Und worauf, sagte die Alte, läuft denn nun der mächtige Unterschied

hinaus? Ich habe doch noch keine Nase gesehn, die nur eine einzige Elle

lang wäre, ein Zoll, höchstens zwei, kaum drei ist der Unterschied

zwischen der sogenannten Mißgeburt und dem, was sie Schönheit nennen.

Und auf den Höcker zu kommen. Wenn er im Bett nicht manchmal unbequem

wäre, nicht wahr, so ist er eigentlich viel angenehmer, als so ein

dummer, gerader Rücken, wo sich bei manchem großgewachsenen Schlingel

die langweilige gerade Linie, ohne Verzierung und Schnörkel, bis ins

Unermeßliche hinauf erstreckt.

Recht habt Ihr, Frau Muhme, rief der schon trunkne Beresynth der

Trunknen entgegen. Was macht denn die Natur, wenn sie solche gerade

Katze, solche sogenannte Schönheit von der Töpferscheibe laufen läßt?

Das ist ja kaum der Mühe werth, die Arbeit nur anzufangen. Aber solche

Kabinetstücke, wie wir, da kann die schaffende Kraft, oder das

Naturprinzip, oder Weltgeist, oder wie man das Ding nennen will, doch

mit einer gewissen Beruhigung und Befriedigung seine Produktion

anschauen. Das rundet sich doch, das bricht in merkwürdige Ecken aus,

das zackt sich wie Korallen, springt hervor in Kristallen, formirt sich

wie Basalt, und rennt und springt und hüpfelt in allen Linien um unsern

Körper. Wir, Base, sind die verzognen, verhätschelten Kinder der

Formation, und darum ist der Pöbel der Natur auch so boshaft und

neidisch auf uns. Das schlanke miserable Wesen gränzt an den kläglichen

Aal, da ist keine Auferbauung. Von der dummen Figur zur Seespinne ist

schon sehr weit, und wie fern dann Meerkalb, wie übertreffen wir dieses,

so wie den Seestern, Krebs und Hummer, getreuste Cousine, mit unsern

Abnormitäten, die sich in keine Rechnung bringen lassen. -- Wo habt Ihr

nur die herrlichen beiden Zähne her? Diese unvergleichlichen Mordanten

figuriren so recht schwarz und düster in der tiefsinnigen Fugirung Eures

unergründlichen Mundes.

O Schäker, o Schmeichler, lachte die Alte, aber Euer liebes Kinn, das

sich so huldreich und dienstfertig hervordrängt und tischartig umbeugt.

Könntet Ihr nicht einen ziemlichen Teller bequem darauf setzen, und von

ihm ungestört mit den Lippen herunter naschen, indessen Eure Hände

anderswo Arbeit suchten? Das nenne ich ökonomische Einrichtung.

Wir wollen uns nicht durch Lobeserhebungen verderben, sagte der Zwerg,

sind wir ja doch schon auf unsre Vorzüge eitel genug, die wir uns nicht

selbst gegeben haben.

Ihr habt Recht, sagte sie, aber, was treibt Ihr, Vetter? Wo lebt Ihr?

Kurios genug, antwortete Beresynth, bald hier, bald dort, wie ein

Vagabund; jetzt aber will ich mich zur Ruhe setzen, und da ich hörte,

daß noch eine nahe Verwandte von mir lebte, so wollte ich die aufsuchen,

und sie bitten, mit mir zu ziehn. So komm ich zu Euch. In meiner Jugend

war ich Apotheker in Calabrien, da jagten sie mich fort, weil sie

meinten, ich fabrizire Liebespulver. Du liebe Zeit! als wenn es deren

noch bedürfte. Dann war ich einmal Schneider, es hieß, ich stöhle zu

arg; als Pastetenbäcker wieder die Beschuldigung, daß ich Katzen und

Hunden nachstellte. Ich wollte Mönch werden, aber kein Kloster wollte

mich einlassen. Als Doctor sollt' ich verbrannt werden, denn sie

sprachen gar von Hexerei. Ich wurde gelehrt; schrieb, dichtete, das Volk

meinte, ich lästre Gott und die Christenheit. Nach vielen Jahren kam ich

zum weltberühmten Pietro Apone, und wurde dessen Famulus, nachher

Eremit, und was nicht Alles; am besten, daß ich in jedem Stande Geld

gemacht und zurückgelegt habe, so daß ich meine alten Tage ohne Noth und

Sorge beschließen kann. -- Und Ihr, Muhme, Eure Geschichte?

