Die junge Gräfin schläft bis um zehn Uhr des Morgens und will jeden Tag
frisches Gebäck auf dem Frühstückstisch haben. Die junge Gräfin macht
feine Stickereien und liest Gedichte. Auf Kochen und Weben versteht sie
sich nicht. Die junge Gräfin ist ein verhätscheltes Kind.
Aber sie ist fröhlich und läßt ihre Heiterkeit auf alles und alle
strahlen. Man verzeiht ihr gern den langen Morgenschlaf und das frische
Gebäck, denn sie ist verschwenderisch in ihren Wohltaten gegen die Armen
und freundlich gegen jedermann.
Der Vater der jungen Gräfin ist ein schwedischer Edelmann, der sein
ganzes Leben lang in Italien gewohnt hat, weil das schöne Land und eine
von seinen schönen Töchtern ihn dort gefesselt hat. Als Graf Henrik
Dohna in Italien reiste, war er in dem Hause des Edelmanns gastlich
aufgenommen worden und hatte mit den Töchtern Bekanntschaft gemacht und
schließlich eine von ihnen als Gattin nach Schweden heimgeführt.
Sie, die stets Schwedisch gesprochen hat und so erzogen ist, daß sie
alles liebt, was schwedisch ist, befindet sich sehr wohl hier oben im
Bärenland. Sie schwingt sich so fröhlich im Reigen und nimmt so gern
teil an allen Vergnügungen, die den langen Löfsee umkreisen, daß man
glauben sollte, sie habe stets hier oben gelebt. Eins aber versteht sie
nicht recht -- Gräfin zu sein. Da ist nichts Steifes, keine herablassende
Würde an dieser fröhlichen jungen Frau.
Besonders die alten Herren waren ganz entzückt von der jungen Gräfin. Es
war ganz sonderbar, welch einen Stein sie bei ihnen im Brett hatte. Wenn
sie sie auf einem Ball getroffen hatten, so konnte man sicher sein, daß
sie alle, sowohl der Amtsrichter aus Munkerud wie der Probst in Bro und
Melchior Sinclaire und der Hauptmann von Berga, hinterher ihren Frauen
im tiefsten Vertrauen mitteilten, daß, wenn sie die junge Gräfin vor
dreißig, vierzig Jahren getroffen hätten -- so --
»Ja, damals war sie noch gar nicht geboren«, sagen dann die alten
Frauen. Und das nächstemal, wenn sie die junge Gräfin sehen, necken sie
sie damit, daß sie ihnen das Herz ihrer Männer raubt.
Die alten Frauen sehen sie mit einer gewissen Sorge an. Sie denken an
die Gräfin Märta. Die war ebenso fröhlich und gut und geliebt, als sie
zum erstenmal nach Borg kam; und aus ihr war eine eitle, genußsüchtige
Kokette geworden, die jetzt an nichts weiter dachte, als wie sie sich am
besten amüsieren könne.
»Hätte sie nur einen Mann, der sie zur Arbeit anhalten könnte!« sagen
die alten Frauen.
»Wenn sie nur einen Webstuhl einzurichten verstände!« Denn das ist ein
Trost gegen allen Kummer, das verschlingt alle Interessen, das ist die
Rettung manch einer Frau gewesen.
Die junge Gräfin möchte gern eine tüchtige Hausfrau werden. Sie kennt
nichts Schöneres, denn als glückliche Gattin in einem guten Heim zu
leben; in den großen Gesellschaften setzt sie sich oft zu den Alten.
»Henrik möchte so gern, daß ich eine tüchtige Hausfrau würde«, sagte
sie. »So wie seine eigene Mutter. Lehrt mich doch weben!«
Da seufzten die Alten zweimal tief auf; einmal über Graf Henrik, der
glauben kann, daß seine Mutter eine tüchtige Hausfrau war, und dann über
die Schwierigkeit, dies junge, unerfahrene Kind in so verwickelte Sachen
einzuweihen. Fing man nur an, ihr die technischen Ausdrücke und die
einzelnen Teile des Webstuhls zu nennen, so lief ihr schon alles rund im
Kopf herum, geschweige denn, wenn man von »Gerstenkorn« und »Gansauge«
und »Drillich« sprach.
Niemand, der die junge Gräfin sieht, kann umhin, sich darüber zu
wundern, daß sie sich hat mit dem dummen Grafen Henrik verheiraten
können.
Die Ärmsten, die dumm sind! Es ist hart für sie, wo sie auch sein
mögen. Am schlimmsten aber ist es für den, der dumm ist und in Wermland
wohnt.
Es waren schon viele Geschichten über Graf Henriks Dummheit im Umlauf,
und doch war er erst Anfang der Zwanziger. Man erzählte sich, auf welche
Weise er einstmals Anna Stjärnhök auf einer Schlittenfahrt unterhalten
habe.
»Du bist schön, Anna!« sagte er.
»Ach, Unsinn, Henrik!«
»Du bist die Schönste in ganz Wermland!«
»Nein, das bin ich nicht.«
»Aber die Schönste hier auf der Schlittenpartie bist du doch.«
»Nein, Henrik, das bin ich auch nicht.«
»Ja, aber die Schönste hier im Schlitten bist du; das kannst du doch
nicht leugnen!«
Nein, das konnte sie nicht, denn Graf Henrik ist nicht schön, er ist
ebenso häßlich, wie er dumm ist. Man pflegt von ihm zu sagen, der Kopf,
der auf seinen Schultern sitzt, habe sich mehrere hundert Jahre hindurch
in der Familie vererbt; deswegen sei das Gehirn bei dem letzten Erben so
abgenutzt. »Der Kopf ist bei seinem Vater und bei seinem Großvater in
Gebrauch gewesen; woher sollte sonst wohl das Haar so dünn, das Kinn so
spitz, sollten die Lippen so blutlos sein?«
Er ist stets von Spaßmachern umgeben, die ihn verleiten, Dummheiten zu
sagen, die sie dann in verbesserter Auflage weiterverbreiten. Ein wahres
Glück für ihn ist es, daß er nichts davon merkt. Er selber ist feierlich
und würdevoll in seinem ganzen Auftreten; er kann es sich nicht
vorstellen, daß andere nicht ebenso sein sollten. Die Würde ist ihm in
Fleisch und Blut übergegangen, er bewegt sich gemessen, geht steif
einher, dreht nie den Kopf herum, ohne daß sich nicht der ganze Körper
mitdreht.
Aber die junge Gräfin hat ihn doch lieb, trotz seines Greisenkopfes. Sie
ahnte ja nicht, als sie ihn da unten in Rom sah, daß er in seinem
eigenen Lande von einer solchen Märtyrerglorie der Dummheit umgeben ist.
Da unten hatte etwas von dem Glanz der Jugend über ihm gelegen, und sie
waren unter höchst romantischen Umständen miteinander vereint worden.
