Wenk, ohne das Auge von der Tür zu lassen, hinter der er den Saal schon
stark gelichtet sah, nahm Mabuses Hand und entschuldigte sich: »Sie
verübeln mir die Erfüllung einer Pflicht nicht, Herr Doktor?«
Mabuse antwortete mit einer verbissenen Freundlichkeit, bereit, die Hand
in der Tasche an die Waffe zu werfen: »Nicht im geringsten. Ich trete
selbstverständlich zurück, wenn es sich wie hier zweifellos um das Wohl
der Allgemeinheit handelt, die Sie von einem Verbrecher zu befreien
haben.«
Schon war er weitergeschoben. Wenk winkte ihm noch zu, schaute aber
nicht mehr um, da er die Tür nicht freigeben durfte.
Der Geheimrat nahm Mabuses Arm für die Treppe. Mabuse geleitete ihn
rasch zur Garderobe und verabschiedete sich. Eines seiner Autos hielt in
der Maximilianstraße. Rechts und links von der Ausgangstür des Foyers
standen die Leute, die zu allem bereit waren, ihn stets begleiteten ...
Spoerri hatte sich mitten in den Ausgang gestellt, um die Treppe zu
überwachen.
Er ging dann hinter Mabuse her. Die andern in gelösten Gruppen, aber
immer bereit, zusammenzuspringen, folgten. Erst als Mabuse im Auto
davonfuhr, gingen sie auseinander und ein jeder seinen Weg.
Im Auto heimrasend, sagte Mabuse sich auf einmal: Ich habe eine Dummheit
gemacht. Ich hätte wenigstens fragen sollen, ob ich den Abend fortsetzen
dürfte.
Das machte ihn niedergedrückt. Es hatte etwas an ihm versagt. Früher
wäre ihm ein solcher Fehler nie unterlaufen, sann er weiter und quälte
sich: Bin ich am Niedergang? Ist es Zeit für Eitopomar?
Aber auf einmal schrie er dumpf und tierisch auf: »Nein. Es ist das
Weib! Wenk wird mich hängen. Das Weib macht mich alt und liefert mich
seinem Strick aus.« Weshalb machte die Frau ihn alt, die so jung und
schön war und sich ihm mit einem wehmütigen Fatalismus ergeben hatte? Er
trank diese Ergebenheit wie einen Wein, sagte ein anderer Zug von
Vorstellungen.
Er wurde uneins mit sich. Er fand keinen Genuß mehr darin, daß er der
großen Gefahr entronnen war. Und in seine kreuz und quer pflügenden
Gedanken schlug unselig und den Atem raubend wie eine Katastrophe die
Vorstellung:
Weil ich sie liebe!
Da haßte er sich. Da führte er die Ballen von Haß, mit denen er den
Menschen zusetzte, gegen sich und lud sie über sich aus. So stark litt
er, daß er unter dem Druck, den dieses Chaos an Gefühl auf seine Adern
trieb, röchelte.
Er war vor seinem Haus.
Sein breites Gesicht hatte alle Furchen vertieft. Aber das Schreckliche
waren seine Augen. Die Gräfin erschrak vor ihnen, als er in ihr Zimmer
kam. Sie waren nicht mehr von dem großen steinernen Grau eines Achats.
Sie waren wie mit kupfern grellen Runen bezogen. »Was ist geschehen?«
fragte sie.
Da erzählte er nicht, was er eigentlich erzählen gewollt. »Weißt du, wer
ich bin?« fragte er. Seine Stimme klang in einer tobenden Wildheit. »Ich
bin ein Werwolf. Ich sauge Menschenblut in mich! Jeden Tag brennt der
Haß alles Blut auf, das mir in den Adern läuft, und jede Nacht sauge ich
sie mit einem neuen Menschenblut voll. Wenn mich die Menschen fangen,
zerreißen sie mich in vierundsechzig Stücke. Ich beiße dir die Kehle
durch, du weißes Tier, das mich zerstören will!«
Die Gräfin, aufgepeitscht, irr vor Schmerz und Zerrissenheit, stöhnte:
»Töte mich! Was gäbe es Besseres?«
»Ich liebe dich!« schrie die Stimme des besessenen Mannes über ihr.
