Eines Abends fehlen bei der Vorstellung die bunten Offiziere, die
Menschen reden lauter und kargen mit Beifall. Und mitten in der
Nacht, da alles schon schläft, werden plötzlich in allen Zeltställen
die Lichter angedreht, alle Pferde werden in die Arena geführt, und
Offiziere suchen die stärksten und schönsten aus und stellen sie zu
Paaren.
Wie Dauphin sieht, daß auch Wallenstein mit ausgemustert ist, läuft er
zu ihm hin.
Ein Offizier aber schlägt ihm verächtlich auf die Backen, sagt: „Na
Kleiner, dich wollen wir hier lassen,” und zerrt ihn weg. Dauphin aber
möchte bei Wallenstein bleiben! Und wie die Pferde mit den Offizieren
fortziehen, läuft er nochmals zu Wallenstein hin und wird wieder
fortgejagt.
„Fort zurück, ihr da, in den Stall!” ruft der Direktor, und Dauphin
geht in seinen Stall. Die Löwen brüllen in den Käfigen, die Affen
kratzen an ihren Holzwänden, auf dem Pflaster der Straße vorm Eingang
zum Zirkus tuten und schollern Automobile, und Pferde trappeln in
endlosen Prozessionen durch die Nacht. Das Getrappel foltert den
kleinen Dauphin.
Morgens fand keine Probe statt. Wenn die Sacktür des Stalles sich
hob, sah Dauphin den blauen Wohnwagen des Direktors stehen. Künstler
fütterten, Künstler halfen das große Zelt abschlagen, Künstlerinnen
trugen die Schürzen der Wärter.
Wenn Dauphin sich die übriggebliebenen sieben Pferde ansah, ward
er traurig: Keiner von ihnen wußte anzugeben, etwa wie alt er sei,
wieviel Uhr es sei, keiner konnte auf den Hinterbeinen laufen; es
waren simple, halbstarke Reitpferde für Akrobatinnen, Sklavenpferde,
Sklaven samt und sonders! Der kleine, überaus hellweiße Schimmel,
dessen Fußhaare über die Hufe gekräuselt herabhingen, der äußerst
oberflächlich in Kunst und Wissenschaft war, konnte wenigstens durch
einen Reif springen! Dauphin war sehr traurig.
Was mochte nur los sein? Warum durfte Dauphin nicht dabei sein?
Dauphin wurde mit seinen sieben Genossen zu zweimal Vieren
zusammengekoppelt und gleich einer Kinderschule ausgeführt. Alle
Straßen der Stadt und alle Straßen außer der Stadt waren voller
Soldaten; Regimenter marschierten dahin und dorthin und sangen,
Automobile, mit dem roten Kreuz geschmückt, rasten, hundert
hintereinander, die Hauptstraße hin, Pferde und immer wieder Pferde,
mehr Pferde als Menschen!
Auf der Brückenrampe sah Dauphin seinen Freund Wallenstein, der
mit fünf dicken Gäulen eine riesige Kanone die Rampe hinaufzog. Als
Wallenstein Dauphin sah, wieherte er, schlug einen leichten Trab an und
zog ganz mörderisch an seinen Strängen. Welch eine Wonne mußte das sein
für ihn!
Wie gern hätte Dauphin geholfen, mit der Kraft seiner Muskeln die
Kanone ziehen, -- er hatte in der Arena schon manche Kanone gezogen
--, aber er war an den schäbigen Rest der einstigen Zirkusherrlichkeit
gefesselt und konnte sich nicht befreien. Seine Augen wölbten sich und
bettelten: „Wallenstein!! Komm, Großer, Starker, hilf, hilf doch deinem
kleinen Freunde!” Aber der hatte keine Zeit, und Dauphin mußte zurück,
heimzu, hinter seine Sacktür.
