Freudig schiffte des Kaisers Macht im sausenden Wind hin;

Eilte den Balearen, im Flug, g'en Osten vorüber,

Und umkreisete bald im Süden Sardinia's Vorland:

Nahend der herrlichen Stadt Cagliari, mit Guasto's Geschwader

Sich zu der Heeresfahrt nach Afrika's Küsten zu einen.

Doch nun schwebte die Nacht mit weitverbreiteten Flügeln,

Leiseren Fluges, herab, und umhüllte des Meeres Gewässer.

Guasto's Macht trieb noch, auf der wogenden Wüste verschlagen,

Fern Cagliari's ersehnetem Port, in der dunkelen Nacht um:

Denn jetzt führt', unhemmbaren Flugs, ein brausender Nordwind

Ihn nach dem meereinengenden Thal hinunter, wo vormals

Stets, der Charybdis zugleich und der furchtbarn Scylla der Schiffer

Zitterte. Dort erscholl ihm jetzt urplötzlicher Aufruhr

Von dem Schooße des Aetna heran. Mit Entsetzlichem schwanger

Lag er, kreißend, in Weh'n. Er wüthete: stürzende Felsen

Schleudernd mit lautem Gekrach', Orkanengetümmel, und Gluthsturm,

Weit in den Tiefen umher, daß rings das Meer und der Erdkreis

Schwankte vor Angst, bis er jetzt aus- des Grauens Geburt warf.

Erst aus dem finsteren Schlund', in meilenmessendem Umfang,

Quoll Rauch auf: weithin am Himmel die Sterne verschlingend,

Und in dem wirbelnden Flug durchzuckt von bläulichen Blitzen;

Dann aufbrauste wie Staub, vom Winde gerafft an dem Kreuzweg,

Odemberaubender Schwefelqualm und Aschengestöbers

Dichtes Gewölk, und jetzt, in wüthender Eile geschleudert,

Rasselten glühende Stein' ihm nach; jetzt hob sich die Flamme

Himmelempor, und leuchtete fern' in die finstere Nacht hin.

Rings erglühte das Meer. So hoch die Flamm' an die Wolken

Loderte, sank ihr Bild so tief in's dunkle Gewässer

Nieder, und warf in die Unterwelt hellleuchtende Funken.

Aber den kreißenden Berg durchwühlten noch stärkere Wehen.

Unterirdischer Donner rollt', aufrauschten die Wogen --

Schlugen das schäumende Haupt im Kampfe zusammen; des Aetna

Scheitel erbebte: denn, o des grausenerweckenden Anblicks,

Jetzt ausspie sein Schlund die glühende Lava: sie wälzte

Breiter und flammender stets, die feurigen Wogen herunter;

Laut aufheulten die Lüft', und die Schöpfung schauderte ringsum!

Doch Del-Guasto's Heer flog dann im sausenden Sturmhauch

Eiliger fort auf dem Meer, Sardiniens Küsten entgegen.

Aber nicht war in des Berg's Abgründen allein der Empörung

Wildes Getümmel erwacht: auch hoch in den Lüften begann jetzt

Furchtbardräuender Kampf und seelenerschütternder Aufruhr:

Denn von des Aetna Fluren umher, unendlich verbreitet,

Hob der Flamme Gewalt auf rastlos fächelnden Schwingen

Schnell die Dünste der Erd' empor zu des Aethers Gefilden.

Wie, der stützenden Balken beraubt, ein Schacht in dem Erzberg

Plötzlich zusammenstürzt: da rollen zertrümmerte Felsen,

Rollet die Erde, der Wald in die Tief', und weit aus dem Abgrund

Fleugt Staub auf, und Getös' einsinkender Berge: so stürzte

In den verdünneten Raum, vom glühenden Süden herüber,

Dann sich die Meeresluft, und weckt' im Fluge des Sturmwinds

Kaum besänftigte Wuth an Afrika's Felsengestaden.

Dort auf des Atlas[34] Höh'n, des himmelanthürmenden Berges,

Lag Gewittergewölk', und sandt' in die finsteren Thäler

Röthliche Blitze herab. Nur leis' ummurrte der Donner

Noch in dem Schooß des Gährenden; doch von dem brausenden Sturmwind

Näher gejagt, aufflog's am funkelnden Himmel, und hüllte

Plötzlich des Kaisers Wogenpfad in schreckliches Dunkel.

