20. Juni.

Sehr geehrter Makar Alexejewitsch!

Schreibe Ihnen in aller Eile, denn ich habe sehr wenig Zeit, – muß eine

Arbeit zu einem bestimmten Termin beenden.

Hören Sie, um was es sich handelt: es bietet sich ein guter

Gelegenheitskauf. Fedora sagt, ein Bekannter von ihr habe einen fast

neuen Uniformrock, sowie Beinkleider, Weste und Mütze zu verkaufen, und

alles, wie sie sagt, sehr billig. Wenn Sie sich das nun kaufen wollten!

Sie haben doch jetzt Geld und sind nicht mehr in Verlegenheit, – Sie

sagten mir ja selbst, daß Sie Geld haben. Also seien Sie vernünftig und

schaffen Sie sich die Sachen an. Sie haben sie doch so nötig. Sehen Sie

sich doch nur selbst an, in was für alten Kleidern Sie umhergehen. Eine

wahre Schande! Alles ist geflickt. Und neue Kleider haben Sie nicht, das

weiß ich, obschon Sie versichern, Sie hätten sie. Gott weiß, was Sie mit

Ihrem neuen Anzug angefangen haben. So hören Sie doch diesmal auf mich

und kaufen Sie die Kleider, bitte, tun Sie’s! Tun Sie es für mich, wenn

Sie mich lieb haben!

Sie haben mir Wäsche geschenkt. Hören Sie, Makar Alexejewitsch, das geht

wirklich nicht so weiter! Sie richten sich zugrunde, denn das ist doch

kein Spaß, was Sie schon für mich ausgegeben haben, – entsetzlich,

wieviel Geld! Wie Sie verschwenden können! Ich habe ja nichts nötig, das

war ja alles ganz, ganz überflüssig! Ich weiß, glauben Sie mir, ich

weiß, daß Sie mich lieben, deshalb ist es ganz überflüssig von Ihnen,

mich noch durch Geschenke immer wieder dieser Liebe vergewissern zu

wollen. Wenn Sie wüßten, wie schwer es mir fällt, sie anzunehmen! Ich

weiß doch, was sie Sie kosten. Deshalb ein für allemal: Lassen Sie es

gut sein, schicken Sie mir nichts mehr! Hören Sie? Ich bitte Sie, ich

flehe Sie an!

Sie bitten mich, Ihnen die Fortsetzung meiner Aufzeichnungen zuzusenden,

Sie wollen, daß ich sie beende. Gott, ich weiß selbst nicht, wie ich das

fertig gebracht habe, soviel zu schreiben, wie dort geschrieben ist!

Nein, ich habe nicht die Kraft, jetzt von meiner Vergangenheit zu

sprechen. Ich will an sie nicht einmal zurückdenken. Ich fürchte mich

vor diesen Erinnerungen. Und gar von meiner armen Mutter zu sprechen,

deren einziges Kind nach ihrem Tode diesen Ungeheuern preisgegeben war:

das wäre mir ganz unmöglich! Mein Herz blutet, wenn meine Gedanken auch

nur von ferne diese Erinnerungen streifen. Die Wunden sind noch zu

frisch! Ich habe noch keine Ruhe, um zu denken, habe mich selbst noch

lange nicht beruhigen können, obschon bereits ein ganzes Jahr vergangen

ist. Doch Sie wissen das ja alles!

Ich habe Ihnen auch Anna Fedorownas jetzige Ansichten mitgeteilt. Sie

wirft mir Undankbarkeit vor und leugnet es, mit Herrn Bükoff im

Einverständnis gewesen zu sein! Sie fordert mich auf, zu ihr

zurückzukehren. Sie sagt, ich lebe von Almosen und sei auf einen

schlechten Weg geraten. Wenn ich zu ihr zurückkehren würde, so wolle sie

es übernehmen, die ganze Geschichte mit Herrn Bükoff beizulegen und ihn

zu veranlassen, seine Schuld mir gegenüber wieder gutzumachen. Sie hat

sogar gesagt, daß Herr Bükoff mir eine Aussteuer geben wolle. Gott mit

ihnen! Ich habe es auch hier gut, unter Ihrem Schutz und bei meiner

guten Fedora, die mich mit ihrer Anhänglichkeit an meine alte selige

Kinderfrau erinnert. Sie aber sind zwar nur ein entfernter Verwandter

von mir, trotzdem beschützen Sie mich und treten mit Ihrem Namen und Ruf

für mich ein. Ich kenne jene anderen nicht, ich werde sie vergessen! –

wenn ich es nur vermag?! Was wollen sie denn noch von mir? Fedora sagt,

das sei alles nur Klatsch und sie würden mich zu guter Letzt doch in

Ruhe lassen. Gott gebe es!

Sämtliche Werke 14 · 第 25 / 102 题