1633, am 5. Oktober, war er aus dem Leben geschieden. Nur dr

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Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter,

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Unterschiedliche Schreibweisen, insbesondere von Namen, wurden

wie im Original beibehalten.

Landesverein Sächsischer

Heimatschutz

Dresden

Mitteilungen

Heft

1 bis 2

Monatsschrift für Heimatschutz, Volkskunde und Denkmalpflege

Band XVI

_Inhalt_: Vom Fischerdorf zum Königsschloß – Gedenkbäume und

andere Erinnerungsmale in Sachsen – Köhler, Flößer und Pecher

im Erzgebirge – Der Dresdner Saugarten in der Dresdner Heide –

Zur Geschichte unserer Moore – Die Gefahren der Vogelbruten –

Die Elster, ein volkstümlicher Bösewicht im schmucken Gewand.

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Landesverein Sächsischer Heimatschutz

Dresden-A., Schießgasse 24

Band XVI Heft 1/2 1927

[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden]

Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern

herausgegeben

Abgeschlossen am 20. März 1927

Vom Fischerdorf zum Königsschloß

Ein Gang durch die Geschichte von Pillnitz

Von Professor Dr. _Alfred Meiche_, Dresden

Mit Aufnahmen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz

Wie ein Kranz von Perlen um einen edlen Ringstein, so lagern

sich Meißen, Moritzburg, Pillnitz, Pirna und Tharandt um die

Landeshauptstadt Sachsens. Eine der kostbarsten Perlen ist unser

Pillnitz, leuchtend in landschaftlicher Schöne, hervorragend als

Denkmal altsächsischer Kultur in Schloß und Garten, bedeutsam als

Schauplatz einer welthistorischen Begebenheit, der Pillnitzer

Konvention von 1791. Auch die Landesgeschichte ist hier mit starken

Fäden angeknüpft; war doch Pillnitz zwei Jahrhunderte lang der

bevorzugte Sommersitz unseres alten Fürstenhauses, dessen Glück und

Glanz, dessen Schuld und Leid sich in den Wellen des rauschenden

Elbstromes spiegelten.

[Illustration: Abb. 1. =Elbansicht des Schlosses Pillnitz=]

Früher glaubte man (und manche meinen es noch heute), daß Pillnitz und

Dresden gemeinsam in derselben Urkunde zum ersten Male genannt würden;

nämlich Dresden als Ausstellungsort eines Grenzschiedes vom 31. März

1206 und Pillnitz als Sitz eines der damaligen Urkundenzeugen, eines

»Henricus de Beuelnewitz«. Allein das im sächsischen Hauptstaatsarchiv

ruhende Originaldokument (Faksimile in den Dresdner Geschichtsblättern

1906 Nr. 2) zeigt klar und zweifelsohne die Namensform »Becelnewiz«,

was mit Pillnitz sprachlich nicht zusammenstimmt. Wohl aber gleichen

die Anfänge des Ortes dem Ursprunge der Hauptstadt. Wie diese zunächst

ein sorbenwendisches Fischerdorf am Sumpfwalde der Elbaue war

(oberwendisch Draždźany = Waldsassen), so hatten sich auch am Fuße des

Borsberges Elbfischer derselben Nation angesiedelt, die anscheinend

der Sippe eines gewissen Bělan angehörten, weshalb ihr Wohnplatz nach

slawischer Art Bělanovici (d. h. eben Sippe des Bělan) genannt wurde.

Der Personenname ist eine Kurzform von Bělomir und bedeutet etwa »der

durch seine weiße (běły), glänzende Hautfarbe Berühmte«.

[Illustration: Abb. 2. =Fränkisches Haus mit Vorbau in Pillnitz=]

Diese Namenserklärung muß der bisher fast allgemein angenommenen

als »Schneidemühl« (von altslaw. pila »Säge, Sägemühle«) vorgezogen

werden, trotz der am Nordrande des Dorfes gelegenen Piel-, Pielz- oder

Pilzmühle, weil einerseits ein höheres Alter dieser Mühlstelle nicht

nachweisbar ist und ihr Name aus »Pillnitzer Mühle« verstümmelt sein

oder nur zufällig anklingen kann, andererseits aber die hier zum ersten

Male dargebotenen ältesten Urkundenformen (1335: Belennewitz; 1350:

Belanicz) nachdrücklich auf das Stammwort běły »weiß« zurückleiten.

(Vgl. auch: Über Berg und Tal. VII, 135). Noch ein zweiter Flurname

führt uns in die Wendenzeit hinauf und lehrt uns, daß die Pillnitzer

Dorfgenossen vom Elbstrom abhängig waren. Zwischen hier und Söbrigen

befand sich früher ein Floßplatz, der noch vor einem Menschenalter

»der Plauen« hieß (v. Minckwitz, Geschichte von Pillnitz. Dresden

1895. Seite 2. Fußnote 1). Das Wort stammt vom altslawischen plavŭ

»das Flößen«; Plauen an der Weißeritz, Plauen an der Weißen Elster

und Plaue an der Zschopau gehören gleichfalls in diese weitverzweigte

Ortsnamengruppe.

Nach einem altslawischen Worte chizŭ, »Fischerhütte«, pflegt man solche

Fischer- und Schifferwohnplätze »Kitzen« zu nennen. Sie ziehen sich

als einfache Häuserzeilen, die ihre Giebel dem Flusse zuwenden, an

diesem hin; wo es »der Platz erlaubt, mit einer hakigen Abbiegung in

eine Seitenschlucht. Das ist die Grundform aller Talsiedlungen in der

Sächsischen Schweiz«. Man trifft sie auch unterhalb Dresdens in großer

Anzahl.

[Illustration: Abb. 3. =Das Haus Nr. 47 in Pillnitz=]

In Pillnitz hat der Herrenwille der Rittergutsbesitzer dieses

ursprüngliche Ortsbild fast ganz verwischt. Nur östlich vom Schloß

stehen noch einige der malerischen Holzhäuser, nicht mehr in den

altwendischen Bauformen, aber sicher noch an der Stelle alter »Kitzen«.

Wenn an schönen Sommertagen der Schwarm plaudernder Großstädter vom

Dampfschifflandeplatz nach der Schloßrestauration hier vorüberflutet,

dann gönnt wohl mancher ihren altfränkischen Vorbauten einen flüchtigen

Blick, und sinnige Menschen lesen wohl auch am Hause Nummer 47 den

frommen Spruch:

Mein Jesu, schmücke mich

Mit Weisheit und mit Liebe,

Mit Keuschheit und Geduld

Durch Deines Geistes Triebe.

Auch mit der Demuth mich vor allen kleide an,

So bin ich wohl geschmückt und köstlich angethan.

