Herr mein Gott -- ich wünsche nicht, daß ich diesen Traum nie geträumt
hätte. Und ich möchte den Traum nicht missen, dem ich mich jetzt
hingebe.
Jenny, mein Leben wollte ich opfern, könntest du mir droben auf der
Bergklippe begegnen wie einst, könntest du mich küssen, mir nahe sein
-- einen Tag nur, eine Stunde. -- Ständig, unablässig muß ich daran
denken, wie unser beider Leben sich gestaltet hätte, wenn du nicht
von mir gegangen, wenn du mein eigen geworden wärest. Ach Jenny, ein
grenzenloses Glück ist verspielt. Du bist nicht mehr und hast mich so
arm, so arm gemacht. Nur meine armseligen Träume umweben dich und irren
ruhelos umher, dich zu suchen. -- Und dennoch. Messe ich meine Armut
an der Anderen Reichtum, so dünkt sie mich überwältigend reich und
strahlend. Sollte ich sie auch mit meinem Leben bezahlen, so würde ich
doch nimmer meine Liebe zu dir, meine Träume und meinen Gram um dich,
wie er mich jetzt zerreißt, hingeben ....“
* * * * *
Gunnar Heggen wußte nicht, daß er in seines Herzens grenzenlosem
Aufruhr seine Arme gen Himmel streckte und halblaut vor sich
hinflüsterte. Die Anemonen, die er gepflückt, hielt er noch immer in
seinen Händen, aber er wußte es nicht.
Die Soldaten auf der Kasernenmauer lachten über ihn, aber er sah es
nicht. Er preßte die Blumen gegen seine Brust und murmelte leise vor
sich hin, während er sich von dem Sonnenschein, der über dem Grabe lag,
langsam dem dunklen Zypressenhain zuwandte.
+Ende.+
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