Die mayste sald, die groste gnad,
Won chain ding ward nie so guot,
Sam herczen zwai in einem muot 20
Verstriket gar mit stätichait
In treuwer liebe gancz beräit.
So spricht sey leicht: Daz wisse got,
Der mein geruochet ane spot
Dem mag ich auch nicht hass gtragen. 25
Des scholt ir yeso danche sagen
Und sprechen: We, wie guot,
Wie frölech got was in dem muot,
Do er ym schuoff des menschen art,
Sunderleichen euch so zart, 30
In so rechter mâss und geng,
An der chürcz und der leng!
Aus ewrem mundlein ein rubein
Prinnet: sälich mus er sein,
Dem ir eins chüssens woltin gunnen! 35
Dar umb mich daucht, ich hiet gwunnen
Tausent march und dannocht vil,
Mocht ich chumen zuo dem spil.
So ist sey leyicht der listen vol
Und chan dir dicz versagen wol; 40
Durch er sey wil dir nicht verjehen,
Daz sey wolt yet, es wär geschehen.
Dar umb, her gsell, nim dir nit läid,
Greyff ir leysleich an daz chläid!
Mit seufczen sprich: O we, min hord, 45
Tötscht du mich, daz ist ein mord.
Nu wäist du wol, daz ich verderben #12d
Muoss also und dar zuo sterben.
Da mit so mach der red nich vil
Und mach dich zuo der minne spil
In süssen werchen, es ist zeit, 5
Mit kussen, merk, und andern streyt,
Biz daz die räyn derwarmet sey;
So macht du muoten sorgen frey
Die e, ob ir dein hercz begert,
Des wirst du sicher dann gwert. 10
Dar nach so tuo, sam ander leut!
Nicht mer ich dir yeso beteut.
* Des sprach Bertschi: Öhäin mein,
*** Daz vil salich mussist sein!
Wäist nicht, daz ze diser frist 15
Mäczli so verschlossen ist,
Daz niemand kömen mag zuo ir,
Ze sagen meines herczen gir?
Des muost du selber nemen war
Und machen dich zum speicher dar 20
Mit dem briefel, gselle mein,
Und werffen irs zum venster in,
Des wirt sey vindent einen fund,
Daz ir die mär leicht werdent künd.
Nabelreiber der ward jehen: 25
Waz du wilt, daz sey geschehen!
Sein feder er do fürher nam,
Und sprach: Nu sag auf, guter man,
Wie du den brief wilt haben!
Der minnesiech ward sagen, 30
Nach dem und er sich best versach,
Also huob er an und sprach:
Got grüss dich, lindentolde!
Lieb, ich pin dir holde.
Du bist mein morgensterne, 35
Pey dir so schlieff ich gerne.
Mich hat so ser verdrossen,
Daz du bist so verschlossen
In dem speicher uber tag,
Daz ich nit gschlaffen mag. 40
Dar zuo han ich mich vermessen,
Daz ich furbas nit wil essen
Noch gdrinken dehainer stund,
Mich tröste dann dein roter mund.
Dar umb so sag mir an oder ab, 45
Daz got dein lieben sele hab! #13
Trun Henreycze der waz chluog.
Sym, hörr auf, lieber, sein ist gnuog,
Sprach er zuo dem tichter do.
Ein andern brief den schräib er so: 5
** Nach wunsch so müss der zarten mein
Gelük säld und häyl bescheret sein,
Daz mir nu alles ist entwert.
Unmuot hat mich gar versert,
Den ich so sendecleichen duld, 10
Umb anders nicht, dann ewer huld.
