13

Natürlich stutzt die schöne Königin,

In ihrem Wege hier auf einen Mann zu treffen.

Was machst du hier? fragt sie den Paladin

Mit einem Blick, der jedem andern Neffen

Des alten Gärtners tödtlich war.

Doch Hüon, unterm Schirm gesenkter Augenlieder,

Läßt auf die Kniee sich mit edler Ehrfurcht nieder,

Und stellt den Blumenkorb ihr als ein Opfer dar.

14

Er hatte, (spricht er) bloß es ihr zu überreichen,

Die Zeit versäumt, die allen seines gleichen

Die Gärten schließt. Hat er zu viel gethan,

So mag sein Kopf den raschen Eifer büßen.

Allein die Göttin scheint in einen mildern Plan

Vertieft, indeß zu ihren Füßen

Der schöne Frevler liegt. Sie sieht ihn gütig an,

Und scheint mit Mühe sich zum Fortgehn zu entschließen.

15

Den schönsten Jüngling, den sie jemahls sah--und schön

Wie Helden sind, mit Kraft und Würde--fremde

Der Farbe nach--in einem Gärtnerhemde--

Dieß schien ihr nicht natürlich zuzugehn.

Gern hätte sie mit ihm sich näher eingelassen,

Hielt' nicht der strenge Zwang des Wohlstands sie zurück.

Sie winkt ihm endlich weg; doch scheint ein Seitenblick,

Der ihn begleitet, viel, sehr viel in sich zu fassen.

16

Sie schreitet langsam fort, stillschweigend, dreht sogar

Den schönen Hals, ihm hinten nachzusehen,

Und zürnt, daß er dem Wink so schnell gehorsam war.

War er, den Blick, der ihn erklärte, zu verstehen,

Zu blöde? Fehlt's vielleicht der reitzenden Gestalt

An Seele? Trügt das ungeduld'ge Feuer

In seinem Auge? Macht Gefahr ihn kalt?

Wie, oder sucht' er hier ein andres Abenteuer?

17

Ein andres?--Dieser Zweifel hüllt

Ihr plötzlich auf, was sie sich selber zu gestehen

Erröthet. Unruhvoll, verfolgt von Hüons Bild,

Irrt sie die ganze Nacht durch Lauben und Alleen,

Horcht. Jedem Lüftchen das sich regt

Entgegen, jedem Blatt, das an ein andres schlägt:

Still! spricht sie zur Vertrauten, laß uns lauschen!

Mir däucht, ich hörte was durch jene Hecke rauschen.

18

Es ist vielleicht der schöne Gärtner, spricht

Die schlaue Zof': er ist, wofern mich alles nicht

An ihm betrügt, der Mann sein Leben dran zu setzen,

Um hier, im Hinterhalt, an einen Busch gedrückt,

Mit einem Anblick sich noch einmahl zu ergetzen,

Der ihn ins Paradies verzückt.

Wie wenn wir ihn ganz leise überraschten,

Und auf der frischen That den schönen Frevler haschten?

19

Schweig, Närrin, spricht die Haremskönigin;

Du faselst, glaub' ich, gar im Traume?

Und gleichwohl richtet sie geraden Wegs zum Baume,

Woher das Rauschen kam, die leichten Schritte hin.

Es war ein Eidechs nur gewesen,

Der durchs Gesträuch geschlüpft.--Ein Seufzer, halb erstickt,

Halb in den Strauß, den sie zum Munde hielt, gedrückt,

Bekräftigt was Nadin' in ihrem Blick gelesen.

20

Unmuthig kehrt sie um, und mit sich selbst in Zwist,

Beißt sich die Lippen, seufzt, spricht etwas, und vergißt

Beym dritten Wort schon was sie sagen wollte,

Zürnt, daß Nadine nicht die rechte Antwort giebt,

Und nicht erräth, was sie errathen sollte;

Die schöne Dame ist, mit Einem Wort--verliebt!

