Es schicket sich ein Ding auf mancherlei Weise. Des einen Unstern kommt
staffelweis und allgemach und einen andern überfällt der seinige mit
Haufen. Mein Unstern aber hatte einen so süßen und angenehmen Anfang,
daß ich mirs wohl vor das höchste Glück rechnete.
Kaum über acht Tage hatte ich mit meinem lieben Weib im Ehstand
zugebracht, da ich in meinem Jägerkleid, mit einem Feuerrohr auf der
Achsel, von ihr und ihren Freunden Abschied nahm. Ich schlich mich
glücklich durch, weil mir alle Wege bekannt waren, also daß mir keine
Gefahr unterwegs aufstieß, ja ich ward von keinem Menschen gesehen, bis
ich nachher bei Dütz, so gegen Köln über, diesseits des Rheins lieget,
vor den Schlagbaum kam.
In Köln kehrete ich bei meinem Jupiter ein, so damals ganz klug war. Er
sagte mir aber gleich, daß ich besorglich leer Stroh dreschen würde,
weil der Kaufmann, dem ich das Meinige aufzuheben gegeben, Bankerott
gespielet und ausgerissen wäre. Zwar seien meine Sachen obrigkeitlich
verpetschiert und der Kaufmann citiert worden, aber man zweifle sehr an
seiner Wiederkunft. Bis nun die Sache erörtert würde, könne viel Wasser
den Rhein hinunterlaufen.
Wie angenehm mir diese Botschaft kam, kann jeder leicht ermessen. Ich
fluchte ärger als ein Fuhrmann, aber was halfs! Auch hatte ich über
zehn Taler Zehrgeld nicht zu mir genommen, daß ich also auch nicht
so lang aushalten konnte, als die Zeit erforderte. So mußte ich auch
besorgen, daß ich verkundschaft' würde, weil ich einer feindlichen
Guarnison zugetan wäre. Unverrichteter Sache wollte ich aber nicht
wieder zurück und das Meinige mutwillig dahinten lassen. So ward ich
mit mir selber ein: Ich wollte mich in Köln aufhalten, bis die Sache
erörtert würde, und die Ursache meines Ausbleibens meiner Liebsten
berichten. Verfügte mich demnach zu einem ~Procurator~, der ein
~Notarius~ war, und erzählete ihm mein Tun, bat ihn, mir um die Gebühr
mit Rat und Tat beizuspringen. Ich wollte ihm neben dem Tax, wann er
meine Sache beschleunigte, mit einer guten Verehrung begegnen. Er
nahm mich gutwillig an, dann er an mir zu fischen hoffte, und dingte
mich auch in die Kost. Darauf ging er des andern Tags mit mir zu
denjenigen Herrn, welche die Bankerott-Sachen zu erörtern haben, gab
die vidimierte Copie von des Kaufmanns Handschrift ein und legte das
Original vor, worauf wir die Antwort bekamen, daß wir uns bis zur
gänzlichen Erörterung gedulden müßten, weil nicht alle Sachen, davon
die Handschrift sage, vorhanden wären.
Also versahe ich mich des Müßiggangs wieder auf eine Zeitlang. Mein
Kostherr war, wie gehört, ein ~Notarius~ und ~Procurator~, darneben
hatte er ein halb Dutzend Kostgänger und hielt stets acht Pferde auf
der Streu, welche er den Reisenden um Geld hinzuleihen pflegte, darbei
hatte er einen deutschen und einen wällischen Knecht, die sich beides:
zu Führen und zu Reiten gebrauchen ließen. Und weil keine Juden nach
Köln kommen dörfen, konnte er mir allerlei Sachen desto besser wuchern.
Mein ~Notarius~ zehrete von seinen Kostgängern, doch seine Kostgänger
nicht von ihm, er hätte sich und sein Hausgesind reichlich ernähren
können, wanns der Schindhund nur darzu hätte angewendet. Aber er
mästete uns auf schwedisch und hielt gewaltig zurück. Ich aß anfangs
nicht mit seinen Kostgängern, sondern mit seinen Kindern und Gesind,
weil ich nicht viel Geld bei mir hatte. Da satzte es schmale Bißlein,
so meinen Magen, der nunmehr zu den westfälischen Tractamenten gewöhnet
war, ganz spanisch vorkamen. Kein gut Stück Fleisch kriegten wir auf
den Tisch, sondern nur dasjenige, so acht Tage zuvor von der Studenten
Tafel getragen, von denselben überall wohl benagt und nunmehr vor Alter
so grau als Methusalem geworden war. Darüber machte dann die Kostfrau
eine schwarze, sauere Brühe und überteufelts mit Pfeffer. Da wurden
dann die Beiner so sauber geschleckt, daß man alsbald Schachsteine
daraus hätte drehen können. Und doch waren sie dann noch nicht recht
ausgenutzt, sondern sie kamen in einen hiezu verordneten Behalter,
und wann unser Geizhals deren eine Quantität beisammen hatte, mußten
sie erst kleingehackt und das übrige Fett bis auf das alleräußerste
herausgesotten werden. Nicht weiß ich, wurden die Suppen daraus
geschmälzt oder die Schuhe damit geschmieret. An den Fasttägen, deren
mehr als genug einfielen und alle ~solenniter~ gehalten wurden, weil
der Hausvater diesfalls gar gewissenhaft war, mußten wir uns mit
stinkenden Bücklingen, versalzenen Polchen, faulen Stock- und andern
abgestandenen Fischen herumbeißen, dann er kaufte alles der Wohlfeile
nach und ließ sich die Mühe nicht dauren, zu solchem Ende selbst auf
den Fischmarkt zu gehen und anzupacken, was die Fischer auszuschmeißen
im Sinne hatten. Unser Brot war gemeiniglich schwarz und alt, der Trank
aber ein dünn, saur Bier, das mir die Därme hätte zerschneiden mögen,
und mußt doch gut abgelegen Märzbier heißen.
