Meine unschätzbare Warwara Alexejewna!
Ja: jetzt, wo alles schon vorüber und überstanden ist und alles
allmählich wieder ins alte Geleise kommt, kann ich ja zu Ihnen ganz
aufrichtig sein, mein Kind. Also: es beunruhigt Sie, was man von mir
denken und was man von mir sagen wird. Darauf beeile ich mich, Ihnen
mitzuteilen, daß mein Ansehen im Amte mir höher steht, als alles andere.
Und da kann ich Ihnen denn, nachdem ich Ihnen von diesen meinen
Unglücksfällen und Mißgeschicken berichtet habe, nunmehr mitteilen, daß
von meinen Vorgesetzten noch niemand etwas erfahren hat, so daß sie mich
alle nach wie vor achten werden. Nur eines fürchte ich: nämlich
Klatschgeschichten. Hier zu Haus schrie die Wirtin, aber nachdem ich ihr
jetzt mittels Ihrer zehn Rubel einen Teil meiner Schuld bezahlt habe,
brummt sie nur noch. Und was die anderen betrifft, so ist es nicht so
schlimm: man muß sie nur nicht um Geld bitten, dann sind sie ganz gut.
Zum Schluß aber dieser meiner Erklärungen sage ich Ihnen noch, mein
Kind, daß Ihre Achtung mir über alles geht, über alles und jedes in der
Welt, und damit, daß ich diese nicht eingebüßt habe, tröste ich mich nun
in der Zeit meiner Bedrängnis. Gott sei Dank, daß der erste Schlag und
die ersten Unannehmlichkeiten vorüber sind, und daß Sie es so milde
auffassen, daß Sie mich deshalb nicht für einen treulosen Freund und
selbstsüchtigen Menschen halten, weil ich Sie hier bei uns zurückhielt
und Sie betrog, Sie liebte und doch nicht die Kraft hatte, mich von
Ihnen zu trennen, mein Engel. Ich habe mich mit Eifer von neuem an meine
Arbeit gemacht und bin bemüht, durch treue Pflichterfüllung im Dienst
mein Vergehen wieder gut zu machen. Jewstafij Iwanowitsch sagte kein
Wort, als ich gestern an ihm vorüberging.
Ich will Ihnen auch nicht verheimlichen, mein Kind, daß meine Schulden
und der schlechte Zustand meiner Kleidung schwer auf mir lasten, aber
darauf kommt es ja wieder gar nicht an, und ich bitte Sie nur inständig,
sich wegen dieser Nebensachen keine Sorgen zu machen. Sie senden mir
noch ein halbes Rubelchen. Warinka, dieses halbe Rubelchen hat mir mein
Herz durchbohrt. Also so steht es jetzt, so hat sich das Blatt gewandt!
Nicht ich, der alte Dummkopf, helfe Ihnen, mein Engelchen, sondern Sie,
mein armes Waisenkindchen, helfen noch mir! Das war sehr gut von Fedora,
daß sie Geld verschafft hat. Ich habe vorläufig gar keine Aussichten,
irgendwo welches auftreiben zu können, mein Kind, doch sobald sich
irgendeine Aussicht auf eine Möglichkeit einstellen sollte, werde ich
Ihnen darüber ausführlich näheres schreiben. Nur der Klatsch, der
Klatsch beunruhigt mich!
Leben Sie wohl, mein Engelchen. Ich küsse Ihr Händchen und bitte Sie
flehentlich, nur ja wieder gesund zu werden. Ich schreibe deshalb so
kurz, weil ich zum Dienst eilen muß, denn durch Eifer und Fleiß will ich
alle meine Versäumnisse nachholen und so mein Gewissen langsam
beruhigen. Die ausführlichere Wiedergabe meiner Erlebnisse sowie jener
Geschichte mit den Offizieren verschiebe ich auf den Abend. Dann habe
ich mehr Zeit.
Ihr Sie hoch verehrender und herzlich liebender
Makar Djewuschkin.