Sogar ihr Blumenstrauß erfährt's--wird, ohn' ihr Wissen,

Zerknickt, und, Blatt für Blatt, verzettelt und zerrissen.

21

Drey Tage hatte nun das Übel schon gewährt,

Und war, durch Zwang und Widerstand genährt,

Mit jeder Nacht, mit jedem Morgen schlimmer

Geworden. Denn, so bald der Abendschimmer

Die bunten Fenster mahlt, verläßt sie ihre Zimmer,

Und streicht, nach Nymfen-Art, mit halb entbundnem Haar,

Durch alle Gartengäng' und Felder, wo nur immer

Den Neffen Ibrahims zu finden möglich war.

22

Allein, vergebens lauscht' ihr Blick, vergebens pochte

Ihr Busen Ungeduld: der schöne Gärtner ließ

Sich nicht mehr sehn, was auch die Ursach' heißen mochte.

Unglückliche Almansaris!

Dein Stolz erliegt. Wozu dich selbst noch länger quälen,

(Denkt sie) und was dich nagt Nadinen, die gewiß

Es lange merkt, aus Eigensinn verhehlen?

Verheimlichung heilt keinen Schlangenbiß.

23

Sie wähnt, sie suche Trost an einer Freundin Busen;

Doch was sie nöthig hat ist eine Schmeichlerin.

In dieser Hofkunst war Nadine Meisterin.

Der Saft von allen Pompelmusen

In Afrika erfrischte nicht so gut

Der wollustathmenden Sultanin gährend Blut,

Als dieser Freundin Rath und zärtliches Bemühen,

Den Mann, den sie begehrt, bald in ihr Netz zu ziehen.

24

Um Mitternacht und bey verschloßnen Thüren

Ihn in den Theil des Harems einzuführen

Worin Almansaris ganz unumschränkt befahl,

Schien nicht so schwierig, seit der Sultan, ihr Gemahl,

Der Leidenschaft zur schönen Zoradinen

(Wie sich die junge Fremde hieß

Die durch ein Wunder jüngst an diesem Strand erschienen)

Ganz öffentlich und frey sich überließ.

25

Die Amme hatte sich im Schließen nicht betrogen;

Es war Amanda selbst, die aus der Räuber Macht

Titania durch einen Blitz gezogen

Und unverletzt an diesen Strand gebracht.

Ihr wißt, was sich begab als sie ans Land gekommen;

Wie ihr Almansor stracks sein flüchtig Herz geweiht,

Und wie mit neidischer verstellter Zärtlichkeit

Almansaris sie aufgenommen.

26

Der Sultan war vielleicht der allerschönste Mann

Auf den die Sonne je geschienen,

Und wußte dessen sich so siegreich zu bedienen,

Daß ihm noch nie ein weiblich Herz entrann.

Zum ersten Mahl bey dieser Zoradinen

Verlor er seinen Ruhm. Für Sie ist nur Ein Mann

Auf Erden; Sie hat keine Augen, keinen

Gedanken, keinen Sinn, als nur für diesen Einen.

27

Die Würde ohne Stolz, die edle Sicherheit,

Die anstandvolle, unterstellte

Gleichgültigkeit und ungezwungne Kälte,

Womit sie ihn, der hier befehlen kann, so weit

Von sich zu halten weiß, daß er, wie sehr er brennet,

Ihr kaum durch einen stummen Blick

Zu klagen wagt,--dieß alles sieht und nennet

Almansaris der Buhlkunst Meisterstück.

28

Gewohnt, des Sultans Herz nach ihrer Lust zu drehen,

Zu herrschen über ihn, im Harem unbeschränkt

Zu herrschen, könnte sie den Zepter ungekränkt

Von dieser Fremden aus der Hand sich spielen sehen?

Zwar leiht sie ihrem Haß ein lächelndes Gesicht,

Und thut als zweifle sie an Zoradinen nicht;

Doch überall ist's in des Harems Mauern

Verborgner Augen voll, die all ihr Thun belauern.

