Einige Tage später kam ein ganzes Paket Briefe. Jenny buchstabierte
sich durch einen Teil der Schreiben hindurch, die vielfach mit
fürchterlichen Krähenfüßen bemalt waren. Dann schrieb sie an Frau
Schlessinger in der Umgegend von Warnemünde und mietete dort vom
fünfzehnten Oktober ab, teilte Gunnar ihren Entschluß mit und kündigte
Frau Rasmussen.
Erst am letzten Abend schrieb sie an Gert Gram:
Lieber Freund!
Ich habe einen Entschluß gefaßt, der Dir, wie ich fürchte, wehe tun
wird. Aber Du darfst mir nicht zürnen. Ich bin so müde und nervös,
weiß selbst, daß ich ungerecht und häßlich gegen Dich war, als Du
hier warst, und das möchte ich so ungern. Daher will ich Dich nicht
eher sehen, als bis alles überstanden ist und ich wieder in normalem
Zustande bin. Ich reise morgen früh ins Ausland -- meine Adresse
gebe ich vorläufig nicht an, Briefe kannst Du mir aber durch Frau
Franziska Ahlin, Varberg, Schweden, senden; ich schreibe vorläufig
über sie an Dich. Du darfst Dich meinetwegen nicht ängstigen; ich
bin frisch und es geht mir recht gut, aber, Lieber, versuche nicht,
bis auf weiteres anders mit mir in Verbindung zu kommen, ich bitte
Dich inständig. Und sei mir nicht allzu böse, aber ich glaube, dieser
Ausweg ist für uns beide der beste. Versuche, um meinetwillen so
wenig betrübt und besorgt zu sein, wie es Dir möglich ist.