Früh' erkannten die Schiffer, vom Bord die perlenden Fluthen

Schauend: es nahe der Sturm. Sie zogen die dichtesten Segel

Auf an den Mittelmast, und ordneten sorglich die Thau' all'.

Doch nun brauste der Wind fern her: dem thürmenden Wall gleich,

Hob sich vor ihm die Fluth, und rauscht' auf die gleitenden Schiffe

Nieder, und dann aufwogten sie rings unendlich und furchtbar.

Jetzo in Wolkenhöh'n auf dem Saum der heulenden Wogen

Schwebten die Schiff', und jetzt, in des Meer's Abgründe geschleudert,

Deckte sie dunkler Fluthen Nacht, wie verloren auf immer.

Ueber das hohe Verdeck hinüber, herüber ergoß sich,

Schäumend, der Wogen Meng', und netzte die flatternden Wimpel.

Muhameds Aug' erglänzte vor Lust, nach den gährenden Blitzen

Schauend im Donnergewölk, das über den Schiffen der Christen

Grau'nvoll hing. Er winkte, voll Hast, den grimmigen Geistern

Attila's -- winkte den Seinen zugleich: sie brausten im Eilflug

Näher, und, wie die Schar der schwarzbefiederten Raben,

Aufgeschreckt vom Knall todtschmetternder Büchse, vom Anger

Laut, mit Geschrei, sich erhebt, und immer in engeren Kreisen

Ueber des Schützen Haupt durchrauscht den sausenden Luftraum:

So durchstürmten auch hier die unzähligen Geister der Wolken

Gährenden Schooß, bis solcher in feindlicher Reibung entbrannt war.

Siehe, da zuckte der Blitz, und zerriß den finsteren Himmel

Schnell von Westen bis Osten hinauf! Dem rollenden Donner

Drönte die Welt umher, und Ströme des sausenden Regens

Peitschten, mit eh'rnem Geprassel, die Fluth. Fort krachte der Donner --

Krachte durch Sturmgeheul und Gebrüll der empörten Gewässer,

Endlos fort. Wie links und rechts die Schiffe sich beugten,

Hoben zum finstern Gewölk ringsher, entsetzlich zu schauen,

Flammende Wogengebirg' ihr Haupt: denn strahlender Blitzglanz,

Schwärze der Nacht, traf wechselnd das Aug' des erblindeten Volks hier!

Sieh', und allen umher auf dem Bord' erblaßten die Wangen

Jetzo vor Angst: sie harrten, verstummt, des nahen Verderbens;

Doch der edele Kaiser sah nach dem Grauen des Meersturms

In erhabener Ruhe hinaus: der hohen Verheißung

Tröstender Strahl erfüllte sein Herz, das niemals gebebt hat.

Bald entschwand im eilenden Flug das grause Gewitter.

Regen sauste nicht mehr; die Winde verstummten; der Donner

Wüthete nicht; nur fern' am Rande des wölbenden Himmels

Murrt' er dumpfer noch fort, wo flatternde Blitze zuweilen,

Kehrend, und fliehend zugleich, die dunkeln Gewässer erhellten.

Aber noch lange tobte das Meer, bis leise zu Hügeln

Schwanden die Wogengebirg', und die Hügel zu fluthenden Eb'nen.

Als die Sonn' ihr Strahlenhaupt aus den duftenden Wogen

Aufhob; ringsum das Meer, und über dem Meere der Himmel

Golden erschien: da rief vom Korbe des schwindligen Mastbaums

Laut der Späher herab: »Uns nahen des Feindes Geschwader.«

Sieh', und des Himmels Rand' entschwebten die feindlichen Segel,

Gleich dem Gewittergewölk' in glühender Stunde des Mittags!

Jetzt auf jeglichem Schiffsverdeck war Lärm und Gewimmel

Spähenden Volks. Es bebten vor heißem Verlangen die Krieger,

Bald in des Feindes Auge zu schau'n, und im Kampf der Entscheidung

Ihm zu vergelten die Schmach der verheereten Küsten der Heimath.

Aber vor allen sah Held Doria gierig vom Bord hin:

Prüfend des Fernrohrs Wundermacht, das selber der Künstler,

Janssen von Middelburg[35] zum Ehrengeschenke dem Kaiser

Both: er lohnt' ihm's reichlich mit Gold und ehrendem Beifall,

Schätzer alles Verdiensts, und Würdiger solcher Erfindung.