29

Allein, seitdem des schönen Gärtners Reitz

Mit Amors schärfstem Pfeil ihr stolzes Herz durchdrungen,

Hat Lustbegier die Eifersucht verschlungen.

Ihr Ehrgeitz weicht nun einem süßern Geitz,

Dem Geitz nach seinem Kuß. Ihn wieder zu besiegen

Ist nun ihr einz'ger Stolz. Mag doch die ganze Welt

Zu Zoradinens Füßen liegen,

Wenn Sie nur den sie liebt in ihren Armen hält!

30

Sie selbst befördert nun den Anschlag--Zoradinen,

Entfernt von ihr, in einem andern Theil

Des Harems, den Almansor schon in Eil'

Für sie bereiten ließ, anständ'ger zu bedienen:

Der Fremden wahrer Stand, wiewohl sie ihn noch nicht

Gestanden, mache dieß zu einer Art von Pflicht;

Beym ersten Anblick könn' es keinem Aug' entgehen,

Sie sey gewohnt nichts über sich zu sehen.

31

Indem Almansaris, mit lust'ger Höflichkeit,

Auf diese Weise sich in ihren eignen Zimmern

Von einer Zeugin, die ihr lästig ist, befreyt,

Läßt, ohne sich um sie, und wie sie sich die Zeit

Vertreiben kann und will, im mindesten zu kümmern,

Almansor, der nun ganz sich seiner Liebe weiht,

Ihr freyen Raum, Entwürfe auszubrüten,

Wozu im Harem ihr sich hundert Hände bieten.

32

Unmäßig grämt indeß der schöne Gärtner sich,

Daß ihm--der schon seit mehr als sieben Tagen

Die Mauern, wo Amanda trau'rt, umschlich,

(Denn daß sie trau'rt, das kann sein eignes Herz ihm sagen)

Das holde Weib auch durch ein Gitter nur

Zu sehn, nur ihres leichten Fußes Spur,

(Er würd' ihn, o gewiß! aus tausenden erkennen!)

Die unmitleidigen Gestirne noch mißgönnen.

33

Er wirft sich unmuthsvoll bey seinen Freunden hin:

"Könnt ihr, wenn ihr mich liebt, denn keinen Weg ersinnen,

Nur einen einz'gen Mund im Harem zu gewinnen,

Der meinen Nahmen nur und daß ich nah ihr bin

Ins Ohr ihr flüstre?"--Still! da kommt mir was zu Sinn,

Ruft Fatme aus: Ihr sollt ihr einen Mahneh schicken!

Geht nur, die Blumen, die uns nöthig sind, zu pflücken;

In dieser Sprache bin ich eine Meisterin.

34

Und Hassan eilt, wie Fatme ihm befohlen,

Ein Myrtenreis, und Lilien, und Schasmin,

Und Rosen und Schonkilien herzuhohlen.

Drauf heißt sie ihn ein Haar aus seinen Locken ziehn,

Nimmt dünnen goldnen Draht, und windet

Und dreht das Haar mit ihm zusammen, bindet

Den Strauß damit, und drein ein Lorberblatt,

Worauf er A und H, verschränkt, gekritzelt hat.

35

Nun, spricht sie, wenn ich's noch mit Zimmetwasser netze,

So ist's der schönste Brief, den je ein Herzensdieb

Von eurer Art an seine Liebste schrieb.

Wollt ihr, daß ich's geschwind euch übersetze?

Verliere keine Zeit, ruft Hüon, tausend Dank!

Du kannst nicht bald genug mir eine Antwort bringen;

Die Liebe schütze dich und laß' es dir gelingen!

Geh, wir erwarten dich auf dieser Rasenbank.

36

Die gute Fatme ging. Allein, weil ihr kein Zimmer

Im innern Theil des Harems offen stand,

So lief der Strauß durch manche Sklavenhand,

Und ward zuletzt (wie sich der Zufall immer

In alles ungebeten mischt)

Durch einen Irrthum von Nadinen aufgefischt,

Und ihrer Königin, nachdem sie erst durch Fragen

Das Wie und Wann erforscht, frohlockend zugetragen.