Wie die Eurige, antwortete die Base: man wird immer unschuldig verfolgt.

Ich habe etlichemal am Pranger stehn müssen, aus einigen Ländern bin ich

verwiesen, sie wollten mich unter andern auch verbrennen: es hieß, ich

hexte, ich stöhle Kinder, ich verzauberte die Leute, ich kochte Gift.

Nicht wahr, sagte Beresynth treuherzig, es war auch etwas an diesem

Gerede? Ich muß es wenigstens von mir bekennen, und vielleicht liegt es

in der Familie, daß ich manche dem ähnliche Künste getrieben habe. Zarte

Freundin, wer einmal vom lieben Hexen ein Bischen weg hat, der kann es

nachher Zeitlebens nicht wieder lassen. Das Ding ist wie mit dem

Weintrinken. Einmal den Geschmack gewonnen, und Zunge, Kehle, Gaumen, ja

Lung und Leber lassen von dem Dinge nicht wieder los.

Ihr seid ein Menschenkenner, lieber Vetter, sagte die Alte mit

selbstgefälligem Lächeln. So etwas Mord und Hexerei, Gift und Diebstahl

läuft auch beim Unschuldigsten mit unter. Das Kuppeln hat mir nie

einschlagen wollen. Und was soll man sagen, wenn man an eignen Kindern

Undank und Unheil erlebt? Meine Tochter, die nun gesehn hat, wie ich

Hunger und Kummer leiden muß, wie ich mir an meinem alten Munde

absparte, um sie nur schön in Kleidung zu setzen, die ungerathne Dirne

hat sich nie von mir erweichen lassen, auch nur einen Groschen zu

verdienen. Früher konnte sie gute Heirathen treffen: Ildefons, Andrea

und noch einige andere tapfere Männer, die unser ganzes Haus und sie mit

erhielten; da brauchte sie den armseligen Vorwand, daß die Herren Räuber

und Mörder wären, denen sie ihr Herz verschließen müsse. Die Männer

waren so großmüthig, daß sie sich wirklich die Dirne wollten antrauen

lassen, aber die dumme Jugend hat weder Verstand noch Tugend. Nun ruhen

sie im Grabe, die vorzüglichen Männer, und sind auf eine schnöde Art

umgekommen. Doch das rührt sie so wenig, wie mein Kummer und Elend, so

daß sie nicht drein willigen mochte, mit einem jungen reichen vornehmen

Herrn, dem Neffen eines Cardinals, zu leben, der unsre ganze Stube mit

Gold überziehen konnte. Weggelaufen ist die einfältige Dirne, und man

will sie mir gar nicht wieder ausliefern. So werden heut zu Tage die

Eltern verachtet.

Laßt sie laufen, die Verächtliche, sagte Beresynth, wir wollen ohne sie

schon glücklich miteinander leben, denn unsre Neigungen und Gemüther

sind sich gleich.

Warum aber weglaufen, sagte die Alte, wie eine ungetreue, geprügelte

Katze? Wir hätten uns ja wie Liebende, wie vernünftige Wesen trennen

können. Es fand sich gewiß Gelegenheit, die bleichsüchtige Dirne

vortheilhaft zu verkaufen, an Alt oder an Jung, und das hätte auch wohl

gelingen können, wenn sie sich nicht einen einfältigen jungen Burschen

ins Herz geschlossen hätte, den sie liebt, wie sie sagt.

