Sie landeten und gingen hinauf auf die Balkone. Ein Feuerwerk entzündete
sich feierlich und getragen über dem See. In langen goldenen Schnüren
hingen die Strähnen zersprühter Kugeln hinab in das Wasser, über dem der
Mond noch rot sich brach.
Sie speisten auf Rinys Balkon.
Die Gardinen der Front bewegten sich alle in dem lauen Wind, der den Abend
köstlich trug. Es lag eine Ruhe des Gleichgewichtes in der Luft, daß es
weiter nichts bedurfte wie da zu sein und sich zu sehen, den Atem zu
spüren, nichts zu reden -- -- um glücklich zu sein.
Während sie speisten, hob Thengo mit einem raschen Schwung eine Kette
schönster orientalischer Perlen um ihren gerade geneigten Hals. Müde und
erregt küßte sie ihn zärtlich über den Tisch.
Dann stand sie auf, ihm Blumen im Garten zu schneiden. Er hob, als sie
aufstand, sein Gesicht fragend, gestört, daß sie die wortlose Ruhe breche.
Aber sie empfand so tiefe Zärtlichkeit, daß sie den Gegenstand suchte, sie
ihm darin darzugeben.
Sie hob geheimnisvoll die Hand.
Ihr Finger fuhr zum Mund, die Lippen zogen sich zusammen rätselvoll und
lächelnd. Sie sah sein Gesicht heiß werden, er nahm ihr die Hand herab und
drückte seinen Mund auf den Ballen.
Sie lachte winkend schon und entlief.
Sie wollte allein sein. Wie vieles und welche Höhe sie mit ihm durchlebt,
kam ihr, als sie in den Garten trat und beruhigter stand. Die weiche Luft
umhüllte sie, sie gab sich dankbar hin. Sie schnitt einen Strauß barbarisch
wilder Blumen. Ihr ganzer Arm lag voll davon und währenddem ging ihr Blut
in einer Klarheit, die allen Dingen sich verband, mit jeder Zelle faßte sie
jedes Ding der Welt.
Sie spürte die Güte, die von Thengos Wildheit ausging und in wunderbarer
Wage die Leidenschaft seines Atems mit ihrer Seele verband.
Das gab ihr Glück.
Aber in tiefster Liebe stehend, empfand sie die innere Sicherheit weit über
den Zustand des Glückes hinaus. Die tiefe innere Ruhe war aus der Kraft der
Entsagung in sie eingedrungen. Der Schmerz in der Liebe und die Trauer
hatten sich eingesogen in ihr Blut. Sie trug einen Besitz, der sie abschloß
und vereinte. Sie war gewappnet gegen jedes Schicksal.
Und damit brach sie zum ersten Male den Ring von Saint-Loux und die
mystische Kraft, mit der er ihr Leben umlagerte, mit dem sie zum ersten
Male schlief, und die seither ihren Weg bestimmte, dessen Lauf sie
zurückriß in das Abenteuer seiner Umarmung jedesmal. Sie lächelte. Sein
Bild schwand und verblaßte.
Aber in diesen Gefühlen der inneren Ruhe strömte Thengos Liebe auf sie zu.
Sie war ihr ein Sinnbild. Ihr Herz war weit und klar wie nie. Ihr mildes
Herz dachte nur an ihn, da es beruhigt war in sich selbst. Sie ging, fast
eine Erscheinung, körperlos und doch glühend, hingegeben und verzichtend,
großen Schwingungen der Erde im Pulsschlag hemmungslos vereinigt, durch die
Dämmerung der Beete, hob die Arme nach den Büschen, seinen Namen sagend,
bei jeder Blume, die sie für ihn schnitt.