eines Wortes, welches in seiner ältesten Bedeutung eine ungeschwächte junge
Frauensperson, eine Jungfrau im eigentlichen Verstande, bedeutete. "Es
heißt im Deutschen Magd (sagt D. Luther) ein solch Weibsbild, das noch jung
ist, und mit Ehren den Kranz trägt und in Haaren geht." In diesem Sinne
wird Maria in einem alten Kirchenliede die reine Magd genannt. Im
"Heldenbuch", "Theuerdank", u. a. heißen junge Damen vom ersten Rang edle
Meyd oder Magd, ohne daß eben auf die fysische Bedingung der
Jungfräulichkeit Rücksicht genommen wird. Magdthum bezeichnet daher im
alten Deutschen sowohl den jungfräulichen oder ledigen Stand, als was man
jetzt in engerer Bedeutung Jungferschaft nennt.
Mahneh, XI. 33, auch Salam genannt, ist eine unter den Türken und
Maurischen Sarazenen gewöhnliche Art von geheimen Liebesbriefen, wobey
Blumen, Spezereyen und tausend andere Dinge, als symbolische Zeichen, die
eine gewisse abgeredete Bedeutung haben, statt der Worte gebraucht werden.
In Plants Türkischem Staatslexikon ist ein Beyspiel davon gegeben, wo eine
Weinbeere, ein Strohhalm, eine Jonquille, ein seidener Faden,
Papierschnitzel, ein Schwefelhölzchen, eine Pistazie, eine verwelkte Tulpe
und ein Stückchen Goldfaden, in einem Beutel der Geliebten überschickt, ihr
ungefähr so viel sagen, als: "Holdes Mädchen, erlaube daß ich dein Sklave
sey und laß dir meine Liebe gefallen. Ich brenne vor Sehnsucht nach dir,
und diese Flamme verzehrt mein Herz.--Meine Sinne verwirren sich. Ach
möchten wir doch zusammen auf Einem Bette ruhen! Ich sterbe, wenn du mir
nicht bald zu Hülfe kommst."--Eine ähnliche Probe theilt Lady Worthley
Montague im vierzigsten der oben angezogenen Briefe ihrer Korrespondentin
mit. Ihrem Berichte nach ist mit jedem symbolischen Zeichen dieser geheimen
Sprache ein gewisser Vers aus einem Dichter kombiniert; und sie sagt, sie
glaube, es sey eine Million Verse zu diesem Gebrauch bestimmt;--was, wenn
wir auch neun Zehntheile von der Million fahren lassen, diese Sprache zu
einer der schwersten in der Welt machen würde.
Mahom, II. 5 und öfters. Eine in den alten Französischen Rittergedichten,
Fabliaux, u. d. ziemlich allgemeine komische Abkürzung des Nahmens Mahomed,
wenn von dem großen Profeten der Sarazenen die Rede ist.
Manichäer, II. 23, war in Hüons Zeiten ein eben so gemeiner als verhaßter
Ketzernahme, wobey man sich das abscheulichste dachte, ohne sich darum zu
bekümmern, was die wirklichen Anhänger des Manes ehemahls gelehrt hatten
oder nicht. Der Kaplan konnte also dem tief studierten Manne, der sich so
positiv gegen die Geister erklärte, keinen schlimmern Streich spielen, als
ihm einen Nahmen anzuhängen, den jener nicht auf sich sitzen lassen durfte,
wenn er den anwesenden Laien nicht ein Gräuel werden wollte. Daher
vermuthlich der Fechterkniff, im Fortgang des Streits sich hinter so viel
Latein zurück zu ziehen, daß die Zuhörer, und vielleicht auch der orthodoxe
Kaplan selbst, ihm nichts weiter anhaben konnten.
Märtrerberg, IX. 6. Montmartre bey Paris, so genannt, weil nach ehemahligem
gemeinem Glauben der heilige Dionysius Areopagita mit seinen Gefährten S.
Rustikus und S. Eleutherus den Martertod auf diesem Berg erlitten haben
soll.
Herzog Nayms, I. 52. Die alten Ritterbücher von Charlemagne und den Helden
seiner Zeit sprechen viel von einem Herzog Naymes von Bayern, als dem
weisesten Mann an Karls Hofe, für dessen Rath dieser Kaiser immer besondere
Achtung getragen habe. Bekannter Maßen kennt die Geschichte dieser Zeit
keinen andern Herzog in Bayern als den unruhigen Tassilo. Ich habe dem
seltsamen Nahmen Naymes überall nachgespürt, und nichts gefunden, als daß
in dem Zedlerischen Universal-Lexikon ein Nainus oder Nämus als ein General
der Bayern unter Karl dem Großen aufgeführt wird, ohne die Quelle, woraus
diese Angabe geschöpft ist, anzuzeigen.
