Magd, III. 18. Magd, Maget, Magad, Maid, Meyd, sind verschiedene Formen

eines Wortes, welches in seiner ältesten Bedeutung eine ungeschwächte junge

Frauensperson, eine Jungfrau im eigentlichen Verstande, bedeutete. "Es

heißt im Deutschen Magd (sagt D. Luther) ein solch Weibsbild, das noch jung

ist, und mit Ehren den Kranz trägt und in Haaren geht." In diesem Sinne

wird Maria in einem alten Kirchenliede die reine Magd genannt. Im

"Heldenbuch", "Theuerdank", u. a. heißen junge Damen vom ersten Rang edle

Meyd oder Magd, ohne daß eben auf die fysische Bedingung der

Jungfräulichkeit Rücksicht genommen wird. Magdthum bezeichnet daher im

alten Deutschen sowohl den jungfräulichen oder ledigen Stand, als was man

jetzt in engerer Bedeutung Jungferschaft nennt.

Mahneh, XI. 33, auch Salam genannt, ist eine unter den Türken und

Maurischen Sarazenen gewöhnliche Art von geheimen Liebesbriefen, wobey

Blumen, Spezereyen und tausend andere Dinge, als symbolische Zeichen, die

eine gewisse abgeredete Bedeutung haben, statt der Worte gebraucht werden.

In Plants Türkischem Staatslexikon ist ein Beyspiel davon gegeben, wo eine

Weinbeere, ein Strohhalm, eine Jonquille, ein seidener Faden,

Papierschnitzel, ein Schwefelhölzchen, eine Pistazie, eine verwelkte Tulpe

und ein Stückchen Goldfaden, in einem Beutel der Geliebten überschickt, ihr

ungefähr so viel sagen, als: "Holdes Mädchen, erlaube daß ich dein Sklave

sey und laß dir meine Liebe gefallen. Ich brenne vor Sehnsucht nach dir,

und diese Flamme verzehrt mein Herz.--Meine Sinne verwirren sich. Ach

möchten wir doch zusammen auf Einem Bette ruhen! Ich sterbe, wenn du mir

nicht bald zu Hülfe kommst."--Eine ähnliche Probe theilt Lady Worthley

Montague im vierzigsten der oben angezogenen Briefe ihrer Korrespondentin

mit. Ihrem Berichte nach ist mit jedem symbolischen Zeichen dieser geheimen

Sprache ein gewisser Vers aus einem Dichter kombiniert; und sie sagt, sie

glaube, es sey eine Million Verse zu diesem Gebrauch bestimmt;--was, wenn

wir auch neun Zehntheile von der Million fahren lassen, diese Sprache zu

einer der schwersten in der Welt machen würde.

Mahom, II. 5 und öfters. Eine in den alten Französischen Rittergedichten,

Fabliaux, u. d. ziemlich allgemeine komische Abkürzung des Nahmens Mahomed,

wenn von dem großen Profeten der Sarazenen die Rede ist.

Manichäer, II. 23, war in Hüons Zeiten ein eben so gemeiner als verhaßter

Ketzernahme, wobey man sich das abscheulichste dachte, ohne sich darum zu

bekümmern, was die wirklichen Anhänger des Manes ehemahls gelehrt hatten

oder nicht. Der Kaplan konnte also dem tief studierten Manne, der sich so

positiv gegen die Geister erklärte, keinen schlimmern Streich spielen, als

ihm einen Nahmen anzuhängen, den jener nicht auf sich sitzen lassen durfte,

wenn er den anwesenden Laien nicht ein Gräuel werden wollte. Daher

vermuthlich der Fechterkniff, im Fortgang des Streits sich hinter so viel

Latein zurück zu ziehen, daß die Zuhörer, und vielleicht auch der orthodoxe

Kaplan selbst, ihm nichts weiter anhaben konnten.

Märtrerberg, IX. 6. Montmartre bey Paris, so genannt, weil nach ehemahligem

gemeinem Glauben der heilige Dionysius Areopagita mit seinen Gefährten S.

Rustikus und S. Eleutherus den Martertod auf diesem Berg erlitten haben

soll.

Herzog Nayms, I. 52. Die alten Ritterbücher von Charlemagne und den Helden

seiner Zeit sprechen viel von einem Herzog Naymes von Bayern, als dem

weisesten Mann an Karls Hofe, für dessen Rath dieser Kaiser immer besondere

Achtung getragen habe. Bekannter Maßen kennt die Geschichte dieser Zeit

keinen andern Herzog in Bayern als den unruhigen Tassilo. Ich habe dem

seltsamen Nahmen Naymes überall nachgespürt, und nichts gefunden, als daß

in dem Zedlerischen Universal-Lexikon ein Nainus oder Nämus als ein General

der Bayern unter Karl dem Großen aufgeführt wird, ohne die Quelle, woraus

diese Angabe geschöpft ist, anzuzeigen.

