2. Die Frage nach der körperlichen Unsterblichkeit.

Betrachten wir den natürlichen Tod von dem eben gewonnenen Standpunkte,

so drängt sich uns immer mehr eine Frage auf, die vor einigen

Jahrzehnten von naturwissenschaftlicher Seite lebhaft erörtert worden

ist, das ist die Frage, +ob es nicht Organismen gibt, für die der Tod

keine Notwendigkeit ist+.

Es läßt sich nämlich offenbar ein Organismus denken, dessen Entwicklung

eine derartige ist, daß niemals eine Störung sich herausbildet, die

das Zusammenwirken der einzelnen Teile unmöglich machte. Das wäre

z. B. der Fall, wenn die Veränderungen, die während der Entwicklung

des betreffenden Organismus ununterbrochen auftreten, eine Reihe von

periodisch wiederkehrenden Gliedern bildeten. Eine solche Entwicklung

könnte man sich bildlich etwa in Form der Auflösung eines unendlichen

Bruches vorstellen, der, in einen Dezimalbruch verwandelt, eine

periodische Reihe gäbe, während sich die Entwicklung eines dem Tode

geweihten Organismus der Auflösung eines endlichen Bruches vergleichen

ließe. Ein solcher hypothetischer Organismus müßte theoretisch unter

stets genau gleichbleibenden +äußeren+ Bedingungen unsterblich sein. Es

fragt sich aber, ob solche Organismen in Wirklichkeit existieren.

~Weismann~ glaubt diese Frage bejahen zu müssen, und es ist

interessant, seiner Erörterung zu folgen. ~Weismann~[341] findet einen

fundamentalen Unterschied zwischen den vielzelligen Organismen und

den einzelligen Protisten. Ausgehend von dem Gedanken, daß man von

Tod nur da sprechen könne, wo nachher eine Leiche ist, betrachtet er

die sämtlichen vielzelligen Organismen als sterblich, die einzelligen

dagegen als unsterblich. Bei den vielzelligen Organismen ist kein Fall

bekannt, in dem der Körper nicht früher oder später zugrunde geht,

also stirbt. Bei den einzelligen dagegen ist das nicht der Fall. Ein

einzelliges Infusorium z. B. liefert, wenn es nicht das Opfer einer

äußeren Katastrophe wird, niemals eine Leiche. Es wächst und teilt

sich, wenn es eine bestimmte Größe erreicht hat, in zwei Hälften, aber

jede von beiden Hälften wächst wieder ebenso und teilt sich später

gleichfalls usf., und ~Weismann~ ist der Ansicht, daß das unendlich

oft sich wiederholt. Da aber beide Teilhälften vollständig gleich

sind, und da die Art nur durch fortgesetzte Teilung erhalten werden

kann, so findet man nie eine Leiche, und nie stirbt eine Teilhälfte

ohne Einwirkung äußerer Faktoren. Demnach sind die einzelligen

Organismen nach ~Weismann~s Vorstellung „unsterblich“. ~Weismann~

bestreitet daher, daß der Tod eine im Wesen aller lebendigen Substanz

begründete Notwendigkeit sei, und glaubt nicht, daß er „auf rein

inneren, in der Natur des Lebens selbst liegenden Ursachen“ beruhe.