Täglich wurden die Acht ausgeführt. Die Sieben foppten Dauphin, rissen,
wenn er außen ging, die Koppel nach links, daß er mit den Hinterbeinen
aus dem Glied treten mußte und vom Wärter einen Schlag bekam. Wenn
er innen ging, zerrten sie sich nach den Seiten von ihm weg, daß die
Wärter meinen mußten, er, Dauphin, sei der Störenfried, der seine
Nachbarn belästige. Ging er im vorderen Glied, so wurde er gekitzelt,
ging er im hinteren, so flog ihm irgendein Pferdeschweif über die
Augen. Es geschah selbst, daß der oberflächliche Schimmel, nur um dem
Wärter darzutun, er sei belästigt worden, aufs Geratewohl nach hinten
gegen Dauphin ausfeuerte und zurücksah, und der Wärter, der seine
Pferde nicht kannte -- und besonders Dauphin nicht kannte --, sah
seitab nach den lauten Dingen der Straße, und hieb ohne weiteres immer
auf Dauphin ein. Oh, wenn Wallenstein dabei gewesen wäre!
Eines Tages kam ein Offizier mit breiten, roten Streifen an den
Beinkleidern. Er hielt eine Zeitung in der Hand und sagte:
„Wo ist Dauphin?”
Dauphin wurde losgebunden und aus dem Stall geführt, und die sieben
Gesellen mußten zurückbleiben. Der Offizier strich ihm über die Ohren
und sagte:
„Stark genug ist er schon!”
„Er hat Qualitäten und steht auf dem Höhepunkt seiner Kraft,”
entgegnete der Direktor, und Dauphin, der die Stunde der Befreiung,
die Stunde seiner Tauglichkeit ahnte, nickte lebhaft mit dem Kopfe
und scharrte mit dem linken Vorderbein, spürte fast den stolzen
Husarenbusch, den er seit Wochen nicht mehr getragen, zwischen
seinen Ohren schwanken und streckte die Nüstern gegen des Befreiers
braunbekleidete Hand.
„Wie alt bist du, Dauphin?” fragte der Offizier freundlich, und der
Direktor machte sein Geheimzeichen und sprach:
„Na, sag's dem Herrn General, wie alt du bist!”
Und Dauphin nickte siebenmal mit dem Kopfe.
Dann sah er von der Straße her zwei Buben am blauen Wohnwagen vorbei
herzulaufen. Die Buben riefen schon von weitem:
„Der Dauphin, der Dauphin!” und schwangen die Mützen und kamen herbei,
und Dauphin reckte den Kopf längs zu ihnen hin und zeigte seine Zähne.
Der eine konnte Dauphin die weiße Blesse streicheln, den anderen mußte
der General heben, daß er es auch tun konnte.
Der Große zog seine Uhr aus dem Matrosenblüslein, hielt sie Dauphin hin
und sagte:
„Na, wieviel?”
„Können Sie bis zwanzig zählen, Dauphin?” fragte der Kleine.
„Geduld, Jungens!” sagte der General, und der Direktor ließ Dauphin bis
zwanzig zählen und ließ ihn die Uhr ablesen, und der Große beobachtete
genau das Geheimzeichen des Direktors.
Dann mußte Dauphin mit den Buben übern Platz laufen, rundum, so schnell
er konnte, und dann lief er noch lange allein, da die Buben schon müde
waren und auf den im Erdboden steckengebliebenen Zeltpfählen hockten.
Der General hob nunmehr die Sacktür, und Dauphin schlüpfte in den
Stall. Der General kam, der Direktor, der Wärter und die Buben kamen;
aber Dauphin wurde angebunden, und alle gingen wieder fort.
Dauernd sah Dauphin nach der Sacktür, und alle seine Gefährten sahen
hin und machten große, glotzige Augen wie Kühe.
Und siehe, gegen Abend -- Dauphin war ganz allein im Stalle --
schlüpften die Generalsbuben herein, banden sich Dauphin los und
stürmten mit ihm, der stets zu tollen Streichen aufgelegt war, übern
Platz an den Wohnwagen, und am Wohnwagen hob ein Soldat aus einem
zweiräderigen, gelbgestrichenen Kastenwägelchen ein Kummet und schob
es Dauphin übern Kopf. In die Schere ward Dauphin eingeschoben, die
Buben sprangen auf, der Soldat sprang auf -- Dauphin hatte in der Arena
schon allerhand Wagen gezogen und sogar schon Kanonen -- und husch
gings übern Platz hin und her und rundum und dann hopp, hopp, übers
Pflaster in die Stadt hinein durch alle Straßen hin, an hunderttausend
Menschen vorbei und zur Stadt hinaus an den Fluß. Eine Wonne war's, mit
eigener Muskelkraft solche Dinge zu vollbringen! Dauphin achtete, ob
nicht der weiße Husarenbüschel an seine Ohren wedele, ob nicht seine
goldverbrämte Purpurdecke ihn jucke oder sonstwie sich bemerkbar mache.
