Sehr geehrter Makar Alexejewitsch!
Schreibe Ihnen in aller Eile, denn ich habe sehr wenig Zeit, – muß eine
Arbeit zu einem bestimmten Termin beenden.
Hören Sie, um was es sich handelt: es bietet sich ein guter
Gelegenheitskauf. Fedora sagt, ein Bekannter von ihr habe einen fast
neuen Uniformrock, sowie Beinkleider, Weste und Mütze zu verkaufen, und
alles, wie sie sagt, sehr billig. Wenn Sie sich das nun kaufen wollten!
Sie haben doch jetzt Geld und sind nicht mehr in Verlegenheit, – Sie
sagten mir ja selbst, daß Sie Geld haben. Also seien Sie vernünftig und
schaffen Sie sich die Sachen an. Sie haben sie doch so nötig. Sehen Sie
sich doch nur selbst an, in was für alten Kleidern Sie umhergehen. Eine
wahre Schande! Alles ist geflickt. Und neue Kleider haben Sie nicht, das
weiß ich, obschon Sie versichern, Sie hätten sie. Gott weiß, was Sie mit
Ihrem neuen Anzug angefangen haben. So hören Sie doch diesmal auf mich
und kaufen Sie die Kleider, bitte, tun Sie’s! Tun Sie es für mich, wenn
Sie mich lieb haben!
Sie haben mir Wäsche geschenkt. Hören Sie, Makar Alexejewitsch, das geht
wirklich nicht so weiter! Sie richten sich zugrunde, denn das ist doch
kein Spaß, was Sie schon für mich ausgegeben haben, – entsetzlich,
wieviel Geld! Wie Sie verschwenden können! Ich habe ja nichts nötig, das
war ja alles ganz, ganz überflüssig! Ich weiß, glauben Sie mir, ich
weiß, daß Sie mich lieben, deshalb ist es ganz überflüssig von Ihnen,
mich noch durch Geschenke immer wieder dieser Liebe vergewissern zu
wollen. Wenn Sie wüßten, wie schwer es mir fällt, sie anzunehmen! Ich
weiß doch, was sie Sie kosten. Deshalb ein für allemal: Lassen Sie es
gut sein, schicken Sie mir nichts mehr! Hören Sie? Ich bitte Sie, ich
flehe Sie an!
Sie bitten mich, Ihnen die Fortsetzung meiner Aufzeichnungen zuzusenden,
Sie wollen, daß ich sie beende. Gott, ich weiß selbst nicht, wie ich das
fertig gebracht habe, soviel zu schreiben, wie dort geschrieben ist!
Nein, ich habe nicht die Kraft, jetzt von meiner Vergangenheit zu
sprechen. Ich will an sie nicht einmal zurückdenken. Ich fürchte mich
vor diesen Erinnerungen. Und gar von meiner armen Mutter zu sprechen,
deren einziges Kind nach ihrem Tode diesen Ungeheuern preisgegeben war:
das wäre mir ganz unmöglich! Mein Herz blutet, wenn meine Gedanken auch
nur von ferne diese Erinnerungen streifen. Die Wunden sind noch zu
frisch! Ich habe noch keine Ruhe, um zu denken, habe mich selbst noch
lange nicht beruhigen können, obschon bereits ein ganzes Jahr vergangen
ist. Doch Sie wissen das ja alles!
Ich habe Ihnen auch Anna Fedorownas jetzige Ansichten mitgeteilt. Sie
wirft mir Undankbarkeit vor und leugnet es, mit Herrn Bükoff im
Einverständnis gewesen zu sein! Sie fordert mich auf, zu ihr
zurückzukehren. Sie sagt, ich lebe von Almosen und sei auf einen
schlechten Weg geraten. Wenn ich zu ihr zurückkehren würde, so wolle sie
es übernehmen, die ganze Geschichte mit Herrn Bükoff beizulegen und ihn
zu veranlassen, seine Schuld mir gegenüber wieder gutzumachen. Sie hat
sogar gesagt, daß Herr Bükoff mir eine Aussteuer geben wolle. Gott mit
ihnen! Ich habe es auch hier gut, unter Ihrem Schutz und bei meiner
guten Fedora, die mich mit ihrer Anhänglichkeit an meine alte selige
Kinderfrau erinnert. Sie aber sind zwar nur ein entfernter Verwandter
von mir, trotzdem beschützen Sie mich und treten mit Ihrem Namen und Ruf
für mich ein. Ich kenne jene anderen nicht, ich werde sie vergessen! –
wenn ich es nur vermag?! Was wollen sie denn noch von mir? Fedora sagt,
das sei alles nur Klatsch und sie würden mich zu guter Letzt doch in
Ruhe lassen. Gott gebe es!