Wann jene Ursiedelung am Elbufer abgebrochen wurde, sagt uns keine

Urkunde. Wahrscheinlich aber geschah es damals, als die ritterlichen

Herren über Pillnitz von ihrem ersten Sitz an der Berglehne, dem

alten Schloß, ins Tal hinabzogen und dort einen neuen stattlichen

Wohnbau errichteten. Das mag wohl schon vor fünfhundert und mehr

Jahren geschehen sein. Viel später erzählen uns Akten von dem Aufgehen

anderer Flurteile in den Schloßbereich. So wurden 1721 nördlich vom

Bergpalais fünf Häusler- und Gärtner-Nahrungen ausgekauft und zum

Schloßpark geschlagen, und 1785 und 1790 mußten abermals neun Häusler

ihre Heimstätten verlassen, die dem mit Treibhäusern ausgestatteten

»Holländischen Garten« angegliedert wurden.

[Illustration: Abb. 4. =Inschrift am Hause Nr. 47 in Pillnitz=]

Es mag wohl ein thüringisches oder fränkisches Vasallengeschlecht

gewesen sein, das im Gefolge der Markgrafen von Meißen ins slawische

Elbtal gekommen war und zum Lohn für seine Mitarbeit an der

Wiedergewinnung altgermanischen Volksbodens in dem späteren Slawengau

Nisani den Herrensitz unterm Borsberge mit seinem Zubehör an wendischen

Frönern zu Lehen bekam; leider wissen wir nicht, welcher Familie sie

entstammten.

Der erste aktenmäßig nachweisbare Gutsherr ist ein »Ludewicus«, der

sich nach seinem Besitze »de Belennewitz« nennt und am 4. April 1335

als Urkundenzeuge in Stolpen auftritt. 1350 aber besitzen unmündige

Söhne aus der Familie »de Belanicz« Zinsen im benachbarten Söbrigen,

und als Vormünder für sie schalten ein »Hartungus de Nimans« (aus dem

Geschlechte, das schon im dreizehnten Jahrhundert auf Königstein und

Rathen haust) und »Ludolfus Karaz de Belanicz«. Letzterer zeigt uns,

daß die Gutsherren von Pillnitz wenigstens z. T. mit der um Dresden und

im Meißner Hochlande vielfach begüterten Familie von Karrasz identisch

waren. Und noch am 5. August 1403 begnadet Markgraf Wilhelm die

Ehefrau eines Heinrich Karrasz, Femika = Euphemia genannt, mit ihrem

Leibgedinge zu Pillnitz. Es war ein ganz hübscher Besitz: allodium

(Vorwerk), villa (Dorf), et curia inferior et superior (Ober- und

Niederhof) – in Bilnicz mit der Fischerei, den Weinbergen, den Gehölzen

im Frundirsperge, vallis (Tal) dicta Michcz (Meix) cum molendino

(Mühle) et nemore (Hain), das Dorf Kribischendorf (Krieschendorf) nebst

Zubehörungen und zwei zinspflichtige Bauern im Dorfe Borsberg.

Die lateinisch geschriebene Urkunde wirkt wie eine Offenbarung; in das

Dunkel der Vergangenheit fällt ein helles Licht. Zwar dürfte es heute

Mühe kosten festzustellen, welcher Höhenzug mit dem »Frundirsberge«

gemeint ist, aber zum ersten Male erfahren wir etwas vom Weinbau um

Pillnitz herum, zum ersten Male hören wir vom Friedrichsgrunde und

der an seinem Ausgang liegenden _Meixmühle_, zum ersten Male werden

uns _zwei_ Höfe (Wirtschaftshöfe) im Orte genannt. Man sucht den

niederen an der Stelle der noch jetzt bestehenden Gutsgebäude, den

oberen dort, wo später die Schäferei stand. Aus dem Vorhandensein

der beiden Höfe aber darf man den Schluß ziehen, daß schon damals,

also vor fünfhundert Jahren, auch zwei Herrensitze vorhanden waren.

Das »alte Schloß« (wie es um 1600 auf einem im Hauptstaatsarchive

befindlichen Vermessungsblatt von Math. Öders Hand heißt) lag dort, wo

1785 die künstliche Ruine erbaut wurde. Beim Grundgraben soll man auf

sein Mauerwerk gestoßen sein und solches dann zum Bau der Ruine mit

gebraucht haben. Da in der Nähe der »Ruine« übrigens ein »Hausberg«

liegt, so bleibt es ungewiß, ob nicht auf diesem ein noch älteres

Schloß (mhd. hûs) oder schon ein zweiter Herrensitz zu suchen ist.

Was wir als »Neues Schloß« kennen, lag höchstwahrscheinlich der Insel

gerade gegenüber. Man mag es sich als eine bescheidene Wasserburg

vorstellen; Spuren des Wallgrabens und einer Zugbrücke fanden sich noch

1818 beim Grundgraben zu dem heutigen Bauwerke.

Als Lehnsinhaber von Pillnitz begegnet uns bald nach Beginn des

fünfzehnten Jahrhunderts die Familie Karlowitz. Schon am 8. Mai 1420

wird »Frederich Karlewicz zcu Bilnicz gesessen« als Leibgedingevormund

genannt. Sein Geschlecht ist damals im Elbgau und Meißner Hochland

weithin begütert. Friedrich von Karlowitz besaß Pillnitz offenbar

ungeteilt. Nach seinem Tode belehnte 1438 der Landesherr die Gebrüder

»Bathe, Lawatzsch, Friderich, Jan, Otto, Jurge und Mulich von

Karlowitz« mit »Bilnicz dorff und vorwerg« samt allem Zubehör sowie den

Dörfern Zschachwitz, Dobritz, (Ober-)Poyritz, Zinsen auf der Wüstung

Kloden (am Pillnitzer Tännicht gelegen) und zu Graupa, dem Dorfe

Bonnewitz und einem Steinbruche mit der Fischerei unter Liebethal.

Das wüste Kloden sollen die Karlowitze schon im folgenden Jahr an die

Kreuzkirche zu Dresden veräußert haben. Als anderweitiges Zubehör von

Pillnitz (Karlowitzischen Anteils) werden 1476 September 18. erwähnt:

»die mol, der werd in der Elben mit der fachstat doran, eine freie

schafftrifft doselbist (zu Pillnitz) und die leite, die Karis gewest.«

Das ist das älteste schriftliche Zeugnis sowohl für die Pillnitzer

Mühle wie für die Insel.

Von den obengenannten Brüdern hatten wenig später Friedrich und

Otto den niederen Hof inne, Lawacz (Labaczsch) dagegen den Oberhof.

Letzteren nimmt 1465 Friedrich Karlowitze (wohl der Sohn des Lawacz) zu

Lehn, der ihn jedoch 1477 an Caspar Kundig (aus dem Geschlechte, nach

dem die heutige Breite Straße in Dresden früher Kundigengasse genannt

wurde) verkaufte. Dazu gehörten (manches wohl nur anteilig) »der wird

(= Insel) in der Elben«. eine »vachstat (= Fischfang) in der Elben«,

fünf Gärtner im Dorfe Pillnitz, das halbe Dorf Wachwitz (und zwar die

Niederseite nach der Elbe zu) mit der Rehejagd u. a. m. Spätestens 1486

aber ist dieser Oberteil von Pillnitz mit dessen Unterhälfte wieder

vereinigt worden.