Obsiegen, III. 20, (einem) auch ansiegen, eine Altdeutsche Form, für einen

besiegen, bezwingen.

Ok, die Sprache von Ok, I. 12. Die so genannte Romanische (romana rustica)

Sprache, die nach der Zerstörung der Römischen Herrschaft in Gallien vom

Volke gesprochen wurde, theilte sich in zwey sehr ungleichartige Mundarten,

in deren einer das dermahlige Französische Bejahungswörtchen oui, oil, in

der andern hingegen ok ausgesprochen wurde. Diese letztere, die in dem

mittäglichen Frankreich herrschte, hieß daher la langue d'oc, und wurde

späterhin die provenzalische genannt. S. die Einleitung vor le Grands

"Fabliaux ou Contes du XII. et XIII. Siecle".

Pan, der große Pan, II. 18. Eine im Munde Scherasmins fast zu gelehrte

Anspielung auf das bekannte Mährchen von dem Ägyptischen Schiffer Thamos,

dem, als er einst, unter der Regierung des Kaisers Tiberius, an den

Echinadischen Inseln vorbey fuhr, nach einer plötzlich erfolgten Windstille

eine Stimme von den Paxischen Inseln her zu dreyen Mahlen befahl: so bald

er den Hafen Pelodes (an der Küste von Epirus) erreicht haben würde, sollte

er mit lauter Stimme ausrufen: Der große Pan sey gestorben. Thamos hatte

diesen seltsamen Auftrag wieder vergessen, als er durch eine abermahlige

Windstille, die ihn im Angesicht des Hafens Pelodes befiel, daran erinnert

wurde: und kaum hatte er den Tod des großen Pans ausgerufen, so ließ sich

ein großes Wehklagen und Gewinsel in der Luft hören, wie von unsichtbaren

Personen, die an dieser Nachricht ganz besondern Antheil nähmen, und ihr

Erstaunen und Leidwesen darüber bezeigten. Das merkwürdigste an dieser

schönen Geschichte ist, daß Plutarch in seiner Abhandlung von den Ursachen,

warum die Orakel aufgehört hätten, sie einem gewissen Ämilianus in den Mund

legt, der sie von seinem Vater, als einem unmittelbaren Augen--und

Ohrenzeugen, gehört zu haben versicherte.--Übrigens ist es, in Rücksicht

des bekannten Gebrauchs, welcher in der Folge von dieser Erzählung gemacht

wurde, eben nicht unmöglich, daß Scherasmin gelegentlich von seinem Pfarrer

etwas von ihr gehört haben könnte, wiewohl ihm nichts davon im Gedächtniß

geblieben, als die isolierte Vorstellung, wie still und todt es auf einmahl

in der Natur werden müßte, wenn der große Pan wirklich zu sterben kommen

sollte.

Pär (Pair) des Reichs, I. 48. Es bedarf wohl kaum erinnert zu werden, daß

unser Dichter auch hier, da sein Held sich (als Herzog von Guyenne oder

Aquitanien) einen Pär des Reichs nennt, in der 49sten Stanze von Fürsten

des Kaiserreichs spricht, und in dieser Qualität das Recht seinen Ankläger

zum Zweykampf heraus zu fordern geltend macht, nicht der Geschichte,

sondern den Ritterromanen von Charlemagne folgt, welche wahrscheinlich erst

im XII. und XIII. Jahrhundert ausgeheckt wurden. Der unbekannte Mönch, der

seinen aus den abenteuerlichsten Erdichtungen zusammen gestoppelten Roman

"de Gestis Caroli M. et Rolandi", um ihm das Ansehen einer wahren

Geschichte zu geben, dem Erzbischof Tilpin von Rheims (den er Turpin nennt)

