25. April.

Sehr geehrter Makar Alexejewitsch!

Heute bin ich meiner Kusine Ssascha begegnet! Entsetzlich! Auch sie wird

zugrunde gehen, die Ärmste! Auch habe ich zufällig auf Umwegen erfahren,

daß Anna Fedorowna sich überall nach mir erkundigt und natürlich alles

ausforschen will. Sie wird wohl niemals aufhören, mich zu verfolgen. Sie

soll gesagt haben, daß sie mir alles _verzeihen_ wolle! Sie wolle alles

Vorgefallene vergessen und werde mich unbedingt besuchen. Von Ihnen hat

sie gesagt, Sie seien gar nicht mein Verwandter, nur sie selbst sei

meine nächste und einzige Verwandte, und Sie hätten kein Recht, sich in

unsere Angelegenheiten einzumischen. Es sei eine Schande für mich und

ich müsse mich schämen, mich von Ihnen ernähren zu lassen und auf Ihre

Kosten zu leben ... Sie sagt, ich hätte das Gnadenbrot, das sie uns

gegeben, vergessen – hätte vergessen, daß sie meine Mutter und mich vor

dem Hungertode bewahrt, daß sie uns ernährt und gepflegt und fast

zweieinhalb Jahre lang nur Unkosten durch uns gehabt, und daß sie uns

außerdem eine alte Schuld geschenkt habe. Nicht einmal Mama will sie in

ihrem Grabe in Ruhe lassen! Wenn meine Mutter wüßte, was sie mir angetan

haben! Gott sieht es! ...

Anna Fedorowna hat auch noch gesagt, daß ich nur aus Dummheit nicht

verstanden habe, mein Glück festzuhalten, daß sie selbst mir das Glück

zugeführt und sonst an nichts schuld sei, ich aber hätte es nur nicht

verstanden – oder vielleicht auch nicht gewollt – für meine Ehre

einzutreten. Aber wessen Schuld war es denn, großer Gott! Sie sagt, Herr

Bükoff sei durchaus im Recht, man könne doch wirklich nicht eine jede

heiraten, die ... doch wozu das alles schreiben!

Es ist zu grausam, solche Unwahrheiten hören zu müssen, Makar

Alexejewitsch!

Ich weiß nicht, was es heute mit mir ist. Ich zittere, ich weine, ich

schluchze. An diesem Brief schreibe ich schon seit zwei Stunden. Und ich

war schon in dem Glauben, sie werde doch wenigstens ihre Schuld

eingesehen haben, das Unrecht, das sie mir zugefügt hat, – und da redet

sie so!

Bitte, regen Sie sich meinetwegen nicht auf, mein Freund, um Gottes

willen nicht, mein einziger guter Freund! Fedora übertreibt ja doch

immer: ich bin gar nicht krank. Ich habe mich nur gestern auf dem

Wolkoff-Friedhof ein wenig erkältet, als ich die Seelenmesse für mein

totes Mütterchen hörte. Warum kamen Sie nicht mit mir? – ich hatte Sie

doch so darum gebeten. Ach, meine arme, arme Mutter, wenn du aus dem

Grabe stiegest, wenn du wüßtest, wenn du wüßtest, was sie mit mir getan

haben! ...

Sämtliche Werke 14 · 第 16 / 102 题