Letztere war schon 1443 durch Friedrich und Otto von Karlowitz

an Wygand und Nickel Ziegler (Angehörige des reichen

Patriziergeschlechtes) verkauft worden. Schon bei diesem Anteil wird

das »fach uff der Elben« erwähnt; desgleichen der Werder (die Insel).

Ebenfalls 1443 erhält Ursula, Wygands Witwe, den »vorderen Sitz zu

Bilnicz« als Leibgut, während 1445 ein anderer »Wigand Czigeler

(vermutlich der Sohn des ersten) und Lawacz Carlewicz, bede zu Bilnicz«

zusammen mit einem Ritterpferde unter der »Erbarmannschaft« der Pflege

Dresden aufgezählt werden, weil sie (gemeinsam) »das vorwerg doselbst

haben und darzcu vier schock geldis«.

1486 stehen, wie schon erwähnt, beide Hälften von Pillnitz in _einer_

Hand. Am 6. November dieses Jahres wird abermals ein Wygand Ziegler mit

beiden Anteilen belehnt. Als Lehnstücke gehörten damals zum Gute: das

Dorf, die Insel, die Fachstatt in der Elbe und die Dörfer Krieschendorf

und Borsberg.

Um jene Zeit (um 1500) hören wir zum ersten Male auch vom _Gasthofe_

zu Pillnitz. Das Schankrecht war auch hier, wie meist in den Dörfern

unserer Gegend, mit dem Erbgericht verbunden. Nun beschwert sich damals

der Rat zu Pirna, der allzeit scharf auf seinem Privileg der Bannmeile

bestand, daß »der richter zcu Bilnicz (under Cristoff Czigeler) eyne

meyle von Pirna gelegen, seyns junckherrn bier geschanckt« habe.

Demnach scheint mit dem Pillnitzer Wirtschaftshof auch schon eine

Brauerei verbunden gewesen zu sein.

1513 werden anläßlich einer Messestiftung im St. Afrakloster zu Meißen

auch die Namen einiger Ortsbewohner genannt: Andreas Strausz, Georg

Schmidt und Johann Weidicht heißen diese Pillnitzer Erzväter; 1529 wird

auch ein Halbhüfner Johann Sauppe dortselbst erwähnt.

Von einem _Weinberge_, dem »hinderbergk sampt dem preszhaus« hören wir

aus dem Lehnbriefe für Caspar Ziegler vom Jahre 1534.

Bald danach, 1538, wird uns eine Nachricht überliefert, die uns

Heimatschutzfreunden, besonders den Botanikern der Abteilung ~C~

(Naturschutz) hochinteressant sein müßte, wenn sie – ohne Bedenken

– auf die Pillnitzer Elbinsel bezogen werden dürfte. In jenem Jahre

weilte, vom 18. bis 20. Mai, König Ferdinand zum Besuche Herzog Georgs

in Dresden. Ein zeitgenössischer Bericht schildert seinen Einzug in

Sachsen auf dem Elbstrom und die Festlichkeiten in der Residenz. Darin

heißt es: Der König sei nach einem Nachtlager zu Pirna früh »auff das

schyff geczogen und wider (weiter) nach Dreßten gefahren«; während der

Fahrt seien »etliche fas mit schussen auf ein wert der mitten in der

Elben leyt, (do es) sandick, ganz blos ist, gesetzt, die viel schusse

gethan, da die schieff nohent voruber haben gehen mussen, darczu k. m.

trommetter lostick geblasen haben.« (Ermisch, N. Archiv für sächsische

Geschichte. III. S. 242.)

Wäre damit unsere Pillnitzer Naturschutzinsel gemeint, so müßte die

Vorstellung, daß wir auf ihr noch einen von Menschenhand ungestörten,

sich selbst verjüngenden Auenwald aus vorgeschichtlicher Zeit besäßen,

eingeschränkt werden, weil dann der jetzige Pflanzenwuchs auf dem »ganz

blosen, sandigcken werd« von 1538 erst aus späteren Tagen stammen

dürfte und wohl gar der Unterstützung durch Menschenhand sein Dasein

verdanken könnte. Allein damals gab es einen solchen »werder« auch

bei Birkwitz vor der Müglitzmündung, der heute völlig verschwunden

ist, den aber noch die große Landesaufnahme Mathias Öders um 1600

(Hauptstaatsarchiv Dresden. Blatt 180) verzeichnet. Wir haben also

die Wahl, neigen uns aber gern nach der Seite derjenigen, die den

ehemaligen Birkwitzer Werder als den Platz annehmen möchten, wo 1538

Salut geschossen wurde. Und in jedem Falle bleibt die Pillnitzer Insel

ein Naturdenkmal, das unseres unentwegten Schutzes würdig ist.

Unter den Zieglern ist das Zubehör von Pillnitz vermehrt worden. Im

Lehnbrief von 1514 stehen die von Hans Kundigen erkauften Güter und

Dörfer Papperitz und Wachwitz; 1535 wurde von Wilhelm von Karlowitz

Ober-Poyritz hinzuerworben, das ja schon früher einmal mit Pillnitz

verbunden war. 1542 erlangte Caspar Ziegler gegen Abtretung der Reh-

und Schweinejagd auf seinen Gehölzen von Herzog Moritz die Ober- und

Niedergerichtsbarkeit auf seinem ganzen Besitztum. Caspar Ziegler starb

am 27. April 1547 und wurde in der Frauenkirche zu Dresden begraben.

Aus seinem Todesjahre liegt uns die älteste statistische Angabe über

Pillnitz vor. Der Ort hatte damals zwölf besessene (= ansässige)

Männer, deren Grundbesitz auf zusammen drei Hufen geschätzt wurde,

und sieben Gärtner. Auf den Dorfgenossen ruhten vielerlei Lasten. So

mußten alle, ausgenommen der Müller (von dem wir also wieder einmal

hören), auf die Hasenjagd gehen, wobei sie allerdings für jeden Hasen

einen Groschen bekamen; gefangene Füchse durften sie selbst verkaufen.

Sie mußten für den Gutsherrn ferner Heu dörren, Flachs jäten, raufen,

riffeln und brechen, Mist breiten, Kraut stecken, Schafe waschen (d.

h. sie ein- oder zweimal des Jahres baden), den Weinberg lesen helfen,

Weinpfähle ausziehen, Hafer rechen usw.

Der letzte Ziegler auf Pillnitz war Christoph Ziegler. Er verkaufte das

Gut samt allem Zubehör an Christoph von Losz, der die Lehen darüber

am 18. März 1569 empfing. Auf dessen Schultern ruhten viele Würden.

Er war des heiligen römischen Reiches Pfennigmeister, Oberschenk des

Kurfürsten Christian I., später Chef der Haushaltung der Kurfürstin

Mutter und Geheimer Rat.