Man mußte nur die junge Gräfin erzählen hören, wie Graf Henrik sie
entführt hatte. Mönche und Kardinäle waren rasend darüber, daß sie die
Religion ihrer Mutter, in der sie aufgewachsen war, verlassen und zum
Protestantismus übertreten wollte. Der ganze Pöbel war in Aufruhr, der
Palast ihres Vaters war belagert worden. Henrik wurde von Banditen
verfolgt, ihre Mutter und ihre Schwestern flehten sie an, diese Ehe
aufzugeben. Ihr Vater aber war wütend, daß das italienische Pack ihm
verbieten wollte, seine Tochter zu geben, wem er wolle. Er befahl Graf
Henrik, sie zu entführen. Und dann, da es unmöglich für sie war, zu
Hause getraut zu werden, schlichen sie und Henrik durch allerlei
Hintergassen nach dem schwedischen Konsulat. Und nachdem sie dort ihrem
katholischen Glauben entsagt und Protestantin geworden war, wurden sie
sofort getraut und in einem mit ein paar feurigen Pferden bespannten
geschlossenen Wagen gen Norden gesandt. »Zum Aufgebot blieb uns keine
Zeit, das seht ihr wohl ein,« pflegte die junge Gräfin zu sagen, »und es
war ja ungemütlich, auf dem Konsulatsbureau getraut zu werden, statt in
einer unserer schönen Kirchen, aber sonst hätte Henrik mich nicht
bekommen. Da unten sind sie alle so heißblütig, sowohl Papa als Mama und
die Kardinäle und die Mönche, alle sind sie leicht erregbar. Deswegen
mußte alles so heimlich vor sich gehen, denn wenn die Leute uns hätten
wegschleichen sehen, würden sie uns wohl alle beide totgeschlagen haben,
nur um meine Seele zu retten. Henrik hielten sie ja für einen
Verlorenen.«
Aber die junge Gräfin hat ihren Mann lieb, auch nachdem sie in der
Heimat ihr ruhigeres Leben auf Borg begonnen haben. Sie liebt bei ihm
den Glanz des alten Namens und die berühmten Vorfahren. Es freut sie zu
sehen, wie ihre Nähe sein steifes Wesen mildert, zu hören, wie seine
Stimme weich wird, wenn er mit ihr spricht. Und außerdem hat er sie lieb
und verhätschelt sie, und dann ist sie nun ja einmal mit ihm
verheiratet. Die junge Gräfin kann es sich nicht anders denken, als daß
eine verheiratete Frau ihren Mann liebhaben muß.
Gewissermaßen entspricht er auch ihrem Ideal von Männlichkeit. Er ist
rechtschaffen und wahrheitsliebend. Er hat niemals ein gegebenes Wort
gebrochen. Sie hält ihn für einen echten Edelmann.
* * * * *
Am achten März feiert der Amtmann Scharling seinen Geburtstag, und da
wimmelt es von Gästen, die alle die Brobyer Hügel hinanziehen. Aus Osten
und Westen kommen sie, Bekannte und Unbekannte, gebetene und ungebetene
Gäste! Und alle sind sie willkommen. Da sind Speisen und Getränke genug
für alle, und im Tanzsaal ist Platz für alle Tanzlustigen aus sieben
Kirchensprengeln.
Die junge Gräfin kommt auch. Sie stellt sich überall ein, wo man Tanz
und Lustbarkeit erwarten kann.
Aber sie ist nicht so fröhlich wie sonst, es ist, als habe sie eine
Ahnung, daß jetzt die Reihe an sie kommt, von der wilden Jagd aus dem
Märchen mit fortgerissen zu werden.
Sie hat unterwegs dagesessen und die untergehende Sonne betrachtet. Sie
sank von einem Himmel herab, an dem sie keine Goldstreifen auf leichten
Wolken hinterließ. Graubleiche Dämmerung mit jagenden, kalten Windstößen
hing über der Gegend. Die junge Gräfin sah, wie Tag und Nacht
miteinander kämpften und wie alles Lebende bei diesem Streit der
Gewaltigen von Angst und Schrecken ergriffen wurde. Die Pferde jagten
mit dem letzten Fuder dahin, um bald unter Dach zu kommen. Die Holzhauer
eilten aus dem Walde heim, die Mädchen verließen die Wirtschaftsgebäude.
Im Waldesdickicht heulten die wilden Tiere. Der Tag, der Menschen Lust
und Freude, ward überwunden.
Die Farben verschwanden, das Licht erlosch. Kälte und Unschönheit, wohin
sie blickte. Auch was sie gehofft, geliebt und gewirkt hatte, verhüllte
sich vor ihrem geistigen Auge in das Grau der Dämmerung. Es war für sie
wie für die ganze Natur die Stunde der Ermüdung, der Niederlage, der
Ohnmacht. Sie dachte daran, daß ihr eigenes Herz, das jetzt in
sprudelnder Freude das Dasein in Gold und Purpur hüllte, daß dies Herz
vielleicht einmal seine Kraft, ihre Welt zu erleuchten, einbüßen würde.
»Ach, Ohnmacht, Ohnmacht meines eigenen Herzens!« sagte sie zu sich
selber. »Du erstickende graue Dämmerung, du wirst einstmals auch in
meiner Seele Herrscher werden! Da werde ich das Leben häßlich und grau
erblicken, wie es vielleicht ist, da wird mein Haar ergrauen, mein
Rücken sich krümmen, mein Gehirn erlahmen.«
In demselben Augenblick bog der Schlitten in den Hof des Amtmanns ein,
und als die junge Gräfin aufschaute, fiel ihr Blick auf ein vergittertes
Fenster in einem Seitengebäude, und dahinter gewahrte sie ein Gesicht
mit ein paar zornigen Augen.
Dies Gesicht gehörte der Majorin von Ekeby, und die junge Frau fühlte,
daß es nun mit ihrer Freude für heute Abend ein Ende hatte. Man kann
wohl fröhlich sein, wenn man den Kummer nicht sieht und ihn nur als
etwas ganz Entferntes erwähnen hört. Schwerer ist es, die Freude des
Herzens zu bewahren, wenn man der bittern Not von Angesicht zu Angesicht
gegenübersteht.
Die Gräfin weiß wohl, daß der Amtmann die Majorin hat arretieren lassen
und daß sie wegen der Gewalttat verklagt werden soll, die sie in jener
Nacht verübte, als der große Ball auf Ekeby stattfand. Aber sie hat
nicht daran gedacht, daß sie dort auf dem Gehöft des Amtmanns in
Verwahrsam gehalten wird, so nahe dem Ballsaal, daß man von dort in ihr
Zimmer hineinsehen kann, so nahe, daß sie die Tanzmusik und den
fröhlichen Lärm hören muß. Und der Gedanke an sie raubt der Gräfin alle
Freude.
Wohl tanzt die Gräfin Walzer und Quadrille, sie schreitet in der
Menuette und in der Anglaise dahin, zwischen jedem Tanz aber muß sie ans
Fenster schleichen und nach dem Seitengebäude hinübersehen. Da ist Licht
im Fenster der Majorin, sie kann sie im Zimmer auf und nieder gehen
sehen. Es sieht so aus, als ruhe sie niemals, als wandere sie
unablässig, ohne Rast. Aber nach jedem Mal, wenn die Gräfin
hinausgeschaut hat, bewegen ihre Füße sich schwerfälliger im Tanz, und
das Lachen bleibt ihr in der Kehle stecken.
Die Frau des Amtmanns bemerkt, daß sie den Tau von den Fenstern
trocknet, um hinaussehen zu können, und tritt an sie heran.
