Sehr geehrter Makar Alexejewitsch!
Heute bin ich meiner Kusine Ssascha begegnet! Entsetzlich! Auch sie wird
zugrunde gehen, die Ärmste! Auch habe ich zufällig auf Umwegen erfahren,
daß Anna Fedorowna sich überall nach mir erkundigt und natürlich alles
ausforschen will. Sie wird wohl niemals aufhören, mich zu verfolgen. Sie
soll gesagt haben, daß sie mir alles _verzeihen_ wolle! Sie wolle alles
Vorgefallene vergessen und werde mich unbedingt besuchen. Von Ihnen hat
sie gesagt, Sie seien gar nicht mein Verwandter, nur sie selbst sei
meine nächste und einzige Verwandte, und Sie hätten kein Recht, sich in
unsere Angelegenheiten einzumischen. Es sei eine Schande für mich und
ich müsse mich schämen, mich von Ihnen ernähren zu lassen und auf Ihre
Kosten zu leben ... Sie sagt, ich hätte das Gnadenbrot, das sie uns
gegeben, vergessen – hätte vergessen, daß sie meine Mutter und mich vor
dem Hungertode bewahrt, daß sie uns ernährt und gepflegt und fast
zweieinhalb Jahre lang nur Unkosten durch uns gehabt, und daß sie uns
außerdem eine alte Schuld geschenkt habe. Nicht einmal Mama will sie in
ihrem Grabe in Ruhe lassen! Wenn meine Mutter wüßte, was sie mir angetan
haben! Gott sieht es! ...
Anna Fedorowna hat auch noch gesagt, daß ich nur aus Dummheit nicht
verstanden habe, mein Glück festzuhalten, daß sie selbst mir das Glück
zugeführt und sonst an nichts schuld sei, ich aber hätte es nur nicht
verstanden – oder vielleicht auch nicht gewollt – für meine Ehre
einzutreten. Aber wessen Schuld war es denn, großer Gott! Sie sagt, Herr
Bükoff sei durchaus im Recht, man könne doch wirklich nicht eine jede
heiraten, die ... doch wozu das alles schreiben!
Es ist zu grausam, solche Unwahrheiten hören zu müssen, Makar
Alexejewitsch!
Ich weiß nicht, was es heute mit mir ist. Ich zittere, ich weine, ich
schluchze. An diesem Brief schreibe ich schon seit zwei Stunden. Und ich
war schon in dem Glauben, sie werde doch wenigstens ihre Schuld
eingesehen haben, das Unrecht, das sie mir zugefügt hat, – und da redet
sie so!
Bitte, regen Sie sich meinetwegen nicht auf, mein Freund, um Gottes
willen nicht, mein einziger guter Freund! Fedora übertreibt ja doch
immer: ich bin gar nicht krank. Ich habe mich nur gestern auf dem
Wolkoff-Friedhof ein wenig erkältet, als ich die Seelenmesse für mein
totes Mütterchen hörte. Warum kamen Sie nicht mit mir? – ich hatte Sie
doch so darum gebeten. Ach, meine arme, arme Mutter, wenn du aus dem
Grabe stiegest, wenn du wüßtest, wenn du wüßtest, was sie mit mir getan
haben! ...