Attila brauste heran, und sah nach den wogenden Schiffen

Finster hinab; doch jetzt dem spähenden Doria nahend,

Drängt' ihn die Neugier mächtiger hin, voll Hast zu erforschen:

Was sich im schimmernden Rohr dem Helden für Wunder gestalten?

Als er gebückt, ihm gleich, das Auge dem Glase genähert,

Fuhr er betroffen zurück. Er bückte sich wieder, und forschte

Jetzo mit freiem und jetzt bewaffnetem Aug' auf dem Meer' um,

Schauend nach Al-Mansors Schiffsmacht, die weit in dem Anlauf

Deckte das Meer. Er lächelte sinnend, und wiegte das Haupt oft;

Doch nun hob er ergrimmter sich auf in den schimmernden Luftraum,

Wo der Scythen erlesene Schar sein harrte. Dem Geist war

Schnell das Geheimniß enthüllt: wie hier auf dem wölbenden Glasfeld

Sich des Entfernten Bild abspiegelte, dann in des Auges

Krystallfluth der Strahl, gebrochen, vom Glas' zu dem Glas' fort

Strömt': im helleren Wiederschein, der Seele zur Anschau.

Zorn entflammte sein Aug'. Er rief den Geistern ergrimmt so:

»Sey es der Nachwelt Ruhm: nur Trug zu ersinnen, und Arglist!

Was die Ferne verhüllt, bannt dieß erfindende Volk sich,

Herrschend in seine Gegenwart mit dem schimmernden Fernrohr.

Daß sein Donnergeschoß hinstreckt in der Ferne die Reihen

Tapferer, däucht ihm Gewinn. Es rühmt sich: die Höllenerfindung

Kürze den Krieg, und spricht von Schonung im blutigen Schlachtfeld.

Ha, nicht also kämpften wir einst: denn nah' in die Augen

Sah'n wir gerne dem Feind! Wohlan, nun laßt uns die Scharen

Al-Mansors empören zur Wuth und mordender Blutgier!«

Jene entfloh'n. Doch Doria sah die bläulichen Wogen

Schäumen am stürmenden Kiel wohl hundert feindlicher Schiffe,

Die von dem Bord Schlachtruf herdonnerten, trotzend auf Kühnheit

Kampferfahrenen Volks und auf Sieg', errungen im Raubzug.

Jetzt auf den Höhen des Meer's, unferne der Stadt Cagliari,

Hemmte der Kaiser die Schiff' im Lauf, die anstürmenden Gegner

Dort zu erwarten bereit. Ihm einte sich Guasto's Geschwader,

Jauchzend, und weit umher bedeckten die Schiffe die Meersfluth.

Auf den Zinnen der Stadt, auf den Warten der Berg' und der Hügel,

Harrt' unzähliges Volk; so harrten im schimmernden Luftraum,

Hingegossen auf zartes Gewölk (doch feindlich geschieden)

All' die Geister, voll Gier, der grauenerregenden Seeschlacht.

Aber nur Muhamed sah mit herzzernagendem Kummer

Al-Mansors verderblichen Trotz. Von Thränen umflossen

Glänzte sein Aug', und er rief den Seinen, ein heuchelnder Seher:

»Eben vernahm mein Ohr den Flug des nächtlichen Schicksals,

Dem, ach, ewig bestimmt, vorschwebt des sterblichen Menschen

Wohl und Weh' -- dem Al-Mansor mit seinem Geschwader

Nimmer entflieht! Nach Afrika fort, wo Hairaddin freudig

Unserer Stimme gehorcht: ihm wollen wir Rettung ersinnen!«

Brausend schwebt' er, mit seinem Gefolg', in der heulenden Luft hin;

Doch in den schimmernden Höh'n, des nahen Kampfes gewärtig,

Harrten die übrigen all', und sah'n auf die Fluthen hinunter.

Doria lenkte sein Schiff dem Borde der hohen Karthago

Näher, und rief dem erhabenen Herrscher mit leuchtendem Antlitz:

»Gönn' es, erlauchtester Herr, daß hundert feindlichen Segeln

Fünfzig der unsern entgegen sich reih'n; daß hier auf der Meerfluth

Doria kämpf', und siege, wie du auf dem eisernen Schlachtfeld!«

Aber da schwang aus der bläulichen Luft sich Hermann herunter.