Er hält vielmehr den Tod für eine +Anpassung+, die erst im Laufe der

Organismenentwicklung auf der Erde als zweckmäßig sich herausgebildet

habe, und stellt sich seine Entstehung in der Organismenreihe etwa

folgendermaßen vor. Bei den einzelligen Protisten haben wir alle

Funktionen des Körpers und auch die Funktion der Fortpflanzung noch in

einer einzigen Zelle. Wäre der natürliche Tod daher eine Notwendigkeit

für den einzelligen Organismus, so wäre die Fortpflanzung mit seinem

Tode zu Ende, und da bei der Gleichheit der Teilhälften für alle das

gleiche gilt, würde die betreffende Organismenform nach kurzer Zeit

ausgestorben sein. Der Tod ist also bei den Einzelligen deshalb nicht

möglich, so stellt sich ~Weismann~ vor, weil die Art sonst aussterben

würde. Bei den vielzelligen Organismen dagegen bildet sich, je höher

wir in der Organismenreihe hinaufgehen, um so mehr ein Gegensatz heraus

zwischen den Geschlechtszellen, die nur der Fortpflanzung, also der

Erhaltung der Art, dienen, und den Zellen des übrigen Körpers, die bei

den höheren Tieren die Fähigkeit, die Art fortzupflanzen, vollständig

verloren haben. Hier ist also die Möglichkeit des Todes gegeben,

ohne daß die Erhaltung der Art darunter leidet; denn wenn nur +eine+

Fortpflanzungszelle wirklich zur Fortpflanzung gelangt, wenn nur

+ein+ Ei sich entwickelt, dann kann der ganze übrige Körper zugrunde

gehen, ohne daß die Art ausstirbt. Da nun, wie ~Weismann~ sagt, „eine

unbegrenzte Dauer des Individuums ein ganz unzweckmäßiger Luxus

wäre“, so hat sich nach den bekannten Prinzipien der Selektion die

Unsterblichkeit als unzweckmäßig verloren und der Tod entwickelt. „+Bei

einzelligen Tieren war es nicht möglich, den normalen Tod einzurichten,

weil Individuum und Fortpflanzungszelle noch ein und dasselbe

waren, bei den vielzelligen Organismen trennten sich somatische und

Propagationszellen, der Tod wurde möglich, und wir sehen, daß er auch

eingerichtet wurde.+“

Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Ausführungen ~Weismann~s sehr

plausibel klingen, aber doch sind sie nicht frei von Angriffspunkten

und haben bereits mehrfach lebhaften Widerspruch hervorgerufen.

Vor allem ist immer die Berechtigung bestritten worden, die einzelligen

Organismen nur deshalb für unsterblich zu erklären, weil ihr Körper

niemals in ihrem Leben eine Leiche wird. Man hat bei der Fixierung

des Todesbegriffs den Ton mehr auf das Aufhören des +individuellen+

Lebens gelegt und hat gesagt: wenn der einzellige Organismus sich

in zwei Hälften teilt, dann ist damit seine individuelle Existenz

beendigt; wo aber die individuelle Existenz aufhört, da kann von

einer Unsterblichkeit nicht die Rede sein, da ist in Wirklichkeit das

Individuum gestorben; Tod und Fortpflanzung fallen hier nur zusammen.

Es liegt aber auf der Hand, daß es sich bei dieser Polemik nur um einen

Begriffsstreit handelt, der die Tatsachen selbst unberührt läßt; denn

es ist schließlich Geschmackssache, ob man das wesentliche Moment des

Todes in dem Entstehen einer Leiche oder allgemeiner in dem Ende der

individuellen Existenz erblicken will.

Dagegen läßt sich die fundamentale Unterscheidung, die ~Weismann~

bezüglich der Unsterblichkeit zwischen einzelligen und vielzelligen

Organismen macht, von einer anderen Seite aus anfechten. Die Theorie

~Weismann~s von der Unsterblichkeit der einzelligen Organismen beruht,

wie wir sahen, auf der Voraussetzung, daß die Fortpflanzung der

Einzelligen durch Teilung ins Unendliche vor sich gehen könne, ohne daß

jemals ein Rest, eine Leiche übrig bliebe. Allein, es fragt sich, ob

diese Voraussetzung richtig ist.