Die Frau barg den Kopf in ihre Hände. Sie hörte dieses eingestehende
Wort zum erstenmal aus dem gewaltsamen Mund. Ertränkend wogte unter ihm
der Rausch des Blutes durch ihr Gemüt, das sich von der Welt fort in die
Schlucht eines Gefängnisses verloren hatte, aus dem es kein Hinaus mehr
gab.
Ihr Leben war tot. Ihr Blut aber lebte in einer starren Grellheit, in
einer künstlichen, furchtbaren und geisterhaften Entzündung an der
Gewalt dieses Mannes und brannte durch ihre tote Seele wie eine Flamme
durch verschlossene Türen. Sie brannte, und es gab nichts mehr zu
verbrennen. Wovon lebte die Flamme?
Mabuse verließ die Frau, ohne ein weiteres Wort gesagt zu haben. Ich
habe ihr genug gesagt! sprach er bei sich.
Er legte sich zu Bett, fand keinen Schlaf. Es war, als sei etwas Neues
in sein Leben gekommen, das so unveränderlich geschienen hatte. Es war,
als habe die Gefahr, die er schon mit der Hand anfassen gekonnt, in dem
dunkeln, kalten Loch aufgewühlt, von dessen Grund er sein Leben und
seine Taten wie aus einem Brunnenschacht heraufzog. Stundenlang quälte
er sich, dies Neue zu fassen, in sich einzuordnen. Es entwich ihm.
Da ging er zu der Frau zurück, die schlaflos und in Kleidern auf dem
Bett lag.
Er sagte ihr: »Wir müssen uns aussprechen! Unsere Schicksale sind
ineinandergelaufen, und wir müssen sie durch unser Leben weitertragen.
Ich habe aus irgendeinem Brunnen meiner Abstammung einen Schuß ins Blut
bekommen, der mir ein Leben in der staatlichen Ordnung einer
Gemeinschaft unmöglich macht, in der Kräfte über meinen Kräften stehen.
Ich bin deshalb so etwas wie ein Räuberhauptmann geworden. Ich kenne nur
zwei Dinge: Herrschenwollen und Hassenmüssen! Seit diesem Tag kommst du
dazu. Ich dachte anfangs: die verbrennt mit in den zwei Flammen meines
Gemüts. Es ist aber nicht wahr. Hundert sind drin verbrannt. Du nährst
dich davon. Dir ist es Speise. Wenn ich betrunken bin und den Haß nicht
vergessen, aber etwas beiseitestellen kann, weil es dann schönere Dinge
gibt, nenn' ich dir oft den Namen: Eitopomar.
Eitopomar ist kein Weindunst. Es ist ein Urwald in Brasilien. Er ist
hoch im Land drinnen. Er wird für mich gerodet. Alles Geld, was ich hier
dieser nichtigen Gesellschaft von Jammerkerlen abnehme, lege ich dort
an. Dort entsteht mein Land. Dort will ich mein Leben beschließen. Erst
dachte ich: mit meinem Harem! Jetzt weiß ich aber: mit dir! Vierzig Tage
muß man reiten, bis man zur nächsten Wohnung von Menschen kommt. Und
auch das sind welche, die es hier nicht aushielten. Man kommt aber nie
hin, weil die Botokuden einen nicht durchlassen. Es ist möglich, daß
meine Agenten, die das Geschäft geordnet haben, mich betrügen, und daß,
wenn wir hinkommen, es kein Fürstentum Eitopomar gibt. Aber um dich
betrügt mich niemand!
Meine Lebensart hier hat inzwischen zu ausgedehnte Kreise gezogen, als
daß ich noch viel länger neben und unter der Ordnung und Macht des
Staates und der Gesellschaft mich erhalten könnte. Ich habe heut den
Beweis bekommen, daß man mir auf der Spur ist. Es gilt von nun an also
Vorsicht.
In Genua wird für mich ein Schiff gebaut. Ich fahre nicht auf fremden
Schiffen. Ich bin mein Fürst. Das Schiff ist am ersten Juni abzuliefern.