Dar umb, fraw, o mäigenplüt,
Süsseu tugend, zarteu güt,
O meins herczen paradeis,
Bit ich euch mit allem fleizz, 15
Daz ir es tüt durch frawen zucht,
Durch mannes er, durch minne gnucht
Und mich begert ze gnaden
Mit treyer läye gaben:
Die erst ist daz mir sey beräyt 20
Guoter will mit stätikäyt
In ewerm herczen sicherleich,
Daz wil ich gdyenen ewencleich;
Die ander ist, daz ir den fund
Vinden schölt in churczer stund, 25
Daz sich herczen, mundel, augen
Zemen fügen sunder taugen;
Zum dritten mâl so wil ich flehen,
Daz ir mir seyt ein soleichs lehen,
Won ich ewer pin alläine, 30
Daz niemand hab mit mir gemayne,
Und wurd, daz nicht schol werden,
Daz ich auf diser erden
Die gnad enmöcht erwerben,
So wist, daz ich verderben 35
Müss und dar zuo sterben.
{ Euch geseg in steg und weg }
Da mit { Jhesus in seinr güti! } Und anders nit!
{ Euer phleg in leb und sweb }
{ Venus in irm gmüti! } 40
*** Do der brief geschlossen ward,
Der schreiber hub sich an die vart,
Zuo dem speicher er sich kert,
Da fro Mäczel was verspert.
Daz briefel pand er an ein stäyn #13b
Und warff es hin zum fensterleyn.
** Er sprach: Nu ge hin ane füss!
Dich umbschlahend armen süss.
Var hin, brief, dar ich dich sende! 5
Dich enphahend weisse hende.
*** Mein briefel daz ward fliegen
Zum fenster in hin stieben.
Und cham her, da er Mäczen vand.
Es verfäillet päyder hand 10
Und dar zuo lieber armen,
Es mocht da nicht erwarmen,
Also es der choph emphieng,
So schon, daz ym daz pluot aus gieng.
Da was der brief nicht schuldig an, 15
Es hiet sein gsell da pey getan,
Zuo dem es waz gestrichet,
Der so die menschen zwiket
Für daz grüssen an der vart,
So er zuo ym gsendet wart. 20
Mäczli was gevallen
Mit ärs und mit allem
Ab dem banch, da sey do sas,
Daz sey irs gemuocz vergas.
Do nu vergie daz streken, 25
Die oren ward sey reken
Und denken: Wie ist mir geschehen?
Also wol sei umb sich sehen
Und dersach den brief gpunden
Mit dem stäyn, der ir die wunden 30
Hiet geschlagen in den chopf;
Des nam sey wunder in dem kropf.
Doch sey zuo ir selben sprach:
Dicz ist nicht gschehen ane sach.
Hie mit und sey den brief entpand, 35
Den stäyn den warff sey wider dwand.
Woy, wie gern sey hiet gelesen,
Wär dhäyn kunst in ir gewesen!
Sey wolt sich ztod erfressen,
Daz sey der gschrift vergessen 40
Hiet in iren jungen tagen.
** Daz ward sey ruwenchleichen clagen
Und sprechend: We mir heut den tag,
Daz ich so wench gelernet hab
Lesen und auch schreiben! #13c
Daz pringt mir jamere leyden
Und macht mir schaden scham and läid.
Wie schol ich meinew haymleichait
Offnen einem fremden man, 5
Dem ich läyder nicht enkan
Getrauwen äigenleichen wol?
Die werlt ist böser listen vol.
Owe, chunst, du werdes guot,
Du höchster hord, du edler muot, 10
Gewizzer schacz, du blündeu frucht,
Der sele hayl, des leibes zucht,
Hiet ich deinen samen gsäyt
Mit sorgen und auch arbäyt,
So möcht ich ieczo sneyden 15
Mit fröden ane leiden.
Hiet ich gsaczt der wurczen dein,
Die mich so bitter dauchten sein,
So läs ich iecz in meinen sak
Öpfel süss und wol gesmak. 20
Secht, der han ich kains getan:
Des muoss ich disen jamer han.
*** Do nu die red was vollepraht,
In irem herczen sey gedacht,
Wie seys scholte legen an, 25
Daz sey chäym zuo einem man,
Der ir saget an gevär,
Was am brief geschriben wär.