~Maupas~[342] hat vor einigen Jahren an Infusorien eine Reihe

ausgezeichneter Untersuchungen ausgeführt, aus denen hervorgeht,

daß das für die Infusorien nicht der Fall ist. Er züchtete nämlich

Infusorienkulturen viele Generationen hindurch und fand, daß nach

einer großen Anzahl hintereinanderfolgender Teilungen die Infusorien

allmählich Veränderungen zeigten, die unfehlbar zum Tode führten, wenn

nicht nach einer längeren Periode von Teilungen, die oft Hunderte

von Generationen lieferten, den Infusorien Gelegenheit gegeben war,

miteinander in Verbindung zu treten, d. h. jene Wechselbeziehung

einzugehen, die bei den Einzelligen dem Befruchtungsprozeß der

höheren Tiere entspricht[343]. Nur wenn einer Reihe von Teilungen

eine Konjugationsperiode folgte, waren die aus der Konjugation sich

trennenden Individuen wieder in der Lage, sich unverändert weiter

zu teilen, ohne allmählich dem Tode zu verfallen. Wenn die aus der

Teilung hervorgehenden Individuen aber nach jeder Teilung immer

wieder isoliert werden, so gehen sie nach einiger Zeit unrettbar

zugrunde. Hier haben wir also ein wirkliches Altern, das der

„senilen Atrophie“ der Gewebezellen beim Menschen und den höheren

Tieren vollkommen entspricht, und ~Maupas~ selbst sieht sich daher

veranlaßt, die Unsterblichkeitslehre ~Weismann~s zu verwerfen. Aber

an diesem Punkte ergreift ~Gruber~[344] für ~Weismann~ das Wort, um

die Unsterblichkeitslehre zu retten, und sagt: „Diejenigen Individuen,

welche durch Zufall nicht zur Konjugation gelangen, gehen allerdings

zugrunde, die Materie der anderen aber lebt in der Tat ewig fort.“ Da

nun die Konjugation in der Natur meistens vorkommt -- denn sonst wären

schon längst alle Infusorien ausgestorben --, so, meint ~Gruber~,

sind die Infusorien wirklich unsterblich. Indessen wenn wir auch die

Berechtigung dieses Arguments anerkennen wollten, so würde doch noch

eine andere Tatsache zu beachten sein. ~R. Hertwig~[345] nämlich, der

die Vorgänge bei der Konjugation sehr genau studiert hat, stellte fest,

daß ein Teil jeder Zelle dabei zugrunde geht, nämlich der Hauptkern und

ein Teil der aus fortgesetzter Teilung der Nebenkerne hervorgegangenen

Tochterkerne. Diese Zellbestandteile zerfallen in kleine Trümmer, die

schließlich vollständig vom Protoplasma aufgelöst werden[346]. Hier

haben wir also wirklich sterbende Teile des Individuums. Daß das aus

ihrem Zerfall stammende Material schließlich wieder von der Zelle

verbraucht wird, wie die aufgenommene Nahrung, schafft die Tatsache

nicht aus der Welt, daß diese Teile wirklich sterben. Die bei der

Histolyse des Kaulquappenschwanzes zerfallenden Zellen, deren Tod

niemand bestreiten wird, werden ja ebenso wieder als Material zum

Aufbau anderer Organe verwertet. Haben wir aber bei der Konjugation

der Infusorien wirklich sterbende Teile, wirkliche Leichenteile, so

fällt der fundamentale Gegensatz zwischen einzelligen und vielzelligen

Organismen, den ~Weismann~ aufstellt, fort, und der ganze Unterschied

liegt nur in dem quantitativen Verhältnis zwischen überlebender

und sterbender Substanz, denn auch bei den vielzelligen Organismen

sterben nur die Körperzellen, während die Fortpflanzungszellen am

Leben bleiben können. Ja, es wäre durchaus nicht einmal allgemein

richtig, wenn man sagen wollte, daß bei den vielzelligen Organismen

eine ungeheuer große Masse, nämlich der ganze Körper, stirbt, und

nur winzige Mengen, nämlich Eier oder Spermatozoen, am Leben bleiben,

während bei den Infusorien der größere Teil am Leben bleibt und der

kleinere Teil stirbt. Fassen wir nicht bloß den Menschen ins Auge, so

haben wir Beispiele unter den Tieren, in denen das Verhältnis gar nicht

von demjenigen bei den Infusorien abweicht. Ja, ein Froschweibchen

z. B. produziert im Laufe seines Lebens eine Masse von Eiern, die im

Verhältnis zu seinem Körper sogar bedeutend größer ist als die Masse

von Zellsubstanz, die im Infusorienkörper bei der Konjugation am Leben

bleibt, gegenüber derjenigen, die zugrunde geht. Ist daher der Frosch

und überhaupt der vielzellige Organismus sterblich, so sind es die

einzelligen Infusorien auch; +in beiden Fällen ist es nur ein Teil der

lebendigen Substanz des Individuums, der auf die Nachkommen übertragen

wird+.

