Leo sah den Fragenden prüfend an: »Verrätst du mich nicht?«

»Bin ich Hilde?«

»Ich will auch weg.«

Fred Tiedemann lachte von Herzen: »Das habe ich mir gedacht, du wärst

sonst nicht mein Bruder.«

»Ja,« Leo dämpfte seine Stimme und sah scheu gegen die Tür, »ich will

auch was vom Leben haben: weiße Frauenleiber, die ein Bacchanal feiern,

aber Papa darf nichts wissen; er ist so gut mit mir!«

»Ich verrate dich nicht, schau nur, daß du zu Hause bist, wenn wir

heimkommen.«

»Wann glaubst du denn, daß das sein wird?«

»Sehr spät, wahrscheinlich erst in der Frühe.«

»Da lieg' ich schon im Bett.« Leo fuhr mit der schmalen Hand über die

weiße Stirn. »Vielleicht wird mein Kopfweh besser, wenn ich mich ein

wenig zerstreue.« Er stand matt auf und ging zur Tür. »Jetzt müssen wir

aber hinuntersehen zu den anderen.«

»Jawohl,« antwortete Fred Tiedemann und folgte mit Sporenklirren seinem

Bruder.

»Immer nur hereinspaziert, meine Herrschaften, in die gute Stube.«

T. A. Hansen ließ die Schellen klingen, seine Stimme war von Stunde zu

Stunde lustiger geworden. »Wer zahlt, wird gemalt, wer nicht zahlt,

wird angemalt.«

Lachende Menschen wogten vorüber und riefen zu ihm in der

Schalksnarrentracht Scherzworte hinauf. Jeder kannte ihn und

seine Zeichnungen, die allwöchentlich beim Erscheinen Lach- und

Aergernisausbrüche nach sich zogen. Lohgeruch war in der Luft und ließ

das Licht, das sich in tausendfältigen Strahlen brach, trübrötlich

erscheinen.

Beim Riesenportal fuhren noch immer Wagen vor: Gäste, die erst in

Gesellschaft gewesen und nun kamen, trotzdem es draußen bereits zu

dämmern begann.

Jan Wolny, der sich unfreiwillig komisch mit seinen ernsten Bewegungen

im Phantasiekostüm eines »Milchstraßenkehrers« ausnahm, ließ sich müde

auf einen Sessel vor Hansens Bude fallen: »Jetzt hätt' ich den Unsinn

bald genug.«

Hansen sah prüfend über die kauflustige Menge, die sich noch immer

zwischen dem Musikpavillon und den Verkaufsständen drängte und schob.

Er schüttelte den Kopf. »Bevor die nicht alles gesehen und betastet

haben, ist an ein Ende nicht zu denken.« Er zuckte die Achseln. »Ein

Händedruck von einer Dame der Gesellschaft um teueres Geld kommt den

Leuten als überirdisch vor, das müssen Sie bedenken Herr Baron.«

Lebenswende · 第 14 / 28 题