Eine winzige Kaserne war in die Erde gebaut, und nur die Seite, wo
Drilchsoldaten Pfeife rauchten, war zu sehen. Ueber dem Portale stand
dick in schwarzen Lettern: Fort Großherzog von Hessen! Der größere
Preußenbub bog sich zum Soldaten und sagte:
„Nach Fort fehlt ein Komma oder ein Ausrufezeichen!”
„Oho!” entgegnete der Soldat, „das werd' ich aber Madame sagen, daß du
nicht weißt, was ein Fort ist, und daß du gar einen gekrönten Fürsten
aus seinem Reich vertreiben willst!”
Draußen am Fluß stellten sich die Buben im Wagen auf und nahmen Leine
und Peitsche, und der Soldat blieb sitzen. Sie schlugen Dauphin an die
Lenden, aber das tat nicht weh! Dauphin lief wie noch nie in seinem
Leben, und sein Herz flog vor ihm her.
Drüben im Schatten trottelte die verwahrloste Kleinkinderschule. Als
Dauphin sie kaum gesehen, war sie schon hinter ihm. Dauphin wieherte
laut, was heißen konnte:
„Schreit doch, ihr Generalsbuben, lacht doch, schlagt mich doch, tobt
euch doch aus an mir, ich bin auf dem Höhepunkt meiner physischen
Kraft!”
Ein großer Sandplatz schob sich in den Wald hinein zu beiden Seiten
der Straße. Ein Flieger stieg hinten auf, ließ Leuchtkugeln rudelweise
in die Dämmerung fallen; Kanonen, die auf Wällen standen, richteten
ihre Rohre nach ihm, und Kommandos erschallten weithin. Infanteristen
gingen, ausgeschwärmt, durch die Gräben über die Straße, rasselten an
den Schlössern ihrer Gewehre, und viele verloren, weil sie vor dem
rasenden Dauphin förmlich flüchten mußten, in der Eile etliche ihrer
Patronenhülsen.
Tausend Gäule -- war nicht Wallenstein dabei? -- trabten am Waldrand,
indeß Kanoniere, an langen Seilen geschultert, schwere Geschütze durch
den Sand zogen. Hinterm Wall aus dem Wald kam heftiges Geknatter, und
Dauphins Fußeisen knatterten nicht minder heftig auf der Steinstraße.
Plötzlich stand der General da mitten auf der Straße, Dauphins Befreier!
Dauphin rannte zu ihm hin und blieb halten. Aus seinen Nüstern stieß
sich sein Atem, sein ganzer Körper dampfte, die Adern am Kopf waren
fingerdick geschwollen: Das war die Kraft, die in ihm stak, die sich
freimachte und ihn so beglückte, so überaus beglückte! Doch plötzlich
senken sich die Lider über die jungfrohen Augen und Dauphin bricht
zusammen, kugelt auf den Rücken und streckt die vier Beine zum Himmel.
Als er daheim im Stall wieder erwachte, fühlte er sich so von allem
Physischen befreit, daß seine Seele wie in Gedankenanflügen sich
ergehen konnte. Er, Dauphin, gehörte doch gleich Wallenstein unter die
Soldaten, in die Menge, in die körperliche Arbeit, zu den Strapazen!
Was ist Kunst, und was ist Wissenschaft, was ist selbst der Kuß einer
Königin?