Obsiegen, III. 20, (einem) auch ansiegen, eine Altdeutsche Form, für einen
besiegen, bezwingen.
Ok, die Sprache von Ok, I. 12. Die so genannte Romanische (romana rustica)
Sprache, die nach der Zerstörung der Römischen Herrschaft in Gallien vom
Volke gesprochen wurde, theilte sich in zwey sehr ungleichartige Mundarten,
in deren einer das dermahlige Französische Bejahungswörtchen oui, oil, in
der andern hingegen ok ausgesprochen wurde. Diese letztere, die in dem
mittäglichen Frankreich herrschte, hieß daher la langue d'oc, und wurde
späterhin die provenzalische genannt. S. die Einleitung vor le Grands
"Fabliaux ou Contes du XII. et XIII. Siecle".
Pan, der große Pan, II. 18. Eine im Munde Scherasmins fast zu gelehrte
Anspielung auf das bekannte Mährchen von dem Ägyptischen Schiffer Thamos,
dem, als er einst, unter der Regierung des Kaisers Tiberius, an den
Echinadischen Inseln vorbey fuhr, nach einer plötzlich erfolgten Windstille
eine Stimme von den Paxischen Inseln her zu dreyen Mahlen befahl: so bald
er den Hafen Pelodes (an der Küste von Epirus) erreicht haben würde, sollte
er mit lauter Stimme ausrufen: Der große Pan sey gestorben. Thamos hatte
diesen seltsamen Auftrag wieder vergessen, als er durch eine abermahlige
Windstille, die ihn im Angesicht des Hafens Pelodes befiel, daran erinnert
wurde: und kaum hatte er den Tod des großen Pans ausgerufen, so ließ sich
ein großes Wehklagen und Gewinsel in der Luft hören, wie von unsichtbaren
Personen, die an dieser Nachricht ganz besondern Antheil nähmen, und ihr
Erstaunen und Leidwesen darüber bezeigten. Das merkwürdigste an dieser
schönen Geschichte ist, daß Plutarch in seiner Abhandlung von den Ursachen,
warum die Orakel aufgehört hätten, sie einem gewissen Ämilianus in den Mund
legt, der sie von seinem Vater, als einem unmittelbaren Augen--und
Ohrenzeugen, gehört zu haben versicherte.--Übrigens ist es, in Rücksicht
des bekannten Gebrauchs, welcher in der Folge von dieser Erzählung gemacht
wurde, eben nicht unmöglich, daß Scherasmin gelegentlich von seinem Pfarrer
etwas von ihr gehört haben könnte, wiewohl ihm nichts davon im Gedächtniß
geblieben, als die isolierte Vorstellung, wie still und todt es auf einmahl
in der Natur werden müßte, wenn der große Pan wirklich zu sterben kommen
sollte.
Pär (Pair) des Reichs, I. 48. Es bedarf wohl kaum erinnert zu werden, daß
unser Dichter auch hier, da sein Held sich (als Herzog von Guyenne oder
Aquitanien) einen Pär des Reichs nennt, in der 49sten Stanze von Fürsten
des Kaiserreichs spricht, und in dieser Qualität das Recht seinen Ankläger
zum Zweykampf heraus zu fordern geltend macht, nicht der Geschichte,
sondern den Ritterromanen von Charlemagne folgt, welche wahrscheinlich erst
im XII. und XIII. Jahrhundert ausgeheckt wurden. Der unbekannte Mönch, der
seinen aus den abenteuerlichsten Erdichtungen zusammen gestoppelten Roman
"de Gestis Caroli M. et Rolandi", um ihm das Ansehen einer wahren
Geschichte zu geben, dem Erzbischof Tilpin von Rheims (den er Turpin nennt)