Aber nicht nur im Leben der Infusorien, sondern auch anderer

einzelliger Organismen gibt es periodisch wiederkehrende Vorgänge,

bei denen Teile ihres Körpers zugrunde gehen. Eine große Anzahl von

Protisten pflanzt sich z. B. durch Sporenbildung fort. Verfolgen wir

bei einem größeren Radiolar, etwa +Thalassicolla+, diesen Vorgang,

der durch ~R. Hertwig~ und ~Brandt~ genauer bekannt geworden ist,

so finden wir, daß der Kern in der Zentralkapsel in lauter kleine

Kernchen zerfällt, die sich mit einer Protoplasmamasse umgeben und zu

vielen kleinen Schwärmsporen entwickeln, während der ganze mächtige

extrakapsuläre Protoplasmakörper und auch ein Teil des intrakapsulären

Protoplasmas, das nicht bei der Sporenbildung verbraucht wird,

vollkommen zugrunde geht. Hier haben wir ebenfalls wieder, und

vielleicht noch augenfälliger als bei den Infusorien, wirkliche

Leichenteile. Wir sehen also: für die große Mehrzahl aller einzelligen

Organismen, für alle, deren Entwicklungsgang bisher am eingehendsten

studiert worden ist, stimmt die ~Weismann~sche Auffassung nicht.

Schließlich wäre die Möglichkeit nicht abzuweisen, daß es Protisten

gäbe oder im Laufe der Stammesentwicklung der lebendigen Substanz

einmal gegeben habe, deren Entwicklungskreis so einfach wäre, daß ihre

lebendige Substanz ohne Konjugation und ohne Sporenbildung immer nur

wüchse und, wenn sie ein bestimmtes Volumen erreicht hätte, sich +ohne

Rest+ teilte, um wieder zu wachsen und sich wieder zu teilen, so lange

es die äußeren Verhältnisse gestatten. Solche Protisten wären nach der

~Weismann~schen Auffassung wirklich unsterbliche Wesen, aber gerade

an diesem Punkte zeigt sich vielleicht am deutlichsten die schwache

Stelle der Unsterblichkeitslehre. Stellen wir uns nämlich auf den

~Weismann~schen Standpunkt, daß nicht das Aufhören der Existenz des

Individuums, sondern die Umwandlung von lebendiger Substanz in eine

Leiche, d. h. in leblose Substanz, maßgebend ist für den Begriff des

Todes, dann fällt die Frage nach der Existenz unsterblicher Organismen

mit der Frage nach der Unsterblichkeit der lebendigen Substanz

überhaupt zusammen. +Die lebendige Substanz+ aber für unsterblich

zu erklären, wird sich kaum jemand entschließen können, der die

charakteristischste Eigentümlichkeit der lebendigen Substanz im Auge

behält, die Eigentümlichkeit des Stoffwechsels, d. h. die Tatsache,

daß sie fortwährend zerfällt, sich in tote Substanz verwandelt, also

stirbt. Es gibt keine lebendige Substanz, die nicht, solange sie

überhaupt lebt, fortwährend in einzelnen Teilen zerfällt, während

sie sich in anderen neu bildet. Kein Molekül der lebendigen Substanz

aber bleibt von diesem Zerfall verschont, nur ergreift der Zerfall

nicht alle Moleküle gleichzeitig, sondern während das eine zerfällt,

entsteht ein anderes usf. Auf diese Weise stirbt die lebendige Substanz

fortwährend, ohne daß das Leben selbst jemals erlischt. Es ist also

keine +Unsterblichkeit+ der lebendigen Substanz selbst, sondern nur

eine +Kontinuität+ in ihrer Deszendenz vorhanden. Nur das +Leben+

als Vorgang hat seit seiner ersten Entstehung auf der Erde bis jetzt

keine Unterbrechung erfahren, die +lebendige Substanz+ dagegen stirbt

fortwährend. Allein nicht einmal das Leben als Vorgang besitzt eine

wahre Unsterblichkeit, ebensowenig wie es von Ewigkeit her besteht.

