Der
Vampyr,
oder:
Die Todtenbraut.
Ein Roman
nach neugriechischen Volkssagen.
Von
Theodor Hildebrand.
Erster Theil.
Leipzig, 1828.
bei Christian Ernst Kollmann.
Der
Vampyr,
oder:
Die Todtenbraut.
Erstes Kapitel.
Ein unglückliches, aber unverdientes Schicksal zwang den russischen
Obersten _Alfred Lobenthal_, im Jahr 1818 seinen Abschied zu nehmen. Er
begab sich nach Berlin, seinem Geburtsorte, wo er gern sein Leben
beschlossen haben würde; aber sein Verhängniß hatte es anders über ihn
bestimmt. Nach einem kaum halbjährigen Aufenthalte in dieser prächtigen
Königsstadt trat Alfred eines Morgens tief bekümmert in das Zimmer
seiner Gemahlin und kündigte ihr an, daß eine gebieterische
Nothwendigkeit ihn zwinge, Berlin zu verlassen und in einer entfernten
Gegend einen einsamen Aufenthaltsort zu suchen, wo sie in Ruhe und
Frieden leben könnten.
_Helene_, die Gemahlin des Obersten, erschrak über diese Neuigkeit, aber
sie verlor den Muth nicht. Sie liebte ihren Gatten zärtlich, und ward
eben so von ihm wieder geliebt; den übrigen Theil ihres Glücks machten
ihre Kinder aus, und wo sie sich auch befinden mochte, so war sie
zufrieden, wenn sie nur von ihren Lieben nicht getrennt wurde; die
Augenblicke der Muße, die ihr die Pflichten als Mutter und Hausfrau noch
übrig ließen, drohten nirgends, ihr Langeweile zu machen, weil Musik und
Malerei diesen Feind der Ruhe von ihr verscheuchen konnten. Daher war
sie auch eben nicht betrübt, als sie die unerwartete Neuigkeit erfuhr;
kaum fragte sie ihren Gatten nach der Ursach dieses plötzlichen
Entschlusses. Nur das wünschte sie zu wissen, ob vielleicht seine
politischen Meinungen abermals Alfred's Sicherheit in Gefahr setzten.
Nachdem sie hierüber beruhigt worden, und erfahren hatte, daß der
Bankerott eines bedeutenden Handelshauses ihn um einen großen Theil
seines Vermögens bringe, weßhalb es nothwendig sei, einige Jahre in der
größten Zurückgezogenheit zu leben: umarmte sie ihren Gatten voll
Zärtlichkeit und versicherte ihn, daß sie ohne Mühe das Geräusch der
Hauptstadt mit der Einsamkeit des Landlebens vertauschen würde.
Der Oberst betrieb seine Abreise mit der größten Eilfertigkeit. Er
wollte nicht einmal den Verkauf seines prächtigen Mobiliar's abwarten,
sondern bat einen Freund, dieses Geschäft an seiner Stelle zu
übernehmen; und schon am folgenden Tage nach der Mittheilung seines
Entschlusses an seine Frau reisete er mit ihr und seinen Kindern, nur
von einem einzigen Bedienten begleitet, ab, ohne von seinen Bekannten
und Verwandten Abschied genommen zu haben.
Sobald Alfred das Thor hinter sich hatte, schien er gleichsam von einer
großen Last befreit zu sein. Seine Blicke, die unruhig hier und dort
umherirrten, so lange er sich in der Stadt sahe, nahmen plötzlich den
Ausdruck der Ruhe an, als er sich im Freien befand; er schien jetzt
freier athmen zu können, und seiner Frau lebhaft die Hand drückend, rief
er aus: »Endlich haben wir die Stadt im Rücken! O, wie verhaßt ist sie
mir, wie lange dauerte mir die Zeit, bis der Wagen zum Thore
hinausfuhr!«
-- Ist es möglich, lieber Alfred, erwiederte seine Frau, daß du so
sprechen kannst? Ist denn Berlin nicht mehr deine Geburtsstadt? Hat sie
allen Reiz für dich verloren, da du doch sonst immer mit Entzücken von
ihr sprachst? Ist sie nicht mehr dieselbe Stadt, und kann sie dir
deßhalb mißfallen, weil sich unsere Lage geändert hat? --
»Ja, ich gestehe es, antwortete der Oberst, was mich sonst entzückte,
mag ich jetzt kaum mit Augen sehen. Ich fühle, daß es mir unmöglich sein
würde, nur noch einen Tag länger in Berlin zu bleiben.«
-- Nun, so sei doch jetzt zufrieden, da wir diese dir so verhaßte Stadt
schon im Rücken haben. Möchtest du in einer andern deine Ruhe
wiederfinden, und alle unangenehmen Erinnerungen vergessen! --
»Von welcher Stadt sprichst du denn, mein Kind?«
-- Nun, von derjenigen, in welcher wir künftig wohnen werden. Wir
befinden uns auf der Straße nach Potsdam; willst du vielleicht nach
Dresden, nach Leipzig, oder noch weiter? --
»Ach, liebe Helene, sagte der Oberst verlegen, es wird mir schwer, dich
ganz mit dem Opfer bekannt zu machen, das du mir bringen sollst. Denkst
du, ich verlasse Berlin, um in einer andern Stadt zu wohnen? Ach nein,
in meiner Lage gefällt mir nur die Einsamkeit! Liebe Helene! wirst du
dich nicht über meinen grausamen, Entschluß beklagen? Ich will eine
abgelegene ländliche Wohnung suchen, wo nichts ....«
Eine plötzliche Röthe überzog bei diesen Worten die schönen männlichen
Gesichtszüge des Obersten; er hielt mitten in seiner Rede inne, und sahe
Helenen mit einem unbeschreiblichen Blicke an, in welchem indessen die
schmerzhaftesten Empfindungen nicht zu verkennen waren.