37

Weil Fatme diesen Brief gebracht,

Die Sklavin Ibrahims, so konnte der Verdacht

Auf keinen andern als den schönen Hassan fallen;

Und daß er aus des Harems Schönen allen

Der Schönsten gelten muß, scheint eben so gewiß,

Zumahl nach dem was jüngst sich zugetragen.

Was könnte denn das A und H sonst sagen,

Als--Hassan und Almansaris?

38

Und hätte sie, wiewohl es nicht zu glauben,

Auch eine Nebenbuhlerin;

Nur desto mehr Triumf für ihren stolzen Sinn,

Der Feindin mit Gewalt die Beute wegzurauben!

Die Eifersucht, die dieß auf einmahl rege macht,

Vereinigt sich mit andern sanftern Trieben,

Nicht länger als bis auf die nächste Nacht

Den schönen Sieg, nach dem sie dürstet, zu verschieben.

39

Indessen kommt, entzückt von ihres Auftrags Glück,

Und ohne Argwohn, hintergangen

Zu seyn, fast athemlos, mit glühend rothen Wangen

Vor Freud' und Hastigkeit, die Amme nun zurück.

Ihr Blick ist schon von fern als wie ein Sonnenblick

Aus Wolken, die sich just zu theilen angefangen.

Herr Ritter (raunt sie ihm ins Ohr) was gebt ihr mir,

So öffnet heute noch sich euch die Himmelsthür?

40

Mit Einem Wort, ihr sollt Amanden sehen!

Noch heut, um Mitternacht, wird euch die kleine Thür

Ins Myrtenwäldchen offen stehen:

Der Sklavin, die euch dort erwartet, folget ihr

Getrost wohin sie geht, und fürchtet keine Schlingen;

Sie wird euch unversehrt an Ort und Stelle bringen.

Das gute Weib, dem nichts von Arglist schwant,

Verläßt sich auf den Weg, den sie ihm selbst gebahnt.

41

"Wie hoch, o Fatme! bin ich dir verbunden!

Ruft Hüon aus--Ich soll sie wiedersehn!

Noch diese Nacht! Und wär's, durch tausend Wunden

Unmittelbar von Ihr in meinen Tod zu gehn,

Kaum würde weniger die Nachricht mich erfreuen!"

Mein bester Herr, ich habe guten Muth;

Die Sterne sind uns hold, ihr werdet sie befreyen,

(Spricht Scherasmin) und alles wird noch gut!

42

Gebt mir drey Tage nur, um heimlich eine Pinke

Zu miethen, die nicht fern in einer sichern Bucht

Vor Anker liegen soll, bereit, beym ersten Winke,

So bald der Augenblick zur Flucht

Uns günstig wird, frisch in die See zu stechen.

Noch läßt's das Kästchen uns an Mitteln nicht gebrechen;

Nur Gold genug, so ist die Welt zu Kauf;

Ein goldner Schlüssel, Herr, schließt alle Schlösser auf!

43

Indeß daß unser Held die Zeit von seinem Glücke

Mit Ungeduld an seinem Pulse zählt,

Und, weil sein Puls mit jedem Augenblicke

Behender schlägt, sich immer überzählt,

Seufzt, nicht geduldiger, die reitzende Sultane,

Gerüstet schon zum Sieg, die Mitternacht herbey.

Gefällig bot der Zufall ihrem Plane

Die Hand, und machte sie von allen Seiten frey.

44

Ein großes Fest, der schönen Zoradinen

Zu Ehren im Palast vom Sultan angestellt,

Wobey die Odalisken all' erschienen,

Gab ihr in ihrem Theil des Harems offnes Feld.

Daß sich Almansaris für überflüssig hält

Bey dieser Lustbarkeit, schien keinem ungebührlich:

Im Gegentheil, man fand das Kopfweh sehr natürlich,

Das, wie gebeten, sie auf einmahl überfällt.

45

Die Stunde ruft. Der schöne Gärtner nahet

Sich leise durchs Gebüsch der kleinen Gartenthür.

