Hilde will antworten, doch wie gelähmt hält sie inne.
Mit hastigem Ruck hat ihr Vater den Kopf gehoben; seine Augen schießen
Blitze, er steht vor Hansen:
»Nun malen Sie das Bild: ein Tiedemann als Betrüger. Sie treffen derlei
Sachen, Herr!« Er lacht schneidend und wirft sich in einen Fauteuil,
den Kopf in den Händen vergraben.
Der beiden Blicke finden sich, über des alten Mannes gebeugter Gestalt
halten sie schweigende Zwiesprache.
Dann greift Hansen nach dem Hut, einen stummen Gruß winkt er Hilde zu
und geht.
Die sitzt regungslos neben ihrem Vater und horcht auf dessen keuchenden
Atem.
Mitten im Glück!
Doch nur Mitleid findet sie als Antwort; sie fährt mit leichter Hand
über des alten Mannes Scheitel.
Stöhnend steht er auf: »Was wollte Hansen?« fragt er.
»Ich weiß nicht,« im Sprechen findet sie Mut; »er hat mich gern, Vater!«
Er sieht sie verständnislos an und murmelt: »Betrüger sind alle, die
um solches wissen und schweigen.« Dann legt er wieder den Kopf in die
zuckenden Finger.
So sitzt er stundenlang, nur hier und da fragt er nach Fred.
Sein Denken macht Sprung auf Sprung.
Er hört den Beifall, welcher den Worten gilt, die ihn und Fred treffen;
aus dem Klatschen der Hände springt ihn die Feindschaft der Masse an.
Keiner steht für ihn ein, keiner tritt an seine Seite; die einen
schweigen, die anderen hassen!
Draußen fällt der Schnee, die Kälte kriecht aus den Ecken hervor und
greift nach der beiden einsamen Menschen Herz.
Vergebens spricht Hilde, er gibt keine Antwort.
Als es dunkelt, geht er hinunter; er muß Görnemann fragen, ob er um
Freds Ausbleiben weiß.
Er _muß_ ihn haben, muß Aug' in Auge stehen mit ihm ...
Schon ist es Sperrstundenzeit, noch immer stehen Leute vor den Kassen.
Sie wollen ihr Geld zurück.
Morgen ist Sonntag, und wer weiß, was übermorgen ist!
Klaus Tiedemann ist nicht mehr sicher! Die Zeitungen haben's
geschrieben, die Konkurrenz hat's gesagt.
Ein irres Lächeln spielt um des alten Mannes Züge:
Des Lebens Wertung!
Er sieht Gerhard bei den Kassen; er hantiert mit ruhigen, gleichmäßigen
Bewegungen.
Das gibt Klaus Tiedemann wieder Kraft.
Er muß Görnemann haben.
Quer durch die Schreibzimmer eilt er; gedrückte Stimmung liegt auf den
Gesichtern der Leute: es geht ums tägliche Brot.
Die Tür des Privatkontors ist offen, er tritt ein.
Görnemann steht vor dem eisernen Tresor; als er ihn sieht, läßt er die
Papiere fallen, die er hält.
Er stürzt auf Klaus Tiedemann zu, die Knie versagen ihm den Dienst, er
faltet die zitternden Hände und schreit: »Herr, ich kann nichts dafür,
ich bin unschuldig!«