Bei der +totalen Teilung+ wird das Protoplasma der Tochterzellen
durch eine Scheidewand vollständig voneinander geschieden, so daß
immer vollkommene Zellen aus der Teilung hervorgehen. Aber auch dabei
machen sich noch gewisse Unterschiede bemerkbar. In einem Falle, bei
der äqualen Teilung, sind die Tochterzellen einander völlig gleich,
wie in dem oben geschilderten Typus (Fig. 84). Im anderen Fall, bei
der inäqualen Teilung (Fig. 86), sind die beiden Tochterzellen sowohl
ungleich groß als auch nach ihrem Inhalt verschieden, insofern die
größere Tochterzelle die Hauptmasse des passiven Dotters enthält,
während die kleinere vorwiegend aus aktivem Protoplasma besteht.
Dadurch sind bereits Unterschiede gegeben, die für die weiteren
Teilungen ins Gewicht fallen, so daß die Verschiedenheiten immer größer
werden. Im dritten Fall, bei der Knospung schließlich, löst sich
bei der Teilung nur ein ganz kleines Klümpchen von der Eizelle los,
wie das vor allem bei der Bildung der sogenannten „Polzellen“ oder
„Richtungskörperchen“ während der Reifung des Eies stattfindet, wo
dieser Prozeß zweimal hintereinander erfolgt (Fig. 87).
[Illustration: Fig. 87. +Bildung der Polzellen bei einem Seestern.+
_sp_ Kernspindel, _rk_¹ erstes Richtungskörperchen, _rk_² zweites
Richtungskörperchen, _ek_ Eikern.]
Bei der +partiellen Teilung+ schnürt die Teilungsfurche, welche die
beiden Tochterhälften scheidet, nicht die ganze Zelle durch, sondern
nur einen Teil, so daß die Tochterhälften auch bei den folgenden
Teilungen noch durch eine gemeinschaftliche Protoplasmamasse an
ihrer unteren Seite verbunden bleiben (Fig. 88). Diese Form wird als
„discoidale Eifurchung“ bezeichnet.
[Illustration: Fig. 88. +Discoidale Furchung des Cephalopoden-Eies.+
Nach ~Watase~.]
[Illustration: Fig. 89. +Superficielle Furchung eines Insekteneies+ in
drei aufeinanderfolgenden Stadien. Nach ~Bobretzky~.]
Bei der +Vielzellbildung+ tritt zunächst überhaupt keine Teilung
des Protoplasmas ein, sondern nur die Kerne vermehren sich in der
Eizelle, wandern aber später an die Oberfläche und umgeben sich dann
hier je mit einer gesonderten Protoplasmahülle, so daß nun eine
indifferente Dottermasse an ihrer ganzen Oberfläche, umgeben von einer
einschichtigen Lage gesonderter Zellen, entsteht (Fig. 89 und 90), ein
Vorgang, der als „superficielle Eifurchung“ bezeichnet worden ist.
[Illustration: Fig. 90. +Vielzellbildung bei der Furchung eines
Insekteneies+ in zwei aufeinanderfolgenden Stadien. Nach ~Balbiani~.]
Als eine besondere Art der Vielzellbildung können wir die
„+Sporenbildung+“ auffassen, die besonders im Protistenreich verbreitet
ist. Das Charakteristische dieser Form der Zellvermehrung liegt darin,
daß der Kern in eine sehr große Zahl winziger Körnchen zerfällt.
Jeder dieser kleinen Kerne umgibt sich mit einer gewissen Menge von
Protoplasma, so daß winzige Zellterritorien entstehen, die als Amöben
oder Geißelzellen frei werden, während der übrige Protoplasma-
oder Restkörper zugrunde geht. Die frei gewordene „Schwärmspore“
repräsentiert eine sehr kleine Zelle mit einem Kern und entwickelt sich
langsam wieder zu der Form der Protistenzelle, von der sie abstammt.
Bei der +Reduktionsteilung+ endlich, wie ~Weismann~ gewisse Vorgänge
bezeichnet hat, die zur Bildung der Eizellen und Spermazellen im
Eierstock und im Hoden führen, zeigt sich eine kleine Abweichung im
Verhalten der Chromatinfäden des Kerns bei der Teilung. Die Sperma-
oder Samenzellen entstehen durch mehrfache Teilung anderer Zellen, der
„Samenmutterzellen“. Die erste Teilung der Samenmutterzelle verläuft
noch nach dem oben geschilderten Typus. Ehe aber die Kerne wieder in
das Ruhestadium übergetreten sind, erfolgt gleich eine zweite Teilung,
indem sich jedes Zentrosom in zwei Hälften teilt, die auseinanderrücken
und die eben erst aus der ersten Teilung hervorgegangenen
Chromatinfäden nach beiden Seiten hin zu sich heranziehen, ohne daß
diese sich erst vorher durch Längsteilung wie bei der normalen Teilung
spalten können. So wandert die Hälfte der Chromosomen nach dem einen,
die Hälfte nach dem anderen Pol hinüber, so daß bei dieser zweiten
Teilung jeder Kern nur halb so viel Chromosomen mitbekommt wie bei
einer normalen Teilung (Fig. 91).
[Illustration: Fig. 91. +Reduktionsteilung bei der Entstehung der
Samenzellen aus einer Samenmutterzelle des Pferdespulwurms.+ Nach ~O.
Hertwig~.]
Damit sind die wesentlichen Typen der Zellteilung, die uns bis jetzt
bekannt geworden sind, erschöpft. +Was allen gemeinsam ist, das ist die
Uebertragung von Kernsubstanz und Protoplasma auf die Tochterzellen.+