Helene würde sich vielleicht hierüber beunruhigt haben, wenn sie
geglaubt hätte, daß geheime Ursachen dem Schmerze ihres Gatten zum
Grunde lägen. Allein sie wußte, wie sehr ihm der Verlust eines Theils
seines Vermögens, bloß aus Liebe zu ihr und ihren Kindern, zu Herzen
ging; sie kannte seine Zärtlichkeit für sie, und fürchtete, daß es ihn
bekümmern möchte, sie mitten aus den Vergnügungen der großen Welt in die
Einsamkeit des Landlebens zu versetzen. Ohne daher weiter über Alfreds
Betragen nachzudenken, hielt sie sich bloß an den Schein, und sagte,
ihrem Gatten die Hand drückend:
»Beruhige dich, lieber Alfred; mir ist wenig daran gelegen, welchen
Winkel der Erde ich bewohne, wenn ich nur mit dir und meinen Kindern
bin. Meine Pinsel und Farben sind hier in diesem Kästchen, meine Harfe
wird mir nachgesandt: was könnte mir nun noch zu meinem Glücke fehlen?«
-- Wie, theure Helene, du fürchtest dich nicht vor dem einsamen
Landleben? --
»Es würde der Fall sein, wenn ich von den drei mir theuren Wesen
entfernt wäre; mit ihnen ist meine Zufriedenheit stets vollkommen.«
-- O, von welcher Unruhe befreist du mich; denn ich glaube, daß du
aufrichtig sprichst! Wohlan, so gestehe ich dir, daß nur die Einsamkeit
und Zurückgezogenheit meinem jetzigen Zustande anpassend ist, daß ich
der Entfernung von allem Geräusche des Lebens bedarf. Ich will also
einen Zufluchtsort aufzufinden suchen, der nicht so nahe bei einer Stadt
liegt, daß man uns belästigen wird, der aber auch nicht allzuweit
entfernt ist, um aller Annehmlichkeiten der Städte entbehren zu müssen,
wozu insbesondere auch die Hülfe der Arzneikunst gehört, wenn die
Gesundheit _Wilhelms_ und _Juliens_ (die Namen ihrer beiden Kinder)
derselben bedürfen möchten. -- --
»Nun, Alfred, und wo denkst du diesen Zufluchtsort zu finden?«
-- In Böhmen, nicht weit von Prag. --
»Es scheint mir aber, daß du bei allen deinen früheren Reisen noch nie
in dieser Gegend gewesen bist. Hast du dort vielleicht Bekanntschaften,
und kennst du schon den Ort unseres künftigen Aufenthalts?«
-- Nein, durchaus nicht; ich überlasse Alles dem Zufalle, und gerade,
weil ich in Böhmen völlig unbekannt bin, reise ich dorthin. Ich hoffe,
daß so meine Spur völlig verloren gehen wird, daß ich dort keiner
Verfolgung ausgesetzt sein werde ... denn der Anblick der Menschen ist
mir jetzt verhaßt. Ach, könnte ich die Vergangenheit aus meinem
Gedächtnisse verwischen! Theure Helene, wie sehr wünschte ich, nur für
dich gelebt zu haben! --
Diese zärtlichen Worte, die ihrer Natur nach Helenen nur angenehm sein
konnten, brachten indessen in ihrem Herzen eine gerade entgegengesetzte
Empfindung hervor. Der Ton, mit welchem ihr Gemahl sie ausgesprochen
hatte, schien einen bittern Vorwurf gegen sie selbst anzudeuten, und
seine Physiognomie sagte dabei mehr als seine Worte. Helene liebte ihren
Mann noch, wie in den ersten Tagen ihrer Ehe; bis jetzt hatte sich in
ihrem Herzen noch nie eine eifersüchtige Empfindung geregt, weil Alfreds
Betragen sie überzeugte, daß sie allein in seinen Gedanken herrschte;
aber diese Ruhe konnte von einem Augenblick zum andern getrübt werden.
Helene hatte bis jetzt noch nie ernstlich über das Leben ihres Mannes
nachgedacht, das er vor der Bekanntschaft mit ihr geführt haben könnte;
sie wußte, daß ein junger, hübscher Offizier nicht anders als eine Menge
verliebter Abentheuer gehabt haben konnte; aber sie glaubte, daß Alfred
nicht Zeit gehabt hatte, sich Gefühlen hinzugeben, die nur dann erst
gefährlich werden, wenn sie lange dauern. In dieser Hinsicht war also
Helene frei von Unruhe; indessen stieg ihr doch jetzt der unglückliche
Gedanke auf, daß wohl eine ältere Liebes-Intrigue ihren guten Theil an
der so plötzlichen Reise, die einer übereilten Flucht glich, haben
könnte.
Wie auch die Gedanken Helenens in dieser Hinsicht gewesen sein mochten,
so hütete sie sich doch wohl, sie laut werden zu lassen; sie suchte
vielmehr, sie zu unterdrücken, indem sie ein gleichgültiges Gespräch
anfing. Hierbei kamen ihr die Fragen ihrer Kinder zu Hülfe, und Alfred,
der sich über ihr unschuldiges Geschwätz freuete, suchte ihre Neugierde
zu befriedigen. Der Oberst bemerkte indessen, daß die Miene seiner
Gemahlin ernster und nachdenkender geworden war; da er diesen Anschein
von Kummer nur ihrer Abreise von Berlin zuschrieb, so gab er sich alle
Mühe, sie durch seine Zärtlichkeit wieder aufzuheitern, was ihm auch so
gut gelang, daß Helene, von seiner Liebe zu ihr gerührt, alle ihre
leeren Muthmaßungen bei Seite warf, und sich ganz dem Glücke überließ,
mit ihrem Gatten und ihren Kindern leben zu können.
Zweites Kapitel.
Kaum war die Familie in Prag angekommen, so verlor der Oberst auch
keinen Augenblick mehr, die einsame Wohnung ausfindig zu machen, nach
welcher er sich so herzlich sehnte. Er wendete sich an einen
Kommissionär, um zu erfahren, ob er irgend eine ländliche Wohnung,
entfernt von allen großen Straßen, aber doch nicht zu weit von der Stadt
entlegen, miethen oder kaufen könnte; und der Zufall entsprach hierbei
völlig seinen Wünschen. Der Eigenthümer des Schlosses R...., in einer
romantisch schönen und fruchtbaren Gegend, ungefähr zwei Stunden von
Prag, bewohnte dieses uralte Gebäude nicht; vergebens hatte er schon
seit längerer Zeit Liebhaber des Landlebens gesucht, aber bis jetzt noch
keinen Miether finden können; daher ging er auch leicht in die
Bedingungen ein, die ihm der Oberst Lobenthal machte, und der, kaum
unterrichtet, daß das Schloß zu vermiethen sei, dahin geeilt war, um es
zu besichtigen. Entzückt von seiner Lage, die ganz so war, wie er sie
wünschte, errichtete Alfred sogleich einen Miethsvertrag in gehöriger
Form, und begab sich mit seiner Familie nach seiner neuen Wohnung. Die
nöthigen Möbel, einfach aber bequem, nicht prächtig, aber geschmackvoll,
hatte er in der Stadt gekauft, und ließ sie unter Aufsicht eines alten
Unteroffiziers von seinem Regiment nachkommen. Dieser, Namens _Werner_,
ebenfalls ein Deutscher, ein tapferer Soldat, war schon früher in
Rußland mit einer kleinen Pension verabschiedet worden; allein aus
Anhänglichkeit an seinen Obersten, der ihm einst in einer Schlacht das
Leben gerettet hatte, wollte er schlechterdings das Schicksal desselben
theilen, und er nahm bei ihm weniger die Stelle eines Bedienten, als
eines treuen und völlig ergebenen Freundes ein. Eine Köchin und ein
Hausmädchen, beide in Prag in Dienst genommen, machten das Hauswesen des
Obersten vollständig; denn Helene und ihr Gemahl hatten auf allen Luxus
verzichtet, weil er durchaus keinen Reiz mehr für sie gewährte.
Die ersten Tage nach ihrer Ankunft im Schlosse R.... verflossen unter
Beschäftigungen, die gewöhnlich mit der Veränderung des Wohnsitzes
verbunden sind. Die Arbeiter waren in jener Gegend selten zu haben, oder
ungeschickt, und die ganze innere Einrichtung beruhte daher auf des
Obersten und Werners Thätigkeit. Sie leimten die Tapeten an, hingen die
Spiegel auf, stellten die Möbel an ihren Ort, schlugen die Betten auf,
u. s. w. und ihre Hände, nur gewohnt, die Waffen zu führen, wußten sich
äußerst geschickt der Werkzeuge friedlicher Arbeiter zu bedienen.