O hört auf, schrie Beresynth, taumelnd, und schon halb im Schlaf, wenn

Ihr von Liebe sprecht, Base, so verfalle ich in so konvulsivisches

Lachen, daß ich mich in drei Tagen nicht wieder erhole. Liebe! das dumme

Wort hat meinem berühmten Meister Pietro den Hals gebrochen. Ohne den

Taranteltanz säße die große Habichtsnase noch als Professor auf seinem

Katheder, und kraute die jungen Gänse mit Philosophie und Tiefsinn an

ihren dummen Köpfen, die ihm die Gelbschnäbel entgegen reckten. Ja, ja,

Alte, das Affenthum von Liebe und platonischer Seelentrunkenheit hätte

uns beiden, Euch und mir, nur noch gefehlt, um die Wunderthat unsrer

heroischen Existenz vollständig zu machen. -- Nun lebt wohl, Alte,

morgen in der Nacht um diese Zeit hole ich Euch ab, und dann trennen wir

uns nie wieder.

Vetter, sagte Pankrazia, auf Wiedersehn. Seit Ihr zu mir eingetreten

seid, bin ich ein ganz andres Wesen geworden. Wir wollen in Zukunft eine

herrliche Haushaltung führen.

Haben wir unser Jubeljahr doch nun auch gefeiert, lallte Beresynth, der

schon auf der Straße stand, und in dunkler Nacht nach seiner Wohnung

taumelte.

* * * * *

Antonio hatte indessen den alten Ambrosio und dessen Gattin schon darauf

vorbereitet, daß er gewiß jene widerwärtige Alte, und so auch deren

Tochter Crescentia wieder auffinden würde. Die Mutter glaubte ihm gern,

aber der Vater blieb bei seinen Zweifeln. Noch vor Sonnenuntergang begab

sich der Jüngling mit seinem Freunde wieder zum weisen Castalio. Dieser

kam ihnen schon lächelnd entgegen und sagte: Hier, Antonio, nehmt dieses

Blatt, Ihr findet auf ihm verzeichnet, in welcher Gasse, in welchem

Hause Ihr jene Unholdin antreffen werdet. Wenn Ihr sie aufgefunden habt,

werdet Ihr an meiner Wissenschaft nicht mehr zweifeln.

Schon jetzt bin ich überzeugt, sagte Antonio, ich war es schon gestern.

Ihr seid der weiseste der Sterblichen, und werdet mich durch Eure Kunst

zum glücklichsten machen. Ich gehe, die böse Alte aufzusuchen, und wenn

Crescentia nicht gestorben, oder verloren ist, so führe ich sie in die

Arme ihrer Eltern.

Bewegt und voller Erwartung wollte er sich eilig entfernen, er hatte

schon den Drücker der Thür in der Hand, als sich ein leises ängstliches

Klopfen draußen ankündigte, von einem heisern Husten und Scharren der

Füße begleitet. Wer ist da? rief Castalio, und da die Freunde öffneten,

trat Beresynth herein, der sich gleich in die Mitte des Zimmers stellte,

und unter vielen fratzenhaften Verbeugungen, so wie Verzerrungen des

Gesichtes dem weisen Manne seine Dienste anbot.

Wer seid Ihr? rief Castalio, der sich verfärbt hatte und mit blassem

Angesicht einige Schritte zurückgewichen war.

Ein Bösewicht ist der Verruchte! rief Antonio, ein Zauberer, den wir der

Inquisition überliefern müssen, der verruchte Beresynth selbst ist es,

dessen Namen Ihr, verehrter Mann, schon kennt, und von dem ich Euch

erzählt habe.

Meint Ihr, junges Blut? sagte Beresynth mit dem Ausdruck der tiefsten

Verachtung. Mit Euch, ihr Kinder, habe ich nichts zu schaffen. Kennt Ihr

mich nicht? rief er zu Castalio gewendet, und könnt auch meine Dienste

nicht brauchen?

