Liebster Makar Alexejewitsch!
Wenn Sie doch wenigstens nicht verzweifeln würden! Es gibt ohnehin schon
Sorgen genug! – Ich sende Ihnen dreißig Kopeken, mehr kann ich nicht.
Kaufen Sie sich dafür, was Sie da gerade am notwendigsten brauchen, um
sich wenigstens noch bis morgen irgendwie durchzuschlagen. Wir haben
selbst fast nichts mehr, was morgen aus uns werden wird – ich weiß es
nicht. Es ist traurig, Makar Alexejewitsch! Übrigens sollen Sie deshalb
den Kopf nicht hängen lassen: nun, er hat Ihnen nichts gegeben, was ist
denn schließlich dabei! Fedora sagt, noch sei es nicht so schlimm, wir
könnten noch ganz gut eine Weile hierbleiben – und selbst wenn wir in
eine andere Wohnung übergesiedelt wären, hätten wir damit doch nur wenig
gewonnen, denn wer es wolle, der könne uns überall finden. Freilich ist
es deshalb noch immer nicht schön, jetzt hierzubleiben. Wenn nicht alles
so traurig wäre, würde ich Ihnen noch mancherlei schreiben.
Was Sie doch für einen sonderbaren Charakter haben, Makar Alexejewitsch!
Sie nehmen sich alles viel zu sehr zu Herzen: deshalb werden Sie auch
immer der unglücklichste Mensch sein. Ich lese Ihre Briefe sehr
aufmerksam und sehe, daß Sie sich in einem jeden dermaßen um mich sorgen
und quälen, wie Sie sich um sich selbst noch nie gesorgt und gequält
haben. Man wird natürlich sagen, daß Sie ein gutes Herz haben. Ich aber
sage, daß Ihr Herz viel zu gut ist. Ich möchte Ihnen einen
freundschaftlichen Rat geben, Makar Alexejewitsch. Ich bin Ihnen
dankbar, sehr dankbar für alles, was Sie für mich getan haben, ich
empfinde es tief, glauben Sie mir. Also urteilen Sie jetzt selbst, wie
mir zumute ist, wenn ich sehen muß, daß Sie nach all Ihrem Unglück und
Ihren Sorgen, deren unfreiwillige Ursache ich gewesen bin, – daß Sie
auch jetzt noch nur für mich leben, gewissermaßen sogar nur um
meinetwillen leben: meine Freuden sind Ihre Freuden, mein Leid ist Ihr
Leid, und meine Gefühle sind Ihnen wichtiger, als Ihre eigenen! Wenn man
sich aber den Kummer Fremder so zu Herzen nimmt und mit allen so viel
Mitleid empfindet, dann hat man allerdings Ursache, der unglücklichste
Mensch zu sein. Als Sie heute nach dem Dienst bei uns eintraten,
erschrak ich förmlich bei Ihrem Anblick. Sie sahen so bleich, so
abgehärmt und mitgenommen, so zerstört und verzweifelt aus: Sie waren
kaum wiederzuerkennen, – und das alles nur deshalb, weil Sie sich
fürchteten, mir Ihren Mißerfolg mitzuteilen, mich zu betrüben und zu
erschrecken. Als Sie aber sahen, daß ich ob dieses kleinen Unglücks zu
lachen begann, da atmeten Sie geradezu befreit auf. Makar Alexejewitsch!
So grämen Sie sich doch nicht so, verzweifeln Sie doch nicht, seien Sie
doch vernünftig! Ich bitte Sie darum, ich beschwöre Sie! Sie werden
sehen, es wird alles gut werden, alles wird sich zum Besseren wenden.
Sie machen sich das Leben ganz unnötigerweise schwer, indem Sie sich
ewig um andere grämen und sorgen.
Leben Sie wohl, mein Freund! Ich bitte Sie nochmals, sorgen Sie sich
nicht um mich!