TONI (man merkt ihr grosse Ermattung an): Lass nur, Mutterchen! ... Ich
will das schon alles besorgen! Du musst unbedingt ein bischen ruhn!
Komm, Mutterchen! Komm! ...
(Frau Selicke lässt sich willenlos von ihr langsam zur Kammer
führen. Toni drückt leise die Thür hinter ihr zu. Sie bleibt einen
Augenblick mit allen Anzeichen grosser Müdigkeit bei der Thür
stehen, nimmt sich dann zusammen und macht ein paar Schritte auf die
Küchenthür zu. -- Die Uhr schlägt neun.)
WENDT (beim Bett, leise): Und heute -- wollt' ich -- mit Deinen Eltern
reden ...
TONI (äusserst abgespannt): Was? .. Neun schon? ... Ach ja, ich muss ja
noch ... Sie müssen ja -- um elf -- fort ...
(Sie geht mit müden Schritten, wie mechanisch, auf die Küchenthür
zu.)
WENDT (wiederholend): Fort ...
TONI (stehen bleibend, ihn mit ausdruckslosem Blick ansehend): Was? ...
WENDT (mehr ängstlich, als überrascht): Und -- Toni! Du sagst »Sie«?!
TONI: Wie? Ach so ... hab' ich ... Ach ja! (Mit einem müden Lächeln):
Das ist nun auch -- vorbei ...
WENDT (wie vorhin): Vor ... vorbei?!
TONI (wie im Selbstgespräch): Das ist jetzt nun -- alles -- anders
gekommen ...
WENDT (seitwärts sehend): Toni!
TONI: Ach! ... Ich bin ganz ... mir ist ... Ah ...
(Sie sinkt in einem Anfall von physischer Schwäche gegen seine
Schulter.)
WENDT (besorgt): Toni! ... Was ist Dir?! (Beobachtet sie ängstlich. Ihre
Augen sind geschlossen, um ihren Mund liegt ein gequältes Lächeln.)
WENDT (besorgt): Herrgott! ... Liebe Toni!
(Sie schlägt die Augen wieder auf.)
WENDT: Ist Dir besser?
TONI: Ja ... Es _war_ mir nur ... so ... ein Augenblickchen ...
(Sie macht sich sanft von ihm frei.)
WENDT (erfasst ihre Hand): Halt aus, meine gute, liebe Toni! ... Halt
aus! ... Nur noch eine Weile! .... Nur noch eine kleine Weile! ... Du
armes Mädchen! ... Alles ist so -- über uns hereingekommen! (Seufzt.)
Nur noch eine kleine Weile! ... Es wird alles gut! ... Es _muss_ ja
alles wieder gut werden! ..