unterschob, hatte so wenig Kenntniß und Begriff von Karl dem Großen und

seiner Regierung, daß er nicht nur die Gebräuche, Sitten und Lebensweise

der so genannten Ritterzeiten, sondern sogar die ganze Verfassung von

Frankreich, wie er sie unter Ludwig VII. und Filipp August (unter deren

Regierung er lebte) fand, in die Zeit jenes großen Königs der Franken

hinüber trägt. Daher denn auch die vorgeblichen zwölf Pärs desselben, die

in diesen Romanen als die zwölf großen erblichen Kronvasallen erscheinen,

da man doch damahls eben so wenig von Erb-Kronvasallen als von bestimmten

Vorzügen und Vorrechten einiger derselben vor allen übrigen wußte, indem

alle vom König unmittelbar belehnte Baronen eben darum, weil sie alle

einander gleich waren, Pares Franciae hießen, und, in so fern ein jeder nur

von seines gleichen gerichtet werden konnte, den Hof der Pärs, la Cour des

Pairs, ausmachten. Von wem und zu welcher Zeit die ehemahls ungeheure Menge

der Baronen oder Pärs von Frankreich auf zwölf (sechs geistliche und sechs

weltliche*) eingeschränkt worden, ist eine eben so problematische oder

vielmehr unauflösbare Frage in der Französischen Geschichte, als der

Ursprung der Kurfürsten in der Deutschen: aber so viel ist gewiß, daß von

diesen zwölf Pärs erst unter Ludewig VII. Erwähnung geschieht. S. "Les

Moeurs et Coutumes dans les differens tems de la Monarchie Franç. au Tome

VI. de l'Hist. de France de le Gendre".

Recke, III. 47. Ein veraltetes Wort für Riese. Es wurde ehemahls auch von

andern tapfern und streitbaren Männern gebraucht, und die alten Sueven

werden in dieser Bedeutung in dem Lobgesang auf den Heiligen Anno St. 19.

gute Reckin genannt. In den alten Isländischen Mythen heißen ihre

Heerführer oder Landeshauptleute (Könige) Landrecken.

Rennen, I. 35. "Bey einem offnen Rennen," d. i. in einem Turnier; ein in

dem alten "Amadis aus Gallien" und ähnlichen Werken häufig vorkommendes

Wort. Noch gewöhnlicher hieß es ein Stechen, Stechspiel, Ritterstechen;

daher Stechhelm, ein Turnierhelm, der das ganze Gesicht bedeckte und nur

zum Sehen und Athmen Öffnungen hatte,--Stechpferd, ein starkes zum

Turnieren abgerichtetes Pferd, Stechbahn, Stechzeug, u.s.w. ein scharfer

Stecher, III. 12. Reiten wurde ebenfalls als ein Synonym von turnieren,

oder eine Lanze mit einander brechen, gebraucht; daher ein Ritt, III. 10.

Für Turnier wurde damahls auch Turney gesagt: II. 19, im Feld und im

Turney.

Schimpf, I. 26. "In Schimpf und Ernst," d. i. in Ritterspielen und in

gefährlichen Abenteuern, wo Leib und Leben gewagt wurde.--Schimpf wird

hier in der veralteten Bedeutung von Spiel und Scherz gebraucht. Noch im

15ten Jahrhundert waren scherzen und schimpfen gleichbedeutend. So heißt es

zum Beyspiel (nach Adelungs Zeugniß) in einer zu Straßburg 1466 gedruckten

Deutschen Bibel: "Abimelech sah in (ihn, den Isaak) schimpfen mit Rebekka

seiner Hausfrauen."--Es wird aus Schimpf noch Ernst werden, ist eine

Redensart, die noch itzt in Oberdeutschland zuweilen gehört wird.

Stange, für Speer oder Lanze, V. 65, kommt in dieser Bedeutung noch in

Luthers Bibelübersetzung vor, Matth. 26,47.

Stapfen, einher stapfen, VI. 42, ein veraltetes aber mahlerisches Wort, für

stark und fest auftreten.

Sultanin, IX. 5, (Sequin) eine Türkische Goldmünze, deren Werth hier, wo es

auf eine sehr genaue Bestimmung nicht ankommt, etwa einem Goldgülden oder

halben Maxd'or gleich angenommen werden kann.

Unangemuthet, III. 39, d.i. ohne eine Anmuthung zu dieser Person zu spüren,

ohne daß sein Herz ihm etwas für sie sagt, ohne daß sie ihn interessiert.

Muth (Mod, Mûat, Mûoth) hieß bey den alten Angelsachsen, Franken und

Allemannen animus bene vel male adfectus, das Gemüth, oder was wir

figürlich das Herz nennen, und Muthen war so viel als das Gemüth in

Bewegung setzen, anziehen. Daher Anmuth, was unser Herz anspricht, anzieht.

