28. Juli.

Meine unschätzbare Warwara Alexejewna!

Ja: jetzt, wo alles schon vorüber und überstanden ist und alles

allmählich wieder ins alte Geleise kommt, kann ich ja zu Ihnen ganz

aufrichtig sein, mein Kind. Also: es beunruhigt Sie, was man von mir

denken und was man von mir sagen wird. Darauf beeile ich mich, Ihnen

mitzuteilen, daß mein Ansehen im Amte mir höher steht, als alles andere.

Und da kann ich Ihnen denn, nachdem ich Ihnen von diesen meinen

Unglücksfällen und Mißgeschicken berichtet habe, nunmehr mitteilen, daß

von meinen Vorgesetzten noch niemand etwas erfahren hat, so daß sie mich

alle nach wie vor achten werden. Nur eines fürchte ich: nämlich

Klatschgeschichten. Hier zu Haus schrie die Wirtin, aber nachdem ich ihr

jetzt mittels Ihrer zehn Rubel einen Teil meiner Schuld bezahlt habe,

brummt sie nur noch. Und was die anderen betrifft, so ist es nicht so

schlimm: man muß sie nur nicht um Geld bitten, dann sind sie ganz gut.

Zum Schluß aber dieser meiner Erklärungen sage ich Ihnen noch, mein

Kind, daß Ihre Achtung mir über alles geht, über alles und jedes in der

Welt, und damit, daß ich diese nicht eingebüßt habe, tröste ich mich nun

in der Zeit meiner Bedrängnis. Gott sei Dank, daß der erste Schlag und

die ersten Unannehmlichkeiten vorüber sind, und daß Sie es so milde

auffassen, daß Sie mich deshalb nicht für einen treulosen Freund und

selbstsüchtigen Menschen halten, weil ich Sie hier bei uns zurückhielt

und Sie betrog, Sie liebte und doch nicht die Kraft hatte, mich von

Ihnen zu trennen, mein Engel. Ich habe mich mit Eifer von neuem an meine

Arbeit gemacht und bin bemüht, durch treue Pflichterfüllung im Dienst

mein Vergehen wieder gut zu machen. Jewstafij Iwanowitsch sagte kein

Wort, als ich gestern an ihm vorüberging.

Ich will Ihnen auch nicht verheimlichen, mein Kind, daß meine Schulden

und der schlechte Zustand meiner Kleidung schwer auf mir lasten, aber

darauf kommt es ja wieder gar nicht an, und ich bitte Sie nur inständig,

sich wegen dieser Nebensachen keine Sorgen zu machen. Sie senden mir

noch ein halbes Rubelchen. Warinka, dieses halbe Rubelchen hat mir mein

Herz durchbohrt. Also so steht es jetzt, so hat sich das Blatt gewandt!

Nicht ich, der alte Dummkopf, helfe Ihnen, mein Engelchen, sondern Sie,

mein armes Waisenkindchen, helfen noch mir! Das war sehr gut von Fedora,

daß sie Geld verschafft hat. Ich habe vorläufig gar keine Aussichten,

irgendwo welches auftreiben zu können, mein Kind, doch sobald sich

irgendeine Aussicht auf eine Möglichkeit einstellen sollte, werde ich

Ihnen darüber ausführlich näheres schreiben. Nur der Klatsch, der

Klatsch beunruhigt mich!

Leben Sie wohl, mein Engelchen. Ich küsse Ihr Händchen und bitte Sie

flehentlich, nur ja wieder gesund zu werden. Ich schreibe deshalb so

kurz, weil ich zum Dienst eilen muß, denn durch Eifer und Fleiß will ich

alle meine Versäumnisse nachholen und so mein Gewissen langsam

beruhigen. Die ausführlichere Wiedergabe meiner Erlebnisse sowie jener

Geschichte mit den Offizieren verschiebe ich auf den Abend. Dann habe

ich mehr Zeit.

Ihr Sie hoch verehrender und herzlich liebender

Makar Djewuschkin.

Sämtliche Werke 14 · 第 39 / 102 题