Schon unter ihm haben einmal (1578) Verhandlungen über den Ankauf

von Pillnitz durch den Landesherrn geschwebt. Man kam aber zu keiner

Einigung, vermutlich weil die Ansichten über den Wert des Gutes zu sehr

auseinandergingen. Christoph von Losz veranschlagte ihn auf 25734 fl.

13 Groschen 9 Pfennige, während die kurfürstliche Rentkammer Pillnitz

nur auf 14445 fl. 14 Groschen 1 Pfennig schätzte.

Diese Wertanschläge enthalten nun auch _die erste Nachricht_ über die

_Schloßgebäude_. Losz selber sagt: »Die Gebäude seind ziemlich, doch zu

einer Bewohnung nottdurftig angerichtet, wie im Augenschein vorhanden,«

und er berechnet sie samt Scheunen und Ställen auf 1000 Gulden. Die

kurfürstlichen Kommissare dagegen bemerken: »Die Gebäude sind gar

geringe und über fünfhundert Gulden nicht würdig.«

Wie schon gesagt, der Handel zerschlug sich, und Christoph von Losz

vergrößerte nun in den folgenden Jahren sein Besitztum durch den Ankauf

weiterer Dörfer und Rechte. Zuletzt (1607) schenkte ihm der Kurfürst

noch die Dörfer Wünschendorf und Bonnewitz.

Neue Unterhandlungen der Kammer wegen Erwerbung von Pillnitz für Herzog

Johann Georg zeitigten wiederum kein Ergebnis.

Unterdessen hatte Christoph von Losz mancherlei bauliche Veränderungen

an seinem Rittersitze vorgenommen; die Tradition nennt besonders einen

zweiten Turm an der nach Abend zu gelegenen Hauptfront, sowie den gegen

Mittag gekehrten Seitenflügel.

Am bedeutsamsten war aber sein von Erfolg gekröntes Bemühen, die

kirchlichen Verhältnisse seines Besitztums neu zu ordnen. Bis zur

Einführung der Reformation hatte Pillnitz zu der großen Kirchfahrt

Dohna gehört, deren Mittelpunkt aber doch so weit von Pillnitz entfernt

lag, daß sich daraus allerhand Unzuträglichkeiten ergaben, allein schon

wegen des zur Winterszeit oft unmöglichen Verkehrs über den Elbstrom.

Deshalb wurden 1539 Rittergut und Dorf Pillnitz samt Ober-Poyritz

und Söbrigen zur Pfarre in Hosterwitz geschlagen. Streitigkeiten mit

dem dortigen Geistlichen wegen Unterhaltung der kirchlichen Gebäude

riefen in Christoph von Losz den Plan hervor, eine eigene Kirche und

Pfarrwohnung in Pillnitz zu schaffen. Nach mancherlei Verhandlungen

wurde am 8. Mai 1593 der Grundstein zur Schloßkirche gelegt; im April

1597 war der Bau vollendet, und der hochangesehene Superintendent

Polycarp Leyser vollzog am Sonntag Jubilate (17. April) seine

Einweihung, während am Montag darauf der neuernannte Schloßprediger

Magister Jacob Daniel Starke seine Antrittspredigt hielt.

[Illustration: Abb. 5. =Das alte Schloß Pillnitz, Ansicht von

Nordwesten=

Aus: Bau- und Kunstdenkmäler, Heft XXVI.]

Zu dem Vorhaben des von Losz: »nicht allein eine neue Kirche zu

Pillnicz zu erbauen, sondern auch einen Pfarrherrn und Schulmeister

dahin zu verordnen,« hatte schon 1595 die Kurfürstinwitwe Sophie

geborene Markgräfin von Brandenburg 500 fl. Beisteuer bewilligt, was

vielleicht die Vermutung rechtfertigt, daß der sächsische Hof seine

Absicht auf Erwerb des Gutes noch immer festhielt. Tatsächlich bot

der Kurfürst 1608 das Amt Senftenberg zum Tausch gegen Pillnitz an.

Letzteres war dabei auf 59345 Gulden geschätzt worden. Auch diesmal kam

der Handel nicht zustande. Übrigens hat dieser Widerstand gegen die

Wünsche des Hofes weder dem Christoph von Losz noch seinem Erben die

Gunst des Kurfürsten gemindert, da beide auch weiterhin mit allerhand

Gnadenbeweisen bedacht wurden.

Zu jener Zeit sah Pillnitz schon einmal, wohl zum ersten Male, eine

große Hofgesellschaft. 1607 weilte nämlich Kaiser Matthias zu Besuch

in Dresden, und Johann Georg I. veranstaltete ihm zu Ehren eine Jagd

am Oberen Hasengehege bei Pillnitz, der von Losz aber bewirtete die

hohen Gäste in seinem damals schon vielgerühmten herrlichen Lustgarten

(Dresdner Geschichtsblätter Band V. Jahrgang XVIII, S. 27).

Am 4. April 1609 starb Christoph von Losz und wurde in seiner

neuerbauten Schloßkirche beigesetzt. Sein Sohn Joachim folgte ihm

nach einem (1610 abgeschlossenen) Erbvergleich mit seinen Brüdern als

Besitzer von Pillnitz. Von seinen Maßnahmen als Gutsherr sei hier

nur hervorgehoben, daß er _die Schenke_ zu Pillnitz nebst der dazu

gehörigen Hufe Landes von Georg Ramisch kaufte und daß er im Jahre

1624 (Februar 22.) die landesherrliche Begnadung erlangte, über seine

Güter (Lehngüter) Pillnitz, Graupe und Jessen nebst allen Zubehörungen

»libere wie mit erb- und eigentümlichen Gütern« zu verfahren. Joachim

von Losz war ein umsichtiger Geschäftsmann, der seinem kurfürstlichen

Herrn in manchen Finanzangelegenheiten einer geldarmen Zeit wertvolle

Dienste leistete. Seinen Untertanen gegenüber erwies er sich jedoch als

ein harter und strenger Mann. Die Volkssage, die oft das Volksgericht

ist, läßt den »bösen Losz« darum noch heute zuweilen als schwarzen Hund

bellend und heulend auf dem Hofe zu Pillnitz erscheinen.