Wie klopft sein Herz! Ihm fehlt der Athem schier,

Da eine weiche Hand im Dunkeln ihn empfahet,

Und sanft ihn nach sich zieht. Stillschweigend folgt er ihr,

Mit leisem Tritt, bald auf bald ab, durch enge

Sich oft durchkreuzende lichtarme Bogengänge,

Und nun entschlüpft sie ihm vor einer neuen Thür.

46

Wo sind wir? flüstert er und tappt mit beiden Händen.

Auf einmahl öffnet sich die Thür. Ein matter Schein

(Wie wenn sich, zwischen Myrtenwänden

Mit Efeu überwölbt, in einem Frühlingshain

Der Tag verliert) entdeckt ihm eine Reihe Zimmer

Die ohne Ende scheint; und, wie er vorwärts geht,

Wird unvermerkt das matte Licht zu Schimmer,

Der Schimmer schnell zum höchsten Glanz erhöht.

47

Er steht betroffen und geblendet

Von einer Pracht, die alles, was er ie

Gesehn, beschämt; so sehr ist Gold und Lapis Lazuli,

Und was Golkond und Siam reiches sendet,

Mit stolzer Üppigkeit hier überall verschwendet.

Doch unbefriedigt sucht sein liebend Auge--Sie.

Wo ist Sie? seufzt er laut. Kaum ist sein Ach! entflogen,

So wird, in einem Blitz, ein Vorhang weggezogen.

48

Zu beiden Seiten rauscht der reiche Goldstoff auf,

Und welch ein Schauspiel zeigt sich seinen starren Blicken!

Ein goldner Thron, und eine Dame drauf,

So wie ein Bildner sich, verloren in Entzücken,

Die Liebesgöttin denkt. Zwölf Nymfen, jede jung

Und voller Reitz, wie Amors Schwestern, schweben

In Gruppen rings umher,--um, gleich der Dämmerung,

Den steigenden Triumf der Sonne zu erheben.

49

Von rosenfarbner Seide kaum

Beschattet, schienen sie, zu ihrer Dame Füßen,

Wie Wölkchen, die in einem Dichtertraum

Um Cythereens Wagen fließen.

Sie selbst, im reichsten Putz und mit Juwelen ganz

Belastet, zeigt ihm bloß, daß all dieß bunte Funkeln

Nicht fähig ist, den angebornen Glanz

Von ihrer Schönheit zu verdunkeln.

50

Herr Hüon, (der sich nun der Gärtner Hassan nennt)

So wie sein Auge sich zu ihr erhebt--erkennt

Almansaris, erschrickt, verwirrt sich, wankt zurücke.

Dieß allverblendende wollüst'ge Traumgesicht,

Was soll es ihm?--Er sieht Amanden nicht!

Sie suchte hier sein Herz, Sie suchten seine Blicke.

Almansaris, die sehr verzeihlich irrt,

Glaubt, daß ihr Glanz allein ihn blendet und verwirrt.

51

Sie steigt vom Thron herab, kommt lächelnd ihm entgegen

Und nimmt ihn bey der Hand, und scheint bereit, für ihn

Die Majestät, vor der ihm schwindelt, abzulegen,

Und allen Vortheil bloß von ihrem Reitz zu ziehn.

Unmerklich wird ihr Anstand immer freyer;

In ihren Augen brennt ein lieblich lodernd Feuer

Und spielt elektrisch sich in seinen Busen ein;

Sie drückt ihm sanft die Hand, und heißt ihn fröhlich seyn.

52

Halb unentschlossen scheint sein Blick ihr was zu sagen:

Sie winkt die Nymfen weg, und weg ist auch sein Muth;

Er scheint zu furchtsam nur die Augen aufzuschlagen.

Die Scene ändert sich. Ein zweyter Vorhang thut

Sich auf. Almansaris führt ihren blöden Hirten

In einen andern Sahl, wo rings umher die Wand

Bekleidet war mit Rosen und mit Myrten,

Und mit Erfrischungen ein Tisch beladen stand.

