Mein Täubchen, mein Liebling!
Ich will Ihnen schreiben, weiß aber nicht – womit beginnen?
Ist das nicht sonderbar, wie wir beide jetzt hier so miteinander leben!
Ich sage das nur deshalb, müssen Sie wissen, weil ich meine Tage noch
nie so froh verbracht habe. Ganz als hätte mich Gott der Herr mit einem
Häuschen und einer Familie gesegnet! Mein Kindchen sind Sie, mein
kleines reizendes!
Was reden Sie da von den vier Hemdchen, die ich Ihnen geschickt habe!
Sie hatten sie doch nötig – Fedora sagte es mir. Und mich, liebes Kind,
mich macht es doch glücklich, für Sie sorgen zu können: das ist nun
einmal mein größtes Vergnügen – also lassen Sie mich nur gewähren, Kind,
und widersprechen Sie mir nicht! Noch niemals habe ich so etwas erlebt,
Herzchen. Jetzt lebe ich doch ein ganz anderes Leben. Erstens
gewissermaßen zu zweien, wenn man so sagen darf, denn Sie leben doch
jetzt in meiner nächsten Nähe, was mir ein großer Trost und eine große
Freude ist. Und zweitens hat mich heute mein Zimmernachbar, Ratasäjeff –
jener Beamte, wissen Sie, bei dem literarische Abende stattfinden –,
also der hat mich heute zum Tee eingeladen. Heute findet bei ihm nämlich
wieder so eine Versammlung statt: es soll etwas Literarisches vorgelesen
werden. Da sehen Sie, wie wir jetzt leben, Kindchen – was?!
Nun, leben Sie wohl. Ich habe das alles ja nur so geschrieben, ohne
besonderen Zweck, nur um Sie von meinem Wohlbefinden zu unterrichten.
Sie haben mir durch Theresa sagen lassen, daß Sie farbige Nähseide zur
Stickerei benötigen: ich werde sie kaufen, Kindchen, ich werde sie Ihnen
besorgen, gleich morgen werde ich sie Ihnen besorgen. Ich weiß auch
schon, wo ich sie am besten kaufen kann. Inzwischen verbleibe ich
Ihr aufrichtiger Freund
Makar Djewuschkin.