»Ach, welch ein Elend, welch ein Elend!« flüsterte sie der Gräfin zu.
»Ich finde es beinahe unmöglich, heute abend zu tanzen«, gibt ihr die
Gräfin flüsternd zurück.
»Es ist nicht meine Schuld, daß wir einen Ball geben, während sie dort
sitzt«, erwidert Frau Scharling. »Sie hat die ganze Zeit hindurch in
Karlstad im Gefängnis gesessen, aber jetzt soll die Sache vor Gericht,
und deswegen ist sie heute hierhergeschafft worden. Wir konnten sie
nicht in der elenden Gefängniszelle sitzen lassen, deswegen haben wir
sie drüben in der Webstube untergebracht. Sie hätte in meinem Zimmer
gewohnt, Frau Gräfin, wenn nicht alle diese Menschen gerade heute
hierher gekommen wären. Die Frau Gräfin haben sie ja kaum gekannt, uns
allen aber ist sie gleichsam eine Mutter und Königin gewesen. Was muß
sie nur von uns denken, die wir hier tanzen, während sie sich in einer
solchen Not befindet? Ein Glück, daß die meisten nicht ahnen, daß sie
dasitzt.«
»Sie hätte niemals verhaftet werden dürfen«, sagt die Gräfin streng.
»Nein, das ist ein wahres Wort, Frau Gräfin; aber es war nichts weiter
dabei zu machen, wenn nicht noch größeres Unheil geschehen sollte.
Niemand konnte ihr verbieten, ihre eigenen Strohmieten in Brand zu
stecken und die Kavaliere fortzujagen, aber der Major machte Jagd auf
sie. Gott weiß, was er getan haben würde, wenn sie nicht in Gewahrsam
genommen wäre. Scharling hat viele Unannehmlichkeiten davon gehabt, daß
er sie einstecken ließ. Selbst in Karlstad waren die Leute unzufrieden,
daß er nicht ein Auge zu dem zudrückte, was sich auf Ekeby ereignete.
Aber er handelte ja nach bestem Ermessen.«
»Jetzt wird sie wohl verurteilt?« fragt die Gräfin.
»Ach nein, verurteilt wird sie nicht, die Majorin auf Ekeby wird schon
freigesprochen; aber das, was sie in diesen Tagen hat durchmachen
müssen, ist doch zu viel für sie gewesen. Wenn sie nur nicht den
Verstand verliert. Denken Sie nur, so eine stolze Frau und dann als
Verbrecherin behandelt zu werden! Ich glaube, es wäre das Richtigste
gewesen, wenn man ihr Erlaubnis gegeben hätte zu gehen; da wäre sie
vielleicht auf eigene Hand entkommen.«
»Lassen Sie sie doch entschlüpfen«, sagt die Gräfin.
»Das kann jeder andere tun, nur nicht der Amtmann oder seine Frau«,
flüstert Frau Scharling. »Wir müssen ja acht auf sie geben. Besonders in
dieser Nacht, wo so viele von ihren Freunden hier sind; deswegen halten
auch zwei Männer Wache vor ihrer Tür, und die ist verschlossen und
verriegelt, so daß niemand zu ihr hineinkommen kann. Wenn ihr aber
jemand zur Flucht behilflich sein wollte, so würden sowohl Scharling als
ich uns freuen.«
»Darf ich nicht einmal zu ihr hineingehen?« fragte die junge Gräfin.
Frau Scharling erfaßt sie eifrig bei der Hand und zieht sie mit sich
hinaus. Auf der Diele hüllen sie sich in ein paar Schals und eilen dann
über den Hof.
»Es ist sehr leicht möglich, daß sie nicht einmal mit uns sprechen
will«, sagt Frau Scharling. »Aber dann kann sie doch wenigstens sehen,
daß wir sie nicht vergessen haben.«
Sie gehen durch das erste Zimmer, wo die beiden Männer sitzen und bei
verschlossenen Türen Wache halten, und gelangen dann ungehindert zur
Majorin. Sie war in einem großen Zimmer eingeschlossen, das mit
Webstühlen und ähnlichen Gerätschaften angefüllt war. Es war
ursprünglich die Webstube, wurde jedoch in Notfällen auch als Gefängnis
gebraucht, weswegen Eisenstangen vor den Fenstern und schwere Schlösser
vor der Tür angebracht waren.
Die Majorin setzt ihre Wanderung fort, ohne sie weiter zu beachten. Sie
hat in diesen Tagen einen langen Weg zurückzulegen. Sie kann an nichts
weiter denken, als daß sie die dreißig Meilen bis zu ihrer Mutter
zurücklegen muß, die da oben in den Elfdalswäldern sitzt und auf sie
wartet.
Sie hat keine Zeit zu ruhen. Sie muß wandern. Eine rastlose
Geschäftigkeit hat sie ergriffen. Ihre Mutter ist über neunzig Jahre
alt. Sie kann nicht lange mehr leben.
Sie hat die Länge des Zimmers nach Ellen gemessen, und nun zählt sie die
Male, die sie hin und her wandert, legt die Ellen zu Faden, die Faden zu
Meilen zusammen.
Schwer und lang erscheint ihr der Weg, und doch darf sie nicht ruhen.
Sie watet durch tiefe Schneeschanzen. Sie hört die ewigen Wälder sausen
dort, wo sie geht. Sie ruht in den Rauchstuben der Finnen aus und in
den Reisighütten der Köhler. Zuweilen, wenn sie in meilenweitem Umkreis
auf keinen einzigen Menschen stößt, muß sie sich Zweige zu einem Lager
abbrechen und unter den Wurzeln einer umgewehten Tanne schlafen.
Und endlich hat sie das Ziel erreicht, die dreißig Meilen sind
zurückgelegt, der Wald öffnet sich, rote Häuser werden auf einem
schneebedeckten Hofplatz sichtbar. Der Gießbach braust schäumend dahin,
eine Reihe kleiner Wasserfälle bildend, und an dem wohlbekannten Brausen
hört sie, daß sie zu Hause ist.
Und ihre Mutter, die sie kommen sieht, als Bettlerin, wie sie es gewollt
hat, geht ihr entgegen -- -- --
Als die Majorin so weit gekommen ist, erhebt sie den Kopf, schaut sich
um, erblickt die verschlossene Tür und weiß nun, wo sie ist.
Da fragt sie sich selbst, ob sie im Begriff ist, wahnsinnig zu werden,
und sie setzt sich wieder hin, um zu denken und zu ruhen. Aber einen
Augenblick später ist sie wieder auf der Wanderung, zählt Ellen, Faden
und Meilen, hält Rast in den Hütten und schläft weder Tag noch Nacht,
bis sie die dreißig Meilen zurückgelegt hat. In der ganzen Zeit, seit
sie gefangen gesessen, hat sie fast gar nicht geschlafen.
Und die beiden Frauen, die gekommen sind, um sich nach ihr umzusehen,
schauen sie voller Angst an. Die junge Gräfin kann diesen Anblick später
nie wieder vergessen. Sie sieht sie oft in ihren Träumen und erwacht
dann mit tränenfeuchten Augen, eine Klage auf den Lippen.