Also kam ir in den muot,
Dar zuo so wär ein schreyen guot 30
Und ein ruofen durch den gatter
Zuo meinem alten toben vatter
Und zaygen ym daz pluot der wunden
Und wie mir was von we gswunden;
So wirt er mich leicht nemen aus 35
Und füren mich zuos arczetz haus
Viel schier und auch geswinde,
Daz er mich verpinde.
Wie schier waz daz geschehen,
Sam sey sich hiet versehen! 40
** Der arczet was ein weiser man,
Dar umb er fragen do began:
Wie pist du, maget, so gschlagen
Mit we und wan? Daz scholt mir sagen.
Das tet er alles umb daz, #13d
Daz er derfüri dester bas,
Mit we ir zhelfen wäre.
*** Mäczelein dem was swäre
Ze sagen im mit ganczem wâr 5
Vor den leuten offenbar.
Des antwürt sey: Trun ich enwäiss,
Die leut, die tun mir also häiss,
Die hie so nahent pey mir sten.
Ich fürcht, mir well die sel engen. 10
Chrippenchra der ward des innen,
Wes die junchfraw wol beginnen,
Er snarchet gen den leuten:
Sym, was wil dicz beteuten?
Welt ir uns dersteken, 15
Derstenken und dersmeken
Und dar zuo mir die chunst ableren?
Daz tuot mir zorn und sichs nit gern.
Ich mag ir nicht generen,
Man well sie dann versperren 20
In diser camer sunderbar,
Daz seit die kunst und ist auch war,
Da wirt man ir der wurczen geben,
Wil mans behalten pey dem leben.
Des schreuwens all: Hin für, hin für, 25
Wir schüllen tretten für die tür.
Mein tür die ward verschlossen,
Der arczt was unverdrossen,
Zum andern mal er fraget do:
Sag an, liebes diernel, so 30
Und sag mir freilich dein gemüt,
Wilt, daz got dirs leben bhüt.
Mäczli die huob an und sprach:
So wol mir, daz ich euch gesach!
Ir seit so gar ein biderman, 35
Daz ich dehainen zwivel han,
Wie irs yemant fürbas sagen
Werdint mein vil sendes klagen.
Des sprach der arczt: Du scholt nit sorgen,
Wenn waz du säyst, daz pleibt verporgen. 40
Sicher was der mäister do,
Waz er tet, das läist er so.
Die mayt hub an zferjehen:
Mein herr, dicz ist geschehen
Mit einem stäyn, der geworffen was #14
An die stat, do ich do sas,
Den hab ich also funden
Mit disem brief verwunden,
Den zäig ich euch in rehter peyicht, 5
Sam ir ze phaffen wärd geweicht,
Und pit euch durch den rethen got,
Daz ir mir sagent âne spot,
Was dar inn geschriben sey,
Des muost ir wesen läydes frey. 10
Der arczet nam den brief in dhand
Und sayt ir, waz er dar inn vand.
Des dankecz ym und was sein fro.
Zuo dem arczet sprach sey do:
Lieber herr, so schreibet mir 15
Hin widerumb auch mein begir!
Daz wil ich euch vergelten
Mit treuwen ane schelten.
Der arczet sprach: Daz sei geschehen!
Doch wil des ersten sehen 20
Zuo deinem haubt, gelaub es mir,
Dar nach zuo deines herczen gir.
Des ward er sey do wäschen
Mit esseich und mit äschen,
Mit zwivel und mit mersalcz, 25
Daz daucht sey süsser, dann ein smalcz.
** Die minn ward ir gevallen,
Die hönich gemacht aus gallen
Und dar nach aus dem hönich gpirt
Gallen, die ze pitter wirt. 30
*** Ze den selben stunden
Mäczli ward verpunden.
Des huob sey an und sprach zuo ym:
Herr, vernemet meinen sin!
Schreibt und lâst die feder gen! 35
Also schol mein briefel sten:
Got grüs dich, lieb von hoher art!