Von dem deutschen Knecht vernahm ich, daß es Sommerszeit noch schlimmer
hergehe, dann da sei das Brot schimmlich, das Fleisch voller Würmer
und ihre beste Speise wäre irgends zu Mittags ein paar Rettiche und
auf den Abend eine Handvoll Salat. Ich fragte, warum er dann bei dem
Filz bleibe, da antwortete er mir, daß er die meiste Zeit auf der Reise
sei, und derhalben mehr auf der Reisenden Trinkgelder als auf seinen
Schimmel-Juden bedacht sein müßte. Er getraue seinem Weib und Kindern
nicht im Keller, wie er sich selbsten den Tropfen Wein nicht gönne.
Einsmals brachte er sechs Pfund Sülzen oder Rinderkutteln heim, das
setzte er in seinen Speiskeller. Weil zu seiner Kinder großem Glück das
Tagfenster offen stund, banden sie eine Eßgabel an einen Stecken und
angelten damit die Kuttelflecke heraus, welche sie also bald in großer
Eile verschlangen, dann sie waren gekocht. Darnach gaben sie vor, die
Katze hätte es getan, aber der Erbsenzähler wollte es nicht glauben,
fing derhalben die Katze, wog sie und befand, daß sie mit Haut und Haar
nicht so schwer war, als seine Kutteln gewesen.
Weil er dann so gar unverschämt handelte, begehrte ich an gemeldter
Studenten Tafel zu essen, es koste was es wolle. Dort ging es zwar
etwas herrlicher her, ward mir aber wenig damit geholfen, dann alle
Speisen waren nur halb gar, was meinem Kostherrn zwiefach zu baß kam,
erstlich am Holz, so er gesparet, und daß wir viel zurück ließen. Über
das so dünkte mich, er zählete uns alle Mundvoll in Hals hinein und
kratzte sich hintern Ohren, wann wir einmal recht futterten. Sein Wein
war gewässert, der Käs, den man am Ende jeder Mahlzeit aufstellete,
steinhart, die holländische Butter aber dermaßen versalzen, daß keiner
über ein Lot davon auf einen Imbiß genießen konnte. Das Obst mußte man
wohl so lang auf- und abtragen, bis es mürbe und zum essen tauglich
war. Wann dann etwan ein oder der andere darauf stichelte, so fing
er einen erbärmlichen Hader mit seinem Weibe an, daß wirs höreten,
heimlich aber befahl er ihr, sie solle nur bei der alten Geigen bleiben.
Einsmals brachte ihm einer seiner Klienten einen Hasen zur Verehrung,
den sahe ich in der Speiskammer hangen und gedachte, wir würden einmal
Wildpret essen. Aber der deutsche Knecht sagte, daß der Has uns nicht
an den Zähnen brennen würde, ich sollte Nachmittags auf den Alten Markt
gehen und sehen, ob er nicht dort zum Verkauf hinge. Darauf schnitt ich
dem Hasen ein Stücklein vom Ohr. Als wir über dem Mittagsimbiß saßen,
und unser Kostherr nicht bei uns war, erzählete ich, daß unser Geizhals
einen Hasen zu verkaufen hätte, um den ich ihn zu betrügen gedächte,
wann mir einer von ihnen folgen wollte. Jeder sagte ja, dann sie hätten
unserm Wirt gern vorlängst einen Schabernack angetan.
Also verfügten wir uns den Nachmittag auf den Alten Markt, da unser
Kostherr stund, um aufzupassen, was der Verkäufer lösete. Wir sahen ihn
bei vornehmen Leuten, mit denen er discurierte.
Ich hatte nun einen Kerl angestellt, der ging zu dem Höcker, wo der
Hase hing:
»Landsmann, der Has ist mein. Ich nehme ihn als mein gestohlen Gut auf
Recht hinweg. Er ist mir heut Nacht von meinem Fenster hinweggefischet
worden. Läßt du ihn nicht gutwillig folgen, so gehe ich auf deine
Gefahr und Unrechts Kosten mit dir hin, wo du wilt.«
Der Unterhändler antwortete, er sollte sehen, was er zu tun hätte. Dort
stünde ein vornehmer Herr, der ihm den Hasen zu verkaufen gegeben und
ohn Zweifel nicht gestohlen habe.
Als nun die Zween so wortwechselten, bekamen sie gleich einen Umstand,
so unser Geizhals stracks in Acht nahm und hörete, wieviel die Glocke
schlug. Winkte derohalben dem Unterkäufer, daß er den Hasen folgen
lassen sollte. Mein Kerl aber wußte den Umstehenden das Stück Ohr zu
weisen und an dem Schnitte zu messen, daß ihm jedermann recht gab.
Indessen näherte ich mich auch von ungefähr mit meiner Gesellschaft,
stund an dem Kerl, der den Hasen hatte und fing an mit ihm zu marken,
und nachdem wir des Kaufs eins wurden, stellete ich den Hasen meinem
Kostherrn zu mit Bitte, solchen mit sich heimzunehmen und auf unsern
Tisch zurichten zu lassen, dem Kerl aber gab ich statt der Bezahlung
ein Trinkgeld zu zwo Kannen Bier. Also mußte uns der Geizhals den Hasen
wider Willen zukommen lassen und dorfte noch darzu nichts sagen. Dessen
wir genug zu lachen hatten.