KLAUS (tanzt, klopft die Tasche und singt:)

Bei wem das Geld im Beutel klingt,

Die Seele aus dem Fegfeuer springt.

ALBERT. Halt, halt! noch klingt es nicht.

KLAUS. So sind aber die Menschen! Weil mich die Jugend in einige

verliebte dumme Streiche verwickelte, hatten sie nichts eiliger zu

ersinnen, als ein „kreuzige, kreuzige!“ mir auf den Buckel zu kreiden.

Und so kam's, daß der böse Feind moralisirender Heuchelei und eitler

Schwäche dies bei jeder Gelegenheit als verderbliche Waffe gegen mich

kehrte, bis ich so tief in Mißkredit sank, daß das wärmste aller

christlichen Amphibien mir nicht mehr Herberge, Kost und Arbeit geben

mochte. Ich wäre gleich einem abgepeitschten Klepper an der Landstraß'

elend verschmachtet, wenn der gute Genius des Rechts und der Billigkeit

noch länger die superkluge Theorie passiven Widerstandes gefeiert hätte.

— 's ist ein verkümmertes, feiges, gebrechliches Geschlecht, dem der

Teufel mit jedem Athemzuge aus dem Halse stinkt! Brrr — fahr's nur ganz

nieder zur Hölle! Thöricht, wer sich ihm widmet und für Freiheit

wahrhaft schwärmt! — Gut, daß ich aus dem Gröbsten bin! . . Ich, ich

werde den Lumpen nun ein Konterfei mit Quark an die Wände malen und in's

Ohr raunen, seht, das ist euer Spiegel und eure Hoffnung!

ALBERT. Hast Du solche Gesinnung, so zieh' ich mein gegebenes

Versprechen zurück.

KLAUS. Albert — verzeih', daß ich ein Herz besitze, welches in Erwägung

gewisser Dinge überschäumt . . 's ist ein Krampf, der — der die Brust

schnürt und Gedanken mir eingiebt — Gedanken, Albert, ach! ich mag keine

verrathen; die alte Frau könnte schamroth werden.

ALBERT (ihn an seine Brust drückend). Steckt doch ein guter, guter Kerl

in ihm! — Ja, Du kommst ein gottgesandter Bote, mich zu trösten und

erheben, Du, Du — wer hätt's gedacht! mein tief verstoßner Bruder!

KLAUS. Ich an Deiner Stelle, Albert, — benutzte die Million _in spe_ für

Mörser und Bomben; würde Rekruten, rüstete ein standfest Heer — für Geld

ist Alles feil, Pulver und Blei, Brandraketen und Feldmeister, Eid und

Treue! — und eröffnete dann eines schönen Morgens mit dem Hause

Questenberg den Krieg; zöge vor das Schloß, verläse die christlichst

angefertigten Artikel und fragte, ob man unsers Glaubens werden wollte —

Wenn Nein die Antwort — bum, bum, pau, pau, piff, paff . . . Der Gedanke

elektrisirt mich, Albert. Möchte mich dabei in Glorie zeigen; möchte als

Herold im schwarzen Mantel mit rothem Kreuz, weißprangenden Federhuts,

staatsretterlich gekniffenen Gesichts, dem feinsten Fuchs beweisen, daß

seine Kunst zu Ende . . . Kann Dich der Geldsack beglücken? Wozu nützt

Dir ein Capital, das sich in's Riesige von Jahr zu Jahr vermehrt? Bist

Du gewöhnt im Sündenpfuhl des Reichthums vom Mark der Menschheit

geistlos zu schmarotzen? Ich rathe Dir, leg's an auf Deines Herzens

sichre Rente!

ALBERT. Du giebst mir herrliche Ideen . . . Ich werde Deinem Rath

entsprechen, doch in meiner Weise.

KLAUS. Heil Brutus Dir!

ALBERT (den Brief nachlesend). Um zehn Uhr — 's ist jetzt die Zeit. Mich

drängt's dem fremden Gönner aufzuwarten. — Frau Mutter, ein Wörtlein in

Begleitung. (Mit ihr am Arm ab.)

KLAUS (mit burlesken Schritten des Stolzes und der Kraft, persiflirt er

singend hinter ihnen her).

_Allons, enfants de la patrie — hi, hi,

Le jour de gloire est arrivé: — he, he.

Contre nous, de la tyrannie — hi, hi,

L'etendard sanglant est levé — he, he . ._

(Die Melodie des Liedes verhallt in der Ferne.)

Abtheilung II.

Das Vorzimmer des großen Festsaales aus dem zweiten Akt.

Sechste Scene.

Der Bankerott: Eine gesellschaftliche Tragödie in fünf Akten · 第 119 / 167 题