Wie wir wissen, daß unser Erdkörper in seiner Entwicklung eine Zeit

durchgemacht hat, in der noch kein Leben bestehen konnte, ebenso wissen

wir, daß er auch wieder eine Zeit durchmachen wird, in der alles

Leben erlöschen muß. Der Mond zeigt uns das Schicksal, das der Erde

bevorsteht, schon jetzt. Als flüssiger Tropfen, der von der großen

glühenden Erdmasse einst abgeschleudert worden ist, hat er in kürzerer

Zeit im wesentlichen dieselbe Entwicklung durchgemacht wie die Erde,

die ihm seine Entstehung gab. Die eisige Erstarrung, die jetzt den Mond

beherrscht, wird auch die Erde einst ergreifen und alles Leben auf ihr

vernichten. +Nicht ein bestimmtes System, wie die lebendige Substanz,

nicht ein bestimmter Bewegungskomplex, wie das Leben, ist unsterblich,

unsterblich und ewig ist nur die Gesamtheit der Welt und das Geschehen

in ihr.+

* *

*

~Heraklit~ hat das Leben mit dem Feuer in Beziehung gebracht. In der

Tat haben wir schon mehrfach Gelegenheit gehabt, den +Vergleich+ des

Lebens mit dem Feuer als einen sehr glücklichen kennen zu lernen.

Die Betrachtung der Lebensbedingungen bestärkt uns darin. Sie hat

uns gezeigt, daß das Leben wie das Feuer ein +Naturvorgang+ ist, der

eintritt, sobald der Bedingungskomplex für ihn erfüllt ist. Sind

die Bedingungen für den Vorgang des Lebens sämtlich verwirklicht,

dann +muß+ Leben entstehen mit derselben Notwendigkeit, wie Feuer

entsteht, wenn die Bedingungen dafür gegeben sind. Ebenso +muß+ das

Leben aufhören, sobald der Komplex der Lebensbedingungen eine Störung

erfahren hat, und zwar mit derselben Notwendigkeit, wie das Feuer

erlischt, wenn die Bedingungen für seine Unterhaltung aufhören.

Stellen wir uns daher vor, daß wir alle Lebensbedingungen bis in ihre

kleinsten Einzelheiten erforscht hätten, und daß es uns gelänge, diesen

Komplex von Bedingungen genau künstlich herzustellen, dann würden wir

Leben synthetisch erzeugen können, wie wir Feuer erzeugen, und das

Ideal, das den mittelalterlichen Alchymisten in der Erzeugung des

Homunculus vorschwebte, wäre wirklich erreicht.

Allein so wenig diese theoretische Möglichkeit zu bestreiten ist, so

verkehrt muß jeder Versuch sein, schon jetzt Leben künstlich erzeugen

und den Akt der Urzeugung, der in so tiefes Dunkel gehüllt ist, im

Laboratorium nachahmen zu wollen. Solange unsere Kenntnis, besonders

der +inneren+ Lebensbedingungen, d. h. der Zusammensetzung der

lebendigen Substanz, so verschwindend gering ist wie jetzt, so lange

gleicht der Versuch, lebendige Substanz künstlich zusammenzusetzen, dem

Unternehmen eines Ingenieurs, eine Maschine zusammenzusetzen, deren

wichtigste Teile ihm fehlen. Die Aufgabe der Physiologie kann vorläufig

nur in der +Erforschung des Lebens+ bestehen. Erst wenn die Physiologie

dieses Ziel wirklich einmal erreicht haben sollte, dann könnte sie

daran denken, mit der künstlichen Herstellung von Leben die Probe

darauf zu machen, ob die Lösung ihrer Aufgabe vollendet und richtig war.

Fünftes Kapitel.

Von den Reizen und ihren Wirkungen.

Allgemeine Physiologie · 第 194 / 283 题