53

Beym Eintritt werden sie mit Sang und Klang empfangen,

Aus Saiten und Gesang ertönt der Freude Geist;

Und Hassan setzt, wie ihm's die Dame heißt,

Ihr gegenüber sich. Erröthendes Verlangen

Und schöne Ungeduld bekennet, furchtsam dreist,

In ihrem schwimmenden Blick, auf ihren glühenden Wangen,

Ihm seinen Sieg: allein, aus seinen Augen bricht

Wie aus Gewölk ein traurig düstres Licht.

54

Zwar irrt, nicht blöde mehr, sein Blick von freyen Stücken

Auf ihren Reitzungen umher;

Doch nicht aus Liebe, nicht mit schmachtendem Entzücken,

Nicht, wie sie wünscht, vom Thau wollüst'ger Thränen schwer.

Er ist zerstreut, er scheint sie zu vergleichen,

Und jeder Reitz, der ihm nachstehend sich enthüllt,

Mahlt nur lebendiger Amandens edles Bild,

Und muß, beschämt, dem keuschen Reitze weichen.

55

Vergebens reicht sie ihm den blinkenden Bokal

Mit einem Blick, der Amors ganzen Köcher

In seinen Busen schießt. Beym frohsten Göttermahl

Reicht ihrem Herkules den vollen Nektarbecher

Mit süßerm Lächeln selbst die junge Hebe nicht.

Umsonst! Mit frostigem Gesicht

Nimmt er den Becher an, den kaum ihr Mund berührte,

Und trinkt, als ob er Gift auf seiner Zunge spürte.

56

Die Dame winkt; und schnell schlingt sich die Schwesterschaar

Der Nymfen, die vorhin den goldnen Thron umgaben,

In einen Tanz, der Todte auf der Bahr'

Mit neuen Seelen zu begaben,

Und Geister zu verkörpern fähig war.

In Gruppen bald verweht, bald wieder Paar und Paar,

Sieht Hüon hier die lieblichsten Gestalten

In tausendfachem Licht freigebig sich entfalten.

57

Vielleicht zu deutlich nur, scheint alles abgezielt

Begierden ihm und Ahnungen zu geben:

Er fühl' es immerhin, denkt sie, wenn er nur fühlt,

Wie reich das Schauspiel ist das hier die Schönheit spielt!

Wie reitzend ist der Arme leichtes Schweben,

Der Hüften üppiger Schwung, der Knöchel wirbelnd Beben!

Wie schmachtend fallen sie, mit halb geschloßnem Blick,

Als wie in süßen Tod itzt stufenweise zurück!

58

Unwillig fühlt die überraschten Sinnen

Der edle Mann in dieser Gluth zerrinnen.

Er schließt zuletzt die Augen mit Gewalt,

Und ruft Amandens Bild zum mächt'gen Gegenhalt;

Amandens Bild, aus jener ernsten Stunde,

Als er, den Druck noch warm auf seinem Munde

Von ihrem Kuß, zu Dem, der die Natur

Erfüllt und trägt, den Eid der Lieb' und Treue schwur.

59

Er schwöret ihn, aufs neue, in Gedanken

Auf seinen Knie'n vor diesem heil'gen Bild:

Und plötzlich ist's als hielt' ein Engel seinen Schild

Vor seine Brust, so matt und kraftlos sanken

Der Wollust Pfeile von ihr ab.

Almansaris, die Acht auf alles gab

Was ihr sein Blick verrieth, klopft schnell in ihre Hände,

Und macht in einem Wink dem üpp'gen Tanz ein Ende.

60

Und ob sie gleich mit Müh kaum über sich gewann,

Dem marmorharten jungen Mann

In ihren Armen nicht Empfindung abzuzwingen,

Versucht sie doch noch eins, das schwerlich fehlen kann:

Sie läßt sich ihre Laute bringen.