unterschob, hatte so wenig Kenntniß und Begriff von Karl dem Großen und
seiner Regierung, daß er nicht nur die Gebräuche, Sitten und Lebensweise
der so genannten Ritterzeiten, sondern sogar die ganze Verfassung von
Frankreich, wie er sie unter Ludwig VII. und Filipp August (unter deren
Regierung er lebte) fand, in die Zeit jenes großen Königs der Franken
hinüber trägt. Daher denn auch die vorgeblichen zwölf Pärs desselben, die
in diesen Romanen als die zwölf großen erblichen Kronvasallen erscheinen,
da man doch damahls eben so wenig von Erb-Kronvasallen als von bestimmten
Vorzügen und Vorrechten einiger derselben vor allen übrigen wußte, indem
alle vom König unmittelbar belehnte Baronen eben darum, weil sie alle
einander gleich waren, Pares Franciae hießen, und, in so fern ein jeder nur
von seines gleichen gerichtet werden konnte, den Hof der Pärs, la Cour des
Pairs, ausmachten. Von wem und zu welcher Zeit die ehemahls ungeheure Menge
der Baronen oder Pärs von Frankreich auf zwölf (sechs geistliche und sechs
weltliche*) eingeschränkt worden, ist eine eben so problematische oder
vielmehr unauflösbare Frage in der Französischen Geschichte, als der
Ursprung der Kurfürsten in der Deutschen: aber so viel ist gewiß, daß von
diesen zwölf Pärs erst unter Ludewig VII. Erwähnung geschieht. S. "Les
Moeurs et Coutumes dans les differens tems de la Monarchie Franç. au Tome
VI. de l'Hist. de France de le Gendre".
Recke, III. 47. Ein veraltetes Wort für Riese. Es wurde ehemahls auch von
andern tapfern und streitbaren Männern gebraucht, und die alten Sueven
werden in dieser Bedeutung in dem Lobgesang auf den Heiligen Anno St. 19.
gute Reckin genannt. In den alten Isländischen Mythen heißen ihre
Heerführer oder Landeshauptleute (Könige) Landrecken.
Rennen, I. 35. "Bey einem offnen Rennen," d. i. in einem Turnier; ein in
dem alten "Amadis aus Gallien" und ähnlichen Werken häufig vorkommendes
Wort. Noch gewöhnlicher hieß es ein Stechen, Stechspiel, Ritterstechen;
daher Stechhelm, ein Turnierhelm, der das ganze Gesicht bedeckte und nur
zum Sehen und Athmen Öffnungen hatte,--Stechpferd, ein starkes zum
Turnieren abgerichtetes Pferd, Stechbahn, Stechzeug, u.s.w. ein scharfer
Stecher, III. 12. Reiten wurde ebenfalls als ein Synonym von turnieren,
oder eine Lanze mit einander brechen, gebraucht; daher ein Ritt, III. 10.
Für Turnier wurde damahls auch Turney gesagt: II. 19, im Feld und im
Turney.
Schimpf, I. 26. "In Schimpf und Ernst," d. i. in Ritterspielen und in
gefährlichen Abenteuern, wo Leib und Leben gewagt wurde.--Schimpf wird
hier in der veralteten Bedeutung von Spiel und Scherz gebraucht. Noch im
15ten Jahrhundert waren scherzen und schimpfen gleichbedeutend. So heißt es
zum Beyspiel (nach Adelungs Zeugniß) in einer zu Straßburg 1466 gedruckten
Deutschen Bibel: "Abimelech sah in (ihn, den Isaak) schimpfen mit Rebekka
seiner Hausfrauen."--Es wird aus Schimpf noch Ernst werden, ist eine
Redensart, die noch itzt in Oberdeutschland zuweilen gehört wird.
Stange, für Speer oder Lanze, V. 65, kommt in dieser Bedeutung noch in
Luthers Bibelübersetzung vor, Matth. 26,47.
Stapfen, einher stapfen, VI. 42, ein veraltetes aber mahlerisches Wort, für
stark und fest auftreten.
Sultanin, IX. 5, (Sequin) eine Türkische Goldmünze, deren Werth hier, wo es
auf eine sehr genaue Bestimmung nicht ankommt, etwa einem Goldgülden oder
halben Maxd'or gleich angenommen werden kann.
Unangemuthet, III. 39, d.i. ohne eine Anmuthung zu dieser Person zu spüren,
ohne daß sein Herz ihm etwas für sie sagt, ohne daß sie ihn interessiert.
Muth (Mod, Mûat, Mûoth) hieß bey den alten Angelsachsen, Franken und
Allemannen animus bene vel male adfectus, das Gemüth, oder was wir
figürlich das Herz nennen, und Muthen war so viel als das Gemüth in
Bewegung setzen, anziehen. Daher Anmuth, was unser Herz anspricht, anzieht.