In der Nacht vom ersten auf den zweiten Juni schiffen wir uns ein. Aber
bis dahin sind es fast noch zwei Monate. Ich kann nicht ruhen. Ich werde
bis zu der Nacht unserer Abreise Räuberhauptmann sein.
Wir wollen klug sein. Du beziehst eine andere Wohnung. Sie ist so sicher
wie diese hier. Aber wenn sie mir diese hier ausspionieren, fangen sie
dich. Ich bin in der Lage, mit aller Wahrscheinlichkeit zu entkommen.
Morgen um Mitternacht siedelst du um. Spoerri führt dich hin.«
Ohne Widerstand, ohne Beteiligung ihrer Sinne, verzehrt von der Flamme
dieses über sie hereingebrochenen männlichen Willens nahm die Gräfin
Worte und Befehl hin ... Schicksal.
* * * * *
Um neun Uhr war Dr. Mabuse beim Grafen Told.
Mabuse, wo er zur Flucht sich jede Stunde bereithalten mußte, wollte
jetzt mit dem Gräflein abschließen.
Er nötigte ihn zum Trinken. Das tat Told seit einigen Tagen mit einer
düsteren Leidenschaft. Schweigend sah Mabuse zu. Als Told betrunken war,
sagte ihm der Arzt: »Sie sind ein durchaus widerstandsloses Individuum.
Wo haben Sie Ihr Rasiermesser?«
Told zeigte lallend auf den Waschtisch.
»Ist es geschärft?« fragte Mabuse mit einem lastenden Nachdruck. »Scharf
genug?« fragte er nochmals mit einer Betonung, so scharf, als wollte er
dem Grafen die Frage durch die Kopfhaut einschneiden.
Mabuse nahm es in die Hand, ergriff einen Papierbogen und schnitt einen
scharfen Riß hinein. Drohend sagte er dann: »Es ist scharf genug. Ja!«
Darauf legte er das Messer zurück, schob es aber nicht mehr ins Etui. Er
rief den Diener herein und sagte ihm: »Der Zustand des Herrn Grafen hat
sich verschlechtert. Der Herr Graf trinkt Kognak und Tokaier. Gegen
einen leichten Mosel hätte ich nichts einzuwenden. Aber diese schweren
Spirituosen sind nicht erlaubt. Entfernen Sie, was der Graf
übriggelassen hat. Der Herr Graf will ... sich ... zur Ruhe ...
begeben!«
Das sprach er mit einem auseinandergezogenen, befehlshaberischen Ton. Er
ging dann vor dem Diener aus dem Zimmer und verließ das Haus.
Eine halbe Stunde später durchschnitt sich der Graf Told den Hals. Er
wußte nicht, was er tat. Er hatte die Empfindung, als hindere etwas in
seinem Hals ihn an einem unerhörten Glück. Er wollte nur dieses lästige
Hindernis entfernen.
Um zwei Uhr kam ein Bote Mabuses, um sich nach dem Befinden des Grafen
zu erkundigen. Der Diener sagte, er schlafe. Aber er wollte lieber noch
einmal nachschauen. So fand er ihn blutbesudelt, vom Sessel auf den
Boden gerutscht, kalt schon und tot. Der Bote des Arztes kam ins Zimmer,
sah die Leiche und ging.
Der Diener wußte nicht, was er tun sollte. Er hatte die Meinung, da
keine Verwandten des Grafen in der Nähe waren und die Adresse der Gräfin
ihm unbekannt war, er müsse den Selbstmord zuerst der Polizei anzeigen.
Dann wußte er aber wiederum nicht recht, an welches Amt man solche
Meldungen zu geben hätte, und es fiel ihm ein, daß der Staatsanwalt von
Wenk ja ein Bekannter des Grafen gewesen sei und als letzter ihm
nachgefragt hatte. Er fuhr nach München, suchte den Staatsanwalt auf und
erzählte.
»Ist der Herr Graf denn immer zu Hause gewesen?« fragte Wenk.