Hell wie Sterne der Sommernacht ihm flammten die Augen,

Als er dem stattlichen Kaiser genaht, ermuthigend, ausrief:

»Wie, du wolltest, ein Held, nicht selber verlangen des Sieges

Lorbern? Lenke die Schlacht: so wird unsterblicher Ruhm dir!«

Also bestürmt' er das Herz des leis'aufhorchenden Kaisers,

Der, erschüttert im Geiste begann: »Wie hebt sich der Mißgunst

Schmachgebährender Streit in meinem bewegten Gemüth' auf?«

Schnell erkämpft' er den heiligen Sieg, der edlere Seelen

Krönt in dem Kampf g'en Trug und Bethörungen niedriger Selbstsucht,

Und sein schützender Engel sank in hoher Verklärung

Ihm an die Brust. Doch Hermann sah in dem Herzen des Edlen,

Staunend, den hehren Sieg: er sah die himmlische Klarheit

Leuchten um ihn, und floh betroffen zurück' in den Luftraum:

Denn nicht durft' er schau'n den Himmlischen. So nach des Sommers

Heiß entschwundenem Tag', seh'n wir den zuckenden Blitzstrahl

Flammen im Sternenzelt, und sprechen: der glühende Himmel

Kühle sich ab -- nicht hörend den fernverhallenden Donner:

Also entwich, von dem hehren Glanze geblendet, der Geist hier.

Aber der Kaiser sprach zu Doria lächelnden Blickes:

»Zwar ersehnte mein Herz, die Schrecken der stürmenden Seeschlacht

Hier zu besteh'n, und die Kraft zu versuchen in neuen Gefahren;

Aber nicht Sorg' um des Herrschers Haupt erschlaffe die Schwingen

Deines erhabenen Muths, und das siegerringende Schiffsheer

Reiche nicht ihm den Kranz, der dir umwinde die Scheitel.«

Sieh', und mit Thränen im Blick', entschiffte der treffliche Seeheld

Jetzt an dem Borde des doppelten Aars, deß Fittig' er liebend

Wählte, sich aufzuschwingen zum Glanz' unsterblichen Ruhmes.

D'rauf erlas er, behend', aus den schimmernden Reihen der Schiffe

Fünfzig, bemannt mit tapferem Volk, das oft auf dem Meer schon

Lorbern errang: die Schiffe der furchtbar'n Räuber besiegend.

Wie der mächtige Aar, ausbreitend die rauschenden Flügel,

Schnell hinfleugt in dem Wind, so flog die erlesene Schiffsmacht

Fort auf der schimmernden See: denn rechts entfaltete Ruyter

Fünfzehn flandrische Flaggen, und links, der kühne Moncada,

Mit Hispania's acht, Lusitania's sieben vereinend,

Fünfzehn. Doch zu Wälschlands Ruhm, dem feindlichen Andrang

Muthig entgegen zu steh'n in der Mitte des Heldengeschwaders,

Pflanzte Genua's Flagg', und zugleich, die Rom und Neapel

Einte der Heeresmacht, an zwanzig trefflichen Schiffen,

Doria auf. Jetzt allen umher verständliche Zeichen

Donnernd, erscholl vom Bord sein rüstunggebiethender Aufruf.

Wie Gewitterstoff von der kreisenden Scheibe des Glases,

Prasselnd, durch saugendes Messingrohr einströmt in der Flaschen

Dunkelen Schooß, und ein Mann, die leitende Kett' in der Linken,

Reichet dem Nachbar die Recht', und dieser dem Nachbar, und so trifft

Hunderte dann erschütternder Schlag urplötzlich, auf einmal,

Wenn der glimmende Funk' aufflammt am entladenden Kolben:

Also bewegte die Führer zugleich des Schlachtengebiethers

Donnerruf, und, nahe dem Maste die rühmliche Stelle

Wählend, geboth ihr Schrei dem Volke die Rüstung. Am Mastbaum

Kletterten Schiffer empor, und ordneten eilig die Segel,

Während die Krieger in Reih'n ihr Feuergewehr auf dem Schiffsbord

Luden. Sie gossen zuerst entflammendes Krot in des Zündlochs

Pfanne; schmetterten Krot und Lot, mit dem glänzenden Ladstock,

Fest in das Rohr, bis auf er hüpfte vom klemmenden Läppchen,

Und umspannten mit fröhlichem Schlag' es am kräftigen Kolben.

