(Sie fangen an zu scheckern, sobald sie den Arm rückt, macht er Miene
zu schreiben, nach vielem Lachen gibt sie ihm mit der nassen Feder
eine große Schmarre übers Gesicht. Er läuft zum Spiegel, sich
abzuwischen, sie schreibt fort.)
Desportes. Ich belaure Sie doch. (Er kommt näher, sie droht ihm mit
der Feder, endlich steckt sie das Blatt in die Tasche, er will sie
daran verhindern, sie ringen zusammen, Marie kützelt ihn, er macht
ein erbärmliches Geschrei, bis er endlich halb atemlos auf den
Lehnstuhl fällt.)
Wesener (tritt herein). Na, was gibt's--die Leute von der Straße
werden bald hereinkommen.
Marie (erholt sich). Papa, denkt doch, was der grobe Flegel, der
Stolzius, mit für einen Brief schreibt, er nennt mich Ungetreue! denk
doch, als ob ich die Säue mit ihm gehütet hätte; aber ich will ihm
antworten darauf, daß er sich nicht vermuten soll, der Grobian.
Wesener. Zeig mir her den Brief--ei sieh doch die Jungfer
Zipfersaat--ich will ihn unten im Laden lesen.
(Ab.) (Jungfer Zipfersaat tritt herein.)
Marie (hier und da launigt herumknicksend). Jungfer Zipfersaat, hier
hab ich die Ehre, dir einen Baron zu präsentieren, der sterblich
verliebt in dich ist. Hier, Herr Baron, ist die Jungfer, von der wir
so viel gesprochen haben, und in die Sie sich neulich in der Komödie
so sterblich verschameriert haben.
Jungfer Zipfersaat (beschämt). Ich weiß nicht, wie du bist, Mariel.
Marie (einen tiefen Knicks). Jetzt können Sie Ihre Liebesdeklaration
machen. (Läuft ab, die Kammertür hinter sich zuschlagend. Jungfer
Zipfersaat ganz verlegen tritt ans Fenster. Desportes, der sie
verächtlich angesehen, paßt auf Marien, die von Zeit zu Zeit die
Kammertür ein wenig eröffnet. Endlich steckt sie den Kopf heraus:
höhnisch.) Na, seid ihr bald fertig? (Desportes sucht sich zwischen
die Tür einzuklemmen, Marie sticht ihn mit einer großen Stecknadel
fort, er schreit und läuft plötzlich heraus, um durch eine andere Tür
in jenes Zimmer zu kommen. Jungfer Zipfersaat geht ganz verdrüßlich
fort, derweil das Geschrei und Gejauchz im Nebenzimmer fortwährt.
Weseners alte Mutter kriecht durch die Stube, die Brille auf der Nase,
setzt sich in eine Ecke des Fensters, und strickt und singt, oder
krächzt vielmehr mit ihrer alten rauhen Stimme.)
Ein Mädele jung ein Würfel ist,
Wohl auf den Tisch gelegen:
Das kleine Rösel aus Hennegau
Wird bald zu Gottes Tisch gehen.
(Zählt die Maschen ab.)
Was lächelst so froh mein liebes Kind,Dein Kreuz wird dir'n schon
kommen.Wenn's heißt, das Rösel aus HennegauHab' nun einen Mann
genommen.
O Kindlein mein, wie tut's mir so weh,Wie dir dein Äugelein lachen,
Und wenn ich die tausend Tränelein seh,Die werden dein Bäckelein
waschen.
(Indessen dauert das Geschecker im Nebenzimmer fort. Die alte Frau
geht hinein, sie zu berufen.)