Auch Helene war ihrerseits nicht müßig; die Wäsche, die Küche, die
Speisekammer gaben ihr vollauf zu thun; sie vernachlässigte nichts, und
indem die beiden Gatten so mit einander arbeiteten, verschönerten sie
ihre Zeit durch die Ergießungen ihrer Zärtlichkeit und durch die
Glückseligkeit eines vollkommnern gegenseitigen Vertrauens. Doch mitten
unter diesen leichten Arbeiten verdunkelte oft eine plötzliche
Erinnerung die heitere Stirn des Obersten; ein unwillkührliches Erbeben,
das er sogleich wieder zu unterdrücken suchte, bewies, daß ihn ein
geheimer Kummer drücken müsse, und mehr als einmal mußte Helene ihr
Gesicht abwenden, um ihrem Gatten nicht noch mehr Unruhe zu verursachen,
wenn er sähe, daß sie seinetwegen ebenfalls bekümmert sei.
Oefters schien Alfred wieder völlig heiter zu sein; die Gegenwart seiner
Kinder machte ihm Vergnügen, und sehr häufig nahm er an ihren
unschuldigen Spielen Theil; bald beschäftigte er sich mit seiner Flöte,
bald durchstrich er, von einem Jagdhunde begleitet, die zahlreichen
umliegenden Thäler und Berge. Hier aber, von dickem Gebüsch umgeben,
setzte er sich oft am Fuße einer Eiche nieder, und überließ sich seinen
Träumereien, welche dann mehrere Stunden lang dauerten. Erst die
einbrechende Abenddämmerung, oder einige vorübergehende Landleute
weckten ihn aus seinem fast bewußtlosen Zustande; er schlug sich dann
heftig vor die Stirn, und eilte schnellen Schrittes nach dem Schlosse
zurück.
Hätte Helene nur Geschmack für die Vergnügungen der großen Welt gehabt,
so würde sie sich in ihrem jetzigen Aufenthalte äußerst unglücklich
gefühlt haben. An Gesellschaft war hier wenig zu denken; die in der Nähe
wohnenden Herrschaften kamen nur im Sommer auf's Land, und sechs Monate
lang im Jahre würde es Niemand von ihnen gewagt haben, sich zwischen die
Berge und Felsen zu begeben, die im Winter fast gänzlich unzugänglich
waren. Wir haben aber schon gesagt, daß Helene in sich selbst
vortreffliche Hülfsmittel zum Zeitvertreib fand. Wenn das Hauswesen ihre
Thätigkeit nicht in Anspruch nahm, so vergnügte sie sich durch Musik,
Malerei und das Lesen der besten Werke unserer schönen Literatur, oder
sie fand hinreichenden Genuß in der Gesellschaft ihres Mannes und ihrer
Kinder.
Ein ganzes Jahr verging, ohne daß irgend eine außerordentliche
Begebenheit eine Abwechselung in dem stillen und einförmigen Leben der
Familie Lobenthal hervorgebracht hätte. Je mehr die Zeit verfloß, desto
mehr erlangte der Oberst seine Ruhe wieder, und keine unangenehme
Erinnerung schien ihn mehr zu belästigen. Helene, die ihren Gatten sehr
genau beobachtet hatte, freute sich heimlich darüber. Nur selten war
Alfred jetzt vom Schlosse abwesend; er ging nicht mehr so häufig, wie im
Anfange, auf die Jagd, sondern war fast immer bei seiner Frau und seinen
Kindern, mit deren Erziehung er sich beschäftigte; zum Zeitvertreib ließ
er sich auch die Verschönerung des Schloßgartens angelegen sein, den er
mit mehreren seltenen und schönen Blumen bereichert hatte.
Auch der Winter war an diesem einsamen und abgelegenen Orte für Alfred
und Helenen nicht ohne allen Reiz, denn sie verstanden, sich selbst
genug zu sein. Wenn der häufig fallende Regen die Wege in der Umgegend
so verdorben hatte, daß es völlig unmöglich war, spazieren zu gehen, so
diente der weite Saal des Schlosses zum gymnastischen Tummelplatz, wo
Vater und Kinder sich für die körperliche Ausbildung der letztern
heilsamen Leibesübungen überließen. Ohne Unterlaß hallte dann von den
langen und hohen leeren Wänden ein lautes und herzliches Gelächter
wieder. Den Stunden des Vergnügens folgte ein lehrreicher Unterricht;
die Abende verflossen unter angenehmen Erzählungen, womit Helene ihre
beiden kleinen aufmerksamen Zuhörer in Erstaunen setzte, und voll
Entzücken betrachtete dann Alfred dieses Gemälde der häuslichen
Glückseligkeit. Man achtete nicht der Stürme, des Schnees und Regens,
der gegen die Fenster prasselte, und nach und nach verschwand jede
Erinnerung an eine bittere Vergangenheit.
Auch der nächste Frühling verfloß in dieser angenehmen Ruhe. Um die
Mitte des Monats Juli erhielt aber der Oberst einen Brief, der ihn mit
neuem Kummer erfüllte. Er hatte eine Schwester, die in Stettin an einen
königlichen Beamten verheirathet war. Gegenseitiges Unrecht unter den
beiden Gatten, die beide noch jung und vielleicht Sklaven ihrer
Leidenschaften waren, hatte schon mehrere unangenehme Auftritte unter
ihnen herbeigeführt, die sich noch täglich vervielfältigten. Ein
gemeinschaftlicher Freund dieser beiden Unglücklichen, der einen
öffentlichen Ausbruch ihrer Uneinigkeiten fürchtete, hielt es für seine
Pflicht, den Obersten von dem, was vorging, zu benachrichtigen. Er
forderte ihn auf, keine Zeit zu verlieren, und nach Stettin zu eilen,
weil, wie er glaubte, seine Gegenwart allein im Stande wäre, die beiden
Gatten auf die Dauer wieder mit einander zu versöhnen.
Dem Obersten kam diese unangenehme Mittheilung sehr ungelegen. Es schien
ihm zu hart, sich aus dem Schooße seiner glücklichen Familie entfernen
zu sollen, um wieder in die Welt zurückzukehren, deren verhaßtem
Geräusch er nun schon entgangen war. Zwar machte ihm sein Herz Vorwürfe
wegen seiner Gleichgültigkeit gegen seine junge Schwester, für die er
die Stelle eines Vaters zu vertreten hatte; er fühlte, wie nützlich ihr
sein guter Rath sein könnte, wodurch er vielleicht im Stande wäre, sie
vor dem Abgrunde des Unglücks zu bewahren, dem sie unbedachtsam entgegen
zu eilen schien; allein von der andern Seite sollte er sich von seiner
zärtlichen Gattin, von seinen Kindern auf unbestimmte Zeit entfernen;
das Opfer war ihm zu groß. Er wußte lange nicht, was er thun sollte; ehe
er indessen einen Entschluß faßte, suchte er durch schriftliche
Ermahnungen auf seine Schwester einzuwirken. Solche Vorstellungen
konnten aber da kein Gehör finden, wo heftige Leidenschaften laut ihre
Stimmen erhoben; die beiden Gatten klagten einander gegenseitig in den
Antworten an, die sie ihrem Schwager zukommen ließen, und dachten nicht
daran, sich wieder auszusöhnen. Endlich gedieh ihre Uneinigkeit auf
einen solchen Punkt, daß Alfreds Schwester keinen Anstand nahm, das Haus
ihres Mannes zu verlassen, und sich nach dem Landgute einer ihrer
Freundinnen zurückzuziehen.