Das Zeitwort anmuthen scheint also vorzüglich dazu geschickt zu seyn,
wenigstens in vielen Fällen die Stelle des fremden und unsern Puristen
anstößigen interessieren zu ersetzen; zumahl wenn unsre Schriftsteller sich
entschlössen, dieses Wort in dem Sinne, worin es ansinnen oder zumuthen (d.
i. verlangen daß ein anderer über eine gewisse Sache eben so gemuthet sey
wie wir) heißt, nie wieder zu gebrachten. Von etwas angemuthet oder
unangemuthet seyn oder werden, wäre diesem nach so viel als davon
interessiert oder nicht interessiert werden: und in diesem Sinne scheint
unser Dichter das von ihm vermuthlich zuerst gebrauchte Wort unangemuthet
genommen zu haben.
Ventregris, II. 20. Ein nur in Scherasmins Munde duldbarer, wiewohl
ehemahls dem König Heinrich IV. von Frankreich sehr geläufiger,
Gaskonnischer Schwur, statt Ventre-Saint-Gris.
Verdrieß, I. 41. Die alte Form des Wortes Verdruß, welche hier mit gutem
Bedacht der gewöhnlichen vorgezogen worden ist.
Verluppt, III. 36. "Ganz in verlupptem Stahl," d. i. in bezauberten Waffen.
Luppen, verluppen hieß in der alten Allemannischen Sprache vergiften; daher
verlüppte Pfeile. Weil aber, wie Wachter wohl anmerkt, im gemeinen
Volksglauben giftmischen und zaubern verwandte und associierte Begriffe
sind, so bekamen die Worte luppen, verluppt, auch die Bedeutung von zaubern
und bezaubert. So sagt zum Beyspiel König Tyrol (beym Goldast):
Der konnte luppen, (d.i. zaubern) mit die (dem) Speer;
und der Dichter Nithart (ebenfalls in Goldasts Paraenet.) Zöverluppe für
Zauber, fascinum magicum.
Versehen, IV. 63. Etwas versehen, d. i. schicken, verfügen, kommt in dieser
veralteten Form und Bedeutung öfters in Luthers Bibel vor.
Versteinen, VIII. 61, zu Stein werden, statt des gewöhnlichen versteinern,
wo das r in der Endsylbe überflüssig und sogar unrichtig ist. Wenn man
verbessern, verschönern, verkleinern, vergrößern sagt, so geschieht es
darum, weil etwas besser, schöner, kleiner, größer werden soll als es war.
Bey versteinert hingegen ist die Rede nicht davon, etwas noch steinerner
als es ist, sondern etwas, das kein Stein war, zum Stein zu machen.
Wage, V. 72, VII. 22. Für das, was man bey einer Entschließung wagt. Wage
ist in dieser Bedeutung ein zwar veraltetes, aber wenn es am rechten Orte
steht, jedem verständliches, und kaum entbehrliches Altdeutsches Wort. Auch
Wagestück, welches in einigen Provinzen noch gehört wird, für eine
gefahrvolle Unternehmung, verlangt mit gleichem Recht wieder in Umlauf zu
kommen.
Wehre für Gewehre, I. 43. Wehrgeschmeide, III. 4, für Waffenschmuck,
Waffenrüstung.--Wörter, die in der Dichtersprache erhalten zu werden
verdienen.
Weib, III. 58 "da steht vor ihm ein göttergleiches Weib,"--wird hier in
der Altdeutschen Bedeutung gebraucht, vermöge deren es, wie das Griechische
gyne, eine jede Frauensperson, ohne Rücksicht auf Geburt, Stand und Alter
bezeichnet. So kommt das Wort Wib beständig bey den Minnesängern vor,
wiewohl schon Walther von der Vogelweide in einem seiner schönsten Lieder
sich sehr darüber ereifert, daß man zu seiner Zeit (im 13ten Jahrhunderte)
schon einen Unterschied zu machen anfing, weil die vornehmern nicht mehr
Weiber sondern Frowen (Frauen) heißen wollten. Indessen sagen noch itzt in
Oberdeutschland Personen von Stande, wenn von ihres gleichen die Rede ist,
--"Sie ist ein schönes Weib"; und auch in unsrer neuern Dichtersprache ist
das Wort Weib von mehrern wieder in seine alte Würde eingesetzt worden.
Denn, wie der eben benannte edle Minnesänger sagt:
Wib muß immer sin der Wibe höhster Nahme.
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* Jene waren, der Erzbischof von Rheims, der Bischof Herzog von Laon, der
Bischof Herzog von Langres, der Bischof Graf von Beauvais, und die Bischöfe
von Chalons sur Marne und von Noyon; Diese, die drey Herzoge von Burgund,
Normandie und Guyenne, und die drey Grafen von Flandern, Champagne und
Toulouse. (Zurück)
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