Das Zeitwort anmuthen scheint also vorzüglich dazu geschickt zu seyn,

wenigstens in vielen Fällen die Stelle des fremden und unsern Puristen

anstößigen interessieren zu ersetzen; zumahl wenn unsre Schriftsteller sich

entschlössen, dieses Wort in dem Sinne, worin es ansinnen oder zumuthen (d.

i. verlangen daß ein anderer über eine gewisse Sache eben so gemuthet sey

wie wir) heißt, nie wieder zu gebrachten. Von etwas angemuthet oder

unangemuthet seyn oder werden, wäre diesem nach so viel als davon

interessiert oder nicht interessiert werden: und in diesem Sinne scheint

unser Dichter das von ihm vermuthlich zuerst gebrauchte Wort unangemuthet

genommen zu haben.

Ventregris, II. 20. Ein nur in Scherasmins Munde duldbarer, wiewohl

ehemahls dem König Heinrich IV. von Frankreich sehr geläufiger,

Gaskonnischer Schwur, statt Ventre-Saint-Gris.

Verdrieß, I. 41. Die alte Form des Wortes Verdruß, welche hier mit gutem

Bedacht der gewöhnlichen vorgezogen worden ist.

Verluppt, III. 36. "Ganz in verlupptem Stahl," d. i. in bezauberten Waffen.

Luppen, verluppen hieß in der alten Allemannischen Sprache vergiften; daher

verlüppte Pfeile. Weil aber, wie Wachter wohl anmerkt, im gemeinen

Volksglauben giftmischen und zaubern verwandte und associierte Begriffe

sind, so bekamen die Worte luppen, verluppt, auch die Bedeutung von zaubern

und bezaubert. So sagt zum Beyspiel König Tyrol (beym Goldast):

Der konnte luppen, (d.i. zaubern) mit die (dem) Speer;

und der Dichter Nithart (ebenfalls in Goldasts Paraenet.) Zöverluppe für

Zauber, fascinum magicum.

Versehen, IV. 63. Etwas versehen, d. i. schicken, verfügen, kommt in dieser

veralteten Form und Bedeutung öfters in Luthers Bibel vor.

Versteinen, VIII. 61, zu Stein werden, statt des gewöhnlichen versteinern,

wo das r in der Endsylbe überflüssig und sogar unrichtig ist. Wenn man

verbessern, verschönern, verkleinern, vergrößern sagt, so geschieht es

darum, weil etwas besser, schöner, kleiner, größer werden soll als es war.

Bey versteinert hingegen ist die Rede nicht davon, etwas noch steinerner

als es ist, sondern etwas, das kein Stein war, zum Stein zu machen.

Wage, V. 72, VII. 22. Für das, was man bey einer Entschließung wagt. Wage

ist in dieser Bedeutung ein zwar veraltetes, aber wenn es am rechten Orte

steht, jedem verständliches, und kaum entbehrliches Altdeutsches Wort. Auch

Wagestück, welches in einigen Provinzen noch gehört wird, für eine

gefahrvolle Unternehmung, verlangt mit gleichem Recht wieder in Umlauf zu

kommen.

Wehre für Gewehre, I. 43. Wehrgeschmeide, III. 4, für Waffenschmuck,

Waffenrüstung.--Wörter, die in der Dichtersprache erhalten zu werden

verdienen.

Weib, III. 58 "da steht vor ihm ein göttergleiches Weib,"--wird hier in

der Altdeutschen Bedeutung gebraucht, vermöge deren es, wie das Griechische

gyne, eine jede Frauensperson, ohne Rücksicht auf Geburt, Stand und Alter

bezeichnet. So kommt das Wort Wib beständig bey den Minnesängern vor,

wiewohl schon Walther von der Vogelweide in einem seiner schönsten Lieder

sich sehr darüber ereifert, daß man zu seiner Zeit (im 13ten Jahrhunderte)

schon einen Unterschied zu machen anfing, weil die vornehmern nicht mehr

Weiber sondern Frowen (Frauen) heißen wollten. Indessen sagen noch itzt in

Oberdeutschland Personen von Stande, wenn von ihres gleichen die Rede ist,

--"Sie ist ein schönes Weib"; und auch in unsrer neuern Dichtersprache ist

das Wort Weib von mehrern wieder in seine alte Würde eingesetzt worden.

Denn, wie der eben benannte edle Minnesänger sagt:

Wib muß immer sin der Wibe höhster Nahme.

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* Jene waren, der Erzbischof von Rheims, der Bischof Herzog von Laon, der

Bischof Herzog von Langres, der Bischof Graf von Beauvais, und die Bischöfe

von Chalons sur Marne und von Noyon; Diese, die drey Herzoge von Burgund,

Normandie und Guyenne, und die drey Grafen von Flandern, Champagne und

Toulouse. (Zurück)

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Oberon · 第 15 / 15 段