1633, am 5. Oktober, war er aus dem Leben geschieden. Nur drei

unmündige Töchter standen an seiner Bahre. Auf die älteste, Sophie

Sibylle, kam infolge der Erbteilung vom 13. Juni 1636 das Rittergut mit

den Dörfern Pillnitz, Borsberg, Papperitz, Krieschendorf, Ober-Poyritz,

Söbrigen und Hosterwitz nebst den beiden Vorwerken zu Ober-Poyritz und

allen Zugehörungen. Der Wert dieses Erbteils betrug 92102 Gulden 16

Groschen 3 Pfennige. Im November desselben Jahres vermählte sich Sophie

Sibylle mit Günther von Bünau aus dem Hause Tetschen, starb aber schon

nach kaum vierjähriger Ehe (6. Oktober 1640). Ihr letzter Wille setzte

den Gatten als Herrn von Pillnitz ein. Wenige Wochen später mußte

dieser der Kriegsunruhen halber »Schiff, Kahn und Gefäße« aus Pillnitz

nach Dresden in Sicherheit bringen. Am 17. April 1643 aber wurde

Günther von Bünau mit dem Gute feierlich belehnt. Als er 1659 die Augen

für immer schloß, blieb es zunächst längere Zeit im gemeinsamen Erbe

seiner zwei Söhne aus verschiedenen Ehen, bis 1681 Heinrich von Bünau,

der Sohn der ersten Gattin Christine Elisabeth Löser, durch Vergleich

den Anteil seines Stiefbruders Rudolph ebenfalls erwarb.

Wieder einmal taucht _die Schenke_ zu Pillnitz in der Überlieferung

auf. Ihr Inhaber, Johann Weißkopf, kauft 1687 ein Bauerngut in

Hosterwitz. (Dresdner Geschichtsbl. Jahrgang XVIII, Seite 50.)

Unter Heinrich von Bünau gelangt nun endlich – 116 Jahre nach dem

ersten Versuch es zu erwerben – Pillnitz in kurfürstliche Hand.

Es kam nach längeren Verhandlungen am 31. Januar 1694 zu einem

Vertrage, laut dessen Kurfürst Johann Georg IV. Pillnitz gegen Schloß

und Amt Lichtenwalde sowie eine Barsumme von 20000 Gulden eintauschte.

Der Gesamtwert des Schlosses am Elbstrome war dabei nach Abzug der

Lasten auf 72895 Gulden 18 Groschen 1 Pfennig veranschlagt worden.

Sehr rasch erkannte man im Lande, welche Absicht der Kurfürst mit

Pillnitz gehabt hatte. Am 24. Februar 1694 schenkte er den kostbaren

Besitz seiner Geliebten, der Gräfin Sibylle von Rochlitz, geborenen

von Neitschütz. Es kam darüber (am 6. März) zu einem »unerhörten und

gefärlichen ~rencontre~ mit der Gemahlin« des Kurfürsten, die dieser

zu erstechen drohte; in seinem Wutanfall wäre es wohl zu einer solchen

Freveltat gekommen, wenn nicht sein starker Bruder, Herzog Friedrich

August, dazwischen getreten wäre, der ihm »drei Degen nacheinander aus

der Hand gerissen«. (Vgl. Haake, August der Starke im Urteil seiner

Zeit. Dresden 1922. Seite 14.) Man weiß, wie bald jener Liebestaumel

sein Ende fand. Schon im April desselben Jahres starb die schöne

Buhlerin an den Blattern und riß den verblendeten Liebhaber mit sich

in das Grab. Ihr Nachlaß wurde beschlagnahmt; die Familie Neitschütz

und ihr Anhang in einen peinlichen Prozeß verwickelt. Pillnitz nahm

der Regierungsnachfolger Friedrich August (nachmals der Starke

genannt) wieder zurück und ließ es durch die Kammer an Wolf Rudolph

von Carlowitz verpachten. Im Jahre 1701 betrug die Pachtsumme für das

Vorwerk 2300 fl. jährlich. Aber August der Starke brauchte, um seine

Pläne auf die polnische Königskrone zu verfolgen, gewaltige Summen,

und diesem Bedürfnisse mußte nun anscheinend auch Pillnitz dienen. So

verpfändete es der Fürst schon am 12. Juni 1697 seiner Mutter Anna

Sophie für 30000 rh. fl., wobei noch besonders betont wurde, daß

Pillnitz kein der Kammer einverleibtes Domanialgut sei, sondern des

Kurfürsten ererbtes Allodialeigentum.

Nach seiner Erwählung zum König von Polen löste August der Starke

Pillnitz 1702 wieder ein, indem er seiner Mutter statt dessen das

Ostravorwerk einräumte. Pillnitz selbst aber verkaufte der Landesherr

am 11. Juli dieses Jahres um 60000 Meißn. fl. an die sehr wohlhabende

Witwe Anna Sophie von Einsiedel, deren Mann der Oberhofmeister der

Kurfürstin-Mutter gewesen war. Letztere nahm am 1. August 1706 das

Gut um 52500 Taler zurück, und schon am 12. Oktober 1707 gab sie es

wiederum für 60000 Taler in die Hand des Kurfürsten-Königs.

Es handelt sich hier seit 1697 offenbar um eine Reihe von Scheinkäufen,

deren Zweck nicht mehr recht durchsichtig ist. Dagegen zeigt sich bald

sehr deutlich, welcher Absicht der letzte Handel dienen sollte. Zum

zweiten Male legte ein Wettiner das schöne Besitztum einer Gunstdame

in den Schoß. Gräfin Anna Constantia von Cosel war die Empfängerin.

Der Öffentlichkeit gegenüber ward die Schenkung in einen Kaufkontrakt

gekleidet, der am 21. November 1707 abgeschlossen wurde und einen

Kaufpreis von 60000 Talern angab. Wahrscheinlich ist die eigentliche

Schenkung schon im Jahre vorher erfolgt und nur durch die kriegerischen

Ereignisse von 1706 und vor allem durch den im Herbst dieses Jahres

erfolgten Einfall der Schweden in Sachsen die formelle Übergabe

verzögert worden.

Welchen Einfluß die Cosel auf die äußere Gestaltung von Pillnitz

ausgeübt hat, entzieht sich unserer Kenntnis; nachwirkend scheint

er nicht gewesen zu sein. Ihre Biographen schildern diese Frau als

»habsüchtig, eigennützig und geizig,« und die gewaltigen Summen,

die ihr fürstlicher Gönner für den Glanz ihres Auftretens opferte,

sind offenbar an andere Güter und Paläste gewendet worden. Denn die

eigentliche Baugeschichte von Pillnitz unter dem genialen Fürsten setzt

erst nach der Verbannung der Favoritin vom Hof und aus dem Herzen

des Königs ein. Zweifelsohne hat aber das Schloß zu Zeiten der Cosel

manches glänzende Fest in seinen Räumen, auf dem Strome und der Insel

und in dem ausgedehnten Parke gesehen. August der Starke verbrachte

den Sommer 1708 zumeist in Pillnitz bei der Geliebten; von hier aus

unternahmen beide am 16. Juli einen Ausflug nach Stolpen, das wenige

Jahre später ihr Gefängnis und zuletzt ihr Sterbeplatz werden sollte,

und von hier aus trat am 30. Juli 1708 der König jene Reise nach den

Niederlanden an, die er in einem Schreiben an seine Kabinettminister

bezeichnete als »~un voyage de plaisir pour me désennuyer des chagrins,

que je supporte pendant un certain temps~« (v. Weber, Arch. f. Sächs.

Gesch. IX, 19).