»Ja, immer!«
»Weshalb sagten Sie mir denn damals, der Herr Graf sei ohne Adresse
verreist?«
»Der Arzt hatte mir befohlen, im Interesse des Zustandes des Herrn
Grafen niemanden zu ihm zu lassen und alle Anfrager mit dieser Antwort
abzuweisen. Der Herr Graf empfing niemanden als den Arzt.«
»Wie hieß der Arzt?«
»Sein Name wurde nie genannt. Ich weiß es nicht!«
Da erinnerte sich Wenk, daß der Geheimrat Wendel ihm doch den Brief an
den Dr. Mabuse gegeben hatte, und daß der Graf an seinem eigenen
Fernsprecher jenem telephoniert und mit ihm eine Zusammenkunft abgemacht
hatte.
Wenk zitterte, als er, von den Schauern eines unerhörten Verdachtes
gestreift, dem Diener das Bild des Dr. Mabuse, wie er es von dem
Vier-Jahreszeiten-Saal her in der Erinnerung hatte, vorzeichnete: ein
großer Mann, etwas vorgebeugt, glatt rasiert und geschoren, ein breites
Gesicht mit einer großen Nase und grauen großen Augen.
Wie der Diener sagte: »Ja, genau so sah er aus,« wurde Wenk aschfahl.
Mit einem Schlag sammelten sich auseinanderliegende Eindrücke ... nur
angeflogene Vorstellungen, halb angedachte Gedanken, Bilder, die sich
verschleiert, aber nicht verloren hatten ...
Weshalb hatte der Dr. Mabuse, als Wenk den Saal räumen ließ, nicht
gefragt, zu welchem Zweck das geschehe? Nicht gefragt, ob er nicht nach
der vollbrachten Durchsuchung die Experimente wieder aufnehmen könnte?
Weshalb hatte Wenk, der doch den bekannten Rücken hatte in den Saal
gehen sehen, ihn drinnen nicht wieder zurückgefunden? Weshalb hatten die
zwei Männer, die der Anordnung, davonzugehen, nicht folgen wollten, mit
dem Augenblick, wo Mabuse aus dem Saal trat, dem Beamten plötzlich
gehorcht? Weshalb hatte das Auge dieses Mabuse, so kurz er
hineingeschaut, so eindringlich in ihm nachgewirkt, als suche es etwas,
was verschollen oder nicht aufgefunden tief in seinem Innersten lag?
Er entließ den Diener.
Er suchte die Adresse des Dr. Mabuse im Telephonbuch nach. Sie stand
nicht darin. Aber Mabuse hatte ein Telephon; denn der Graf hatte ihn ja
von hier aus angerufen. Der Geheimrat Wendel wußte die Nummer.
Als jedoch Wenk, nachdem er sich bei Wendel erkundigt, die Nummer
anrief, meldete sich niemand. Er fragte auf dem Auskunftsamt des
Fernsprechers nach und hörte, die Nummer sei aufgehoben.
Wer denn die Nummer bis vor drei Wochen gehabt habe?
Das ließ sich so schnell nicht feststellen.
Wenk fragte nochmals Wendel an. Dr. Mabuse habe seine Rufnummer
geändert. Ob er seine Adresse kenne? Nein, die kannte Wendel nicht. Er
habe von Mabuse nur die Rufnummer gehabt und stets telephonisch mit ihm
verkehrt.
Auf dem Meldeamt der Polizei fragte Wenk nach der Adresse des Dr.
Mabuse.
Man fand diesen Namen nicht unter den in München angemeldeten Personen.
Auf dem Fahndungsamt ließ Wenk alle alten Telephonbücher nach dem Namen
Mabuse durchsuchen. Nirgends wurde dieser Name gefunden.
Da ging Wenk zum Direktor des Fernsprechamts, um die Nachforschungen
dort zu beschleunigen. Der Direktor führte ihn ins Auskunftsbureau. Dort
waren zwei Fräulein. Die bat er nachzusuchen, worum er schon
telephonisch gebeten hatte.
»Was wollten Sie wissen?« fragte die eine ältere der Damen.
Die Adresse des Dr. Mabuse, der vor drei Wochen unter einer Nummer, die
nicht im Telephonbuch stand, in München angeschlossen gewesen sei.
Das Mädchen sagte, es lasse sich nichts finden.
Mit diesem Bescheid ging Wenk zum Direktor zurück. Der Direktor sagte,
das sei ganz ausgeschlossen, und begleitete Wenk selber zu dem Bureau
mit den beiden Damen. Er schaute zusammen mit ihnen nach und fand
nichts.