Wie sollt ich? sagte Castalio mit ungewisser Stimme, ich habe Euch nie

gesehn. Entfernt Euch, ich muß Eure Dienste ablehnen. In meinem kleinen

Hause bedarf ich keines fremden Wesens.

Beresynth ging mit großen Schritten auf und ab. Also, Ihr kennt mich

nicht? Kann seyn; man verändert sich manchmal, denn der Mensch bleibt

nicht in seiner Blüthe. Doch, mein' ich, sollte man mich nicht so bald

vergessen, oder mit andern verwechseln, wie so manchen glatten, fein

gemalten, unbedeutenden Tropfen. -- Und ihr, indem er sich zu den jungen

Leuten wendete, kennt wohl jenen Weisheitsfinder auch nicht?

O ja, sagte Antonio, er ist unser Freund, der treffliche Castalio.

Da erhub der Kleine ein so ungeheures Lachen, daß Wände und Fenster des

Zimmers erklirrten und wiederhallten. Castalio! Castalio! schrie er wie

besessen; warum nicht auch Aganippe oder Hippokrene? Also, ihr habt den

Brill vor den Augen, mit Kalbsblicken schaut eure Seele aus dem runden

Kürbis eurer Köpfe dumm heraus? Reibt euch die Nase, und seht und

erkennt doch euren verehrten Pietro von Abano, den großen

Tausendkünstler aus Padua!

Derjenige, der sich Castalio nannte, war wie ohnmächtig in einen Sessel

gesunken, sein Zittern war so heftig, daß alle Glieder seines Körpers

flogen, die Muskeln seines Antlitzes bebten so gewaltsam, daß kein Zug

in ihm wahrzunehmen war, und nachdem die jungen Leute dies einige Zeit

staunend betrachtet hatten, glaubten sie mit Entsetzen wahrzunehmen, daß

aus den sich verwirrenden Lineamenten die alte Bildung des bekannten

greisen Apone hervorstiege. Laut schreiend erhub sich der Zauberer vom

Sessel, ballte die Fäuste und schäumte mit dem Munde, er schien in

seiner Wuth riesengroß. Nun ja, brüllte er im Donnerton, ich bin es,

jener Pietro, und Du, Knecht, verdirbst mir jetzt mein Spiel, jene junge

Brut dort auf einem neuen Wege zu vernichten. Was willst Du, Wurm, von

mir, der ich, Dein Meister, Dich nicht mehr anerkenne? Zitterst Du nicht

in allen Gebeinen vor meiner Rache und Strafe?

Beresynth erhub wieder jenes schallende, entsetzliche Gelächter. Strafe?

Rache? wiederholte er grinsend; Dummkopf ohne Gleichen! Mußt Du denn

jetzt erst merken, daß Dir diese Sprache zu mir nicht geziemt? Daß Du,

Gaukler, Dich vor mir im Staube krümmen mußt? daß ein Blick meines

Auges, ein Griff meines erznen Armes Dich zerschmettert, Du erdgebornes

Larvenspiel elender Künste, die nur ich gelingen ließ?

Ein Scheusal stand im Saal. Seine Augen sprühten Feuer, seine Arme

dehnten sich wie zwei Adlerschwingen aus, das Haupt berührte die Decke;

