+Allein, den anderen explosiblen Körpern gegenüber müssen wir offenbar
dem Biogen die Eigentümlichkeit beilegen, daß im funktionellen
Stoffwechsel nicht das ganze Molekül beim Zerfall zugrunde geht,
sondern daß nur gewisse, durch die Umlagerung sich bildende, und
zwar stickstofffreie, Atomgruppen abgesprengt werden, während sich
der zurückbleibende stickstoffhaltige „Biogenrest“ auf Kosten der in
seiner Umgebung befindlichen Stoffe wieder zu einem vollständigen
Biogenmolekül regeneriert, ebenso wie sich bei der Fabrikation
der englischen Schwefelsäure[607] die aus der Salpetersäure durch
Abgabe von Sauerstoff entstandene Untersalpetersäure mit Hilfe des
Sauerstoffs der Luft immer wieder zu Salpetersäure regeneriert. Die
neben dem Biogen in der lebendigen Substanz noch vorhandenen Stoffe
sind nur die „Satelliten“ der Biogenmoleküle und dienen entweder zum
Aufbau oder stammen aus den Umsetzungen derselben. Ihre Vorbereitung
resp. Weiterverarbeitung geschieht zum großen Teil durch Enzyme.
Es sind bisher keine Stoffe in der lebendigen Substanz bekannt
geworden, die nicht zu der Geschichte des Biogens in irgendwelcher
näheren oder weiteren Beziehung ständen. Dagegen müssen wir aus
der Verschiedenheit der Zersetzungsprodukte, die von verschiedenen
Zellformen im Stoffwechsel der lebendigen Substanz ausgeschieden
werden, mit größter Wahrscheinlichkeit folgern, daß das Biogenmolekül
nicht in allen Zellen genau die gleiche chemische Zusammensetzung hat,
sondern daß es verschiedene Biogenkörper gibt, und daß sogar nicht
bloß die Biogene verschiedener Zellen, sondern auch verschiedener
Differenzierungen derselben Zelle, wie z. B. des Exoplasmas, der Myoide
oder kontraktilen Fäden, der Muskelfibrillen, der Wimpern etc., auch
verschiedene Konstitution haben werden, wenn sie auch im wesentlichen
Bau übereinstimmen. Die Biogene sind demnach die eigentlichen Träger
des Lebens. In dem fortwährenden Zerfall und Wiederaufbau derselben
besteht der Vorgang des Lebens, dessen Ausdruck die mannigfachen
Lebensäußerungen sind.+