Drittes Kapitel.
Als der Oberst diese letztere Nachricht erhielt, zögerte er nicht
länger; er machte sich Vorwürfe, nicht schon früher abgereiset zu sein,
und schob auf sich selbst einen Theil der Schuld an dem von seiner
Schwester begangenen Fehler. Jetzt mußte so schnell als möglich Hülfe
geleistet werden, und nachdem er Helenen um Rath gefragt hatte, die
völlig seiner Meinung war, begab er sich nach Prag, von wo er mit
Extrapost weiter nach Stettin eilte. Er reisete ganz allein ab, und ließ
zum Schutze für seine Frau und Kinder den rechtschaffenen und
furchtlosen Werner zurück, den er in Allem, was das Interesse seiner
Familie betraf, als sein zweites Selbst betrachten konnte. Helene mußte
ihren ganzen Muth zusammennehmen, um sich beim Abschiede von ihrem
Gatten zu fassen. Dieß war die erste Trennung von ihm, aber sie wußte
ihren Schmerz in sich zu verschließen, und zeigte nur so viel davon, als
ihr völlig unmöglich war zurückzuhalten.
»Ach, Geliebter! rief sie unter einem Strom von Thränen aus; eile, daß
du zu mir zurückkehrst! Erst jetzt wird mir dieser Ort hier als eine
wirkliche Wüstenei erscheinen; ich werde völlig allein sein, sobald ich
dich nicht mehr sehe.«
Alfred versuchte, der zärtlichen Helene einigen Trost einzuflößen. Schon
befand man sich im Monat September, und er versprach ihr, spätestens im
Monat Dezember wieder zu kommen, hinzusetzend: daß sie seiner
Zärtlichkeit wohl so viel Vertrauen schenken würde, um zu glauben, daß
er selbst nichts sehnlicher wünschen könnte, als noch weit früher in
ihre Arme zu eilen, wenn es nur irgend möglich wäre. Aber wie vergeblich
sind alle Trostgründe in dem Augenblicke der Trennung! Man fühlt nichts,
als das gegenwärtige Uebel, und es drückt uns danieder. Die Zukunft ist
in solcher Stimmung gleichgültig, die Hoffnung verliert allen ihren
Zauber, und man kennt nur die Qual der Gegenwart.
In den ersten Tagen nach Alfred's Abreise war Helene gleichsam in einem
Zustande der Bewußtlosigkeit. Ihr Geist, von hundert peinlichen
Vorstellungen angegriffen, ward für eine abergläubische Furcht
empfänglich, und nur mit einem geheimen Schauder ging sie des Abends die
Treppe hinauf und durch den großen Saal. Die Einbildungskraft, die stets
bereit ist, Alles herbeizuziehen, was uns in Schrecken setzen kann,
verdoppelte ihre Lebendigkeit, um Helenen mit Schrecken zu erfüllen. Die
geringste Kleinigkeit war hinreichend, sie in Furcht zu setzen; oft
stand sie plötzlich zitternd still, weil sie ein sonderbares Geräusch
gehört zu haben glaubte, oder sie machte ihre Augen zu, aus Scheu,
irgend eine fürchterliche Erscheinung zu erblicken. Die Gesellschaft
ihrer Kinder war an den Abenden, die schon lang zu werden anfingen,
nicht mehr hinreichend, um sie zu beruhigen; sie rief nach dem treuen
Werner und nach Lisetten, der Köchin, einem guten, aber höchst
abergläubischen, furchtsamen Mädchen, und behielt Beide Stunden lang bei
sich, unter dem Vorwande, ihnen Befehle für den folgenden Tag zu geben,
oder ihnen Rechenschaft von dem, was sie den Tag über gethan hatten,
abzufordern.
Es mag auf dem Lande auch noch so einsam sein, die Häuser mögen auch
noch so weit von einander entfernt liegen, so ist dieß Alles doch nicht
im Stande, die Neugierde der Landbewohner einzuschränken. Für diese
Klasse von Menschen ist die gewöhnlichste Begebenheit etwas Wichtiges,
sie geben auf die geringste Kleinigkeit Acht, und Alles wird den
Nachbarn treulich wiedererzählt. So war es auch bei der Ankunft der
Familie Lobenthal im Schlosse R.... Was für übertriebene Dinge erzählte
man sich von ihr, was für lächerliche Mährchen wurden auf ihre Rechnung
verbreitet! Aber die Zeit verfloß, und ein und derselbe Gegenstand kann
nicht stets zur Unterhaltung dienen; daher schien die Familie Lobenthal,
nach Verlauf von funfzehn Monaten, im Lande völlig eingebürgert zu sein,
und man trat sogar mit der Dienerschaft in freundschaftliche
Verhältnisse, so daß die Männer im Stalle mit Wernern, die Weiber in der
Küche mit Lisetten häufig Unterhandlungen anspannen, und ihnen
erzählten, was sie Sonntags vor der Kirchthür Neues gehört hatten.
Lisette und Werner erzählten gerne, wenn Gelegenheit dazu war, ihrer
Frau wieder, was sie gehört hatten, und Helene erröthete innerlich über
das seltsame Vergnügen, das sie dabei genoß, ihnen zuzuhören; indessen
war ihr, während der Abwesenheit ihres Mannes, Zerstreuung nöthig, und
gleichviel, welchen Gegenstand man vor ihr abhandelte: sie zog das
albernste Geschwätz immer noch der Einsamkeit vor.
