit, ausnahmsweise stark angegeben.
Von einem Doppeladler ist daher hier keine Rede; das Wappen besteht
vielmehr aus zwei halben Adlern, und zwar mit versetzten Tinkturen
(welchen? ist natürlich aus dem Siegel mit Sicherheit nicht zu
bestimmen), ganz ähnlich dem Wappen der Badwegen, Nr. 446 der Züricher
Wappenrolle[10].
Für die versetzten Tinkturen in dem Wappen Hugonis de Lapide spricht
die zu jener Zeit noch willkürliche, d. h. die Farbe nicht bestimmt
bezeichnende, Schraffierung, hier Punktierung, des +rechten+ Feldes und
des halben Adlers im +linken+, glatten Felde, welche noch zum Theil
deutlich zu erkennen ist.
Dieser Umstand macht dieses Siegel für die Sphragistik noch
+besonders+ interessant; denn nach meiner bisherigen Erfahrung ist die
Schraffierung eines +Wappenthieres+ auf mittelalterlichen Siegeln eine
+äußerst seltene+ Ausnahme (mir ist im Augenblick kein zweites Beispiel
bekannt); wogegen +andere Wappenbilder+, z. B. die sog. +Heroldstücke+,
und die +Felder+ häufig schraffiert oder damisciert graviert wurden.[11]
Der Holzschnitt Fig. 1 ist wieder ein neuer Beweis, wie vorsichtig man
bei Beurtheilung von Abbildungen mittelalterlicher Siegel sein muß,
zumal wenn dieselben, wie im vorliegenden Falle, in heraldischer und
sphragistischer Beziehung dem Kenner ganz Ungewöhnliches darstellen,
und daß in solchen Fällen die Autopsie des Originals, oder doch
wenigstens eines guten Gipsabgusses, für den Forscher durchaus geboten
ist, wenn er ein +gründliches+ Urtheil darüber abgeben will.
+Kupferzell.+ F.-K.
Ein (fingierter) Kupferstich.
Herzog Adolf August von Holstein-Plön, welcher in kaiserlichen
Kriegsdiensten 1704 in Liegnitz stand, überschickte am 2. October
selben Jahres in seine Heimat nachfolgendes +Pasquill+, welches ihm von
Wien zugegangen war: Beschreibung eines (fingierten) Kupferstiches,
welche die damalige politische Weltlage (spanischer Erbfolgekrieg) in
der beliebten allegorischen Manier des Rococo zeichnet.
(Staatsarchiv Schleswig A. VII, Nr. 534.)
„Auf einem Kupferstich welcher aus London arrivirt, war folgendes zu
sehen.“
„Erstlich präsentirte sich ein kostbarer Triumph-Wagen, auf welchem der
so gemeinte König in Spanien Duc d’Anjou saß, auf selbigem kutschierte
der König in Frankreich Ludovicus XIV. Die Leitseile waren lauter
Gold und Silber. An diesen Wagen waren 6 Pferde gespannt, das erste
präsentirte den Churfürsten von Bayern, das zweite den Churfürsten
von Cölln, das dritte den Herzog von Parma, das vierte den Herzog
von Mantua, das fünfte den Ragazzi, das sechste den Pabst mit einer
Larve wegen der verdächtigen Neutralität. Auf beiden Seiten liefen
mit brennenden Fackeln der Cardinal Portocarero im Spanischen, der
Cardinal d’Estrée und Cardinal Janson im Französischen und drittens
der Cardinal Radzicofsky im Polnischen Habit wegen der Faction mit
Schweden. Bei Abfahrung des Triumph-Wagens zeigte sich ein Portal,
darinnen ein kostbarer Herr zu sehen war, über welchen an einem Faden
eine Krone hing, darüber sah man 5 österreichische Larven mit dieser
Ueberschrift: Bonis Omnibus. Neben dem Portal saßen bei einem Tische
unter dem Schatten eines verdorrten Lorbeerbaumes der Prinz von Wallis
und der Prinz von Conti à l’ombre spielend. Der Prinz von Wallis hatte
in seiner Hand den Schellenkönig andeutend was ihm sein Vater für eine
so große Schelle durch Verlust seines Königreiches angeleget habe.
Der Prinz von Conti hielt in der Hand s. v. die Eichel-Sau andeutend
was er für eine große Sau in Polen aufgehoben habe, welche beide den
vorbeigehenden Duc d’Anjou zu dem darbeistehenden leeren Sessel auf ein
Spiel einladeten. Bei Herannäherung des Triumph-Wagens war vor diesem
ein Schlagbaum, welchen England, Holland, Portugal und Savoyen zuzogen.
