19. August.

Warwara Alexejewna, mein Kindchen!

Ich schäme mich, mein Sternchen, ich schäme mich. Doch übrigens,

Liebling, was ist denn dabei so Besonderes? Warum soll man nicht sein

Herz etwas erleichtern? Sieh: ich denke dann nicht mehr an meine

Stiefelsohlen – eine Sohle ist doch nichts und bleibt ewig nur eine

einfache, gemeine, schmutzige Stiefelsohle. Und auch Stiefel sind

nichts! Sind doch die griechischen Weisen ohne Stiefel gegangen, wozu

also soll sich unsereiner mit einem so nichtswürdigen Gegenstande

abgeben? Warum mich deshalb gleich beleidigen und verachten? Ach, Kind,

mein Kind, da haben Sie nun etwas gefunden, das Sie mir schreiben

können! – Der Fedora aber sagen Sie, daß sie ein närrisches,

unzurechnungsfähiges Weib ist, mit allerlei Schrullen im Kopf, und zum

Überfluß auch noch dumm, unsagbar dumm! Was aber meine grauen Haare

betrifft, so täuschen Sie sich auch darin, meine Gute, denn ich bin noch

lange nicht so ein Alter, wie Sie denken.

Jemeljä läßt Sie grüßen. Sie schreiben, Sie hätten sich gegrämt und

hätten geweint, und ich schreibe Ihnen, daß auch ich mich gegrämt habe

und weine. Zum Schluß aber wünsche ich Ihnen Gesundheit und Wohlergehen,

und was mich betrifft, so bin ich gleichfalls gesund und wohl und

verbleibe mit besten Grüßen, mein Engelchen, Ihr Freund

Makar Djewuschkin.

Sämtliche Werke 14 · 第 58 / 102 题