In Pillnitz saß Gräfin Cosel auch noch in den Jahren 1713 und 1714, als

ihr Liebes- und Herrschaftstraum in Sachsen seinem Ende entgegenging:

Pläne brütend, wie sie »die verlorene Gunst des Königs wieder erlangen,

die verhaßte Nebenbuhlerin (Gräfin Dönhoff) verdrängen und an ihren

Feinden Rache nehmen« könne. Wie einst die Generalin von Neitschütz

(die Mutter der schönen Sibylle, der Cosel Vorgängerin als Schloßfrau

in Pillnitz) versuchte sie dabei Mittel, die nur der blinde Aberglaube

jener Tage für wirksam halten konnte. So ließ sie damals wiederholt

Zigeunerweiber nach Pillnitz kommen, mit denen sie im Ofen ihrer

Silberkammer geheimnisvolle Droguen braute; einen Schiffsmann im Dorfe

beauftragte sie, einen klugen Mann in Böhmen aufzusuchen, dem sie viel

Geld in Aussicht stellte, wenn er ihr die Liebe des Königs wieder

zuwege bringen könne; den Wagner Georg Krausze in Pillnitz bewog sie

1714, ihr in der Nacht einen Totenkopf vom Kirchhof in Klotzsche zu

holen, speiste ihn freilich statt der zugesagten hohen Belohnung mit

nur einem Groschen ab; anderer Sinnlosigkeiten nicht zu gedenken.

Vielleicht hätte ihr ein würdiges, maßvolles Auftreten, wenn auch

nicht die Liebe des Herrschers zurückgewonnen, so doch seine Achtung

gesichert. Ihr Starrsinn aber trieb sie dem bitteren Ende entgegen.

Am 12. Dezember 1715 entfernte sich die Cosel heimlich aus Pillnitz;

nur ihren dreijährigen Sohn ließ sie dort zurück. Über Berlin, Halle,

Nossen führte ihr Leidensweg nach Stolpen.

[Illustration: Abb. 6. =Blick auf Pillnitz von der Bergkirche aus=]

In der ersten Zeit ihrer Haft wurde Pillnitz noch durch den Verwalter

der Cosel administriert; dann unterband man ihre geheime Verbindung mit

diesem. Der König aber beschloß am 14. April 1718, Pillnitz wieder an

sich zu nehmen, allerdings unter Berücksichtigung der Rechtsansprüche

der Cosel. Man bot ihr einen Tausch gegen Lohmen oder Zabeltitz an; da

sie jedoch darauf nicht einging und hartnäckig 5000 Taler jährlich oder

eine Abstandssumme von 80000 Talern verlangte, so wurde ihr schließlich

durch Reskript vom 21. Juli 1729 der Betrag der jährlichen Einkünfte

des Gutes, den man mit 3206 Talern 15 Groschen 9½ Pfennig ermittelt

hatte, auf Lebenszeit ausgesetzt. Später wurde der Kaufpreis ihrem

Sohne, dem General Friedrich August Graf Cosel, vergütet.

So ist denn Pillnitz vom Jahre 1718 an genau zweihundert Jahre lang

ohne Unterbrechung im Besitze des Königshauses geblieben.

[Illustration: Abb. 7. =Pillnitz, Bergpalais, Ansicht von der

Gartenseite=]

Nun entfaltete hier August der Starke seine hochfliegenden Pläne

als Baumeister. Auch in Pillnitz wirkten in seinem Sinne seine

Meisterarchitekten Pöppelmann und Longuelune und deren erprobte

Gehilfen. Die Bauleitung wurde dem in solcher Tätigkeit wohl

bewährten General Grafen Wackerbarth übertragen. Eine Darstellung

der Baugeschichte in allen ihren Einzelheiten kann nicht unsere

Aufgabe sein. Wir verweisen auf die mit Plänen und Ansichten reich

ausgestatteten Arbeiten von A. v. Minckwitz und Cornelius Gurlitt.

Die Bautätigkeit begann mit dem Abbruch der Schloßkirche. Das neue

Gotteshaus wurde 1723 bis 1725 an der Weinbergslehne errichtet;

zu seiner Ausstattung dienten Einrichtungsgegenstände des älteren

Gebäudes. Noch heute sind in der »Weinbergskirche« die schönen

Grabdenkmäler einiger Mitglieder der Familien Losz und Bünau zu sehen.

1925 beging die Gemeinde Pillnitz das zweihundertjährige Jubiläum

ihres Gotteshauses, das am 11. November 1725 eingeweiht worden war.

1720 bis 1721 entstand auch das sogenannte _Wasserpalais_, das damals

als orientalisches oder indianisches Lustgebäude bezeichnet wurde.

Es ist jenes noch heute von allen Dampfschiffreisenden angestaunte

Bauwerk in einem pseudo-ostasiatischen Stil mit der großartigen

Hafentreppe. An ihr schaukelten sich einstmals, freilich erst seit 1744

nachweisbar, die künstlerisch ausgestatteten Gondeln mit ihren bunt

gekleideten Führern; mit dem Weggange der fürstlichen Herrschaften

von Pillnitz sind sie wohl für immer verschwunden. Dagegen grüßt uns

an der Elbseite noch einer der wenigen Überreste aus dem älteren

Schlosse, nämlich jener Sandsteinobelisk aus der Zeit um 1650, der

mit einem verlorengegangenen zweiten Obelisken einst vor der Ostfront

des Loszschen Bauwerks stand und nach dem Brande von 1818 auf den

»Löwenkopf«, den Unterbau eines früheren Lusthauses an der Elbe,

gebracht wurde, der seinen Namen von einem an der Stromseite in das

Mauerwerk eingelassenen Löwenhaupte, auch aus der Mitte des 17.

Jahrhunderts, bekommen hat. 1722 und 1723 wurde auf der nördlichen

Seite des Lustgartens, symmetrisch zum Wasserpalais und ebenfalls im

chinesischen Stil, das _Bergpalais_ errichtet.

[Illustration: Abb. 8. =Pillnitz, Bergpalais, Ansicht von der

Gartenseite=]

An den Bau beider Palais schloß sich 1723 der des _Venustempels_ an,

der als großer Speisesaal diente. Seinen Namen verdankt er einer

Galerie weiblicher Schönheiten, namentlich vom Hofe des fürstlichen

Bauherrn selbst, die den mächtigen achteckigen Saal schmückten.

Heute sind die Wände, ach, so kahl; denn auch gemalte Schönheit

vergeht. Viele Porträts sind beim Brande von 1818 verlorengegangen;

manche wurden schon 1791 nach Dresden gebracht; andere befinden sich

noch im Wasserpalais.

Von der inneren Einrichtung des neuen Schlosses wie des

zweiten Neubaues vor hundert Jahren brauchen wir hier nicht zu

sprechen, da ihrer in einem Parallelaufsatz eines hervorragenden

Kunstschriftstellers später gedacht wird.