Pietro lag winselnd und heulend zu seinen Füßen. Ich war es, fuhr der

Dämon fort, der Deine arme Gaukelei beförderte, der die Menschen

täuschte, der den Frevel durch meine Macht erschuf. Du tratst mich mit

Füßen, ich war Dein Hohn, Deine hochmüthige Weisheit triumphirte ob

meinem Blödsinn. Nun bin ich Dein Herr! Jetzt folgst Du mir als mein

leibeigner Knecht in mein Gebiet. -- Entfernt euch, ihr Elenden! rief er

den Jünglingen zu, was wir noch verhandeln, geziemt euch nicht zu

schauen! Und ein ungeheurer Donnerschlag erschütterte das Haus in seinen

Tiefen, geblendet, entsetzt stürzten Antonio und Alfonso hinaus, ihre

Knie wankten, ihre Zähne klappten. Ohne zu wissen wie, befanden sie sich

wieder auf der Straße, sie flüchteten in einen nahen Tempel, denn eine

heulende Windsbraut erhob sich mit Donner und Blitzen, und die Wohnung,

als sie hinter sich sahen, brannte in zerfallenen Trümmern, zwei dunkle

Schatten schwebten über dem Brande, kämpfend, so schien es, und sich in

Verschlingungen hin und her werfend und ringend, Geheul der Verzweiflung

und lautes Lachen des Hohnes erklangen abwechselnd zwischen den Pausen

des lautrasenden Sturmwinds.

* * * * *

Erst nach langer Zeit konnte sich Antonio so viel sammeln, daß er stark

genug war, nach der gegebenen Anweisung das Haus der Alten aufzusuchen.

Er fand sie geschmückt und sie rief ihm frohlockend entgegen: ei!

Florentiner! seid Ihr auch einmal wieder da?

Wo ist Eure Tochter? fragte Antonio, zitternd vor Eil.

Wenn Ihr sie jetzt haben wollt, sagte die Alte, so will ich sie Euch

nicht vorenthalten. Aber bezahlen müßt Ihr rechtschaffen für sie, oder

der Podesta von Padua, wenn er noch lebt, denn sie ist sein Kind, das

ich ihm damals gestohlen habe, weil mir die Herren Markoni ein

ansehnliches Stück Geld dafür gönnten.

Wenn Ihr es beweisen könnt, sagte der Jüngling, so fordert.

Beweise, so viel Ihr wollt, rief die Alte, Windeln mit Wappen, Kleider

von damals, ein Maal auf der rechten Schulter, was ja die Mutter am

besten kennen muß. Aber auch Briefe von den Markonis sollt Ihr haben,

Schriften vom Podesta selbst, die ich damals in der Eile mit wegfischte.

Alles, nur Geld muß da seyn.

Antonio zahlte ihr alles Gold, was er bei sich trug, und gab ihr noch

die Edelsteine, die Hut und Kleidung schmückten, Perlen und eine goldne

Kette. Sie strich alles lächelnd ein, indem sie sagte: wundert Euch

nicht, daß ich so eilfertig und leicht zu befriedigen bin. Die Dirne ist

mir weggelaufen, weil sie keinen Liebhaber wollte, und steckt im

Nonnenkloster bei der Trajanssäule, die Aebtissin hat sie mir nicht

herausgeben wollen, aber meldet Euch nur dort, das junge Blut wird Euch

von selbst in die Arme springen, denn es träumt und denkt nur von Euch,

so habt Ihr ihr thörichtes Herz bezaubert, daß sie seit jener Nacht, der

Ihr Euch wohl noch erinnern werdet, kein vernünftiges Wort mehr

gesprochen hat, daß sie weder Liebhaber noch Mann mehr leiden konnte.

Froh bin ich, daß ich sie so los werde, ich gehe mit einem vornehmen

Vetter, Herrn Beresynth, der mich eigen dazu aufgesucht hat, noch heut

Nacht auf seine Güter. Lebt wohl, junger Narr, und seid mit Eurer

Crescentia glücklich.

Antonio nahm alle Briefschaften, die Kleidungen des Kindes, alle Beweise

ihrer Geburt. In der Thür begegnete ihm schon jener Furchtbare, der sich

Beresynth nannte. Er eilte, und war so leichten Herzens, so beflügelt,

daß er den Sturm hinter sich nicht vernahm, der die Gegend zu verwüsten

und die Häuser aus ihren Gründungen zu heben drohte.