Die Alte hat sich traurig verändert; das Haar sieht so dünn aus, und
lose Zotteln hängen aus der kleinen Flechte heraus. Das Gesicht ist
scharf und eingefallen, die Kleider sind unordentlich und zerlumpt. Bei
alledem aber haftet doch noch so viel von der vornehmen Dame an ihr, von
der Herrscherin, daß sie nicht nur Mitleid, sondern auch Ehrfurcht
einflößt.
Was die Gräfin aber gar nicht wieder vergessen kann, das sind die Augen,
eingesunken, nach innen gewendet, noch nicht des Lichts des Verstandes
beraubt, aber nahe daran zu erlöschen, und mit einem Funken von
Wildheit, der in der Tiefe lauert, so daß einem angst und bange werden
kann, daß die Alte sich im nächsten Augenblick auf einen stürzen wird,
die Zähne bereit zu beißen, die Nägel zu kratzen.
Sie haben eine Weile dort gestanden, als die Majorin plötzlich vor der
jungen Frau stehenbleibt und sie mit einem strengen Blick anschaut. Die
Gräfin weicht einen Schritt zurück und ergreift Frau Scharlings Arm.
Die Züge der Majorin erhalten plötzlich Leben und Ausdruck, ihre Augen
schauen wieder mit voller Klarheit in die Welt hinaus.
»Ach nein, ach nein,« sagt sie lächelnd, »so schlimm ist es denn doch
noch nicht, meine liebe junge Dame.«
Sie fordert sie auf, sich zu setzen, und setzt sich selbst. Sie nimmt
ein Air altmodischer Vornehmheit an, wohlbekannt von den großen Festen
auf Ekeby und den Königsbällen im Statthalterpalais in Karlstad. Sie
vergessen die Lumpen und das Gefängnis und sehen nur die stolzeste,
reichste Frau in ganz Wermland.
»Meine liebe Gräfin,« sagt sie, »was veranlaßt Sie, den Ball zu
verlassen und mich einsame alte Frau aufzusuchen? Das ist wirklich zu
gütig.«
Gräfin Elisabeth kann nicht antworten; Bewegung erstickt ihre Stimme.
Frau Scharling antwortet für sie, daß sie nicht tanzen kann, weil sie an
die Majorin denken muß.
»Liebe Frau Scharling,« antwortet die Majorin, »ist es denn jetzt so
weit mit mir gekommen, daß ich die Jugend in ihrer Freude störe? Weinen
Sie nicht über mich, liebe junge Gräfin«, fährt sie fort. »Ich bin eine
böse, alte Frau, die ihr Schicksal verdient hat. Sie halten es doch
nicht für richtig, seine Mutter zu schlagen?«
»Nein, aber ...«
Die Majorin unterbricht sie und streicht ihr das krause blonde Haar aus
der Stirn. »Kind, Kind,« sagt sie, »wie konnten Sie sich nur mit dem
dummen Henrik Dohna verheiraten?«
»Aber ich liebe ihn.«
»Ich sehe das Ganze, ich sehe das Ganze«, sagt die Majorin. »Ein gutes
Kind und nichts weiter, weint mit den Betrübten und lacht mit den
Fröhlichen. Und muß 'ja' zu dem ersten sagen, der kommt und sagt:
'Ich liebe dich!' -- Ja, ja, so ist es! -- Gehen Sie nur hinein und tanzen
Sie, meine liebe junge Gräfin. Tanzen Sie und seien Sie fröhlich. In Ihnen
ist nichts Böses.«
»Aber ich möchte so gern etwas für die Frau Majorin tun!«
»Kind,« sagt die Majorin feierlich, »es wohnte eine alte Frau auf Ekeby,
die hielt die Winde des Himmels gefangen. Jetzt ist sie selbst eine
Gefangene, und die Winde sind frei. Ist es da so wunderlich, daß ein
Sturm über das Land dahinsaust?
»Ich, die ich alt bin, habe ihn schon früher gesehen, Gräfin. Ich kenne
ihn. Ich weiß, daß Gottes gewaltiger Sturm über uns kommt. Bald braust
er über die großen Reiche dahin, bald über die kleinen, vergessenen
Staaten. Gottes Sturm vergißt keinen. Er kommt über die Großen wie über
die Kleinen. Es ist großartig, Gottes Sturm kommen zu sehen.
»Gottes Sturm, du gesegnetes Wetter des Herrn, wehe über die Erde dahin!
Ihr Stimmen aus der Luft und aus dem Wasser, ertönt, entsetzet! Macht
Gottes Sturm gewaltig, macht Gottes Sturm schreckeinflößend! Laßt die
Stürme über das Land dahinsausen, gegen die schwankenden Wände fahren,
die verrosteten Schlösser zersprengen, die morschen Häuser umstürzen!
»Schrecken soll sich über das ganze Land ausbreiten. Die kleinen
Vogelnester sollen aus den Zweigen herausgeschüttelt werden. Das
Habichtsnest im Wipfel der Tanne soll mit lautem Krachen zur Erde
fallen, und bis hinein in das Eulennest in der Bergkluft soll der Wind
mit seiner Drachenzunge zischen.
»Wir meinten, alles bei uns sei so gut, aber das war es nicht. Wir haben
Gottes Sturmwetter sehr nötig. Ich verstehe es, und ich klage nicht. Ich
wünsche nur nach Hause zu kommen, zu meiner Mutter!«
Sie bricht plötzlich zusammen.
»Geh jetzt, junge Frau«, sagt sie. »Ich habe keine Zeit mehr. Ich muß
gehen. Geh jetzt, hüte dich aber vor denen, die auf den Schwingen des
Sturmes kommen!«
Und dann beginnt sie ihre Wanderung von neuem wieder. Die Züge werden
schlaff, der Blick wendet sich nach innen. Die Gräfin und Frau Scharling
müssen sie verlassen.
Sobald sie zu den Tanzenden zurückgekehrt sind, geht die junge Gräfin
direkt auf Gösta Berling zu.
»Ich soll Herrn Berling von der Majorin grüßen«, sagt sie. »Sie
erwartet, daß Herr Berling sie aus ihrem Gefängnis befreien wird.«
»Da kann sie lange warten, Frau Gräfin!«
»Ach, helfen Sie ihr doch, Herr Berling!«
Gösta schaut finster vor sich nieder. »Nein,« sagt er, »weswegen sollte
ich ihr helfen? Wofür schulde ich ihr Dank? Alles, was sie getan hat,
ist zu meinem Unglück gewesen.«
»Aber Herr Berling ...«
»Wäre sie nicht gewesen,« erwidert er heftig, »so schliefe ich jetzt
dort oben in den ewigen Wäldern. Bin ich verpflichtet, mein Leben für
sie zu wagen, weil sie mich zum Kavalier auf Ekeby gemacht hat? Glauben
Frau Gräfin, daß das ein sehr ehrenvolles Amt ist?«
Ohne zu antworten, wendet sich die junge Gräfin von ihm ab. Sie ist
zornig.
Mit bitteren Gedanken über die Kavaliere begibt sie sich an ihren Platz.