Auf ihrem Polstersitz mit Reitz zurück gelehnt,

Und, zum Bezaubern fast, durch ihre Gluth verschönt,

Was wird ihr durch die Gunst der Musen nicht gelingen?

61

Wie rasch durchläuft in lieblichem Gewühl

Der Rosenfinger Flug die seelenvollen Saiten!

Wie reitzend ist dabey aus ihrem offnen weiten

Rückfallenden Gewand der schönen Arme Spiel!

Und, da aus einer Brust, die Weise zu bethören

Vermögend war, das mächtige Gefühl

Sich in Gesang ergießt, wie kann er sich erwehren

Auf seinen Knie'n die Göttin zu verehren?

62

Süß war die Melodie, bedeutungsvoll der Sinn.

Es war das Lied von einer Schäferin,

Die lange schon ein Feu'r, das keine Rast ihr gönnet,

Verbarg--doch nun dem allgewalt'gen Drang

Nicht länger widersteht, und dem, der sie bezwang,

Erröthend ihre Pein und seinen Sieg bekennet.

Das Lied stand zwar im Buch; allein, so wie sie sang,

Singt keine, die nicht selbst in gleichen Flammen brennet.

63

Hier weicht die stolze Kunst der siegenden Natur;

So lieblich girrt der Venus Taube nur!

Die Sprache des Gefühls, so mächtig ausgesprochen,

Der schönen Töne klarer Fluß

Durch kleine Seufzerchen so häufig unterbrochen,

Der Wangen höhers Roth, des Busens schnellers Pochen,

Kurz, alles ist vollströmender Erguß

Der Leidenschaften, die in ihrem Innern kochen.

64

Im Übermaß von dem was sie empfand

Fällt ihr zuletzt die Laute aus der Hand.

Die Arme öffnen sich--Doch, Hüon, dem es graute,

Greift eilends noch im Fallen nach der Laute

Wie ein Begeisterter, und stimmt mit mächt'gem Ton

Die Antwort an, gesteht, daß eine andre schon

Sein Herz besitzt, und daß im Himmel und auf Erden

Ihn nichts bewegen kann ihr ungetreu zu werden.

65

Fest war sein Ton, und unbestechlich streng

Sein edler Blick. Die Zaubrerin, wider Willen,

Fühlt seine Obermacht. Sie blaßt, und Thränen füllen

Ihr zürnend Aug'; die Lust kommt ins Gedräng

Mit ihrem Stolz. Sie eilt sich zu verhüllen;

Verhaßt ist ihr das Licht, der weite Sahl zu eng:

Mit einem kalten Blick auf ihren

Rebellen, winket sie, ihn schleunig abzuführen

66

Die Gipfel glänzten schon im ersten Purpurlichte,

Als unser Held, die Stirn in finstern Gram

Gehüllt, zurück zu seinen Freunden kam.

Erschrocken lasen sie in seinem Angesichte

Beym ersten Blick die Hälfte der Geschichte.

Unglückliche, spricht er zu Fatmen, die vor Scham

Zur Erde sinkt, wohin war dir dein Sinn entflogen?

Doch--dir verzeih' ich gern--du wurdest selbst betrogen.

67

Und als er drauf, was ihm in dieser Nacht

Begegnet war, erzählt, faßt er den guten Alten

Vorn an der Brust, und schwört: ihn soll die ganze Macht

Von Afrika nicht länger halten,

Mit Schwert und Schild, wie einem Rittersmann

Geziemt, in den Palast zu dringen,

Und seine Rezia dem Sultan abzuzwingen.

Du siehst nun, spricht er, selbst, was ich mit List gewann!

68

Zu seinen Füßen fleht ihm Scherasmin, und lange

Vergebens, nur drey Tage noch dem Zwange

Der nöthigen Verborgenheit

Sich in Geduld zu untergeben,

Und nicht durch einen Schritt, den selbst die Tapferkeit

Verzweifelt nennt, sein und Amandens Leben

Zu wagen; bittet nur um diese kurze Zeit,

Um jedes Hinderniß von seiner Flucht zu heben.