Auch in die furchtbar'n Donnerschlünd' eindrängte der Wurfschütz,

Dann mit dem Krote, die Wucht der eisernen Kugel; er bohrte

Kundig das Brandrohr ein, und facht' an der Lunte die Gluth an.

Aber mit tieferem Ernst' und erhöhtem Vertrau'n in den Augen,

Sah der Kaiser vom Bord dem schlachtanbiethenden Volk nach.

Jetzt aufrauschte das Meer: es nahten die Feinde. Wie Nebel,

Vom Herbstwinde gejagt, weithin verhüllen der Sonne

Liebliche Bahn: so flogen der Feind' unzählige Segel

Her auf der See. Doch Al-Mansor ergrimmte des Gegners

Minderzahl, und Wuth, und Hohn verzerrte sein Antlitz.

Doria's Stimme geboth vom Bord' in donnernden Lauten:

»Jegliches Schiff erwähle sich zwei der feindlichen -- trenne,

Muthig, des Gegners Macht,« und stürmte, der erste, zum Angriff.

Jetzt, wie zwei Sandhosen, gerafft vom Hauche des Aethers,

Schweben im Luftraum hin, durchblinkt von der trauernden Sonne,

Bis, von dem stürmenden Ost und West sie plötzlich vermenget,

Stürzen zur Erde zugleich, und dort mit Orkanengetümmel

Wüsten die Fluren umher, und die wimmelnden Städt' und die Dörfer

So, daß bald nur Entsetzen und Grau'n die Gefilde verhüllet;

Wie der feurige Blitz, im nächtlichen Donnergewitter,

Weitgesonderte Häuser der Stadt entzündet auf einmal:

Furchtbar hebt sich der Rauch; hoch lodert die prasselnde Flamme:

Denn unbändig herauf, unbändig hinunter, im Eilflug,

Wüthet das Feuer die Straß' entlang; stets näher und näher

Wälzt sich der Gluthenstrom entgegen dem kommenden Gluthstrom;

Bald -- schon sind sie vereint, und schlagen entsetzlich zusammen:

Also trafen sich hier die feindlichen Schiffe. Gehorchend

Doria's Ruf', erkor ein jeglicher Führer der Christen

Zwei der Gegner zum Kampf'. Und jetzt aus dem donnernden Schiffsraum

Flog durch Rauch und Flammen der Tod in die feindlichen Reihen --

Flog vom hohen Verdeck hinüber der schmetternden Büchsen

Tödliche Saat. Weit deckte der Rauch die Fluthen, und weithin

Hallte Geschrei der Gedrängten und Dränger im Donnergetümmel.

Leichen schwammen umher, von den Wogen geschaukelt, und trieben

Näher an's Land; zerrissene Segel flogen im Wind hin;

Berstende Mast' entstürzten dem Bord'; aufrauschte die Meersfluth,

Als sie die Maste verschlang, und schäumend wieder heraufstieß.

Sieh', Abdallah gelang's, der drüben, dem Feinde zur Linken,

Lenkte die Schlacht, das Schiff des kühnvordringenden Ruyters

Schnell zu umzingeln! Doch er harrt' auf dem Borde, der Gegner,

Glühenden Muth's, wie ein Leu, der fern' ein paar Elephanten,

Durch aufqualmenden Staub, mit furchtbar dräuenden Rüsseln

Kommen sieht, zu rächen die jüngst gemordeten Jungen;

Nicht erbebt ihm das Herz: genaht wuthfunkelnden Blickes,

Sträubt er die Mähnen, und haut um sich mit den schrecklichen Klauen:

Also bestand er die Menge. Da fiel, an der Stirne zerschmettert,

Neben ihm Otto, sein Freund und Waffengefährt'. In der Kindheit

Gold'nen Tagen vereinte sie schon des liebenden Herzens

Mächtiger Zug. Nun sah er ihn kaum. Ein schmerzlicher Ruf drang

Ihm aus der Brust; er drängte die Thräne zurücke; nur Eines

Galt dem Tapferen jetzt; des heiligen Kampfes Entscheidung.

Schnell, mit siegender Kraft, durchbrach er der feindlichen Schiffe

Ringsumzingelnden Kreis, und bohrte noch zween in den Abgrund,

Rechts und links abfeuernd das Donnergeschütz aus dem Schiffsraum.