Nach diesem aber zeigte sich in seinem geheimen Cabinet der Kaiser,
nebst ihm der Römische König, vor denen der itzige Kriegs-Präsident
(Prinz Eugenius) aufwartete. Bei der Thür aber zeigten sich 3 sehr
fromm und einfältig stellende Patres Societatis mit Bettel-Säcken
auf den Puckeln. Der Kammer-Präsident hatte auch einen leeren Sack
in der Hand, und in bemeltem Cabinet hingen auf allen Seiten an den
Wänden lauter leere Säcke, mit der Ueberschrift Capitation-Steuer,
Vermögen-Steuer, der Herren Stände Gelder, der Prälaten Gelder, des
gemeinen Mannes Gelder. Worauf Ihre Majestät der König auf die Jesuiten
zeigend zu dem Kammer-Präsidenten sagte: Hi sunt qui multa bona habent,
posita in annos plurimos. Auch (_Auf?_) dieses sagte gedachter Herr
Kammer-Präsident zu denen Patribus: Dum tempus est operandi bonum,
saltem animus noster est, ut reddatis Caesari, quod fuit Caesaris.
Hierauf antworteten die dabeistehenden Patres; der erste sagte: Dominus
providebit. Der andere: Aurum et argentum non est nobis. Der dritte:
Ex inferno nulla est redemptio. Worauf Ihro Majestät der Kaiser sie
tröstend, sagte: Cadent a latere vestro mille et decem millia a dextris
vestris ad vos autem non appropinquabit malum. Nach diesem zeigte
sich der Kaiser in seiner Retirade schlafend, hinter welchem stund
Pater Müller Ihro Majestät der Kaiserin Beichtvater, dem Kaiser die
Prophezeiung des Patris Aretoni vorlesend. Nächst darbei hielt P.
Bischof das Licht. Vor dem Kaiser aber stund Pater Meregati mit einem
großen Fliegen-Wedel, dem Kaiser die Spanischen Mücken zu vertreiben.
Dieses alles beschloß Pater Wolff der, wie es schien, eine große Menge
Hunde nach sich zog.“
+Schleswig.+ R. +Göcke+.
Entwurf eines Pokales mit Deckel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Unter den Handzeichnungen des germanischen Museums befindet sich eine
Reihe von Entwürfen für Goldschmiede zu den Gefäßen, wie sie vom
15.-17. Jahrhundert so beliebt waren. Wir haben daraus auf Sp. 267 u.
268 des vorigen Jahrganges unseres Blattes einen gothischen Doppelpokal
veröffentlicht und lassen heute eine Zeichnung folgen, die nach dem
Stile der Darstellung etwa der Mitte des 16. Jahrh. angehören muß.
Leider ist das Papier fast dicht rings um die Zeichnung abgeschnitten
und diese auf neues Papier aufgeklebt, so daß etwaige Angaben über den
Meister oder ein Monogramm weggeschnitten sind. Das Wiener Museum hat
seiner Zeit eine Reihe solcher Gefäßzeichnungen publiciert, die als
Entwürfe des Meisters Hans Brosamer gelten. Eine gewisse Verwandtschaft
zwischen unserer Zeichnung und jenen Werken ist nicht zu läugnen; aber
der Entwurf steht auch anderen Meistern der Zeit kaum weniger nahe.
[Illustration]
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Extract Schreiben aus dem kays. feltlager bey Ofen, den 16. July 1684.
Dieser Brief ist in ein Aufschreibbuch des 16. Jahrhunderts, über
das ich ein anderes Mal genauer zu berichten gedenke, eingetragen.
Die leeren Blätter sind nämlich in späterer Zeit zu verschiedenen
Einzeichnungen benützt worden, und zu diesen gehört auch nachfolgendes
Schreiben. Dasselbe ist besonders deswegen interessant, weil wir daraus
ersehen, mit welchem
Siegesbewußtsein man damals die Einnahme von Ofen erwartete, eine
Hoffnung, die aber nicht erfüllt wurde. Unser Berichterstatter schreibt:
„Den 11ten dito seindt wür aus der Insul St. andre über die Schifbrugen
gerucket, alda wir den Feindt in völliger Patalia angetroffen, welcher
mit großer Furia und unbeschreiblichen geschrey auf unsere Leith
loßgangen, in Mainung selbige zu umbringen[12], und weilen der Paß
etwas eng in das Waßer zu sprengen, ist aber der Gestalten von uns
empfangen worden, das er mit hinterlaßung vieler Todten, das feld also
raumen und sich bis hinter Ofen würcklich berendt, und seindt vnsere
Leith schon in den Stadtgraben an die Mauren kommen. sobald vnsere
Patarien verfertiget, wird man mit 22 halbe kardaunen beschießen. wann
sich die Belagerten nit beßer defendieren, so hoft man deßen innerhalb
8 Tägen mit der Hilf Gottes Maister zu werden. Der Feind hat sich,
so er unseren Marsch und Belagerung vernummen, 3 Meil wegs von Ofen
hinwerths begeben. Allhier will man sagen das der General Leßla die
Esecker Brugen abgebrendt habe; wo deme also were, so kamme kein Bain
von dem Feind daruon. Gästern ist der Herr Paladinus Regni mit seinen
Vngern auch zu uns kammen[13].“
+Innsbruck.+ +Oswald Zingerle+.
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K.
Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.