Schon war der Oberst seit länger als einer Woche nicht mehr im Schlosse,
als Lisette eines Abends mit so wichtiger Miene in's Zimmer trat, daß
Helene nicht daran zweifeln konnte, sie habe ihr eine außerordentliche
Neuigkeit mitzutheilen. Sie irrte sich nicht; sobald das gute Mädchen
sich bei der Lampe niedergesetzt hatte, die ihr zu ihrer Abendarbeit
leuchtete, fing sie an:
»Von nun an, Frau Oberstin, werden wir nicht mehr so ganz allein in
dieser Gegend sein; das Land hier wird immer mehr bevölkert, die Anzahl
der Fremden vermehrt sich; und wenn das so fortgeht, so wird man bald,
wie man im Dorfe sagt, des Montags einen Markt auf unserm Schloßplatze
abhalten können.«
-- Ei, mein Gott, antwortete Helene erstaunt, wer sind denn die
zahlreichen Einwohner, die sich in der Gemeinde angesiedelt haben? --
»Wenn ich Ihnen die Wahrheit sagen soll, Frau Oberstin, so sind es eben
noch nicht viel, aber das wird noch kommen. Für's Erste ist da schon der
Herr Oberst Lobenthal mit seiner Familie, und dann eine Dame, deren
Geschichte und Herkunft man noch nicht kennt, und die das kleine Haus
dort unten im Thale, mitten im Walde, gekauft hat.«
-- Da hat sie sich eine sehr einsame Wohnung gewählt, und sie muß
entweder viel Muth besitzen, oder ein großes Gefolge bei sich haben,
wenn sie ohne Furcht in diesem Hause bleiben kann. --
»Dieser Meinung ist auch das ganze Dorf, und dennoch ist sie ganz
allein; denn ein alter Bedienter kann hier gar nicht in Anschlag kommen,
weil er so abgelebt, so bleich und hinfällig ist, daß er weniger einem
Lebendigen, als einem Bewohner der andern Welt ähnlich sieht. Was die
Dame betrifft, so sagt man, daß sie schön ist, obgleich ihre Miene etwas
ganz Außerordentliches haben soll. Ich kann übrigens nichts Näheres
davon berichten, weil ich sie noch nicht gesehen habe; aber am nächsten
Sonntage müßte ich sehr krank sein, wenn ich in der Kirche fehlen
sollte. Die Dame wird doch ohne Zweifel dort sein, und dann will ich sie
genau betrachten, daß ich Ihnen einen vollkommnern Bericht abstatten
kann, wenn Sie selbst zufällig nicht im Stande sein sollten, sie zu
sehen.«
-- Ich bezweifle nicht, Lisette, daß du sie genau betrachten wirst; aber
was spricht man jetzt von ihr? Weiß man, aus welchem Grunde sie sich
gerade gegen den Winter eine so wenig angenehme Wohnung gewählt hat? Ist
sie aus Prag? Ist sie Wittwe, oder unverheirathet? --
»Man hat alle diese Fragen schon an ihren Bedienten gerichtet, ohne die
geringste genügende Antwort zu erhalten; denn dieser Bediente soll ein
mürrischer und äußerst grober Mensch sein. Seine Antworten sind: Ja,
nein; vielleicht: das geht Euch nichts an; was er kauft, bezahlt er,
ohne weiter ein Wort zu sprechen, und entfernt sich dann sogleich
wieder. So viel weiß man indessen schon gewiß, daß diese Leute keine
Deutschen sind; denn sie haben eine ganz seltsame Aussprache, und unter
sich bedienen sie sich fremder, unverständlicher Worte.«
-- Ist denn diese Dame schon lange hier? fragte Helene, die schon den
Wunsch fühlte, in der Fremden eine Gesellschafterin zu finden, die
einige Abwechselung in ihrer einfachen, gleichförmigen Lebensart
hervorbringen könnte. --
»Sie ist an demselben Tage hier angekommen, wo der Herr Oberst
abreisete. Anfangs stieg sie bei dem Schäfer Paul ab, und fragte ihn, ob
nicht in der Nähe irgend ein Haus zu miethen oder zu kaufen sei? Paul
erwiederte, daß die Gebrüder Gierschmann das kleine Haus im Walde
verkaufen wollten; sie ließ sie sogleich herbeiholen, handelte mit
ihnen, und schlief schon in derselben Nacht in ihrem neuen Wohnsitze.
Paul und die beiden Gierschmann haben anfangs aus dieser Begebenheit ein
Geheimniß gemacht, wahrscheinlich weil sie der armen Dame eine übermäßig
große Summe für das Haus abgenommen haben. Aber am Ende kommt doch Alles
heraus: die Geschichte wurde bekannt, und ich bin nicht die Letzte, die
sie erfahren hat. Vor einer Stunde habe ich sie von der Frau des
Nachtwächters gehört, und ich würde gegen meine Pflicht gehandelt haben,
wenn ich Ihnen nicht sogleich Alles mitgetheilt hätte.«
Helene dankte Lisetten durch eine Verneigung des Kopfes für ihren guten
Willen, und nahm sich vor, so bald als möglich Bekanntschaft mit der
fremden Dame zu machen.
Während dieses langen Gesprächs schwieg Werner, der ebenfalls
gegenwärtig war, und schüttelte von Zeit zu Zeit mit dem Kopfe. Diese
Bewegung und sein Stillschweigen fielen der Oberstin auf, daher sie ihn
fragte, ob er Mißtrauen gegen die unbekannte Dame hege?
»Ei, erwiederte Werner, ich sehe eben nichts Gutes in ihrem Erscheinen
in hiesiger Gegend. Eine junge Frau, die auch hübsch sein soll, wie man
sagt, kommt mit einem einzigen Bedienten hier her, um sich in ein
abgelegenes Haus einzuschließen: scheint dieß ganz in der Ordnung zu
sein? Hat sie einen Mann? Wo ist ihre Familie? Sollte sie nicht eine
Abentheurerin sein? Ich habe ehemals genug von diesen geheimnißvollen
Prinzessinnen bei unseren Offizieren gesehen, die anfangs alle Blicke
scheuten, und sich sorgfältig eingezogen hielten, bis sie irgend einen
Fang gemacht hatten. Dann erschienen sie am hellen Tage, und zeigten
ihre Reize, ihre Pracht und ihr schlechtes Betragen; hatten sie nun die
Frucht rein ausgesogen, so verschwanden sie plötzlich, wie die
Irrwische, die wir oft dort unten auf dem Moraste erblicken.«
-- Ich glaube es wohl, antwortete Helene, daß man in einer großen Stadt
solche unglücklichen Geschöpfe antrifft, die, um einen desto bessern
Handel mit ihren Reizen zu machen, die Neugierde durch das Dunkel zu
reizen suchen, mit dem sie sich umhüllen; aber hier in R...., mein guter
Werner, was sollte eine solche Person hier suchen? Wo ist hier der
reiche Partikulier, den sie verführen könnte? Ich weiß in der ganzen
Gegend nur Familien, die in der vollkommensten Eintracht leben, und
überdieß binnen Kurzem das Land bis zum künftigen Sommer verlassen
werden. Kann aber diese Dame nicht Unglücksfälle erlitten haben? Schämt
sie sich nicht vielleicht, in der Welt auf einem niedrigeren Fuße zu
leben, als ihr früher ihrem Range nach zukam? und wird wohl eine heutige
Sirene mitten im Walde, fern von jeder Straße, ihren Aufenthalt wählen?
Wird sie sich nicht vielmehr den Orten nähern, die häufig von Reisenden
besucht sind? Nein, mein lieber Werner, dein Verdacht ist ungerecht; man
muß von seinem Nächsten nichts Uebeles denken, als wenn offenbare Gründe
dazu vorhanden sind. --
Werner erwiederte nichts, aber er schien keinesweges überzeugt zu sein.
Ihm diente seine Erfahrung zur Richtschnur, wonach er Alles beurtheilen
zu können glaubte, was ihm jetzt begegnete.
