Mary. Stolzius.
Mary. Soll ich dir aufrichtig sagen, Stolzius, wenn der Desportes
das MÄdchen nicht heuratet, so heurate ich's. Ich bin zum
Rasendwerden verliebt in sie. Ich habe schon versucht, mir die
Gedanken zu zerstreuen, du weißt wohl, mit der DÜval, und denn
gefällt mir die Wirtschaft mit dem Grafen gar nicht, und daß die
Gräfin sie nun gar ins Haus genommen hat, aber alles das--verschlägt
doch nichts, ich kann mir die Narrheit nicht aus dem Kopf bringen.
Stolzius. Schreibt denn der Desportes gar nicht mehr?
Mary. Ei freilich schreibt er. Sein Vater hat ihn neulich wollen zu
einer Heurat zwingen, und ihn vierzehn Tage bei Wasser und Brot
eingesperrt--(Sich an den Kopf schlagend.) Und wenn ich noch so
denke, wie sie neulich im Mondschein mit mir spazierenging, und mir
ihre Not klagte, wie sie manchmal mitten in der Nacht aufspränge,
wenn ihr die schwermütigen Gedanken einkämen, und nach einem Messer
suchte.
Stolzius (zittert).
Mary. Ich fragte, ob sie mich auch liebte. Sie sagte, sie liebte
mich zärtlicher, als alle ihre Freunde und Verwandten, und drückte
meine Hand gegen ihre Brust.
Stolzius (wendet sein Gesicht gegen die Wand).
Mary. Und als ich sie um ein Schmätzchen bat, so sagte sie, wenn es
in ihrer Gewalt stünde, mich glücklich zu machen, so täte sie es
gewiß. So aber müßte ich erst die Erlaubnis vom Desportes haben.
--(Faßt Stolzius hastig an.) Kerl, der Teufel soll mich holen, wenn
ich sie nicht heurate, wenn der Desportes sie sitzenläßt.
Stolzius (sehr kalt). Sie soll doch recht gut mit der Gräfin sein.
Mary. Wenn ich nur wüßte, wie man sie zu sprechen bekommen kÖnnte.
Erkundige dich doch.