69

Auch Fatme fleht auf ihren Knieen, streckt

Ihr Haupt der Rache dar, wofern sie zu Amanden

Ihm binnen dieser Frist den Zugang nicht entdeckt.

Sie schwört, zum zweyten Mahl soll kein Betrug zu Schanden

Sie machen--Kurz, der Ritter selber fühlt,

Daß ihm sein Unmuth nicht den besten Weg empfiehlt:

Er giebt sein Wort, und kehret in den Garten

Zurück, um seines Diensts und des Erfolgs zu warten.

Zwölfter Gesang.

1

Indessen sucht auf Polstern von Damast

Almansaris, mit Amors wildstem Feuer

In ihrer Brust, umsonst nur eine Stunde Rast.

Ist's möglich, oder hat das schnöde Abenteuer

Der letzten Nacht ihr nur geträumt? Ein Mann

Verachtet dich, Almansaris? Er kann

Dich sehen und für eine andre brennen,

Kann dich verschmähn, und darf es dir bekennen?

2

Zur Wuth treibt der Gedanke sie;

Sie schwört sich grenzenlose Rache.

Wie häßlich wird er ihr! Ein Ungeheu'r, ein Drache

Ist lieblicher, als ihre Fantasie

Den Undankbaren mahlt--Wie lang'?--In zwo Minuten

Ist sie des vorigen sich schon nicht mehr bewußt:

Bald soll er tropfenweis' im Staub vor ihr verbluten,

Bald drückt sie ihn entzückt an ihre Brust.

3

Nun steht er wieder da in seiner ganzen Schöne,

Der erste aller Erdensöhne,

Ein Held, ein Gott!--Unmöglich ist er nur

Der Neffe Ibrahims; in seinem ganzen Wesen,

In seinem Ton und Anstand ist die Spur

Von dem, was er umsonst verbergen will, zu lesen;

Wo ist der Stempel der Natur,

Der einen König macht, sichtbarer je gewesen?

4

Er, er allein, ist ihrer werth,

Ist werth in ihrem Arm sich zu vergöttern.

Und, o! ihr fehlt ein Blitz, die Feindin zu zerschmettern

Die ihn bezaubert hält und ihr den Sieg erschwert!

Doch, wie, Almansaris? Fühlst du dich selbst nicht besser?

Gönn' ihm den kleinen Stolz, sich pfauengleich zu blähn

In seinem Heldenthum! Selbst Dir zu widerstehn!

Das alles macht doch nur die Lust des Sieges größer!

5

Bestürm' ihn erst, eh' du den Muth verlierst,

Mit jedem Reitz, auf den sich wahre Schönheit brüstet;

Begieb, damit du ihn um so viel sichrer rührst,

Der fremden Waffen dich, womit die Kunst uns rüstet;

Er fühl' und seh' was Götter selbst gelüstet!

Und wenn du dann sein Herz noch nicht verführst,

Er dann dich noch verschmäht--dann, Königin, erwache

Dein Stolz, und schaffe dir die süße Lust der Rache!

6

So flüstert ihr aus einer Zofe Mund

Der kleine Dämon zu, den ihr, mit vollem Köcher,

Gebietrisch sitzen seht auf diesem Erdenrund!

Der alle Welt aus seinem Zauberbecher

Berauscht, und den, wer ihn nicht besser kennt,

Zur Ungebühr den Gott der Liebe nennt!

Denn--jeder jungen unerfahrnen Dame

Zur Nachricht sey es kund!--Asmodi ist sein Nahme.

7

Almansaris, in deren warmem Blut

Schon ein Verführer schleicht, ist gegen den Betrüger

Von außen, weniger als jemahls auf der Hut;

Sein Anhauch nährt und fächelt ihre Gluth,

Und kaum daß sie, zur Zier, dergleichen thut

Als widerstände sie, so ist Asmodi Sieger.

Die Zofe Schmeichlerin, sein würdiges Organ,

Legt den Entwurf sogleich mit vieler Klugheit an.

Oberon · 第 12 / 15 段