Apollon Apollonowitsch suchte sich auf den laufenden Geschäftstag
einzustellen; plötzlich standen deutlich vor ihm die Berichte des gestrigen
Tages; er sah vor sich die gefalteten, auf seinem Schreibtisch liegenden
Akten, ihre Anordnung, die von ihm auf den Akten gemachten Notizen, die
Buchstabenform der Schrift, den Bleistift, mit dem er blau »Folge geben«,
rot »Information« geschrieben hatte.
In der kurzen Zeit von der Treppe zum Arbeitszimmer veränderte Apollon
Apollonowitsch durch eigenen Willen das Zentrum seines Bewußtseins; alles
Spiel des Gehirns wurde an den Rand des Gesichtsfeldes geschoben: ein
Häufchen parallel gelegter Akten aber bekam seinen Platz im Zentrum jenes
Feldes.
Apollon Apollonowitsch öffnete die Tür des Arbeitszimmers.
Der Schreibtisch stand auf seinem Platz, und ihn bedeckte ein Haufen von
Akten; Holzscheite knisterten im Kamin; ehe er in die Arbeit versank,
wärmte Apollon Apollonowitsch seine frierenden Hände am Kamin; doch das
Spiel des Gehirns fuhr fort, seine nebelhaften Flächen zu bauen und
begrenzte das senatorische Gesichtsfeld.
Apollon Apollonowitsch blieb in der Tür stehen -- denn -- wie nun anders?
Das harmlose Gehirnspiel schob sich wieder in sein Gehirn, das heißt in den
Haufen von Akten und Bittgesuchen.
Apollon Apollonowitsch erinnerte sich: das Individuum hatte er schon einmal
gesehen.
_Das Individuum sah er ein mal -- denken Sie -- im eigenen Hause._
Er weiß noch: er stieg die Treppe hinab, um zum Empfang zu erscheinen; auf
der Stiege stand Nikolai Apollonowitsch und unterhielt sich, über die
Brüstung gelehnt, mit jemand, der unten stand: Nikolai über seine
Bekanntschaften auszufragen -- dazu hielt der Staatsmann sich nicht für
befugt; das Taktgefühl hinderte ihn auch damals geradeheraus zu fragen:
»Sag' mal, Nikolinka, wer ist es, der dich da besuchte, mein Engel?«
Nikolai hätte die Augen zu Boden geschlagen und hätte gesagt:
»Nun so, Vater, mich besuchen eben . . .«
Damit hätte das Gespräch sein Ende gehabt.
Deswegen hatte auch Apollon Apollonowitsch für die Person des Individuums
im dunklen Mantel, das unten stand, kein Interesse gezeigt. Der Unbekannte
hatte dasselbe schwarze Schnurrbärtchen und dieselben Augen, dieselben
absonderlichen Augen (solchen Augen können Sie nachts in der Moskauer
Kapelle des Märtyrers Panteleymon begegnen: diese Kapelle ist berühmt durch
Heilung Besessener; solche Augen würden Sie auf den Photographien sehen,
die den Lebensbeschreibungen bedeutender Menschen beigegeben sind; und
schließlich: solche Augen sehen Sie in neuropathischen und selbst
psychiatrischen Anstalten).
Schon damals hatten die Augen sich geweitet, zu spielen, zu glänzen
begonnen; also war das schon einmal gewesen und wird sich vielleicht
wiederholen.
»Über alles -- ja, ja . . .«
»Notwendig . . .«
»Genaueste Information . . .«
Seine genauesten Informationen bekam aber der Staatsmann nicht auf
direktem, sondern auf verschlungenem Wege.
* * *
Apollon Apollonowitsch sah durch die Tür seines Arbeitszimmers:
Schreibtische, Schreibtische! Haufen von Akten! Über die Akten gebeugte
Köpfe! Kratzen der Federn! Knistern der umgeschlagenen Blätter! Was für
fieberhaft gigantische papierne Tätigkeit!
Apollon Apollonowitsch versank beruhigt in die Arbeit.