»Behüte Gott, weißt du nicht was Dorf und Leute seind? Bist du närrisch
oder gescheit?«
»Nein,« sagte ich, »ich bin meines Knäns Bub.«
Darauf fielen unsere Reden und Gegenreden:
»Wie heißt du?« -- »Bub.« -- »Wie hat dich Vater und Mutter gerufen?«
-- »Ich weiß von kein Vater und Mutter nicht.« -- »Wer hat dir das
Hemd geben?« -- »Ei, mein Meuder.« -- »Wie hieße dich dann dein
Meuder?« -- »Bub, Schelm, ungeschickter Dölpel, Galgenvogel.« -- »Wer
ist deiner Meuder Mann?« -- »Niemand.« -- »Bei wem hat sie des Nachts
geschlafen?« -- »Bei meinem Knän.« -- »Wie heißt der?« -- »Knän.«
-- »Wie hat ihn deine Meuder gerufen?« -- »Knän, auch Meister.« --
»Niemalen anders?« -- »Ja.« -- »Wie dann?« -- »Rülp, grober Bengel,
volle Sau.« -- »Du bist wohl ein unwissender Tropf!« -- »Ei, kennst du
einen andern Namen?« -- »Und was weißt du von unserm Herrgott?« -- »Den
kenn ich wohl.« -- »Also, wie kennst du ihn?« -- »Ja, der ist daheim an
unserer Stubentür gestanden auf dem Gesims. Mein Meuder hat ihn von der
Kirchweih heimgebracht und hingekleibt.« -- »Ach, daß Gott walte! Weißt
du anders nicht? Bist du nie in die Kirche gangen?« -- »Ei ja wohl!
Ich kann wacker klettern und hab als einen ganzen Wams voll Kirschen
gebrockt.«
»Ach gütiger Gott, nun erkenne ich erst, was vor eine große Gnade und
Wohltat es ist, wem du deine Erkanntnus mitteilest, und wie gar nichts
ein Mensch sei, dem du solche nicht gibest. Wüßte ich nur, wo deine
Eltern wohneten, so wollte ich dich gern hinbringen und sie lehren, wie
sie Kinder erziehen sollten.«
»Unser Haus ist verbrannt. Mein Meuder und der Knän, also auch unser
Ursele seind hinweggeloffen und wiederkommen und unser Magd ist krank
im Stall gelegen.«
»Wie ist das geschehen?«
»Ha, es sind so eiserne Männer kommen, die auf Ochsen ohn Hörn gesessen
seind, haben Schaf, Küh' und Säu gestochen. Da bin ich auch weggeloffen
und darnach hat das Haus gebrannt.«
»Wo war dann dein Knän?«
»Sie haben ihn angebunden und unser alte Geiß hat ihm die Füß geleckt,
da hat mein Knän lachen müssen und hat denselben eisernen Männern viel
Weißpfennig geben, groß und klein, hübsche gelbe und sonst glitzerechte
Dinger und Schnüre voll weißer Küglein. Darauf hat unser Ann gesagt,
ich soll auch weglaufen, sonst nehmen mich die Krieger mit.«
»Wo hinaus willst du?«
»Ich weiß Weger nit und will bei dir bleiben.«
»So geh und iß,« sagte der Einsiedel.
Das war unser ~discurs~, unter welchem mich der Alte oft mit
allertiefstem Seufzen anschauete. Weiß nicht, ob es aus Mitleiden
geschahe oder aus Ursach, die ich erst etliche Jahr hernach erfuhr.