Die Erfahrungen über die einzelnen Momente des Stoffwechsels der
lebendigen Substanz sind, wie uns unsere frühere Behandlung dieses
Gegenstandes[590] gezeigt hat, bisher leider noch sehr lückenhaft. Es
liegt daher in der Natur der Sache, daß wir von einer vollständigen
Erforschung des Mechanismus der Lebensäußerungen noch weit entfernt
sind, und daß wir uns diesem Ziele in der Physiologie nur langsam
nähern können. +Ein wesentlicher Fortschritt in dieser Richtung ist
aber nur von dem eingehenden Studium der Vorgänge in der Zelle zu
erwarten, denn die Zelle ist der Ort, wo der Lebensvorgang selbst
seinen Sitz hat, und wo wir bereits die sämtlichen Lebensäußerungen
in ihrer einfachsten Form vorfinden.+ Nur in dem Maße, wie sich die
Organphysiologie mehr und mehr in zellularphysiologischem Sinne
vertieft, können wir daher hoffen, der Erkenntnis des +feineren+
Lebensmechanismus wesentlich näher zu rücken. In dieser Richtung sind
aber bisher nur die ersten Schritte getan.
Versuchen wir es also dennoch, uns auf Grund der bisherigen
Erfahrungen, soweit es möglich ist, ein Bild von dem Lebensvorgang
in der lebendigen Substanz zu machen, so kann es begreiflicherweise
nur eine Skizze sein, in der die allgemeinsten Momente in groben
Zügen angedeutet sind, eine Skizze, die aber für eine planmäßige
Weiterforschung unabweisbares Bedürfnis und notwendige Grundlage ist.
A. Der Stoffwechsel des Biogens.