Aber während der Direktor sich so vergeblich über die Listen beugte, kam
Wenk ein Einfall.
Als der Direktor ihm meldete, ein Dr. Mabuse sei im Laufe dieses Jahres
überhaupt nicht in München angeschlossen gewesen, bat Wenk, dann
nachzuschauen, unter welcher Nummer und Adresse ein Mann namens
Poldringer eingetragen sei. Da sah er, wie die ältere der Frauen
aufzuckte und sich gleich wieder beherrschte. Doch einen Augenblick
später sagte sie ihm grob, Poldringer gebe es viele in München, und ohne
Vornamen und genaue Adresse könne sie nichts sagen.
Wenk wandte sich an den Direktor: »Herr Direktor, es tut mir leid, Ihnen
die Unannehmlichkeit bereiten zu müssen: ich verhafte diese beiden
Damen!«
Er trat gleich zwischen die Frauen und die Weckapparate. »Bitte nehmen
Sie Platz auf diesen beiden Stühlen, bis die Beamten kommen. Sie hier,
Fräulein, Sie dort!«
Das eine der Mädchen wurde kreideweiß. Das andere errötete zuerst und
begann dann zu weinen.
Wenk sagte, mehr zu ihm gewandt: »Es ist nur eine Formalität. Sie werden
mir durch Ihr Benehmen ermöglichen, die Angelegenheit ohne Aufsehen sich
entwickeln zu lassen, und es ist wahrscheinlich, daß Sie nicht lange
ohne Aufklärung bleiben!« Dann rief er die Kriminalpolizei an und erbat
sich drei Beamte.
Der Direktor sah die Listen nach Poldringer durch. Unter diesem Namen
waren mehrere Eintragungen. Die meisten waren Geschäftsleute. Ein
anderer ohne nähere Bezeichnung wohnte Xenienstraße und ein zweiter ohne
Berufsangabe Ludwigstraße.
Die Mädchen wurden fortgeführt. Wenk ging zur Ludwigstraße. Er kam in
ein Mietshaus, sah sich die Umgebung und das innere Haus an und ging
weiter zur Xenienstraße.
Ihm blieb das Herz stehen, als er in der Xenienstraße an dem Haus,
dessen Nummer unter dem Namen Poldringer im Telephonamt angegeben worden
war, das Marmorschild sah:
Dr. _Mabuse_
_Psychopathologische Behandlung_.
Er eilte davon, den Kopf zwischen den Schultern. Er merkte sich nur
rasch die Nummern der gegenüberliegenden Häuser. Die Straße bestand nur
aus freistehenden Villen.
Das Blut trommelte in seine Augen. Das Herz blies Posaunen, in seinen
Ohren war Geschützbrausen. Er hatte den Verbrecher. Nein, er hatte ihn
noch nicht. Er kannte ihn nur!
Bevor er Weiteres tat, fuhr er zum Gefängnis. Denn die Frist, die die
Carozza erbeten hatte, war um, und was sie ihm nun mitteilen sollte,
konnte ihm die letzten Sicherungen auf das Glücken des Werks geben.
* * * * *
Am frühen Morgen dieses Tages, als der Wärter im Frauengefängnis die
erste Runde zu machen hatte, wurde die Tür zur Zelle der Carozza
geöffnet. Die Carozza schlief noch. Sie wurde geschüttelt, und als sie
rasch erwachte, sah sie den Wärter über sich gebeugt. Aber es war nicht
der Wärter, es war Spoerri. Doch nein, sie träumte. Sie war doch im
Gefängnis. Wie kam Spoerri an ihr Bett? Sie wollte die Erscheinung
wegwischen. Doch ihre Hand blieb am Gesicht hängen. Da erhob sie sich
entsetzt. Sie erwachte sofort ganz. Ja, es war Spoerri. Er sagte: »Du
weißt, ich stehe mit dem Wärter im Bund!«
Die Carozza nickte.
»Damit wirst du auch wissen, daß er mir gesagt hat, was gestern hier
zwischen dir und dem Staatsanwalt vor sich ging.«