Dauphin hielt die Augen noch geschlossen, aber er sah mit diesen
seinen Augen! Er sah Soldaten schiefgebuckelt um Kanonen rennen, sah
einen Berg voller Soldaten! Ein Gebirge war statt mit Bäumen mit
Soldaten bewachsen, Soldaten sah er aus dem Erdboden aufwachsen;
Pferde schoben sich, wo sonst Wasser hinströmte, unendlich hin, und es
war ihm, als sähe er Wallenstein neben sich im Straßengraben liegen,
Wallenstein, den mächtigsten von allen. Ja wirklich, Wallenstein reckte
die vier Beine zum Himmel auf, und aus seiner Stirn, dort, wo Dauphin
von der Königin geküßt worden war, floß rotes Blut.
Dauphin hörte deutlich schießen und tat die Augen auf.
Der Direktor stand da bei ihm in dem fremden Stall, der Wärter rieb mit
Stroh an seinem Leib herum, der General stand da und die Buben mit den
Schulranzen, und der Kleine hatte den Daumen im Mund.
Dauphin sprang auf, nickte, beschnupperte der Buben fröhliche
Haarbüschel und wieherte schon wieder vor Freude. Aber dann wurde er
vom Wärter fortgeführt, und es ging nicht etwa auf den Exerzierplatz,
sondern wieder zurück am blauen Wagen vorbei, durch die Sacktür in den
Stall zu den Sieben.
Die Sieben wurden wieder spazieren geführt, und Dauphin blieb daheim.
Und Dauphin sah, solange er allein war, nach der Sacktür, ob nicht
der General käme, oder der Soldat, oder sonst ein Soldat, und niemand
kam. Der Wind wehte an der Sacktür herum, und manchmal sah Dauphin den
blauen Wohnwagen stehen.
Die Sieben kamen zurück, und am nächsten Tage mußte Dauphin mit ins
Freie spazieren, und die Qual begann wieder und dauerte -- der Direktor
ließ sich auch nicht mehr sehen -- viele Tage lang.
Bis wieder einmal ein Soldat in den Stall kam, der alle Pferde mit
Namen kannte und Dauphin besonders liebkoste und alles so tat, wie's
ehedem der Direktor getan hatte. Und wie er Dauphin ein Stück Zucker
hinhielt, erkannte Dauphin, daß der Soldat niemand anders war als der
Direktor selber. Da freute sich Dauphin über die Maßen und riß an
seiner Kette. Der geliebte Direktor redet in seltsam langgezogenem,
klagendem Tone allerhand mit Dauphin, was Dauphin zwar nicht ganz
verstand, was aber dennoch sehr schön und gut war, und zog dann seinen
Säbel aus der Scheide und hielt ihn Dauphin an die Augen.
Und Dauphin bekam ein bißchen Angst vor dem blanken Stahl, wie Isaak
vor seinem Vater Abraham, streckte den Kopf ganz wagrecht vor, hob die
Nüstern und beschnupperte, freundlich aus den Augen zu ihm lächelnd,
daß der Direktor doch nicht etwa ..., dessen Hand.
Der Direktor nahm Dauphins Kopf untern Arm und sagte:
„Unser buntgekleidetes Künstlertum ist zu Ende, mein Lieber, und die
Kunst schlechthin wird stark angerannt werden! Aber du lieber Himmel,
was ist denn auch die Kunst, was sind denn unsere Kunststückchen,
was steckt denn dahinter? Du hast es ja durchgemacht unter meiner
Peitsche, Dauphin! Ich habe dich gepeinigt, ich habe dir die Lenden
verhauen, einmal -- ich weiß das nur zu genau -- da habe ich dich, da
du hilflos am Boden lagst und mit dem Erdball nicht spielen wolltest
oder nicht spielen konntest vor Müdigkeit, da habe ich dir mit meinen
Füßen die Weichen zertreten, nicht anders als wie der Töpfer seinen
Ton tritt, auf daß er weich werde und sich der formenden Hand füge!
Nicht anders, Dauphin! Die Schmerzen, die du unter meiner Peitsche
erduldet hast, das sind so recht die Schmerzen aller Künstler, wenn
ich, mich zu entschuldigen, so sagen darf. Ich weiß: auch bei den
anderen Künstlern ist es so! Sie gucken zwar mit Verachtung auf
unsere Kunst, auf unsere Kunststücke herab, aber sie sollten es nicht
einmal tun! Wir leiden, bis wir unsere Bocksprünge richtig vollbringen
können, nicht viel weniger als sie, die mehr begnadet sind als wir,
aber wir leiden! Und leiden muß versöhnen und muß zu Brüdern machen!