Mit Waldhorn und Violinen sind sie hierhergekommen und wollen die Bogen
über die Saiten fahren lassen, bis sie zerspringen, ohne daran zu
denken, daß die lustigen Töne zu der Gefangenen in das elende Zimmer
hinüberdringen. Sie sind hierhergekommen, um zu tanzen, bis die
Schuhsohlen durchgetreten sind, und denken nicht daran, daß ihre alte
Wohltäterin ihre Schatten an den betauten Fensterscheiben vorübergleiten
sehen kann! Ach, wie grau und häßlich doch die Welt wird! Ach, welche
Schatten doch die Not und die Hartherzigkeit der Menschen in die Seele
der jungen Gräfin werfen!
Nach einer Weile kommt Gösta und fordert sie zum Tanz auf.
Sie sagt nein, geradezu nein!
»Wollen Frau Gräfin nicht mit mir tanzen?« fragt er tief errötend.
»Weder mit Ihnen noch mit irgendeinem von den Kavalieren«, antwortet
sie.
»Sind wir einer solchen Ehre nicht würdig?«
»Es ist keine Ehre, Herr Berling! Aber ich finde kein Vergnügen daran,
mit Leuten zu tanzen, die das Gebot der Dankbarkeit vergessen.«
Gösta hat sich bereits auf dem Absatz umgedreht.
Gar viele sind Augen- und Ohrenzeugen dieser Szene gewesen. Alle geben
der Gräfin recht. Die Undankbarkeit und Herzlosigkeit der Kavaliere
gegen die Majorin hat eine allgemeine Entrüstung wachgerufen.
Aber in jenen Tagen ist Gösta Berling gefährlicher als ein wildes Tier
des Waldes. Seit dem Augenblick, wo er von der Jagd heimkehrte und
Marianne nicht mehr vorfand, ist sein Herz wie eine offene Wunde
gewesen. Er hat die größte Lust, irgend jemand ein blutiges Unrecht
zuzufügen, Kummer und Sorge über weite Kreise zu verbreiten.
Wenn sie es so haben will, sagt er zu sich selber, so soll es ihr
werden. Aber sie soll nicht geschont werden. Die Gräfin schwärmt ja für
Entführungen. Das Vergnügen soll ihr werden. Er hat nichts gegen ein
Abenteuer einzuwenden. Acht Tage lang hat er um eine Frau getrauert. Das
ist lange genug. Er ruft Beerencreutz, den Oberst, Christian Bergh, den
starken Hauptmann, und den saumseligen Vetter Kristoffer, der stets zu
einem verwegenen Abenteuer aufgelegt ist, und beratschlagt mit ihnen,
wie man die gekränkte Ehre des Kavalierflügels retten soll.
Und dann kommt der Schluß des Festes. Eine lange Reihe von Schlitten
fährt im Hofe auf. Die Herren ziehen ihre Pelze an, die Damen suchen in
dem verzweifelnden Wirrwarr des Ankleidezimmers nach ihren wärmenden
Hüllen.
Die junge Gräfin hat sich beeilt, von diesem abscheulichen Ball
fortzukommen. Sie ist von allen Damen zuerst fertig. Lächelnd steht sie
mitten im Zimmer und sieht sich die allgemeine Verwirrung an, als die
Tür aufgerissen wird und Gösta Berling auf der Schwelle erscheint.
Kein Mann hat sonst das Recht, in dies Zimmer einzudringen. Alte Damen
flehen da mit ihrem dünnen Haar, jetzt wo sie die feinen Hauben
abgenommen haben, und die jungen haben ihre Kleider unter den Pelzen
hoch in die Höhe gezogen, damit die steifen Garnierungen bei der Fahrt
nicht zerknittert werden sollen.
Ohne sich aber an die warnenden Rufe zu kehren, springt Gösta Berling
auf die Gräfin zu und ergreift sie. Er hebt sie auf seine Arme und
stürzt mit ihr zum Zimmer hinaus, auf die Diele und von da auf die
Treppe.
Die Schreie der überraschten Frauen hemmen ihn nicht. Als sie hinter ihm
drein eilen, sehen sie nur, daß er sich, die Gräfin noch immer im Arm
haltend, in einen Schlitten wirft. Sie hören den Kutscher mit der
Peitsche knallen und sehen das Pferd von dannen jagen. Sie kennen den
Kutscher -- es ist Beerencreutz. Sie kennen das Pferd -- es ist Don Juan.
Und in tiefer Besorgnis um das Schicksal der Gräfin rufen sie die
Herren.
Und diese verbringen keine Zeit mit vielen Fragen, sondern stürzen zu
den Schlitten. Den Grafen an der Spitze, machen sie Jagd auf den
Frauenräuber.
Er aber liegt im Schlitten und hält die junge Gräfin fest. Aller Kummer
ist vergessen, hingerissen von der berauschenden Freude des Abenteuers
singt er aus vollem Halse ein Lied von Liebe und von Rosen. Er hält sie
fest an sich gepreßt, sie aber macht keinen Versuch, ihm zu entfliehen.
Ihr Antlitz ruht weiß und versteinert an seiner Brust.
Ach, was soll ein Mann tun, wenn er ein bleiches, hilfloses Gesicht so
unmittelbar in seiner Nähe hat, wenn er das blonde Haar, das sonst die
schimmernd weiße Stirn beschattet, zurückgestrichen sieht, wenn die
Lider sich schwer über den grauen, schelmischen Augen geschlossen haben?
Küssen, natürlich, die bleichen Lippen, die geschlossenen Augen, die
weiße Stirn küssen!
Da aber erwacht die junge Frau. Sie wirft sich auf die Seite, sie ist
elastisch wie eine Feder. Und er muß mit seiner ganzen Kraft gegen sie
kämpfen, damit sie sich nicht aus dem Schlitten stürzt, ehe es ihm
gelingt, sie ergeben aber zitternd in die eine Ecke des Schlittens zu
zwingen.
»Siehe,« sagt Gösta ganz ruhig zu Beerencreutz, »die Frau Gräfin ist die
Dritte, die Don Juan und ich diesen Winter entführen. Aber die andern
hingen an meinem Halse und küßten mich, und sie will weder von mir
geküßt werden noch mit mir tanzen. Kannst du aus diesen Frauen klug
werden, Beerencreutz?«
Aber als Gösta aus dem Hofe fuhr, als die Frauen schrien und die Männer
fluchten, als die Schlittenglocken klingelten und die Peitschen knallten
und überall Lärm und Verwirrung herrschte, da ward den Männern, die die
Majorin bewachten, gar wunderlich zumute.
»Was geht denn da vor sich?« dachten sie. »Weshalb schreien die Leute?«
Plötzlich wird die Tür aufgerissen und eine Stimme ruft ihnen zu: »Sie
ist fort. Jetzt fahren sie mit ihr ab.«
Und sie laufen wie verrückte Menschen davon, ohne nachzusehen, ob es die
Majorin oder sonst jemand war, der verschwunden ist.
Das Glück war ihnen günstig, sie fanden sogar noch Platz in einem
Schlitten. Und sie fuhren eine lange Strecke, ehe es ihnen klar ward,
wer die Verfolgte war.
Aber Bergh und Vetter Kristoffer gingen ganz gemächlich nach der Tür,
sprengten das Schloß und öffneten der Majorin.
Sie kam heraus. Sie standen so steif wie zwei Bildsäulen zu jeder Seite
der Tür und sahen sie nicht an.