Doch g'en Doria hielt, ausdauernden, schrecklichen Muths noch

Al-Mansor: denn Attilas herzblutdürstende Geister

Drängten sein Volk mit stets empörterem Grimm' in das Feuer

Mordender Schlünd' und Gewehre. Nicht rauschten die Wogen der See mehr,

Leichen- und trümmerbedeckt, und vom gährenden Blute gesättigt.

Und schon wankte der Sieg wie das Zünglein schwankt mit der Wagschal',

Gleichem Gewichte zum Spiel. Dreimal erhob sich der Kaiser,

Schauend die wankende Schlacht, den Seinen errettend zu nahen;

So oft bezwang er sich wieder, und sah, dem Helden vertrauend --

Ehrend sein tapferes Volk, in die grau'numnachtete Schlacht hin.

Doria's Wurfschütz traf, wohlzielend, den Sarg mit dem Zündstaub,

Der von der Wucht unzähliger Bomben und Kugeln umhäuft war.

Jetzt aufflammte die Welt. Ein Brand, entsetzlich und furchtbar,

Hob sich von Al-Mansors entzündetem Schiff' in den Luftraum.

Gleich dem feurigen Luftgebild, dem Völker erbeben,

Blutigen Krieg weissagend, und Pest, und schrecklichen Hunger,

Flog das berstende Schiff, und schwand in den höheren Räumen

Fern mit lautem Gezisch. Nur spät, nur langsam, und einzeln,

Sank zertrümmert' Gebälk, und sanken zerschmetterte Leichen,

Jetzo entfernt, jetzt nah' in die dumpfaufplätschernden Fluthen.

Stille herrschte umher: da schien des kreisenden Weltalls

Odem gehemmt, des Windes Fittig erschlafft, und des Meeres

Wogende Fluth erstarrt: da sah'n die Krieger am Schiffsbord

Starrend sich an, und lalleten unverständlichen Laut nur.

Doch nun hob sich die Wuth im Busen der feindlichen Führer;

Einer dem andern rief's mit schrecklicher Stimme: »Wir entern!«

Und, alsbald mit dem sausenden Seil fünfklauige Haken

Schleudernd, stürmten sie an, die Gegner in wilder Verzweiflung

Niederzuschmettern, und laut erhob sich des Kampfes Getümmel.

Schaudernd sah'n die Geister zuvor der wüthenden Seeschlacht

Grauen empört. Nun sprach zu Hannibal Regulus also:

»Dort in des Erdballs Nacht, wo wir Jahrhunderte schwinden

Sah'n, erfüllet von Gram, und von Banden gefesselt des Unmuth's,

Sagten umwandernde Geister uns oft von dem schrecklichen Zündstaub

Wunder, der, dem Blitz und dem furchtbarn Donner nicht ungleich,

Tod und Vernichtung sä'et, und traun, sie redeten Wahrheit;

Doch, wie schmählich ereilt den Helden der Tod in dem Kampf jetzt,

Wo er die Brust ihm wehrlos beut, und von ferne besiegt fällt!«

Siehe, da ließ sich Regulus schnell vor Doria nieder,

Ihn zu erregen gesinnt, und lispelt' ihm leis' in die Ohren:

»Trenne des Feindes Reih'n: so stritt der kühne Spartaner

Xanthippos in dem Kampf mit Regulus, nahe vor Tunis.

Ach, er fiel ihm besiegt: du erringst unsterblichen Ruhm dir!«

Doria griff an das Herz, das laut dem kühnen Entschlusse

Pocht', und heller flammte sein Aug', da er jetzo den Degen

Hoch in die Luft aufschwang, und die Führer durch wehende Flaggen

Schnell zum Sturmgang rief: denn all' aufmerkten den Zeichen

Mitten in grau'numhülleter Schlacht. Die siegenden Flügel

Wichen zurück', und plötzlich, zum spitzigen Keile gestaltet,

Brach nun Doria's Schiffsheersmacht des Feindes Geschwader,

Stürmend, entzwei, daß Mast' an Mast', und Segel an Segel

Schlugen im wilden Gekrach, und dumpf ertönte der Schiffsraum.

