Liebe Warwara Alexejewna!
Ich will Ihnen nur mitteilen, meine Gute, daß bei uns im Hause etwas
sehr Trauriges geschehen ist, etwas, das jedes Menschen Mitleid erwecken
muß. Heute um fünf Uhr morgens starb Gorschkoffs kleiner Sohn. Ich weiß
nicht recht, woran, – an den Masern oder, Gott weiß, vielleicht war es
auch Scharlach. Da besuchte ich sie denn heute, diese Gorschkoffs. Ach,
Liebe, was das für eine Armut bei ihnen ist! Und was für eine Unordnung!
Aber das ist ja schließlich kein Wunder: die ganze Familie lebt doch nur
in diesem einen Zimmer, das sie nur anstandshalber durch einen
Bettschirm so ein wenig abgeteilt haben.
Jetzt steht bei ihnen schon der kleine Sarg, – ein ganz einfacher,
billiger, aber er sieht doch ganz nett aus, sie haben ihn gleich fertig
gekauft. Der Knabe war neun Jahre alt und soll, wie man hört, zu schönen
Hoffnungen berechtigt haben. Es tut weh, weh vor Mitleid, sie anzusehen,
Warinka. Die Mutter weint nicht, aber sie ist so traurig, die Arme. Es
ist für sie ja vielleicht eine Erleichterung, daß ihnen ein Kindchen
abgenommen ist: es bleiben ihnen noch zwei, die sie zu ernähren haben:
ein Brustkind und ein kleines Töchterchen so von etwa sechs Jahren, viel
älter kann das zarte Ding noch nicht sein.
Wie muß einem doch zumute sein, wenn man sieht, wie ein Kindchen leidet,
und noch dazu das eigene, leibliche Kindchen, und man hat nichts, womit
man ihm helfen könnte! Der Vater sitzt dort in einem alten, schmutzigen
und fadenscheinigen Rock auf einem halb zerbrochenen Stuhl. Die Tränen
laufen ihm über die Wangen, aber vielleicht gar nicht vor Leid, sondern
nur so, aus Gewohnheit – die Augen tränen eben. Er ist so ein
Sonderling! Immer wird er rot, wenn man mit ihm spricht, und niemals
weiß er, was er antworten soll. Das kleine Mädchen stand dort an den
Sarg gelehnt, stand ganz still und ernst und ganz nachdenklich. Ich
liebe es nicht, Warinka, wenn ein Kindchen nachdenklich ist: es
beunruhigt einen. Eine Puppe aus alten Zeugstücken lag auf dem Fußboden,
– sie spielte aber nicht mit ihr. Das Fingerchen im Mund: so stand sie,
– stand und rührte sich nicht. Die Wirtin gab ihr ein Bonbonchen: sie
nahm es, aß es aber nicht. Traurig das alles – nicht wahr, Warinka?
Ihr
Makar Djewuschkin.