X.

Ueber den ~Magneten~ finden wir bei Leonardo da Vinci einige Stellen,

welche beweisen, daß derselbe die Eigenschaften desselben zu ergründen

suchte, allein etwas Besonderes resultirte wohl nicht daraus.

Seine Ansichten über die ~Wärme~ dagegen fesseln uns mehr. Zunächst

beobachtete er, daß ein Eisendraht auf einem Ambos stark gehämmert den

Schwefel anzog, ohne vielleicht das Gesetz Motus est causa caloris zu

kennen. Er beschreibt ferner, wie ein trübes, schlammiges Wasser, wenn

es gekocht werde, plötzlich klar werde, denn die Hitze verdünne das

Wasser, und dann könne das verdünnte (rarefatta) die schwereren Theile

nicht mehr tragen. Die Aktion der Aeolipile war dem Leonardo bekannt,

und vielleicht gab sie ihm Anlaß zur Konstruktion der Dampfkanone, des

Architronito, welche er allerdings als eine Erfindung des Archimedes

bezeichnet, -- ohne daß in den Schriften des letzteren eine Spur davon

aufzufinden wäre. Wir geben hier Figur und Beschreibung der Kanone.

(Fig. 34. 35.)

[Illustration: Fig. 34.]

[Illustration: Fig. 35.]

„Der Architronito ist eine Maschine von feinem Kupfer, welche eiserne

Kugeln mit großem Geräusch und vieler Gewalt fortschleudert. Man macht

Gebrauch von dieser Maschine; das Drittheil dieses Instruments besteht

in einer großen Quantität Feuer und Kohlen. Wenn das Wasser recht

erhitzt ist, so wird die Schraube des mit Wasser gefüllten Gefäßes

(_abc_) geschlossen, und in demselben Augenblicke, wo dies geschieht,

entweicht das ganze Wasser unterhalb, steigt in den erhitzten Theil des

Instrumentes und verwandelt sich sofort in Dampf, der so bedeutend und

stark ist, daß es wunderbar ist, die Wuth dieses Rauches zu sehen und

das hervorgebrachte Geräusch zu hören. Diese Maschine warf eine Kugel

von 1 Talent und 6.“

Wir bemerken, daß Leonardo im Cod. Atl. fol. 253 eine dunkle Idee

zur Bewegung einer Barke mit Dampf gegeben hat, ferner fol. 300

einen Bratspieß, welcher durch Wärme getrieben wird, und zwar werden

die Rauchgase, Dämpfe etc. in einen Rauchfang gesammelt und ziehen

darin nach oben. Die Oeffnung aber zum Eintritt in den Schornstein

verschließt ein mit Schaufeln versehenes horizontales Rad. Die warme

Luft tritt durch die schräg gestellten Schaufeln hindurch nach oben und

bewegt dabei das Rad und Achse desselben, welche nach unten hin mit

einem Trieb in die Zahnräder des Bratspießes eingreift.

Ueber die ~strahlende Wärme~ gibt Leonardo folgende Sätze: „Eine

Glasglocke, mit Wasser gefüllt, läßt die Strahlen des Feuers durch sich

hindurch, und diese werden heißer als Feuer. Ein konkaver Spiegel,

kalt seiend, empfängt die Feuerstrahlen und gibt sie heißer als Feuer

wieder zurück. In einem ähnlichen Experimente mache man ein Stück

Kupfer glühend und lasse es glänzen durch ein Loch von seiner Größe und

in gleicher Entfernung wie ein gewöhnlicher Spiegel zugleich mit einer

Flamme. So hat man also zwei Körper in gleicher Distanz vom Spiegel,

aber verschieden an Farbe und Glanz. Man wird finden, daß der größeren

Wärme die größere Reflexion des Spiegels entspricht.“

Leonardo da Vinci als Ingenieur und Philosoph Ein Beitrag zur Geschichte der Technik und der induktiven Wissenschaften · 第 30 / 36 题