Aber, von Rach' entflammt, vordrang der kühne Moncada,

Jetzo zuerst: ihm tödteten jüngst algierische Räuber

Nächtlich am einsamen Ufer den Freund. Er traf im Gemeng dort

Wüthend auf Abdul selbst, der Sarno, den Helden, gefesselt

Barg im Raume des Schiffs, und rasch bestürmten sich alsbald

Beide vom Bord zum Bord', im Kampf der wilden Verzweiflung,

Daß ringsher der Lanzen Geklirr' erscholl, und die Leichen

Schwammen im Blut. Doch, glühend vor Zorn, erfaßte Moncada

Eines der Tau', und schwang sich behend' zum feindlichen Bord' auf,

Dort zu erringen den Sieg. Ihm folgten der kühneren Krieger

Sieben, jauchzenden Ruf's, zum schreckenvollen Gewürg nach.

Aber, geschmiegt an den Mastbaum, stand, und wehrte sich Abdul

Gegen die Sieben zugleich, und rannte den Speer in Moncada's

Heldenbrust, da er, kühn vordringend am schirmenden Mast', ihm

Blößte die Seit': er sank, und röchelte sterbend. Nicht länger

Freute sich jener der blutigen Rach': ihn erlegte der Tapfer'n

Heilige Schar, mit dem Volk, das kämpfend das Leben verschmähte.

Doch aus dem Raume des Schiff's drang nun die flehende Stimme

Sarno's den Kriegern an's Ohr: sie lösten die Bande dem Helden,

Zitternd in freudiger Hast. Er drückte den kühnen Gefährten

Schweigend die Hand, und erhob die thränenden Blicke zum Himmel.

Als er zum hohen Verdeck aufstieg, und in seliger Freiheit

Himmel, und Erd', und Meer, lautjauchzend, begrüßte: da blinkt' ihm

Aus dem blutigen Wust sein treffliches Schwert in die Augen,

Das ihm der Räuber entriß. Nicht der pflanzenkundige Wand'rer

Freut sich so sehr, da er oben in Wolkenhöhen der Alpen

Blühende Matten durchspäht, und dort die seltenste findet,

Als der Held sich erfreute, sein Schwert auf dem Boden gewahrend.

Eilig rafft' er es auf, und schwang es empor in den Luftraum,

Gegen den Feind urschnell die tödliche Waffe zu kehren.

Doch schon war errungen der Sieg, und des Feindes Geschwader

Strich die Segel vor Doria's Macht. Wie dort auf dem Thronstuhl

Sitzend im herrlichen Prunk, der neugekrönte Beherrscher

Ringsher schaut das versammelte Volk, und jetzo mit Ehrfurcht,

Mann für Mann, die Erwähleten nah'n, die Hand ihm zu küssen,

Huldigend: so in des Sieges Glanz' ihm huldigt' in Demuth,

Ueberwunden der Feind. Da jauchzten unzählige Menschen

Rings von den Zinnen der Stadt, von den Warten der Berg' und der Hügel

--

Jauchzten umher vom Gewölk die feindlichgetrenneten Geister.

Doch, der einst Karthago's Ruhm zu den Sternen erhöhte,

Hannibal, sah voll Zorn, wie Regulus erst dem Gebiether

Doria Hülfe erwies: da erwachten der düsteren Vorzeit

Trauergebilde in seinem Gemüth', und zürnend begann er:

»Wie, der Römer, und ich, vereint in dem Kampfe der Helden?

Nimmer gescheh's! Eh' soll das zitternde Lamm an der Wölfinn

Saugen -- der brausende Bach zurück zur Quelle sich heben,

Ehe der Pune dem Römer sich eint. Er nah' ihm als Feind nur!

Jetzt in Eile hinaus nach Karthago's Jammergefilden,

Daß mich erneut empöre der Rach' unendliches Drängen,

Die ich ihm schwur: ein Feind dem Freund', den er sich erkoren.«

Also rief er den Seinen, ergrimmt, und flog in den Lüften

Schnell g'en Süden hinab. Ihm folgten die stürmischen Geister.

»Lenkt,« rief Doria jetzt, »die Schiff' in den freundlichen Hafen,

Daß die Verwundeten all, und auch die gefangenen Gegner,

Sorglich gepflegt, der menschenehrenden Milde sich freuen.«

Rauschend wogten die Schiffe zum Strand. So manche des Siegers

Mißten den Mast und die Segel; so manche, durchbohrt von Geschossen,

Tauchte der Fluth einströmende Last. Viel tapfere Christen

Both, aufschäumend, das Meer als Beute den gierigen Fischen.

Tunisias Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3) · 第 4 / 20 段