In mir ist’s hohe Zeit.
Ahnt sie die Kämpfe, diese Begierden, die mich manchmal zerreissen, dass
ich sie nehmen möchte, wie ein wildes Tier, sie fortschleppen,
verschlingen ... Sie ist sehr ruhig, mit der Heiligkeit der Unschuld alle
bösen Begierden dämmend, dass ich sanft bin, folgsam. Nur den grossen
Jubel in mir, der mich hochträgt, wie ein Adler, dass ich sie in die Arme
nehmen und gegen die Sonne halten möchte.
Hochzeit! hohe Zeit!
Mein Heim steht geschmückt. Seit Wochen sind Tapezierer und Tischler
thätig. Die Mama hat Alles angeordnet. Um manches ist mir’s leid, das
Alte, Altgewohnte. – Ich werde ja auch ein neuer Mensch. Es ist recht,
dass Alles neu ist.
Die Hochzeit soll hier in Templin sein, ein Fest für alle meine Leute. Sie
üben schon dafür. Der Lehrer mit den Schulkindern. Ein Flüstern geht unter
den Arbeitern. Alle sehen mich freundlich an. Ach die Menschen sind doch
gut!
Es giebt ein vollkommenes Glück auf der Erde. Es giebt Engel. In vier
Wochen ist der Engel mein Weib.
Wie süss muss es sein, das Leben sich in ihr entwickeln zu sehn, die
strahlende Einfachheit des Naturgangs – Leben gebend vollendet sich ihr
Leben. – Was ist das Mädchen, das Weib gegen die Mutter? Ist nicht Mutter
der Inbegriff aller menschlichen Tugenden, Selbstlosigkeit, Güte,
Leidertragen ...
Mein Weib! Mein Mütterchen!
Wie eine kleine Königin wird sie empfangen werden. Ist es denn nicht auch
ein kleines Königreich, eine ganze Welt im Kleinen, ihre Welt, der sie
Vorbild und Vorsehung ist. „Hausvater und Hausmutter“, der alte, schöne,
deutsche Begriff. Hier kann er sich noch verwirklichen. Wir können es noch
sein.
So lange es das giebt, steht die Gesellschaft sicher, auf festen Füssen:
Reine Frauen, Männer, die ein Heim schaffen können, die an Reinheit
glauben.
So, das ist ein Hieb für Dich! Und nun eine liebe, schöne Bitte. Komm! Du
darfst nicht fehlen. Komm und sieh einen glücklichen, glückseligen
Menschen.
Hohe Zeit – Hochzeit!
Einmal sei auch Du froh. Sag: Ich sehe das Glück und ich glaube es.
Und wenn Du über den Schwärmer lachst, sieh Mathilde im Brautschmuck,
weiss unter der weissen Myrtenkrone – und wie Thomas: Geh’ und glaube.
Geh’ und schreib ein Buch des Glaubens und der Liebe.
Ich habe so viel davon in mir, dass auch auf Dich etwas übergehn müsste.
Ich fühle mich sieghaft, die grosse Lehre der Weltfreude zu verkünden –
und Mathilde heisst meine Madonna.
Noch ein kleiner, hübscher Zug von ihr, in unsrer Zeit der
Mitgiftjägerinnen, des höheren Kokottentums, wo Mütter schon ihre
halberwachsenen Töchter auf „die gute Partie“ dressieren.
Sie hatte den Katalog eines Wäschegeschäfts neulich. Es waren da Muster
von teuren Spitzen, die ihr gefielen.
Die Mama, verständig wie immer, riet lächelnd zu billigeren: „Das ist ja
für eine Prinzessin, Kleine, – und Du bist ein armes
Geheimratstöchterchen.“
Natürlich übernehme ich das Alles. Es bedurfte einer gewissen Überredung
bei der Mama. Sie geben mir so Unendliches. Sollen diese teuren Menschen
sich Gênen auferlegen, vielleicht rechnen und sorgen, während ich
schwelge!
Sie muss mich als Sohn für sie mit eintreten lassen. Ich bin jetzt einer
von der Familie. Worin besteht denn die Zusammengehörigkeit, das
Vertrauen, wenn ich nicht auch das Schwere mit ihnen tragen darf? Sind
diese Güter mein Verdienst? Brauche ich sie? Ich wäre glücklich unter
einem Strohdach.
Es ist um Mathildens willen, dass ich mich des Geldes freue. Auch das hat
sie mich erst fühlen gelehrt. Es vermehrt meine Macht, zu beglücken.
Verzeih, dass ich dies überhaupt erwähne. Wir haben auch darüber so oft
gestritten, über Geldwert und Geldanbetung in unsrer Zeit. Manche
Erscheinung des öffentlichen Lebens giebt Dir recht. Ich selbst habe
einige Fälle erlebt, die mich misstrauisch und traurig machen.
Man weiss ja leider, dass man ein reicher Mann ist.
Sie weiss davon nichts. Wenn man ihr die kleine Hand mit Geld füllt, wird
sie es ausstreuen, lächelnd, segnend, unbewusst. Sie soll von diesem
Wissen frei bleiben. Mag die ganze Welt jagen und rechnen, so ist sie das
stumme, ruhende Juwel am Herzen der Schöpfung. Wer da ist, um uns an das
Himmlische zu mahnen, das Unvergängliche im Dasein, der braucht den Wert
eines Hundertmarkscheines nicht zu kennen.
Die Blume ist in sich selbst genug. Die Poesie zu wahren. Das reine
Gefühl.
Wir sind nur wir, Mann und Weib. Um uns das Paradies.
Komm, Du armer, verirrter Adamssohn, ruhe im Schatten unsrer Palmen!