Gleichzeitig mit den vorhin genannten Bauten entstanden vielerlei

Nebengebäude, die zum Teil wirtschaftlichen Zwecken oder als Wohnhäuser

für Beamte dienten. Hervorgehoben sei die _Schloßwache_ für das seit

1723 hierher verlegte Wachkommando. Das Gebäude ist 1824 vollständig

umgestaltet worden. – Unter August dem Starken erlebte auch der

Pillnitzer Schloßgarten eine neue Blütezeit. Da seine Entwicklung

ebenfalls demnächst in den Mitteilungen von berufener Feder geschildert

wird, erübrigt sich hier eine besondere Darstellung.

Ein südöstlicher Anbau am Venustempel wurde 1724 als katholische

Kapelle geweiht, die nach unerwiesener Tradition früher ein Altarbild

von Lukas Cranach enthalten haben soll. Um jene Zeit ist wohl auch die

Schloßrestauration entstanden; jedenfalls wird sie 1724 in Akten zum

ersten Male erwähnt. In dem Gebäude hatten auch der Hoftraiteur und der

Hofmundbäcker ihren Sitz; nachdem die Hofmundbäckerei 1876 aufgehoben

worden war, wurde die Schloßapotheke hierher verlegt.

Den kostbaren Rahmen, den August der Starke hier in Pillnitz

geschaffen hatte, füllten nun immer neue Bilder rauschenden Hoflebens.

Oberstaatsarchivar Dr. H. Beschorner hat einen solchen Pillnitzer

Festmonat auf Grund der Akten geschildert (Über Berg und Tal. Bd. VII,

Seite 430). Es handelt sich um die Hochzeitsfeier der Gräfin Augusta

Constantia von Cosel, der ältesten Tochter des Kurfürsten-Königs von

seiner in Stolpen schmachtenden Geliebten, mit dem Ober-Falkenmeister

Heinrich Friedrich Grafen von Friesen, die der fürstliche Brautvater

höchst persönlich ausrüstete. Vom 3. bis 22. Juni 1725 dauerten die

Lustbarkeiten, die aus Festtafeln und -bällen, Bauernkomödien im

sogenannten Französischen Dorf zu beiden Seiten der Maillebahn, Vogel-

und Scheibenschießen, Zigeuner- und Drescheraufzügen, Tauben- und

Fasanenjagden, Ringrennen, einem Ausfluge nach dem Königstein und

einem Schlußfeuerwerk für 795 Taler 19 Groschen bestanden. August

der Starke verband aber in seiner originellen Art damit auch eine

fortifikatorische Übung großen Stiles, die zwar zur Erheiterung der

Hochzeitsgäste manchen humoristischen Einschlag bekam, der aber doch

ein ernster militärischer Zweck zu Grunde lag, wozu starke Aufgebote

von Infanterie und Artillerie unter Mitwirkung einer Stromflotte viele

Tage lang um ein dazu besonders errichtetes Festungswerk auf dem linken

Elbufer, Pillnitz gerade gegenüber, und um die Insel ringen mußten.

Dieses Pillnitzer Manöver von 1725 ist somit als ein Vorläufer des fünf

Jahre später folgenden berühmten Zeithainer Lagers anzusehen.

Bekanntlich starb August der Starke 1733. Die Beziehungen seines Sohnes

zu Pillnitz scheinen nur oberflächlicher Art gewesen zu sein.

Seit 1765 aber benutzte die kurfürstliche Familie Pillnitz vielfach als

Sommeraufenthalt, weshalb das Schloß durch weitere Anbauten, namentlich

durch die noch jetzt stehenden Flügelgebäude am Bergpalais (1788)

und am Wasserpalais (1789 und 1791) ansehnlich erweitert wurde. Der

westliche Flügel führte später den Namen Kaiserflügel (Kaiser Leopold

weilte 1791 hier als Gast), der östliche den Namen Königsflügel (er

beherbergte gleichzeitig den König Friedrich Wilhelm von Preußen). Der

bei all diesen Arbeiten tätige Architekt scheint der Oberlandbaumeister

Chr. Fr. Exner gewesen zu sein. In jene Bauperiode fallen auch die

Errichtung des sogenannten _Chinesischen Pavillons_ im Baumgarten

hinter der Orangerie und die Erschließung des _Friedrichsgrundes_ durch

Anlegung von Wegen, Schmuckplätzen und Wasserfällen (1780 bis 1783),

sowie der Bau der _künstlichen Ruine_ (1785) am Ausgang dieses Grundes.

[Illustration: Abb. 9. =Blick von der Hafentreppe auf die Pillnitzer

Elbinsel=]

Endlich hängt mit der Erhebung von Pillnitz zum ständigen Sommersitz

des Hofes auch die dauernde Einrichtung der _fliegenden Fähre_ im Jahre

1765 zusammen. Von einer älteren »fliegenden Brücke« hören wir zuerst

1727. Es ist aber ein Irrtum des Pillnitzer Chronisten A. v. Minckwitz,

wenn er (S. 77 seiner Geschichte von Pillnitz) die »vachstat« von

1443 (s. o.) als eine Fähre deutet; man hat darunter vielmehr eine

aus Steinen, Holz und Flechtwerk durch den Strom gezogene Mauer zu

verstehen, die dem Fischfang diente.

Im Jahre 1834 wurde den zur Dienstleistung auf der Fähre kommandierten

Pontonniers gleichzeitig mit dem zur Bewachung von Pillnitz bestimmten

Kommando der Leibgrenadiergarde das Pillnitz gegenübergelegene

Jagdhaus zum Unterkommen überwiesen und im Jahre 1860 für dieselben

eine besondere Kaserne am linken Elbufer hergestellt.

Das einfach stille Leben, das der sächsische Hof hier in Pillnitz

führte, ward nun im Sommer 1791 durch jene Fürstenzusammenkunft

unterbrochen, die damals die Augen von ganz Europa auf sich zog

und deren Ergebnis als _Pillnitzer Deklaration_ in den Tafeln der

Weltgeschichte steht.

In den Tagen vom 25. bis 27. August trafen sich hier Kaiser Leopold

II., König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und der Graf von Artois

(der spätere König Karl X. von Frankreich) als Gäste des Kurfürsten

August III. Der Gedanke dieser Fürstenzusammenkunft war vom Kaiser

ausgegangen; Graf Marcolini, der Vertraute des Kurfürsten, hatte

ihn eifrig gefördert. Zunächst bezweckte man durch eine persönliche

Aussprache der Herrscher die seit den Schlesischen Kriegen noch

bestehende Spannung zwischen den Höfen von Wien und Berlin zu

beseitigen; ferner wollte man die polnische Erbfolgefrage, die damals

die politische Welt bewegte, durch freundschaftliche Besprechung lösen,

wobei die Person des Kurfürsten im Mittelpunkte stand, da diesem vom

polnischen Reichstage die Königskrone angeboten worden war; endlich

hoffte der Kaiser, den von ihm angeregten Bund der europäischen Mächte

zur Beruhigung Frankreichs und zur kraftvollen Wiederherstellung der

Monarchie ins Leben zu rufen.