Chäim puolen ich nie lieber wart,
Dan dir, mein trost, daz sag ich dir
An allen spot, gelaub es mir! 40
Deinen brief han ich gelesen, #14b
Des muoss ich iemer froleich wesen.
Chum zuo mir pey diser nacht
Ins arczetz haus und gib mir chraft,
Und waz du wilt daz wil ich tuon. 5
Ich acht der andern nicht ein huon.
Da mit so phleg dein unser herr,
Du seygist nahent oder ferr.
** Do dics nu Crippenchra dersach,
Zuo ym selber er do sprach: 10
Trun, du macht ein hürrel sein,
Mich triegin dann die sinne mein.
Und gedacht ym an die geschrift,
Die von weiben also spricht:
Den frawen ist der ars ze präyt, 15
Daz hercz ze smal; daz ist gesäyt,
So vil und ich euchs betuten wil:
Frawen trew der ist nicht vil,
Frawen unkeusch ist ein vinden,
Den chan roch mag uberwinden. 20
Waz sag ich euch? Es ist nicht new,
Wie smal sey aller werlten trew
Und dar zuo churcz ir stätichait,
Ir sünde michel und auch prayt.
Man möcht es ewencleichen treyben; 25
Besser ist, wir lassins pleyben
*** Und kern wider zuo dem arczet.
Der ward do lachent, daz er farczet,
Und sprechen: Mäczli Rürenzumph,
Dein nam ghoret wol zuo meinem stumph, 30
So ghört mein stumph zuo deinem muot;
Unser dinch mocht werden guot,
Und wilt meinen willen tuon,
Ich mach dir gen dem vatter suon,
Gen deinem herwen vatter Friczen, 35
Der dich so oft macht ser swiczzen;
Und tuost dus nicht, ich mach dir schand.
Die brief die fasst er in die hant.
Sich, die wil ich Friczen zäygen,
Gibst duo dich mir nicht ze äygen. 40
Maczli wist nit, was er säyt,
Dar umb waz ir die rede läyd,
Und sprach: Ich pin in ewer hand;
Welt ir mich pringen so ze schand, #14c
Daz stet euch werleich ubel an,
Scholt ir sein ein bider man.
Ewers willens ich enwäiss,
Des stumphen bkenn ich auch ein schäiss. 5
Daz waz vil züchtichleichen geret,
Des arczet macht es alles wett
Er sängelt: Da da, nüssli, da!
Mäczli, sta sta! Hägili, sta!
Der stumphe daz sein wurczen 10
Ein langeu mit zwäyn kurczen.
Dar zuo so ist mein wille,
Daz du dich habist stille
Und lass dich nicht verdriessen,
Der wurczen muost du niessen, 15
Wilt du so nicht verderben
In deinen sünden sterben.
Nu dar, mein lieber herr, daz sey!
Sprach die junchfraw sorgen frey.
Da mit ward sey der wurczen essen 20
Also ser und unvermessen,
Daz sey yeso hiet vergessen,
Wo sey gestanden was und gsessen.
Des wolt der arczet fuder ziehen;
Daz fräwel sprach: Ir scholt nit fliehen! 25
Arczet mich en wenig me!
Ich derläid es bas dan e.
Hie mit so viels ym an den stekken
Und hielt in pey den päyden stekken.
Sey sprach: Ir mügt mirs nicht entragen; 30
Der wurczen wil ich aber haben.
Des gab er ir der wurczen do
Auf dem bauch und in dem stro.
Do sey des smakes innän ward,
Ir muost geswinden an der vard. 35
Der pfeffer was ir selczen,
Des muost der arczet engelten.
Er mocht es läider nicht gefügen,
Daz sei sich wölt des stumphes gnügen,
Er wolt sich von ir brechen. 40
Mäczli die ward sprechen:
Salbend mich in diser frist
Zum drittel mâl, alz recht ist. #14d
Ich pin läider ungenesen.
Wet der tiefel, mag dicz wesen,
Sprach der mäister so ze stund,
Dich müs der semper machen gsunt! 5
Benügt dich nicht, so ge zum se!