Herrjeh, bringt nicht der Dichter gleich uns sein Herz zu Markt, um
gleich uns seinen Mitmenschen eine frohe Stunde zu bereiten? Leidet er
etwa weniger, als du gelitten hast, Dauphin? Ha, sie sind schlau wie
immer, und sagen: was sind körperliche Leiden verglichen mit den Leiden
der Seele? Als ob wir keine Seele hätten, Dauphin, als ob du keine
Seele hättest! Als ob deine Seele drinnen an der Krippe zurückbleibe
wie dein Halfter, das neben am Nagel hängt! Wer wüßt' besser als ich,
Dauphin, daß du eine Seele habest! Ich habe sie malträtiert! Ich habe
den Geist, der in dir kreist, den heiligen Geist, nicht wahr, Dauphin,
den heiligen Geist in dir vergewaltigt, und das muß sich naturgemäß und
übernaturgemäß rächen! Nun stehe ich vor dir: der Sklave eines anderen
Zirkusdirektors, der mich in seine qualvolle Arena spannt! Laß gut
sein, Dauphin, laß gut sein! Oft und immer wieder habe ich mich der
Einsicht verschlossen, unsere Verrenkungen, unsere Bocksprünge seien
keine Vergewaltigungen der Natur, seien keine Widernatürlichkeiten,
die sie doch sind ... Dauphin, die sie doch sind! Geh, frage auch
die anderen Künstler, die von der hohen Fakultät, meine ich, ob sie
dir nicht recht geben? Ob sie, so frage sie, ob sie nicht lieber das
Leben, das sie so glücklich vorzutäuschen vermögen, wirklich und in
Wahrheit leben würden, leben würden, anstatt gleich uns die Maske zu
tragen, zu gestalten, was sie nicht sind, zu erfreuen, da sie freudlos
sind? ... Was soll ich mich länger noch dieser Einsicht verschließen,
jetzt, am Ende der buntgekleideten Herrlichkeit, da über uns die
Wahrheit hereinbricht, die dem größeren Direktor noch verschleiert zu
sein scheint? Menschen soll ich töten gehen! Sieh dir den Stahl an,
er soll Menschen töten! Dauphin, Dauphin: wenn das Leben ein Zirkus
wäre, so würde ich mir hier und jetzt den Stahl in die Brust stoßen!
Liebes Tierchen, leb' wohl! Ich weiß -- so heftig fühle ich es --,
ich weiß, daß ich nicht zurückkehren werde aus dieser Narrenarena!
Ich fürchte, diejenigen, die den Krieg hätten verhüten können, sind
nur Zirkusdirektoren, Dauphin, sind auch nur Zirkusdirektoren und
versündigen sich am heiligen Geist! Aber das Leben ist ja kein Zirkus,
ist ja kein Zirkus!”
Der Direktor küßte Dauphin auf die Blesse und stürzte zum Stall hinaus.
Dauphin riß an seiner Kette! Umsonst riß Dauphin an seiner Kette!
Den ganzen Tag und die ganze Nacht schurfte Dauphin in seinem
Verschlag umher und strebte hinaus, irgendwohin, wo Leben pochte,
mochte es Leben sein, welcher Art es wollte.
Regentropfen prasselten auf die Zeltdecke des Stalles, unausgesetzt
strömte der Regen hernieder. Die Sieben lagen ausgestreckt in ihren
Abteilen und schliefen, und Dauphin allein wachte und hörte den
Rieselregen an. Neben seiner Krippe tropfte Wasser von der Decke
hernieder; die Tropfen zersprühten, da sie aufklatschten, und
bespritzten Dauphin. Ihn fror. Nach einigen Stunden aber hörte das
Gesumm des Regens auf, und die Sonne schnitt durch das Löchlein der
Zeltdecke, sichtbar wirbelte sich feiner Staub in den Sonnenstreifen,
und auf dem Rücken eines kleinen Schimmels lag ein greller Lichtfleck.