5. August.

Liebster Makar Alexejewitsch!

Wenn Sie doch wenigstens nicht verzweifeln würden! Es gibt ohnehin schon

Sorgen genug! – Ich sende Ihnen dreißig Kopeken, mehr kann ich nicht.

Kaufen Sie sich dafür, was Sie da gerade am notwendigsten brauchen, um

sich wenigstens noch bis morgen irgendwie durchzuschlagen. Wir haben

selbst fast nichts mehr, was morgen aus uns werden wird – ich weiß es

nicht. Es ist traurig, Makar Alexejewitsch! Übrigens sollen Sie deshalb

den Kopf nicht hängen lassen: nun, er hat Ihnen nichts gegeben, was ist

denn schließlich dabei! Fedora sagt, noch sei es nicht so schlimm, wir

könnten noch ganz gut eine Weile hierbleiben – und selbst wenn wir in

eine andere Wohnung übergesiedelt wären, hätten wir damit doch nur wenig

gewonnen, denn wer es wolle, der könne uns überall finden. Freilich ist

es deshalb noch immer nicht schön, jetzt hierzubleiben. Wenn nicht alles

so traurig wäre, würde ich Ihnen noch mancherlei schreiben.

Was Sie doch für einen sonderbaren Charakter haben, Makar Alexejewitsch!

Sie nehmen sich alles viel zu sehr zu Herzen: deshalb werden Sie auch

immer der unglücklichste Mensch sein. Ich lese Ihre Briefe sehr

aufmerksam und sehe, daß Sie sich in einem jeden dermaßen um mich sorgen

und quälen, wie Sie sich um sich selbst noch nie gesorgt und gequält

haben. Man wird natürlich sagen, daß Sie ein gutes Herz haben. Ich aber

sage, daß Ihr Herz viel zu gut ist. Ich möchte Ihnen einen

freundschaftlichen Rat geben, Makar Alexejewitsch. Ich bin Ihnen

dankbar, sehr dankbar für alles, was Sie für mich getan haben, ich

empfinde es tief, glauben Sie mir. Also urteilen Sie jetzt selbst, wie

mir zumute ist, wenn ich sehen muß, daß Sie nach all Ihrem Unglück und

Ihren Sorgen, deren unfreiwillige Ursache ich gewesen bin, – daß Sie

auch jetzt noch nur für mich leben, gewissermaßen sogar nur um

meinetwillen leben: meine Freuden sind Ihre Freuden, mein Leid ist Ihr

Leid, und meine Gefühle sind Ihnen wichtiger, als Ihre eigenen! Wenn man

sich aber den Kummer Fremder so zu Herzen nimmt und mit allen so viel

Mitleid empfindet, dann hat man allerdings Ursache, der unglücklichste

Mensch zu sein. Als Sie heute nach dem Dienst bei uns eintraten,

erschrak ich förmlich bei Ihrem Anblick. Sie sahen so bleich, so

abgehärmt und mitgenommen, so zerstört und verzweifelt aus: Sie waren

kaum wiederzuerkennen, – und das alles nur deshalb, weil Sie sich

fürchteten, mir Ihren Mißerfolg mitzuteilen, mich zu betrüben und zu

erschrecken. Als Sie aber sahen, daß ich ob dieses kleinen Unglücks zu

lachen begann, da atmeten Sie geradezu befreit auf. Makar Alexejewitsch!

So grämen Sie sich doch nicht so, verzweifeln Sie doch nicht, seien Sie

doch vernünftig! Ich bitte Sie darum, ich beschwöre Sie! Sie werden

sehen, es wird alles gut werden, alles wird sich zum Besseren wenden.

Sie machen sich das Leben ganz unnötigerweise schwer, indem Sie sich

ewig um andere grämen und sorgen.

Leben Sie wohl, mein Freund! Ich bitte Sie nochmals, sorgen Sie sich

nicht um mich!

Sämtliche Werke 14 · 第 49 / 102 题