Ich mag nicht pöllen ymer me.
Da mit so huob er sich von stat,
Sam ein bok, dem dhürner ab
Neuleich sein gevallen. 10
Es was ym aus dem schallen.
** Doch hiet fra Mäczel iren täil.
Wie wol sey vor hin wär ze gäil,
Sey ward sich in der seiten chlagen,
In dem pauch und in dem magen, 15
Daz wasser schluog ir auf zum maul,
Ir glider wurden also faul,
Daz sei sich wenich moht gerüren.
Man muost sey zwischen armen füren,
Weil und zeit die ward ir lanch, 20
Herwer esseich waz ir getranch,
Amphern und nit mandelreis,
Äphel saur daz was ir speiss,
Die rehten varw hiet sey verlorn,
Ir prüstel wärczel warend gsworn 25
Und derswarczet all umb und umb.
Dis dink ward schletleich also chrump,
Daz der arczet sich versint,
Juncfraw Mäczel trüg ein chind.
*** Des ward er sich vil sere bsorgen 30
Und bhielt sey bis an dritten morgen.
Er sprach zuo ir: Waz duncht dich guot?
Hast du Bertschin in deinem muot
Und wilt in nemen zuo der e?
Sy swäig, er fraget aber me. 35
Sey sprach: Nu pin ich nicht ein mäyt:
Wäiss er daz, er tuet mir laid.
** Dar zuo antwurt ir Chrippenchra:
Nimp er dich, so sprich nür: Ja!
Dar noch so tuo, sam ich dich ler! 40
Wilt du bhalten noch dein er, #15
Ge zuo Strauben deinem vetter
Und häiss dir geben lilienbletter,
Dar zuo zipern und auch gallen,
Mit ein ander häiss gewallen. 5
Du wäist wol, Meczel, pey dem päyn
Und leg es dik und oft dar ein
Und sprich: Daz glük verhenge!
Die mucz die wirt dir enge;
Und verste mich, wilt du, eben 10
Der appenteker schol dir geben
Gallen, sam er vil wol wäyss,
Von dem paum und nicht der gäiss,
Und häiss dirs wegen äigenleich
Alleu dreu in einr geleich. 15
Dar nach so hab gewische
Ein plater von dem vische
Und füll sey mit einr Tauben pluot!
Da wirt dir an dem abent guot,
So man dich nu wirt legen zuo. 20
Mäczel, was ich sag, daz tuo!
In den selben zeiten
Scholt du nicht erpeyten,
Du legist hin daz pläterlein,
Da die mäytum schol da sein; 25
Und chumpt er in seinr herren land,
Daz pläterlein zerprist ze hand,
Daz pluot wirt hin so fliessen,
Des muost du ymer geniessen
An dem guot und an den eren. 30
Sich, ob ich dich chün geleren!
Wilt du dannocht sicher sein,
So zappel vast und dar zuo greyn,
So wäint er erst, du seist ein mäyt.
Hörst, waz ich dir han gesäit? 35
*** Ja da, antwürt sey ym do.
Seines rates was sei fro
Und sprach: Daz tät ich alles gern,
Wolt er mich der e gewern.
Der mäister sprach: Lass mich es treiben! 40
Ein söleichs briefel chan ich schriben
Mit guten worten und auch süssen
Daz er dich mit hend und füssen #15b
Nement wirt yeso ze stund,
So ym die märe werden chunt.
Des nam er so die federn do,
Sein briefel huob er an also: 5
** Got der obrest und der mäist,
Vatter sün und heiliger gäist,
Der in seiner magenchraft
Hymel hat und erd geschaft,
Wasser, luft und auch daz feur, 10
Vogel, visch mit seiner steur,
Vich und dar laub und gras,
Umb anders nichti, dann umb daz,
Daz der mensch mit zuht und er
Auf erd sein leben hie verzer, 15
Der muoss euch, liebes lieb, bgnaden
Mit seinen sayligen siben gaben,
Mit syben hailikait!