Der folgende Tag war außerordentlich schön. Gegen Abend gingen die
Kinder unter Werners Aufsicht spazieren, und der Zufall führte sie nach
dem nahe gelegenen Walde, während Helene selbst sich nicht so weit vom
Schlosse entfernte, sondern nur bis nach dem Dorfe hinunter ging, wo sie
mit den Landbewohnern, denen sie begegnete, von der nahe bevorstehenden
Erndte plauderte. Alle erzählten ihr aber von der fremden Dame; ihre
Ankunft hatte die allgemeine Neugier gereizt, und man belauschte daher
jeden ihrer Schritte. Man wußte, daß sie gegen Abend ihre Wohnung
verließ, um in der Umgegend spazieren zu gehen; so lange aber die Sonne
noch am Himmel stand, zeigte sie sich nur höchst selten. Den ganzen Tag
brachte sie in einem Zimmer ihres obern Stockwerks zu, wo Niemand sie zu
sehen bekam. Ihr alter Bedienter verrichtete sämmtliche Geschäfte des
Hauswesens, aber er sah stets so mürrisch aus, daß man keine Lust
fühlte, eine Unterredung mit ihm anzuknüpfen, wenn er dann und wann in's
Dorf kam, um irgend etwas einzukaufen.
Jemehr Helene von der Unbekannten sprechen hörte, desto fester nahm sie
sich vor, sie kennen zu lernen; denn bei allen ihren vortrefflichen
Eigenschaften war die Frau Oberstin doch immer eine Tochter unserer
gemeinschaftlichen Stamm-Mutter Eva. Indessen wußte sie ihren geheimen
Wunsch unter eine scheinbar große Gleichgültigkeit zu verbergen, und als
es finster zu werden anfing, kehrte sie nach dem Schlosse zurück.
Sobald ihre Kinder sie erblickten, liefen sie ihr voll Freude entgegen.
»Ach, Mutter! liebe Mutter! riefen beide zugleich; wir haben die schöne
unbekannte Dame gesehen, und mit ihr gesprochen. Sie hat uns diese
schönen Blumenkränze geschenkt. Ach, wie gut und wie hübsch ist sie!«
Dieses unverhoffte Zusammentreffen und die Worte ihrer Kinder reizten
Helenens Neugierde noch mehr. »Still, liebe Kinder, sagte sie, sprecht
nicht beide zugleich; Eines von euch soll mir erzählen, was vorgefallen
ist, und das Andere kann dann nachholen, was vielleicht das Erste
vergessen hat.«
Dieser Vorschlag war ganz angemessen, aber es boten sich nur
Schwierigkeiten dar, ihn auszuführen. Julie, ein höchst lebhaftes
niedliches Mädchen, schien nicht geneigt, ihrem Bruder das Wort zu
überlassen, der seinerseits wieder das Recht des Aeltern in Anspruch
nahm, um der Erzähler des kleinen Abentheuers zu sein. Hieraus entstand
ein ernsthafter Streit. Helene versuchte anfangs vergebens den Weg der
Güte: sie drang nicht durch, weil Julie sprechen und Wilhelm nicht
schweigen wollte: die Mutter sah sich endlich genöthigt, ihr ganzes
Ansehen zu gebrauchen, und ein bestimmter Befehl legte dem kleinen
Mädchen Stillschweigen auf. Julie nahm nun eine schmollende Miene an,
und setzte sich in einen Winkel des Zimmers, wo sie ihr niedliches
Gesichtchen in den Händen verbarg, indem sie versicherte, daß ihr Bruder
falsch erzähle, daß sie aber gewiß den Mund nicht öffnen würde, um ihn
zu berichtigen.
Wilhelm, stolz auf die Auszeichnung, die ihm seine Mutter zu Theil
werden ließ, stellte sich lächelnd vor sie hin und fing nun seine
Erzählung an: »Ich hatte Lust, liebe Mutter, in das Thal hinabzugehen,
um von den schönen Blumen, deren so viele auf der dortigen Wiese
wachsen, abzupflücken. Ich bat daher unsern Werner, uns dahin zu führen,
und er willigte ein; wir waren aber kaum einige Augenblicke da, so lief
auch schon Julie, die niemals ruhig bleiben kann, aus allen Kräften nach
dem Walde zu.«
-- Das ist nicht wahr! rief Julie, voll Aerger über die Beschuldigung
ihres Bruders; ich verfolgte einen schönen, bunten Schmetterling, und du
thatest dasselbe. -- Siehst du wohl, liebe Mutter, daß du von Wilhelmen
nichts Ordentliches erfahren wirst? Ich will dir daher erzählen, was
geschehen ist, denn mit mir hat ja die Dame zuerst gesprochen. --
»Ich habe dir befohlen zu schweigen, antwortete die Mutter sanft, aber
ernsthaft; und ich will, daß du mir gehorchst. Daß ich also meinen
Befehl nicht zum dritten Mal wiederholen muß!«
Die Strenge dieser Worte, welche übrigens so wenig mit Helenens Liebe zu
ihrem niedlichen Töchterchen übereinstimmte, verursachte dem letzteren
so viel Schmerz, daß Julie in einen Strom von Thränen ausbrach, und ihre
kleinen Arme ihrer Mutter um den Hals schlang. Helene sahe nun ein, daß
sie sich zu strenge gezeigt hatte, und ohne ein Wort zu sagen,
streichelte sie mit ihrer Hand die schönen blonden Locken ihrer Tochter,
und drückte dann einen Kuß auf ihre Stirn, worauf die Heiterkeit sich
bei derselben wieder einzustellen nicht ermangelte. Indessen fuhr
Wilhelm in seiner Erzählung fort. Er berichtete, wie die fremde Dame
plötzlich vor seinen erstaunten Blicken erschienen sei, während er
seiner Schwester habe nachlaufen wollen, die sich mitten in das dickste
Gebüsch begeben hatte; wie Julie die Hand der fremden Dame gehalten
habe, welche letztere sich dann mit ihren Spielen vereinigte, obgleich
sie, bemerkte der Knabe, die Lustigkeit eben nicht zu lieben schiene.
Sie war immer ernsthaft, und das laute Gelächter Juliens, womit sie
immer sehr freigebig ist, schien ihr sogar ein gewisses Beben zu
verursachen. Aber sie behandelte uns mit einer außerordentlichen
Gütigkeit. Vergebens wollte Werner mehrmals mit uns nach Hause
zurückkehren, sie hielt uns immer noch auf, weil sie stets noch einige
Blumen zu den Kränzen hinzuzufügen hatte, die sie uns wand. Aber sie ist
erstaunlich geschickt; nur weiß ich nicht, warum sie beständig einen
Handschuh auf der linken Hand trägt; das muß ihr doch sehr beschwerlich
sein. Julie wollte ihn ihr abziehen, aber sie hinderte es mit einer sehr
heftigen Bewegung, und warf ihr zugleich einen Blick zu, der mich und
meine Schwester in Schrecken setzte; so böse schien er uns zu sein.
Diese Erzählung ward in allen Punkten von dem kleinen Mädchen bestätigt,
das nun ebenfalls das Wort zu nehmen eilte. Julie fügte noch eine Menge
Einzelnheiten hinzu, und erzählte ihrer Mutter, daß die hübsche Dame ihr
mitten im Gebüsch so plötzlich erschienen sei, als wenn sie aus der Erde
hervorgekommen wäre.