»Draußen hält ein angespannter Schlitten!«
Da ging sie hinaus, setzte sich in das Fuhrwerk und fuhr von dannen.
Niemand verfolgte sie. Es wußte auch niemand, wohin sie fuhr.
Don Juan eilt die Brobyer Hügel hinab, an die eisbedeckte Fläche des
Sees. Das stolze Roß fliegt dahin. Eiskalte Luft umsaust schneidend die
Wangen der Fahrenden. Die Schellen läuten. Die Sterne und der Mond
funkeln. Der Schnee liegt blauweiß und schimmert mit seinem
eigentümlichen Glanz.
Gösta fühlt poetische Gedanken in sich erwachen.
»Beerencreutz,« sagt er, »dies ist das Leben. So wie Don Juan mit dieser
jungen Dame enteilt, so entflieht die Zeit mit den Menschen. Du bist die
bittere Notwendigkeit, die das Gefährt lenkt. Ich bin das Verlangen, das
den Willen gefangen hält. Und so wird der Machtlose tiefer und tiefer
hinabgezogen.«
»Rede nicht so viel«, brüllt Beerencreutz. »Jetzt sind sie uns auf den
Fersen.« Und mit sausendem Peitschenschlag treibt er Don Juan zu immer
wilderer Fahrt an.
»Da sind die Wölfe, hier ist die Beute«, ruft Gösta.
»Don Juan, mein Junge, bilde dir ein, daß du ein junges Elentier bist.
Stürze durch das Gestrüpp, wate durch das Moor, springe vom Felsabhang
hinab in den klaren See, schwimme mit keck erhobenem Haupt darüber hin
und verschwinde, verschwinde in der errettenden Finsternis des dichten
Tannenwaldes. Laufe, Don Juan, alter Frauenräuber! Laufe wie ein junges
Elentier!«
Sein wildes Herz schwillt vor Jubel bei der blitzschnellen Fahrt. Die
Schreie der Verfolger sind ihm ein Jubelgesang. Sein wildes Herz
schwillt vor Jubel, als er bemerkt, daß die Glieder der Gräfin vor
Schreck erbeben, als er ihre Zähne klappern hört.
Plötzlich löst sich der eiserne Griff, mit dem er sie festgehalten hat.
Er richtet sich hoch im Schlitten auf und schwingt die Mütze.
»Ich bin Gösta Berling!« ruft er, »Herr über tausend Küsse und
dreizehntausend Liebesbriefe. Hurra! für Gösta Berling! Fange ihn, wer
da kann!«
Und im nächsten Augenblick flüstert er der Gräfin ins Ohr: »Ist dies
nicht eine herrliche Fahrt? Ist es nicht eine königliche Fahrt? Hinter
dem Löfsee liegt der Wenersee, hinter dem Wenersee liegt das Meer.
Überall unendliche Flächen von spiegelblankem, blauschwarzem Eis und
dahinter wieder eine strahlende Welt. Rollender Donner in dem krachenden
Eis, gellende Rufe hinter uns, Sternschnuppen in der Luft und
Schlittengeläute vor uns. Vorwärts! Immer vorwärts! Haben Sie Lust,
diese Reise mit mir zu machen, schöne junge Frau Gräfin?«
Er hat sie freigegeben. Sie stößt ihn heftig von sich.
Im nächsten Augenblick liegt er zu ihren Füßen auf den Knien.
»Ich bin ein Elender, ein Elender! Die Frau Gräfin hätte mich nicht
reizen sollen. Sie standen so stolz und fein da und glaubten, daß eine
Kavalierfaust Sie niemals erreichen könne. Himmel und Erde lieben Sie.
Sie sollten den nicht noch mit Steinen belasten, der von Himmel und Erde
verachtet ist.«
Er ergreift ihre Hände und führt sie an sein Gesicht.
»Wenn Sie nur wüßten,« sagt er, »was es heißt, zu wissen, daß man ein
Ausgestoßener ist. Es ist einem einerlei, was man tut, ganz einerlei.«
Im selben Augenblick bemerkt er, daß sie nichts an den Händen hat. Er
nimmt ein Paar große Pelzhandschuhe aus der Tasche und zieht sie ihr an.
Und dann ist er plötzlich ganz ruhig geworden. Er setzt sich im
Schlitten zurecht, so weit wie nur möglich von der jungen Gräfin
entfernt.
»Die Frau Gräfin brauchen sich nicht zu fürchten«, sagt er. »Sehen die
Frau Gräfin nicht, wohin wir fahren? Sie werden doch begreifen können,
daß wir Ihnen kein Leides antun wollen.«
Sie ist beinahe ganz besinnungslos gewesen vor Schrecken, aber nun sieht
sie, daß sie schon über den See gefahren sind und daß Don Juan jetzt die
steilen Hügel bei Borg hinaufkeucht. Sie halten das Pferd vor der Treppe
zum Hauptgebäude an und lassen die junge Gräfin an der Tür ihres eigenen
Hauses absteigen.
Als sie sich aber von der Dienerschaft umringt sieht, die
herausgestürzt kommt, kehrt ihr Mut und ihre Geistesgegenwart zurück.
»Sorgen Sie für das Pferd, Andersson,« sagt sie, »die Herren, die mich
nach Hause gefahren haben, sind sicher so freundlich, ein wenig näher zu
treten. Der Graf muß gleich hier sein.«
»Wie die Frau Gräfin befehlen«, sagt Gösta und steigt sofort aus dem
Schlitten. Beerencreutz wirft, ohne sich zu besinnen, dem Kutscher die
Zügel zu. Die junge Gräfin aber geht voraus und führt sie mit schlecht
verhehlter Schadenfreude in den Saal.
Die Gräfin hatte sicher gedacht, daß die Kavaliere sich besinnen würden,
auf ihren Vorschlag einzugehen und ihren Mann zu erwarten. Sie wußten
also nicht, welch ein strenger, gerechter Mann er war. Sie fürchteten
sich nicht vor der Strafe, die er denen zuerteilen würde, die sie mit
Gewalt ergriffen und gezwungen hatten, mit ihnen zu fahren. Sie wollte
es mit anhören, wie er ihnen untersagte, jemals wieder den Fuß über ihre
Schwelle zu setzen. Sie wollte es erleben, wie er die Dienerschaft
hereinrief und vor ihnen die Kavaliere als Persönlichkeiten hinstellte,
die sie in Zukunft niemals in die Tore von Borg einlassen dürften. Sie
wollte hören, wie er seine Verachtung aussprach, nicht nur über das, was
sie ihr angetan, sondern auch über ihr Benehmen gegen die alte Majorin,
ihre Wohltäterin.
Ja, er, der ihr gegenüber lauter Zärtlichkeit und Rücksicht war, er
würde sich in gerechtem Zorn gegen ihre Verfolger erheben. Die Liebe
würde seinen Worten Feuer verleihen. Er, der sie beschützte und bewachte
wie ein Wesen feinerer Art als jede andere, er würde es nicht dulden,
daß rohe Männer über sie herfielen und sie ergriffen, wie der Raubvogel
über den Sperling herfällt. Die ganze kleine Frau erglühte vor
Rachedurst vom Scheitel bis zur Sohle. Ihr Mann sollte ihr in ihrer
Ohnmacht helfen und die dunklen Schatten vertreiben.