Dar zuo sey euch mein dienst berayt.
Ein briefeleyn han ich vernomen, 20
Mich daucht, es wär von himel komen,
So wunecleich kam es geflogen
Da her in einem regenbogen,
Einr wulchen swanch sein umbehanch,
Dar inn derchlanch der fröden gesanch 25
Mit worten in seiner angesicht,
Sam es ein engel hiet geticht.
Die süssichait mich uberwant
Also ser, dacz ich ze hant
Verlos des tages liechten schein, 30
Ein schlaff begraiff die augen mein,
Ein traum gevie die sinne,
Dar inn die obrest Minne
Ein chüngin allen frawen gmäin
Äigenleichen mir derschäin; 35
Nackent was sey und auch bloss,
Einr pey zweinczich jaren gnoss,
Auf dem haubet truogs ein chron
Von glas, da stuond geschriben schon:
Ich pins ein wunecleicheu stim, 40
Junchfraw Venus von der minn.
Dar unter stuond ir harel leys,
Geflochten in einr ketten weis;
An den augen was sey plind,
In ir gepärden gar ze geswind; #15c
Ein pogen fürt sey in der hand
Mit glünder stral, sam ich es vand;
Sey was gesessen in ein wagen,
Mit gold und silber schon beschlagen, 5
Dem ein bach von rotem pluot
Floss hin nach in sender fluot.
Sey ward mich nennent so zehant,
Mich wundert, wie sey mich derkant.
Dar zuo näigt sey sich gen mir 10
Und grüst mich schon, des dankt ich ir.
Do sprach sey: Wäist du, war umb ich
Chomen pin zuo dir? Vergich!
Näyn du, truwen, sait ich do.
Des huob sey an und sprach also: 15
Ich gepeut dir pey dem pan,
Daz du Bertschin deinen man
Gewerst alles, des er wil,
Sein seig wenich oder vil,
Und leb mit fröden sampt mit ym! 20
Das chumpt dir alles ze gewin.
Du vinst noch wol, daz dich da sirt,
So dich daz alter reitent wirt.
Ein swarczer gäist zür tenken seiten
Sprach: Der volg ze allen ziten. 25
Da mit die gespenst verswand
Vor meinen augen so zehand.
Des wär mir so geswunden,
Hiet ich do nit funden
Ein ander frawen schon und räyn, 30
Die mir auch in dem traum derschain,
Und cham für meinen angesicht
Also clar, daz mich des nicht
Endaucht, es war der sunnen glancz.
Auf irem hauben truogs ein krancz 35
Mit dreien chronen schon gemacht,
Obenander und gedakt
Mit einem sternen, der was vein,
Er schain sam ein karvunkelstäyn.
Von eysen was die erste chron 40
Und stuond dar umb geschriben schon:
Ich pins ein chron der vestichait, #15d
Der unreht tuot, daz ist mir läid.
Die ander chron von silber was,
Darinn man auch geschriben las:
Ich pins ein chron der küschichait, 5
Die so rayn ist und gmayt.
Die dritte chron was guldin gar
Und auch geschriben also dar:
Ich pins ein chron der sälichait,
Ze gnaden was ich ie beräit. 10
Unterm kränczel was verwunden
Ir harel sauber auf gepunden,
Der augen hiet sey viereu do,
So schön und also zveren so,
Daz mir jo des so nicht enwas. 15
Ich schauwet in ein spiegelglas,
Sey hiet einn mantel, der waz präyt
Und manich varw dar an geläyt;
Sey taut in auf mit einer hand
Er daucht mich weit dann ein land. 20
Ein kind sey an der andern truog,
Daz was so wunnechleich und chluog,
Daz ich alles ungemach
Vercläyt, wan ich es angesach.
In einer chirchen sey do sas 25
Auf dem alter, sam mir was,
Die was gemalet uber al
Mit zarten bilden ane zal;
Dar zuo hiet die selbig chilch
Ein se umb sich mit honk und milch, 30
Der was vil michel und auch gross,
In sälder wuot er umb sey floss.