»Ich erschrak anfangs sehr, fuhr Julie fort, und da die Dame es
bemerkte, so schien sie darüber sehr bekümmert zu sein. Sie kam dann
lächelnd auf mich zu, und ihre freundlichen Worte machten mich nun bald
dreister. Uebrigens hat sie nicht die geringste Frage an mich gerichtet,
wie es sonst wohl diejenigen zu thun pflegen, die mich zum ersten Male
sehen; sie sprach nur von unseren Spielen und Vergnügungen, und wie sehr
sie meine Freundin zu werden wünschte. Von dir und von meinem Vater hat
sie nicht ein Wort erwähnt.«
Werner, der nun ebenfalls befragt ward, bestätigte Alles, was die Kinder
gesagt hatten. Aber über sein ganzes Wesen schien die größte Verwirrung
verbreitet zu sein, und vergebens suchte er sie zu verbergen; sie ward
wider seinen Willen so sichtbar, daß Helene aufmerksam werden mußte.
»Nun, Werner! sagte sie; du bist nicht eben so sehr für die fremde Dame
eingenommen, als Wilhelm und seine Schwester. Hast du immer noch dein
früheres Mißtrauen gegen sie, oder hast du sie vielleicht gar wieder
erkannt?«
-- Ich! sie wieder erkannt haben! rief der alte Soldat, dessen Gesicht
in diesem Augenblick alle Farbe verlor. Ich wüßte nicht, Frau Oberstin,
wie mein Betragen Sie auf solche Muthmaßung hinführen könnte. Ich kenne
jene Person nicht; aber dennoch beharre ich bei der Meinung, daß ihre
Ankunft hierselbst zu geheimnißvoll ist, um sich etwas Gutes davon zu
versprechen. Wenn Sie meinem Rathe folgen wollten, so würden Sie Ihren
Kindern nicht erlauben, bekannter und vertrauter mit ihr zu werden. Was
die Erlaubniß betrifft, daß diese Unbekannte ihren Fuß über die Schwelle
des Schlosses setzt, so wissen Sie selbst, was Sie dabei zu thun haben.
Wenn ich aber an Ihrer Stelle wäre, so würde ich auch nicht einmal
zugeben, daß sie auch nur den Hof überschreitet. --
»Um so strenge gegen sie zu verfahren, erwiederte Helene, müßte ich
überzeugt sein, daß ihre Gesellschaft durchaus nicht für mich paßt, und
dieß werde ich vielleicht bald erfahren. Aber da du sie heute zum ersten
Male gesehen hast, da dein Widerwille gegen sie gar keine gegründete
Ursache hat, so kann ich mein Betragen völlig nach den obwaltenden
Umständen einrichten. Dennoch bin ich fest entschlossen, mein lieber
Werner, auf deinen Rath zu hören, wenn du von dieser Dame irgend etwas
weißt, das dich überzeugt, es würde gefährlich für mich sein, mit ihr
umzugehen.«
Werner schien einen Augenblick lang ungewiß zu sein, was er der Oberstin
antworten sollte; plötzlich hörte indessen diese Ungewißheit auf, und er
versicherte dann mit fester Stimme, daß seine Furcht nur auf
Vorurtheilen beruhe, daß die fremde Dame ihm völlig unbekannt sei, und
daß seine Herrschaft völliges Recht habe, zu handeln, wie es ihr gut
dünke.
Helene kannte die edle Freimüthigkeit des alten Soldaten, und sie
zweifelte nicht an der Wahrheit dessen, was er sagte. Sie schrieb sein
Mißtrauen der natürlichen Bedächtigkeit derjenigen zu, die in der Welt
viel gesehen und erfahren haben; das Böse hat sich ihnen unter allen
Gestalten gezeigt, und sie fürchten stets, es da anzutreffen, wo der
Anschein es am Wenigsten vermuthen läßt. Nur in der Zurückgezogenheit
lernt das menschliche Herz sich einem Vertrauen überlassen, das noch
durch Nichts getäuscht wurde, und nur der häufige Umgang mit Menschen
lehrt sie fürchten.
Viertes Kapitel.
Indem Werner die Oberstin versicherte, daß die fremde Dame ihm unbekannt
sei, sprach er wider seine Ueberzeugung. So auffallende Gesichtszüge
konnten bei ihm unmöglich in Vergessenheit gekommen sein; er wußte, wie
sehr die, welche damit geschmückt war, würdig gewesen, die zärtlichste
Neigung einzuflößen, und er zitterte schon im Voraus vor einem
Zusammentreffen, das für die Zukunft die schrecklichsten Stürme zu
weissagen schien. Aber sollte er unter diesen Umständen die Ruhe seiner
würdigen Gebieterin vergiften? War es nöthig, in ihrem Herzen die
verzehrenden Flammen der Eifersucht anzuzünden? Unglücklicherweise giebt
es Fälle im menschlichen Leben, wo es nothwendig ist, die Wahrheit zu
verschweigen, und wo man mit der Lüge in's Bündniß treten muß, um großen
Uebeln vorzubeugen. Einer von diesen Fällen war hier eingetreten, und
nur ungern opferte ihm Werner seine natürliche Wahrheitsliebe auf; er
verschwieg also, was er wußte. Wie sehr wünschte er aber die Nacht
herbei, wo er hoffen konnte, ruhig über diese schwierige Lage
nachzudenken. Seine Klugheit sagte ihm, wie wichtig es sei, nichts von
seiner innern Unruhe merken zu lassen; denn wenn sich einmal der
Verdacht im Busen der Oberstin erhob, zu welchen Auftritten konnte dieß
führen! Er nahm daher alle seine Kraft zusammen, und bewachte sich
selbst so strenge, daß Helene in seinen Gesichtszügen nichts als die
Gleichgültigkeit des gewöhnlichen Lebens wahrnehmen konnte.
Als Werner endlich nach eilf Uhr in seinem Zimmer allein war, eilte er
zu seinem Schreibtische, und schrieb an seinen Herrn, was hier
vorgegangen war.
»Wie groß wird Ihr Erstaunen sein, Herr Oberst, wenn Sie
erfahren, daß _Lodoiska_ jetzt hier in R.... wohnt, und die
nächste Nachbarin des Schlosses ist. Was will sie hier, jetzt,
nach Verlauf so vieler Jahre? was hegt sie für Absichten?
Diese Fragen kann ich Ihnen nicht beantworten. Sie hat mich nicht
erkannt, wenigstens ließ sie nicht das geringste Zeichen
entschlüpfen, woraus ich es hätte schließen können. Lassen Sie
mir jetzt Ihre Befehle zukommen, und ich werde sie ohne Verzug
ausführen. Wollen Sie sie wiedersehen, und sich eine
Zusammenkunft mit ihr verschaffen, um ihre Absichten kennen zu
lernen? Oder ziehen Sie es vor, daß die Frau Oberstin und Ihre
Kinder diese Gegend hier augenblicklich verlassen? Dieß würde
vielleicht der beste Weg sein, den Sie einschlagen könnten.
Sie werden nie glücklich, noch ruhig sein, so lange diese
Lodoiska lebt, oder wenigstens, so lange dieselbe Sie mit
ihrer Gegenwart und ihren Vorwürfen verfolgt.« --
Indem Werner diese letzten Worte niedergeschrieben hatte, erbebte er
unwillkührlich; denn es schien ihm, als wenn er hinter sich das Geräusch
eines Gewandes hörte, und den Athem einer Person fühlte, die sich über
ihn her beugte, um zu lesen, was er geschrieben. Die Täuschung war so
vollkommen, daß er nicht daran zweifelte, die Oberstin sei dicht hinter
ihm, und voller Schrecken hierüber, wagte er anfangs nicht, die Augen
aufzuschlagen, noch den Kopf umzuwenden; da indessen nach Verlauf von
einer Minute sich noch immer kein neues Geräusch hören ließ, so blickte
er um sich, und überzeugte sich nun, daß er sich geirrt habe. Kein
lebendiges Wesen war in seinem Zimmer zu sehen, die tiefste Stille
herrschte überall, nur dann und wann von dem Geschrei einer einsamen
Eule unterbrochen, die in dem alten Thurme des Schlosses nistete.
