Über diesen Brief war sich der Apotheker noch nicht im klaren, als er
in Zorn und Schmerz bereits die dritte Flasche Burgunder getrunken
hatte.
Das Sabinchen lag im Bettchen und flennte. Es waren so nette Leute
gewesen, der Cyrill und der Dachdecker. Und so schöne Musik hatten sie
gemacht. Eigentlich waren sie netter als der Provisor, den sie bloß
nahm, daß die Apotheke später nicht in fremde Hände kommen sollte.
Jetzt würden die beiden berühmte Künstler werden in der großen Stadt.
Und sie mußte in Altenroda versauern.
Sabinchen flennte.
Und über allem Flennen schlief sie ein, das herzige Köpfchen auf den
molligen Arm geschmiegt.
Ein kleiner Gott saß auf dem Bettende. Er lächelte ein wenig spöttisch
und wunderte sich gar nicht, als auch das Sabinchen im Schlaf plötzlich
mit dem Flennen aufhörte und zu lächeln begann. Der kleine Gott wußte:
jetzt träumt sie von dem schönen Brautkleide, das sie haben wird. Das
ist ihr die Hauptsache. Und das hat sich doch gut gemacht, daß die
keine Künstlerfrau geworden ist. Inzwischen trug der Schnellzug Cyrill
Dietrich und den Tenoristen August Stumpe fort aus dem Musikleben
Altenrodas ins Leben der großen Welt.