mit ihrem Kinde umherstreicht? Es ist nicht meine Schuld, wenn sie nicht
ihrer drei sind; warum hat sie mich verhindert, mein Geschäft gänzlich
zu vollenden! --
»Lodoiska, ich beschwöre Sie bei meiner Liebe, erholen Sie sich; Sie
machen mich zum unglücklichsten aller Männer. Was fehlt Ihnen? Was
wollen Sie?«
-- Ich habe Durst, großen Durst! --
»Er ist ja leicht zu befriedigen.«
-- Oh, nicht so leicht! Blut muß ich haben! Blut! und zwar das deinige,
Alfred! --
»Ach, Unglückliche, wie kann Ihr Verstand Sie so gänzlich verlassen!
Beruhigen Sie sich; vergessen Sie, was geschehen ist, und bedenken Sie,
daß wir für einander bestimmt sind.«
-- Ja, ja! im kühlen Grabe, wo ich schon einmal geruht habe. --
»Ich höre nicht weiter auf Sie; kommen Sie jetzt, um das Letzte zu
erfüllen.«
Mit diesen Worten schlang er seinen Arm um Lodoiska, und zog sie schnell
zur Kapelle hin, während sie ein lautes Geschrei ausstieß, das sich in
das Heulen des Sturmwindes mischte.
»Alfred! mein Alfred! so bald willst du sterben? .... Ja, ja, du gehörst
mir an, und mein schreckliches Geschäft wird nun erfüllt werden!«
Unter so unerklärbaren Ausrufungen der halb bewußtlosen Lodoiska
gelangte der Oberst endlich in die Kapelle, sie mehr tragend als
führend. Ein fürchterliches Angstgeschrei war die erste Wirkung, die der
Anblick des erleuchteten Altars und des Geistlichen auf sie machte.
»O, grausames Schicksal! rief sie aus; so ist es denn wahr, daß du
erfüllt werden mußt?«
Fast mit Gewalt zog Alfred sie bis vor den Altar. Jetzt leistete sie
keinen Widerstand mehr, sondern schluchzte nur und zerfloß in Thränen;
dann schienen ihre Gesichtszüge sich zu verzerren, und der Kreislauf
ihres Blutes sich zu hemmen. Nur an einem dünnen Faden schien das Leben
Lodoiska's noch zu hängen, während der Pfarrer die Trauungsceremonie
anfing. Jetzt sollten die Ringe gewechselt werden; aber Lodoiska's Hand
war mit dem Handschuh versehen, dessen wir schon mehrmals erwähnten.
Voll heftiger Ungeduld riß der Oberst diesen Handschuh herunter, ehe es
Lodoiska verhindern konnte .... und die Abscheu erregenden knöchernen
Gebeine eines Skelets fielen ihm und dem erstaunten Geistlichen in die
Augen! --
Ein Schrei des Entsetzens entfuhr allen Zeugen dieses schrecklichen
Schauspiels. Lodoiska fiel leblos auf den Fußboden nieder, und aus drei
geöffneten Wunden quoll ein unreines, stinkendes Blut hervor. --
Am dritten Tage ward der Leichnam der Fremden zur Erde bestattet. Aber
mit den ersten Strahlen des Mondes, die ihr Grab beschienen, erhob sie
sich abermals aus ihrer Ruhestätte, und .... am andern Morgen fand man
den Obersten todt in seinem Bette ..... An drei verschiedenen Orten
waren ihm die Adern geöffnet, und in seinem ganzen Körper war auch kein
Blutstropfen mehr vorhanden, der von seinem ehemaligen Dasein zeugte. --
Ende.
Anmerkungen zur Transkription
Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im
Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet.
Die variierende Schreibweise, Grammatik und Interpunktion des Originales
wurden unverändert beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler
wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
[S. 71]:
... könnnen Sie so sprechen! Sie, ein Feind des ...
... können Sie so sprechen! Sie, ein Feind des ...
[S. 88]:
... »Von allem Diesen ist durchaus nicht ...
... »Von allem Diesem ist durchaus nicht ...
[S. 101]:
... Obersten ein solches Beben zn verursachen, ...
... Obersten ein solches Beben zu verursachen, ...
[S. 122]:
... und diese ließ sich vor Niemanden ...
... und diese ließ sich vor Niemandem ...
[S. 138]:
... »Sie zu sehen, Frau Oberstin, antworwortete ...
... »Sie zu sehen, Frau Oberstin, antwortete ...
[S. 139]:
... Ruderwerk in Bewegung gesetzt worden ist, ...
... Räderwerk in Bewegung gesetzt worden ist, ...
[S. 176]:
... dich vor dem Dämon beschützen werden, der ...
... dich vor dem Dämon beschützen werden, das ...
[S. 183]:
... ich nicht; nur hätten sie vielleicht mit ...
... ich nicht; nur hätten Sie vielleicht mit ...
[S. 188]:
... sie wußte, welche Grausamkeit ihr noch auszuüden ...
... sie wußte, welche Grausamkeit ihr noch auszuüben ...