Sey sach mich mit eim augen an
Und segnet mich die wol getan,
Des naigt ich ir mit züchten 35
Und wolt mich geben zflüchen.
Des ruoftcz mich an und redet do:
Beleib bei mir und fleuch nicht so!
Tuo, sam ich dir sagen wil,
Wilt tuo glükes haben vil, 40
Und folg nicht falscher min gepott,
Wonn das streket wider got,
Es wär dann daz dein lieber man #16
Der e dich wölti muoten an,
Des macht du in gar wol geweren
Mit sälden, treuwen und mit eren,
Won got selb von seinem rat 5
Die hailigen e geschaffen hat.
Dar nach sprach daz kindelein:
Volg der lieben muoter mein,
Wilt du leib und sel behalten,
Von uns nimer werden geschalten. 10
Ein weisser gaist zur rehten seyten
Sprach: Den dien ze allen zeiten.
Hie mit segent es mich so
Mit einem chreucz, daz macht mich fro.
Von fröden ich derwachet, 15
Vil drât mich auf machet
Und gie zuo meinem päyichtigär.
Ich sagt ym ganczleich diseu mär
Und patt in durch den reichen got
Und durch alleu sein gebott, 20
Daz er mich wolti des beschaiden
Und seinen rat da mit derzäigen.
Des wundert er sich gnuog und vil.
Doch, sam ich euchs kurczen wil,
Er sprach: Wir mügen schauwen 25
Daz pey der ersten frawen,
Und dunckt mich auch in meinem sinn,
Sei ist die falsch betrogen minn,
Fro Venus mit irm bösen rat,
Die oft ein sel verdampnet hat. 30
Gen zwainczich jaren hâst sey gzelt,
Sey ist noch elter, dann die welt;
Doch zaigt sei sich pey jungen tagen,
Die minn die wil nicht alter haben.
Nackent, sprichst du, daz sey wär. 35
Daz chan nicht wesen an geväre.
Die minn die wil, daz schoss ze schoss
Sich zemen fügin also bloss.
Die glesin chron, die sey da träyt,
Und die geschrift dar an geläit
Daz mag uns nicht betüten mer, #16b
Dann upig fröd, zergänclech er.
Ir har gestrichen also leis
Geflothen in einr ketten weis
Ist nicht anders, dann ein strik, 5
Der uns leib und sel verschlik.
Ist sey an den augen plind,
Daz weteut, sam ich es vind,
Daz oft ein schones mensch von art
Minnet einen grausen part. 10
An den gepärden ist sey ring,
Daz ist daz, das ich do sing:
Die minner habend wilden muot:
Was seu tuond, das dunkt seu guot.
Den pogen fürt seu in der hand 15
Mit der stral durch ällen land.
Da scheust sey jungen herczen mit
Zuo irem ersten angesicht.
Daz pheil ist scharff und heiss ze vil,
Won sey schürphen brennen wil. 20
Siczt sey dann in einem wagen,
Mit reichem gsmid al durch bschlagen,
Da pey sich mein hercz versicht,
Der minner schaft an phenning nicht.
Der bluotent bach rint aus den wunden, 25
Die da geschehent ze den stunden,
So der minner umb ein schaden
Wirt gestochen und geschlagen.
Den swarczen gäist zur tenken hand
Tuon ich dir yeso bekant. 30
Ein böser engel ist er zwar,
Deiner sele gar zgevar;
Darum, lieben tochter mein,
Daz du sälich müssist sein,
Volg nit einem bösen rat, 35
Wilt du meiden missetat!
Acht nicht falscher minne gebot!
Daz rat ich dir an allen spot.
Do ich des priesters red vernam,
In mir selber ich dercham 40
Und west nicht, was ich sagen scholt.
Doch cham ich zred, sam got do wolt,
Und sprach: Der ler euch got vergelt! #16c
Ich wil tuon alles, daz ir welt.