Bei nächtlicher Weile untersuchten die überglücklichen Eltern die

Briefe, und diese, so wie die Kleider überzeugten sie, daß diese zweite

Crescentia ihr Kind sei, die Zwillingsschwester jener gestorbenen, die

sie in der Taufe damals Cäcilie genannt hatten. Der Vater holte am

Morgen das schöne bleiche Mädchen aus dem Kloster, die sich wie im

Himmel fühlte, edlen Eltern anzugehören, und einen Jüngling, der sie

anbetete, wieder gefunden zu haben, dem sie in jener Nacht auf ewig ihr

ganzes Herz hatte schenken müssen.

Rom sprach einige Zeit von den beiden Unglücklichen, welche das Gewitter

erschlagen hatte, und Ambrosio lebte nachher mit seiner Gattin, der

wieder gefundenen Tochter und seinem Eidam Antonio in der Nähe von

Neapel. Der Jüngling verschmerzte im Glück der Liebe die Leiden seiner

Jugend, und an Kindern und Enkeln trösteten sich die Eltern über den

Verlust der schönen und innig geliebten Crescentia.

Anmerkungen zur Transkription

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im

Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_

gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,

wurden ^so^ markiert.

Die variierende Schreibweise des Originales wurde weitgehend

beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert,

teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben, wie hier aufgeführt

(vorher/nachher):

[S. 11]:

... Gesprächen zu und wünschte sowie die Andern über ungesalzene ...

... Gesprächen zu und wünschte so wie die Andern über ungesalzene ...

[S. 16]:

... in dieseir Hinsicht so vieles zu verbessern ist. ...

... in dieser Hinsicht so vieles zu verbessern ist. ...

[S. 16]:

... Schon n der Nähe des freundlichen Thorschreibers fielen ...

... Schon in der Nähe des freundlichen Thorschreibers fielen ...

[S. 57]:

... hatte, hielt, nachdem viel über die Fortschritte in ...

... hatten, hielt, nachdem viel über die Fortschritte in ...

[S. 102]:

... verließen sie die Chausse, um auf schlechten Wegen nach dem ...

... verließen sie die Chaussee, um auf schlechten Wegen nach dem ...

[S. 124]:

... Stücke, die gespielt wurden. Sie waren so origiginell, ...

... Stücke, die gespielt wurden. Sie waren so originell, ...

[S. 131]:

... selsam zu seyn glaubt, die Stellen nachweisen, die er nur ...

... seltsam zu seyn glaubt, die Stellen nachweisen, die er nur ...

[S. 148]:

... Eulen und Fledermäuse gehören, mit meiner Nachwelt, die ...

... Eulen und Fledermäuse gehören, mit meiner Nachtwelt, die ...

[S. 149]:

... und zukneifend, und sucht aus und wählt, hebt auf und

registirt, ...

... und zukneifend, und sucht aus und wählt, hebt auf und

registrirt, ...

[S. 221]:

... kommen, denn Schmaling war zu sehr von Ehrfurch durchdrungen, ...

... kommen, denn Schmaling war zu sehr von Ehrfurcht

durchdrungen, ...

[S. 243]:

... zu denen ihn aber der forschende Graf in künstlichen

Wendnngen ...

... zu denen ihn aber der forschende Graf in künstlichen

Wendungen ...

[S. 254]:

... Freigeist und Uebervernünftigen so mit beiden Beiden in die ...

... Freigeist und Uebervernünftigen so mit beiden Beinen in die ...

[S. 279]:

... Verbindungen nicht, und wußte eben so wnig, wie diese jetzt ...

... Verbindungen nicht, und wußte eben so wenig, wie diese jetzt ...

[S. 317]:

... flehenden Blick für ihre Mutter ein, daß se n Zorn entwaffnet ...

... flehenden Blick für ihre Mutter ein, daß sein Zorn entwaffnet ...

[S. 354]:

... der Erde dorthin zogen, zu zersteuen, und seinen Freund ...

... der Erde dorthin zogen, zu zerstreuen, und seinen Freund ...

End of Project Gutenberg's Schriften 23: Novellen 7, by Ludwig Tieck

Schriften 23: Novellen 7 · 第 26 / 26 段