Beerencreutz, der Oberst mit dem dicken weißen Schnurrbart, ging ganz
unerschrocken in den Speisesaal, trat an den Kamin, in dem stets, wenn
die Gräfin aus einer Gesellschaft kam, ein helles Feuer brannte.
Gösta verharrte im Dunkeln an der Tür und betrachtete schweigend die
Gräfin, die der Diener ihres Pelzes entledigte. Wie er so dasaß und die
junge Frau ansah, ward er so heiter, wie er es seit Jahren nicht gewesen
war. Es ward ihm so klar, er war so überzeugt davon, als sei es eine
Offenbarung, daß in ihrem Innern die schönste Seele wohnen müsse.
Lange hatte sie in tiefem Schlaf befangen gelegen, aber sie würde schon
ans Tageslicht kommen. Er war so froh, daß er all die Reinheit und
Frömmigkeit und Unschuld entdeckt hatte, die in ihrem innersten Herzen
wohnten. Er war nahe daran, über sie zu lachen, weil sie so erzürnt
aussah und mit flammenden Wangen und gerunzelter Stirn dastand.
»Du weißt es ja selber nicht, wie gut und milde du bist«, dachte er.
Die Seite ihres Wesens, die der Außenwelt zugewendet war, würde ihrem
inneren Ich niemals volle Gerechtigkeit widerfahren lassen, dachte er.
Von diesem Augenblick an mußte aber Gösta Berling ihr Diener sein, wie
man allem Schönen und Göttlichen dienen muß. Ja, es war ihm nicht
möglich zu bereuen, daß er vorhin so gewaltsam gegen sie vorgegangen
war. Wenn sie nicht so bange gewesen wäre, wenn sie ihn nicht so heftig
von sich gestoßen hätte, wenn er nicht gefühlt hätte, wie sich ihr
ganzes Wesen über seine Roheit empörte, so hätte er niemals erfahren,
welch ein feiner, welch ein edler Geist in ihr wohnte.
Er hatte bisher keinen Grund gehabt, es zu glauben. Sie war ja lauter
Tanzlust und Frohsinn. Und dann hatte sie ja das Unglaubliche tun und
sich mit dem dummen Grafen Henrik verheiraten können.
Ja, nun würde er bis an den Tod ihr Sklave sein: Hund und Sklave, wie
Hauptmann Christian zu sagen pflegte, und nichts anderes.
Dort an der Tür saß Gösta Berling mit gefalteten Händen und hielt eine
Art Gottesdienst ab. Seit jenem Tage, als er zum erstenmal die
Feuerzunge der Inspiration über sich hatte flammen fühlen, hatte er
keine solche Erhebung in seiner Seele gefühlt. Er ließ sich nicht
stören, obwohl Graf Dohna mit einer Menge Menschen hereinkam, die über
alle die dummen Streiche der Kavaliere donnerten und fluchten.
Er ließ Beerencreutz den ersten Anprall hinnehmen. Er selber hatte an
anderes zu denken. Ganz ruhig stand der Ritter der vielen Abenteuer am
Kamin, setzte den einen Fuß auf das Kamingitter, stützte den Ellbogen
gegen das Knie und das Kinn in die Hand und sah die Hereinstürmenden an.
»Was hat dies alles zu bedeuten?« brüllte der kleine Graf ihn an.
»Das bedeutet,« erwiderte er, »daß, solange es Frauenzimmer gibt, es
auch nicht an Toren fehlen wird, die nach ihrer Pfeife tanzen.«
Der kleine Graf wurde dunkelrot. »Ich frage, was das zu bedeuten hat?«
wiederholte er.
»Ja, das frage ich auch«, sagte Beerencreutz. »Darf ich mir die Frage
erlauben, was es zu bedeuten hat, daß Graf Henrik Dohnas Gemahlin nicht
mit Gösta Berling tanzen will?«
Der Graf wandte sich fragend an seine Gattin.
»Ich konnte nicht, Henrik«, rief sie aus. »Ich konnte weder mit ihm,
noch mit einem von den anderen tanzen. Ich dachte an die Majorin, die
sie im Gefängnis verschmachten ließen.«
Der kleine Graf richtete seinen steifen Körper stramm auf und warf
seinen Greisenkopf in den Nacken.
»Wir Kavaliere«, sagte Beerencreutz, »gestatten niemand, uns zu
verhöhnen. Wer nicht mit uns tanzen will, muß mit uns fahren. Es ist der
Gräfin kein Schaden zugefügt, und damit mag die Sache ein Ende haben.«
»Nein,« sagte der Graf, »damit hat sie kein Ende. Ich muß für die
Handlungen meiner Gattin einstehen. Jetzt frage ich, weshalb sich Gösta
Berling nicht an mich wandte, um von mir Satisfaktion zu erlangen, als
meine Frau ihn beleidigt hatte.«
Beerencreutz lächelte.
»Ich frage ...« wiederholte der Graf.
»Man bittet den Fuchs nicht um Erlaubnis, wenn man ihm das Fell abziehen
will«, sagte Beerencreutz.
Der Graf legte die Hand auf seine schmale Brust.
»Man sagt mir nach, daß ich ein gerechter Mann bin«, entgegnete er. »Ich
kann Gericht über meine Dienerschaft halten. Weshalb sollte ich nicht
auch Gericht über meine Gemahlin halten? Die Kavaliere haben kein Recht,
sie zu richten. Die Strafe, die sie ihr auferlegt haben, hebe ich auf.
Die hat für mich gar nicht stattgefunden. Verstehen Sie, meine Herren,
die hat gar nicht stattgefunden.«
Der Graf schrie die Worte in seinem höchsten Falsett.
Beerencreutz warf einen schnellen Blick auf die Gesellschaft. Da war
nicht einer der Anwesenden -- Sintram und Daniel Bendix und Dahlberg und
wer sonst noch mit hereingekommen war --, der nicht in den Bart gelacht
hätte, weil er sich so über den dummen Grafen Henrik lustig machte.
Die junge Gräfin verstand es nicht sofort. Was war es eigentlich, das
für null und nichtig erklärt wurde? Ihre Angst, die harte Behandlung
ihres zarten Körpers von seiten der Kavaliere, der wilde Gesang, die
wilden Worte, die wilden Küsse, sollte das alles gar nicht stattgefunden
haben?
»Aber Henrik ...«
»Schweig!« herrschte er sie an. Und nun richtete er sich auf, um ihr
eine Strafpredigt zu halten. »Wehe dir, daß du, die du eine Frau bist,
dich hast zum Richter über Männer aufwerfen wollen«, sagte er. »Wehe
dir, daß du, die du meine Frau bist, es wagst, jemand zu beleidigen,
dessen Hand ich drücke. Was geht es dich an, daß die Kavaliere die
Majorin ins Gefängnis geworfen haben? Hatten sie nicht das Recht dazu?
Du wirst es niemals verstehen können, wie ein Mann sich im Innersten
seiner Seele verletzt fühlt, wenn er von der Treulosigkeit der Frauen
hört. Gedenkst du selber, den schlüpfrigen Weg zu wandeln, da du eine
solche Frau in Schutz nimmst?«
»Aber Henrik ...«
Sie jammerte wie ein Kind und streckte die Arme aus, als wolle sie die
bösen Worte abwenden. Sie hatte wohl noch niemals so harte Worte an sich
richten hören. Sie war so hilflos zwischen diesen harten Männern, und
nun wandte ihr einziger Verteidiger sich gegen sie. Nie mehr würde ihr
Herz Kraft haben, die Welt hell zu machen.