Sagt mir, herr, in diser schaw,
Waz beteut die ander fraw?
Des antwurt er mir züchticleich: 5
Mich dunkt, es sey die säldenreich
Muoter gocz und räyneu mäyt,
Maria, trost der cristenhäyt.
Daz chränczel mit den chronen drey
Dunkt mich, dass nicht sey, 10
Dann sam da geschriben ist
Mit hailiger hand in tieffer list.
Doch so mag ich nicht vergen
Den sternen, da pey man versten
Schol ir güt in liechtem scheyn 15
In hymel und auch erd gemäyn.
Ir har daz hiet sey auf gepunden,
Daz ist, daz sey ze allen stunden
Rainer cheuschikait was vol
Und leypleich glüst verdilgget wol. 20
Der augen hat sey viereu,
Daz sag ich dir so schiere,
Es sint die vier rät viel guot,
Die sey dem guoten menschen tuot.
Daz ist: Schlecht dich der ans wang, 25
So peut daz ander dar zehant!
Nym ein frawen zuo der chand,
Macht du nicht sein weibes an!
Verkauff dein habe gancz und gar
Und gib es armen leuten dar! 30
Vergib in, die dich hassent ser,
Vnd pit got, daz er seu beker!
Der welt sey sicht in vier täil
Und geust ir tugend uns mit häil.
Ir derbarmherczichäit 35
Manichvaltigen und bräyt
Merke pey dem mantel weit,
Mit so manger varw beräit!
So wiss auch, das daz chindel ist
Unser schepfer Jhesus Crist, 40
Unser löser, unser behalter,
Unser herr und unser vatter.
Pay der chirchen sey dir gesäit: #16d
Es ist die häilich christenhäit.
Daz gmäld zuo anders nit enfügt,
Den zguotem sinn des got bnügt.
Der alter, da die mäide sass, 5
Glaub, daz es der gelaube was,
Des sey vil selten ye vergas
Und stercht in noch ye bas und bas.
Was bezäichnet nu der se?
Daz pluot, daz in der neuwen e 10
Mit sampt dem wasser ist grunnen
Von dem lebendigen brunnen,
Augen zähern and daz pluot,
Die vergossen sein in guot
Und nu verchert in süssichait, 15
Sam uns sein milch und hönk derzäygt.
Der weisse geist zur rechten hand
Sey dir also schier genant!
Es ist ein guoter engel zart,
Der dich wehnet zuo aller vart. 20
Hie pey, maget sälden vol,
Macht du merchen sunder wol,
Was du lassen scholt und tuon,
Wilt du behalten gotes suon.
Also ward ich ausgericht 25
Nach meines herczen zuoversicht.
Nu gedenk, mein höhster hort,
An des grösten maisters wort,
Daz er zuo uns allen spricht
Mit seiner häiligen ler und gschrift: 30
Waz hulffi, ob du die welt
Gewunnen hietst mit allem gelt
Und dein sel wurd leiden haben?
Das scholt du in deim herczen tragen
Und mâssen dich des schreibens, 35
Des trumbels und des treybens,
Es sey dann mit den eren mein,
Wilt du von mir geweret sein.
Hie mit so gib ich ym ein end.
Got dir alles trauren wend 40
Und büsse deinen smerczen!
Die obrest küngin schirme dich,
Ob du in treuwen mäinist mich! #17
Des bit ich sey von herczen.
Dirr brief ist gescriben, sam ich sag,
In sälder stund, in fröden tag,
Mit lieber hand an guotem stad, 5
Getichet auf daz glükrad.
*** Do dicz nu so geschehen was,
Daz briefel er ir überlass.
Des dancht sey ym von herczen do
Und sprach: Wie schol mich reuwen so 10
Mein schand, die sich von euch derhuob?
Ir seicz ein mäister also chluog.
Wer schol in tragen? huob sey an.
Lâss mich schaffen! sprach der man.
Also vand er so zehand 15
Ein altes weib, daz er derkant,
Die chond waschen und auch reyben,