Emilia. Was soll ich tun? (Die Hände ringend.)

Der Prinz. Wie, mein Fräulein? Sollten Sie einen Verdacht gegen mich

hegen?

Emilia (die vor ihm niederfällt). Zu Ihren Füßen, gnädiger

Herr.

Der Prinz (sie aufhebend). Ich bin äußerst beschämt.--Ja, Emilia,

ich verdiene diesen stummen Vorwurf.--Mein Betragen diesen Morgen ist

nicht zu rechtfertigen:--zu entschuldigen höchstens. Verzeihen Sie

meiner Schwachheit.--Ich hätte Sie mit keinem Geständnisse beunruhigen

sollen, von dem ich keinen Vorteil zu erwarten habe. Auch ward ich

durch die sprachlose Bestürzung, mit der Sie es anhörten, oder

vielmehr nicht anhörten, genugsam bestraft.--Und könnt' ich schon

diesen Zufall, der mir nochmals, ehe alle meine Hoffnung auf ewig

verschwindet--mir nochmals das Glück, Sie zu sehen und zu sprechen,

verschafft; könnt' ich schon diesen Zufall für den Wink eines

günstigen Glückes erklären--für den wunderbarsten Aufschub meiner

endlichen Verurteilung erklären, um nochmals um Gnade flehen zu dürfen:

so will ich doch--beben Sie nicht, mein Fräulein--einzig und allein

von Ihrem Blicke abhangen. Kein Wort, kein Seufzer soll Sie

beleidigen.--Nur kränke mich nicht Ihr Mißtrauen. Nur zweifeln Sie

keinen Augenblick an der unumschränktesten Gewalt, die Sie über mich

haben. Nur falle Ihnen nie bei, daß Sie eines andern Schutzes gegen

mich bedürfen.--Und nun kommen Sie, mein Fräulein--kommen Sie, wo

Entzückungen auf Sie warten, die Sie mehr billigen. (Er führt sie,

nicht ohne Sträuben, ab.) Folgen Sie uns, Marinelli.

Marinelli. Folgen Sie uns--das mag heißen: folgen Sie uns nicht!--Was

hätte ich ihnen auch zu folgen? Er mag sehen, wie weit er es unter

vier Augen mit ihr bringt.--Alles, was ich zu tun habe, ist--zu

verhindern, daß sie nicht gestöret werden. Von dem Grafen zwar hoffe

ich nun wohl nicht. Aber von der Mutter; von der Mutter! Es sollte

mich sehr wundern, wenn die so ruhig abgezogen wäre und ihre Tochter

im Stiche gelassen hätte.--Nun, Battista? was gibt's?

Emilia Galotti · 第 33 / 58 题