Was wir Leben nennen, ist eine Reihe von Vorgängen, die untereinander
überaus ungleichwertig sind. Die größte Zahl aller der Tätigkeiten,
die beim Menschen das tägliche Leben ausmachen, ist teils komplexer
Natur und setzt sich zusammen aus mehreren elementaren Vorgängen,
teils stellt sie erst sekundäre Folgen elementarer Lebensvorgänge vor.
Selbst die scheinbar einfachen und unmittelbaren unter ihnen, wie die
Blutzirkulation, die Respiration etc., sind noch keine elementaren
Lebensvorgänge. Elementar ist erst die Kontraktion des Herzens und
der Atemmuskeln, welche sekundär die Zirkulation des Blutes und den
Luftaustausch in den Lungen bewirkt; denn die Muskelkontraktion
läßt sich nicht mehr auf die Tätigkeit anderer Elementarbausteine
des Körpers zurückführen, sie ist unmittelbarer Ausdruck des Lebens
derjenigen Zellen, an denen sie auftritt. +Wollen wir aber die
elementaren Lebensäußerungen kennen lernen, so müssen wir eben bis
auf die Zellen zurückgehen, die Elementarorganismen, an denen sie
auftreten.+
Wenn wir so alle komplizierten Tätigkeiten und sekundären
Aeußerungen bis zu den ihnen zugrunde liegenden Elementarprozessen
zurück verfolgen, so finden wir, wie wir bereits sahen, drei große
Gruppen von elementaren Lebensäußerungen, die in irgendeiner Form
+aller+ lebendigen Substanz, +jeder+ Zelle eigentümlich sind, das
sind die Tatsachen des +Stoffwechsels+, der +Formbildung+ und des
+Energieumsatzes+. Jede lebendige Substanz ohne Ausnahme, solange
sie lebt, zeigt einen fortwährenden Wechsel der Stoffe, ferner
Veränderungen ihrer Form und schließlich einen Umsatz von Energie, und
diesen drei großen Gruppen der elementaren Lebensäußerungen lassen sich
alle Lebensäußerungen, die es überhaupt gibt, einfügen, wenn man sie
bis in die Elementarbausteine des Körpers, die Zellen derjenigen Organe
verfolgt, an denen sie zu beobachten sind.
Suchen wir in diesem Kapitel uns einen Ueberblick über die Fülle der
elementaren Lebensäußerungen zu verschaffen, indem wir zunächst nur die
+Tatsachen+ verzeichnen, um uns die Analyse der Lebensäußerungen bis in
ihre chemischen und physikalischen Bedingungen für ein späteres Kapitel
vorzubehalten.