»Aber Henrik! Du solltest mich ja beschützen!«
Gösta Berling war jetzt, wo es zu spät war, aufmerksam geworden. Er
wußte nicht, was er tun sollte. Er meinte es so gut mit ihr. Aber er
wagte nicht, sich zwischen Mann und Frau zu drängen.
»Wo ist Gösta Berling?« fragte der Graf.
»Hier«, sagte Gösta. Und er machte einen mißglückten Versuch, das Ganze
als Scherz darzustellen. »Der Herr Graf waren gewiß dabei, eine Rede zu
halten, und ich schlief ein! Was meinen der Herr Graf dazu, wenn wir
jetzt nach Hause führen und Sie zu Bette gehen ließen?«
»Gösta Berling! Sintemal meine Gattin sich geweigert hat, mit dir zu
tanzen, befehle ich, daß sie deine Hand küssen und dich um Verzeihung
bitten soll.«
»Mein lieber Graf Henrik,« sagt Gösta lächelnd, »das ist keine Hand,
geeignet von einer jungen Dame geküßt zu werden. Gestern war sie rot von
dem Blut eines erlegten Elentiers, morgen ist sie schwarz von Ruß nach
einer Schlägerei mit einem Köhler. Der Graf hat ein edles, hochherziges
Urteil gefällt. Das ist eine hinreichende Genugtuung. Komm,
Beerencreutz!«
Der Graf stellte sich ihm in den Weg. »Geh nicht«, sagt er. »Meine Frau
muß mir gehorchen. Ich will, daß meine Gemahlin erfährt, wozu es führt,
wenn sie eigenmächtig handelt.«
Gösta blieb unschlüssig stehen. Die Gräfin stand bleich da, rührte sich
aber nicht.
»Geh!« sagte der Graf.
»Henrik, ich kann nicht!«
»Du kannst!« sagte der Graf hart. »Du kannst. Aber ich weiß, was du
willst. Du willst mich zwingen, mich mit dem Manne zu duellieren, den du
in deiner Launenhaftigkeit nicht leiden kannst. Wohlan! Wenn du ihm
keine Genugtuung geben willst, so will ich es. Es ist stets ein
besonderes Vergnügen für eine Frau, wenn Männer ihretwegen getötet
werden. Du hast den Fehler begangen, willst ihn aber nicht sühnen. Ich
werde mich duellieren, Frau Gräfin! In wenigen Stunden werde ich eine
blutige Leiche sein.«
Sie schaute ihn mit einem langen Blick an. Und sie sah ihn so, wie er
war: dumm, feige, aufgeblasen vor Hochmut und Eitelkeit, der elendeste
Mensch, den man sehen kann.
»Beruhige dich«, sagte sie. Und sie war kalt wie Eis. »Ich werde es
tun.«
Jetzt aber geriet Gösta Berling ganz außer sich.
»Das dürfen die Frau Gräfin nicht! Nein, Sie dürfen es nicht! Sie sind
ja nur ein Kind, ein schwaches, unschuldiges Kind, und Sie sollten meine
Hand küssen! Sie haben eine so reine und schöne Seele. Ich werde nie
wieder in Ihre Nähe kommen, nie wieder! Ich bringe Tod und Verderben
über alles, was gut und unschuldig ist. Sie sollen mich nicht anrühren.
Ich schrecke vor Ihnen zurück wie das Feuer vor dem Wasser. Sie dürfen
es nicht tun!«
Er hielt die Hände auf dem Rücken.
»Es schadet mir nichts, Herr Berling! Jetzt schadet es mir nicht mehr.
Ich bitte Sie um Verzeihung! Ich bitte Sie, lassen Sie mich Ihre Hand
küssen!«
Gösta hielt seine Hände noch immer auf dem Rücken. Er ließ den Blick
durch den Saal schweifen und näherte sich der Tür.
»Wenn du die Genugtuung nicht annimmst, die meine Frau dir bietet, muß
ich mich mit dir duellieren, Gösta Berling, und muß ihr außerdem eine
noch härtere Strafe auferlegen.«
Die Gräfin zuckte die Achseln. »Er ist ja ganz verrückt vor Feigheit«,
flüsterte sie. »Lassen Sie es geschehen! Es ist ja einerlei, ob ich
gedemütigt werde. Das haben Sie ja die ganze Zeit hindurch gewollt.«
»Habe ich das gewollt? Glauben Sie, daß ich das gewollt habe? Jetzt, wo
ich keine Hände mehr habe, die Sie küssen können, werden Sie verstehen,
daß ich es nicht gewollt habe!« rief er aus.
Er lief nach dem Kamin und steckte seine Hände hinein. Die Flammen
schlugen darüber zusammen, die Haut schrumpfte ein, die Nägel
knatterten. Im selben Augenblick aber ergriff Beerencreutz ihn beim
Nacken und schleuderte ihn gewaltsam durch das Zimmer. Er taumelte auf
einen Stuhl und blieb dort sitzen. Er schämte sich fast über sein
Benehmen. Würde sie glauben, daß er es nur aus Prahlerei getan hatte?
Sich in einem mit Menschen angefüllten Zimmer so aufzuführen -- das
mußte ja wie dumme Prahlerei erscheinen. Es war kein Gedanke an Gefahr
dabei gewesen.
Ehe er sich vom Stuhl erhoben hatte, lag die Gräfin neben ihm auf den
Knien. Sie ergriff die roten, rauchgeschwärzten Hände und betrachtete
sie.
»Ich will sie küssen, ich will sie küssen,« rief sie aus, »sobald sie
nicht mehr zu wund und zu krank sind.« Tränen stürzten ihr aus den
Augen, während sie sah, wie sich die Brandblasen unter der versengten
Haut hoben.
So ward es für sie eine Offenbarung ungekannter Herrlichkeit. Daß noch
so etwas auf Erden geschehen konnte, daß so etwas um ihretwillen
ausgeführt werden konnte! Was für ein Mann war er nicht, zu allem fähig,
gewaltig im Guten wie im Bösen, ein Mann großer Taten, starker Worte,
glänzender Eigenschaften! Ein Held, ein Held! Aus einem andern Stoffe
gemacht als andere. Sklave einer Laune, der Lust eines Augenblickes,
wild und schrecklich, aber im Besitz einer rasenden Kraft, nichts in der
Welt fürchtend.
Sie hatte sich den ganzen Abend so bedrückt gefühlt, hatte nichts
gesehen als Kummer und Grausamkeit und Feigheit. Jetzt war alles
vergessen. Die junge Gräfin war wieder froh, ein Mensch zu sein. Die
Dämmerungsgöttin war besiegt. Die junge Gräfin sah Licht und Farben und
eine sonnige Welt.
* * * * *
Als die Gräfin bald darauf erfuhr, daß die Majorin befreit war, gab sie
eine große Mittagsgesellschaft den Kavalieren zu Ehren. Damit begann
ihre und Gösta Berlings lange Freundschaft.