Diese Gewißheit, daß die Oberstin seinen Brief nicht gelesen habe,
verursachte ihm die größte Freude, und nachdem er sein Zimmer fest
verschlossen hatte, suchte er sich einem erquickenden Schlafe zu
überlassen; es gelang ihm aber nicht. Die geheimnißvolle Lodoiska kam
ihm nicht aus den Gedanken, und in seinem Zorne gegen sie fluchte er
laut, als wenn er eine Abtheilung Rekruten zu exerziren hätte. Erst sehr
spät schlossen sich endlich seine Augen, und der Mensch in ihm lebte nur
noch durch seine nächtlichen Beziehungen mit den himmlischen Geistern
fort. Gewöhnlich kam Werner sonst dem Erwachen der Morgenröthe zuvor;
dießmal aber stand die Sonne schon über den umliegenden Hügeln, als der
alte Unteroffizier plötzlich aus dem Schlafe aufschreckte, und über die
Art von Bewußtlosigkeit, in der er gewesen zu sein sich erinnerte,
erstaunte. Ohne Zweifel hatten die Arbeiter auf dem Felde schon
angefangen, und er war dabei nicht zugegen gewesen. Voller Scham über
diesen Fehler zog er sich schnell an und eilte hinunter in den Hof; hier
erinnerte er sich aber, daß er den wichtigen Brief an seinen Herrn auf
dem Schreibtische vergessen habe, und da die Klugheit ihm rieth,
denselben nicht vor Jedermanns Augen umher liegen zu lassen, so kehrte
er um, ihn zu sich zu stecken, und ihn nachher dem täglich nach der
Stadt gehenden Boten zur Bestellung auf der Post zu übergeben.
Der Brief befand sich nicht mehr an dem Orte, wo Werner ihn hatte liegen
lassen, sondern er sahe ihn, in tausend Stücke zerrissen, auf dem
Fußboden umhergestreut. Dieser eben so sehr überraschende, als
verdächtige Anblick entriß Wernern einen lauten Ausruf, und versetzte
ihn dann in ein peinliches Nachdenken. Wer konnte das Schreiben
zerrissen haben? Wer war während so weniger Augenblicke in seinem Zimmer
gewesen, um dort so unverschämt zu handeln? Sollte es die Oberstin, oder
Lisette, oder das Hausmädchen gewesen sein? Nur diese drei Personen
konnten um diese Zeit schon aufgestanden sein. Er erinnerte sich, daß er
das letztere auf dem Hofe gesehen habe; auch erblickte er Lisetten durch
das Fenster in der Küche mit ihren Arbeiten beschäftigt, und die
Oberstin schien noch nicht aufgestanden zu sein, wie die geschlossenen
Fensterladen ihres Zimmers zeigten. Kurz, er wußte nicht, was er von
diesem außerordentlichen Vorfalle denken sollte; und er gewann es nicht
über sich, den Brief sogleich von Neuem zu schreiben, sondern sammelte
nur sorgfältig die Stücke vom Fußboden auf, um sie in's Feuer zu werfen.
Den ganzen Tag über befand sich Werner in einer äußerst peinlichen
Stimmung. Obgleich er überzeugt war, daß die Oberstin sein Zimmer nicht
so sehr verletzt habe, so fühlte er doch eine große Verlegenheit, als er
heute zum ersten Male in ihre Nähe kam. Er suchte sich zu zwingen, und
in den Gesichtszügen Helenens zu lesen; aber diese waren so ruhig, daß
sie unmöglich eine so unerwartete Entdeckung, wie die Lesung des Briefes
ihr gewähren mußte, gemacht haben konnte. Werners Erstaunen ward nun
immer größer, und er verlor sich vergebens in allerhand Vermuthungen;
höchst unangenehm aber war es ihm, als die Kinder ihn baten, sie wieder,
wie gestern, nach dem Walde spazieren zu führen, weil sie hofften, ihre
neue Freundin, wie sie sagten, wieder zu sehen.
Gern hätte Werner es ihnen abgeschlagen; aber die Oberstin war zugegen,
und ehe er noch ein Wort sprechen konnte, hatte sie schon ihre
Einwilligung gegeben. Die Klugheit gebot ihm, von seinen wahren Gedanken
nichts merken zu lassen, um bei der Gemahlin seines Obersten weder
Argwohn noch Furcht zu erregen, und mit zurückgehaltenem Unwillen stieg
er langsam den Hügel hinab, nach dem Orte zu, wie seine jungen Begleiter
wünschten.
Kaum befanden sie sich am Saume des Waldes, so trat Lodoiska plötzlich
aus dem Gebüsch hervor, in ihren Händen ein paar Federbälle und eine
schöne Puppe, die sie den Kindern bestimmt hatte. Sobald diese ihre neue
Freundin erblickten, liefen sie auf sie zu, und Julie war so dreist,
sich gerade zu in ihre Arme zu werfen. Diese unschuldige Handlung schien
die Fremde tief zu bewegen; sie trat einen Schritt zurück, und warf
einen so finstern, unheimlichen Blick auf das Kind, daß der muthige
Werner darüber erstarrte. Allein diese anfängliche Bewegung dauerte
nicht lange; ein leichtes Lächeln überflog die Gesichtszüge der Fremden,
und mit der größten Liebenswürdigkeit vertheilte sie die mitgebrachten
Geschenke.
Wilhelm, entzückt über die Federbälle, lief sogleich nach der nahen
Wiese, um sie zu versuchen, und Julie, ganz glücklich bei dem Anblick
ihrer Puppe, bat um Erlaubniß, Blumen pflücken zu dürfen, um ihre kleine
Dame damit zu schmücken. Die Fremde hatte nichts dagegen, und als sie
die Kinder mit ihren Spielen in voller Beschäftigung sahe, näherte sie
sich dem alten Unteroffizier, der in tiefem Sinnen an einen Baum gelehnt
stand, und über die Vergangenheit nachdachte. Er fürchtete, daß neue
Unfälle die Ruhe seines Obersten stören möchten; er war höchst
unzufrieden, aber er wußte nicht, wie er dem drohenden Ungewitter
zuvorkommen sollte.
Werner war so sehr mit sich selbst beschäftigt, daß er die Annäherung
der Dame nicht gehört hatte, als er plötzlich aus seinem Nachdenken
durch eine ihm wohlbekannte Stimme geweckt ward, die aber in diesem
Augenblick etwas Dumpfes und Feierliches hatte, so daß er sich davon bis
in's Innerste ergriffen fühlte.
»Nun Werner, redete sie ihn an, was habe ich dir gethan, daß du mir
stets entgegen bist? Wird deine ungerechte Abneigung gegen mich nicht
endlich einmal aufhören?«