Mehr als Eindringlinge denn als erwünschte Gäste nahmen die

französischen Emigranten, unter denen der übelberüchtigte Herr von

Calonne hervortrat, an der Zusammenkunft teil. Aus den Verhandlungen

zwischen den beiden mächtigsten Fürsten Deutschlands und dem Grafen

von Artois ging jene Erklärung hervor, die nachmals als Pillnitzer

Deklaration so berühmt geworden ist. Ihr Hauptinhalt war folgender:

»Die Fürsten bezeichnen die augenblickliche Lage des Königs von

Frankreich als einen Gegenstand der allgemeinen Teilnahme und sprechen

die Hoffnung aus, daß das Interesse von denjenigen Mächten nicht

verkannt werde, deren Beistand man anrufe. Man erwartet von ihnen,

daß sie nicht anstehen werden, im Verein mit Österreich und Preußen

nach Maßgabe ihrer Kräfte ausreichende Mittel anzuwenden, um den König

von Frankreich in die Lage zu versetzen, in vollkommener Freiheit

die Grundlage einer Regierungsform zu befestigen, welche den Rechten

der Souveräne und dem Wohle Frankreichs entspräche. Der Kaiser und

der König seien in diesem Falle entschlossen, im wechselseitigen

Einvernehmen rasch vorzugehen und mit den notwendigen Mitteln das

vorgesteckte Ziel anzustreben. Mittlerweile werden sie ihren Truppen

die nötigen Befehle erteilen, durch welche sie in den Stand kommen,

sich in Bewegung zu setzen.« Der Wunsch des Grafen Artois, daß die

Monarchen sofort einen Winterfeldzug gegen Frankreich unternehmen

sollten, wurde nicht erfüllt. Trotzdem hat man später die Pillnitzer

Deklaration als eine Art Kriegserklärung gegen Frankreich aufgefaßt,

und sie erregte dort eine gewaltige Empörung. (Nach P. Rachel in den

Dresdner Geschichtsblättern, XX. Jahrgang, Nr. 1 und 2.)

Die Pillnitzer Verhandlungen wurden umrahmt und halb verdeckt durch

allerhand rauschende Festlichkeiten: prunkvolle Tafeln und Opernspiele,

feenhafte Beleuchtung des inneren Schloßhofes und der schönen Alleen

mit 45000 oder gar 60000 Lampen und ein prächtiges Feuerwerk auf der

Insel, zu dem nicht nur aus Dresden gewaltige Menschenmengen sondern

auch Neugierige aus Leipzig (allein 300 Studenten), Dessau, Berlin,

Prag und Wien herbeigeströmt waren. Aber wie dieses pyrotechnische

Spiel, so verpuffte rasch auch das Spiel der Pillnitzer Diplomatie.

»Eine ehrliche innere Annäherung Preußens und Österreichs ist nicht

erfolgt; der Kurfürst von Sachsen hat die polnische Krone nicht

angenommen; der europäische Verein, der sich gegen die demokratischen

Umtriebe bilden sollte, ist nicht zustande gekommen. Vielmehr ist der

Gedanke, irgend etwas für die Wiederherstellung der alten Verhältnisse

in Frankreich zu tun, sehr bald fallen gelassen worden, als sich Ludwig

XVI. noch im September 1791 entschlossen hatte, die seit 1789 beratene

Verfassung anzunehmen.

Wohl aber ist aus der Anwesenheit des Grafen Artois in Dresden und

Pillnitz und aus der Pillnitzer Deklaration die Auffassung entstanden,

als wenn damals die erste Koalition der europäischen Mächte zum Angriff

gegen die französische Revolution gestiftet worden sei.« (Rachel, a. a.

O.)

Die Erinnerung an den glänzenden Rahmen der Pillnitzer

Fürstenzusammenkunft ist im Lande und besonders in der Dresdner

Bürgerschaft noch lange lebendig geblieben, und der einst viel gelesene

und in manchen Kreisen selbst heute noch beliebte Jugendschriftsteller

Gustav Nieritz schildert das Riesenfeuerwerk recht anschaulich im

letzten Kapitel seiner Erzählung: Der Johannistopf.

Ein noch gewaltigeres Feuerwerk entzündete sich zur Mittagsstunde

des 1. Mai 1818, dem alles, was noch vom alten Schloß erhalten war,

dazu auch der Venustempel, innerhalb weniger Stunden zum Opfer fiel.

Nachmittags einhalb drei Uhr stürzte der Schloßturm zusammen. Als

Ursache der Feuersbrunst wurde Fahrlässigkeit bei einer Essenreparatur

angesehen. Gerade hatte der Hof nach Pillnitz übersiedeln wollen. Schon

am folgenden Tage boten die eben zu Dresden versammelten Landstände

ihrem geliebten Fürsten 60000 Taler zum Wiederaufbau des Schlosses

an, und nachdem die Abräumungsarbeiten alsbald in Angriff genommen

worden waren, konnte schon am 29. Oktober 1818 der Grundstein zum

Neubau gelegt werden. Im Herbst 1822 war der Mittelbau, der den

großen Speisesaal enthält, vollendet; 1822 und 1823 entstand der

Küchenflügel, der seine Front dem Elbstrome zuwendet; erst 1826 ward

der gegenüberliegende Kapellenflügel fertig gestellt. Die Einweihung

der Kapelle erfolgte sogar erst 1830. Oberlandbaumeister Christian

Friedrich Schuricht war der leitende Architekt.

Seit jener Zeit sind wesentliche Um- und Neubauten beim Schlosse nicht

mehr vorgenommen worden.

Dagegen erfuhr der Wirtschaftsbetrieb bald nachher einen Wandel. 1832

begann nämlich die Ablösung der Grunddienstbarkeiten, Naturalzinsen und

Geldgefälle der Gutsuntertanen, die erst 1846 zum Abschluß gelangten.

Das Kgl. Kammergut erhielt dabei insgesamt 91235 Mark als Entschädigung.

Pillnitz blieb auch ferner die bevorzugte Sommerresidenz der Wettiner,

und zwei derselben haben in seinen Mauern ihre Augen zum letzten

Schlafe geschlossen. Am 29. Oktober 1873 erlöste hier ein sanfter Tod

König Johann, den Danteforscher, von seinem schweren Herzübel. Am

Abend des 30. Oktober wurde der allverehrte Tote auf einem schwarz

ausgeschlagenen, mit Fackeln erleuchteten Dampfer unter dem Geläute der

Glocken nach Dresden gebracht. Und ein Menschenalter später, wieder

an einem Herbsttage, trugen die Wellen des Elbstromes abermals die

sterblichen Überreste eines Sachsenherrschers zu seiner Gruftkammer

unter der katholischen Hofkirche. König Georg war in der Nacht vom 14.

zum 15. Oktober 1904 in Pillnitz verstorben.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 1–2 · 第 1 / 7 段